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Maria I. (England)
Die Nachwelt bezeichnete sie daher, je nach Standpunkt, mit den Beinamen „die Katholische“ oder „die Blutige“ (englisch Bloody Mary). Marias protestantische …
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Bedeutung und frühe Prägung
Maria I., auch Mary Tudor, Maria Tudor, Maria die Katholische oder Maria die Blutige genannt, wurde am 18. Februar 1516 im Palace of Placentia in Greenwich geboren und starb am 17. November 1558 im St James’s Palace in London. Sie war von 1553 bis 1558 Königin von England und Irland und der vierte Monarch des Hauses Tudor. Durch ihre Heirat mit Philipp II. von Spanien wurde sie ab 1556 auch Königin von Spanien. Sie war die Tochter Heinrichs VIII. und Katharinas von Aragon.
Maria war die erste Königin Englands aus eigenem Recht, also nicht nur Ehefrau eines Königs, sondern selbst regierende Monarchin mit den vollen Rechten eines Souveräns. Ihre Herrschaft ist besonders wichtig, weil sie versuchte, England nach den Reformen ihres Vaters und ihres Halbbruders Eduard VI. wieder zum Katholizismus zurückzuführen. Dabei kam es zu schweren religiösen Konflikten und zur Hinrichtung von fast 300 Protestanten.
Als Kind erhielt Maria eine gründliche humanistische Bildung. Sie lernte neben Englisch auch Latein, Französisch und Italienisch, wurde in Musik unterrichtet und las Werke von Autoren wie Cicero, Seneca, Platon, Erasmus von Rotterdam und Thomas Morus. Schon früh war sie auch ein politischer Faktor, weil Heinrich VIII. sie für Heiratsbündnisse einsetzen wollte, unter anderem mit Frankreich und mit Kaiser Karl V.
Thronfolgekonflikt in der Jugend
Marias Leben änderte sich grundlegend, als Heinrich VIII. seine Ehe mit Katharina von Aragon für ungültig erklären lassen wollte, um Anne Boleyn zu heiraten. Da Katharina zuvor mit Heinrichs Bruder Arthur Tudor verheiratet gewesen war, stellte Heinrich die Gültigkeit der Ehe infrage. Papst Clemens VII. verweigerte die Nichtigkeitserklärung. Heinrich löste sich daraufhin vom päpstlichen Primat, erklärte sich durch die Suprematsakte zum Oberhaupt der Church of England und heiratete 1533 Anne Boleyn.
Maria wurde von ihrer Mutter getrennt, verlor ihren Rang als Prinzessin und wurde zur illegitimen Tochter erklärt. Sie weigerte sich lange, die Ungültigkeit der Ehe ihrer Eltern, ihre eigene Illegitimität und Heinrich als Oberhaupt der Kirche anzuerkennen. Dadurch geriet sie in große Gefahr. Der First Act of Succession von 1534 erkannte nur Anne Boleyns Nachkommen als rechtmäßige Thronfolger an und bedrohte Versuche, Maria wieder in die Thronfolge zu bringen, mit der Todesstrafe.
Erst am 22. Juni 1536 unterzeichnete Maria unter starkem Druck die sogenannte Lady Mary’s Submission. Darin akzeptierte sie offiziell die Ungültigkeit der Ehe ihrer Eltern, ihren illegitimen Status und Heinrichs kirchliche Oberherrschaft. Damit rettete sie ihr Leben und das ihrer Unterstützer, empfand dies aber als schwere Gewissensniederlage. Später wurde sie wieder am Hof aufgenommen, aber nicht legitimiert. Im dritten Act of Succession von 1544 nahm Heinrich VIII. Maria und Elisabeth wieder in die Thronfolge auf, nach Eduard, ohne ihre Illegitimität aufzuheben.
Unter Eduard VI. und Weg zur Krone
Nach Heinrichs Tod am 28. Januar 1547 wurde Marias jüngerer Halbbruder Eduard VI. König. Während seiner Minderjährigkeit bestimmten zunächst Edward Seymour, 1. Duke of Somerset, und später John Dudley, 1. Duke of Northumberland, die Politik. Beide standen für einen protestantischen Kurs. Unter Eduard wurden katholische Formen wie die Messe im römischen Ritus abgeschafft. Maria blieb katholisch und machte ihren Haushalt zu einem Sammelpunkt katholischer Diener und Freunde.
Mehrfach kam es zu Konflikten, weil Maria weiterhin die Messe feiern wollte. Sie berief sich auf Zusagen, dass sie ihre Religion privat ausüben dürfe, während Eduard und der Kronrat verlangten, sie solle die neuen Religionsgesetze befolgen. Karl V. setzte sich diplomatisch für sie ein. Zeitweise plante Maria sogar die Flucht aus England, entschied sich aber dagegen, weil dies auch den Verlust ihres Thronanspruchs bedeutet hätte.
Als Eduard schwer krank wurde, wollte er verhindern, dass Maria seine protestantischen Reformen rückgängig machte. Er schloss sowohl Maria als auch Elisabeth von der Thronfolge aus und bestimmte Lady Jane Grey, eine protestantische Verwandte, zur Erbin. Nach Eduards Tod im Juli 1553 sammelte Maria in Ostanglien Unterstützer. Sie schrieb am 9. Juli an Janes Kronrat und erklärte sich zur Königin. Die Bevölkerung und viele Adlige sahen in ihr trotz religiöser Bedenken die rechtmäßige Erbin. John Dudley konnte sie nicht aufhalten. Am 19. Juli wurde Maria in London zur Königin ausgerufen, am 1. Oktober 1553 in Westminster Abbey gekrönt.
Regierung, Ehe und Religion
Maria wollte eine katholische Dynastie sichern und suchte deshalb einen katholischen Ehemann. Viele englische Adlige bevorzugten Edward Courtenay, weil er Engländer war. Maria entschied sich jedoch für Philipp, den Sohn Karls V. und späteren Philipp II. von Spanien. Die Heirat fand am 25. Juli 1554 in der Kathedrale von Winchester statt. Der Ehevertrag gab Philipp zwar den Titel eines Königs von England, begrenzte seine Macht aber stark: Er durfte Maria bei der Verwaltung helfen, aber keine englischen Gesetze ändern. Außerdem sollte England nicht automatisch in habsburgische Kriege hineingezogen werden.
Die Ehe war in England sehr unpopulär, weil viele spanischen Einfluss fürchteten. Anfang 1554 kam es zur Wyatt-Verschwörung gegen die Königin. Nach ihrer Niederschlagung wurden unter anderem Jane Grey, ihr Ehemann Guildford Dudley und Janes Vater Henry Grey hingerichtet. Marias Schwester Elisabeth wurde verdächtigt, den Aufstand unterstützt zu haben, kam in den Tower und später unter Hausarrest.
Marias wichtigste innenpolitische Aufgabe war die Rückkehr Englands zum Katholizismus. Zunächst erklärte sie, ihre Untertanen nicht ohne Parlamentsbeschluss zwingen zu wollen. Sie hob Eduards Religionsgesetze auf und ließ die Ehe ihrer Eltern für gültig erklären. Am 30. November 1554 nahm Kardinal Reginald Pole England offiziell wieder in die römische Kirche auf. Schwieriger war die praktische Umsetzung: Es fehlten gut ausgebildete katholische Geistliche, viele Gemeinden konnten die nötige Ausstattung nicht bezahlen, und das Parlament wollte ehemals kirchliche Ländereien nicht zurückgeben.
1555 wurden die Ketzergesetze aus dem 14. Jahrhundert wieder eingeführt. Danach wurden fast 300 Protestanten verbrannt, darunter John Rogers, John Hooper, Hugh Latimer, Nicholas Ridley und 1556 Thomas Cranmer. Cranmer war für Maria besonders belastet, weil er die Ehe ihrer Eltern für ungültig erklärt hatte. Die Verbrennungen sollten abschrecken, bewirkten aber oft das Gegenteil: Viele Menschen empfanden zunehmend Sympathie für die protestantischen Märtyrer. In der protestantischen Propaganda entstand daraus der Beiname Bloody Mary.
Wirtschaft und Außenpolitik
Maria übernahm einen Staat mit hohen Schulden und schlecht geordneten Finanzen. Das mittelalterlich geprägte Wirtschaftssystem passte nicht mehr zum modernen Königsstaat. Ihre Regierung untersuchte den königlichen Haushalt, versuchte Ausgaben zu senken und diskutierte eine Währungsreform gegen Inflation und Geldentwertung. Wegen der Kriege in ihren letzten Regierungsjahren kam es nicht mehr zur Reform, doch Elisabeth I. nutzte später Erfahrungen aus Marias Finanzverwaltung.
Erfolge erzielte Maria bei Zoll- und Monopolsteuern. Das Book of Rates regelte die Gebühren und blieb bis 1604 gültig. Die Einnahme von Zöllen wurde stärker zentralisiert, damit mehr Geld direkt an die Krone floss. Maria förderte englische Waren gegenüber Importen und geriet dabei mit der Hanse in Konflikt. Außerdem unterstützte sie die Suche nach neuen Handelswegen. Aus einer Expedition zur Nordostpassage entstand die Verbindung nach Russland; 1555 wurde die Muscovy Company gegründet, die ein Monopol auf den Handel zwischen England und Russland erhielt.
Auch in der Verwaltung und Sozialpolitik gab es Reformen. Maria vergab viele Freibriefe und Gründungsurkunden, förderte die Eingemeindung von Städten und Bezirken und stärkte damit Verwaltung, Industrie und örtliche Gerichtsbarkeit. In London ließ sie fünf Wohltätigkeitsorganisationen zusammenlegen, um die Armenfürsorge besser zu organisieren. Missernten, Hunger und Epidemien belasteten die Bevölkerung jedoch stark.
Außenpolitisch suchte Maria ein Bündnis mit Spanien gegen Frankreich. Dies hing auch mit Maria Stuart zusammen, die mit dem französischen Thronfolger verlobt war und ebenfalls Anspruch auf den englischen Thron hatte. Maria versuchte zunächst, zwischen Spanien und Frankreich zu vermitteln, scheiterte aber. 1557 unterstützte England Philipp im Krieg gegen Frankreich. Nach anfänglichen Erfolgen verlor England im Januar 1558 Calais, seine letzte Bastion auf dem Festland. Der Verlust war ein schwerer Schlag für das nationale Selbstbewusstsein.
Tod und Nachwirkung
In ihren letzten Jahren litt Maria körperlich und seelisch stark. Sie hatte schon länger gesundheitliche Probleme, darunter starke Menstruationsbeschwerden, und wurde später häufig zur Ader gelassen. Zwei Scheinschwangerschaften enttäuschten ihre Hoffnung auf einen katholischen Erben. Im Mai 1558 setzte sie in ihrem Testament zunächst ein erwartetes Kind als Nachfolger ein und Philipp als Regenten. Als klar wurde, dass sie nicht schwanger war, musste die Nachfolge neu geregelt werden.
Maria zögerte lange, Elisabeth als Erbin anzuerkennen, weil sie eine protestantische Nachfolgerin fürchtete. Unter dem Druck des Parlaments und der Spanier gab sie am 6. November 1558 nach und benannte Elisabeth als ihre Thronfolgerin. Maria starb am 17. November 1558 im Alter von zweiundvierzig Jahren. Noch am selben Tag wurde Elisabeth I. zur Königin ausgerufen. Maria wurde in Westminster Abbey beigesetzt; später wurde Elisabeth in dasselbe Grab umgebettet. Die lateinische Inschrift bezeichnet beide als Schwestern, die „in der Hoffnung auf Auferstehung“ ruhen.
Marias Nachruhm war lange vor allem durch die Protestantenverfolgung geprägt. Die antikatholische Haltung nach ihrer Herrschaft, die unpopuläre Ehe mit Philipp und protestantische Propaganda, besonders durch John Foxe, machten aus ihr das Bild einer blutrünstigen Herrscherin. Die moderne Forschung urteilt differenzierter. Sie betont, dass Maria zu Beginn ihrer Regierung vorsichtig und parlamentarisch vorging, wirtschaftliche, soziale und administrative Reformen anstieß und als erste Königin aus eigenem Recht wichtige Grundlagen für weibliche Monarchen in England legte. Zugleich gelten die religiösen Verfolgungen, die Fehlentscheidungen in der Außenpolitik und der Verlust von Calais als zentrale Belastungen ihrer Herrschaft.