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Romani Rose
Romani Oskar Rose (* 20. August 1946 in Heidelberg) ist ein deutscher Verbandsfunktionär und seit 1982 Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma …
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Person und zentrale Aufgabe
Romani Oskar Rose (* 20. August 1946 in Heidelberg) ist ein deutscher Verbandsfunktionär. Seit 1982 ist er Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Seine Arbeit richtet sich auf die Gleichberechtigung der deutschen nationalen Minderheit der Sinti und Roma, den Schutz von Roma vor Rassismus und Diskriminierung sowie die Aufklärung über den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Sinti und Roma.
Rose versteht Sinti und Roma als integrierte, sesshaft lebende und romanessprachige nationale Minderheit. Er setzt sich dafür ein, ihre Kultur und gesellschaftliche Lage bekannter zu machen und abwertende ebenso wie romantisierende Vorstellungen der Mehrheitsgesellschaft zu korrigieren. Als Beispiel für ein rassistisches Klischee nennt er die Vorstellung vom „fahrenden Volk“.
Familie und frühe Erfahrungen
Rose stammt aus einer Sinti-Familie. 13 Mitglieder der Familie Rose, darunter seine Großeltern, wurden im sogenannten „Zigeunerlager Auschwitz“ oder im KZ Ravensbrück ermordet. Weitere Angehörige überlebten als KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter oder Opfer medizinischer Experimente im KZ Natzweiler; andere konnten in der Illegalität untertauchen.
Sein Vater Oskar Rose und sein Onkel Vinzenz Rose überlebten den Völkermord. Beide engagierten sich seit 1946 für die Strafverfolgung der Täter. Vater und Großvater hatten zuvor ein Wanderkino in Schlesien betrieben. Romani Rose arbeitete bis 1982 als selbständiger Kaufmann. Er ist verheiratet und hat sechs Kinder.
Bürgerrechtsarbeit und Zentralrat
Seit den 1970er Jahren widmete sich Rose intensiv der Bürgerrechtsarbeit. Ausgangspunkt war seine Feststellung, dass Antiziganismus – Rassismus gegenüber Sinti und Roma – nach dem Zweiten Weltkrieg weiterbestand und die deutsche Politik sich mit ihrer Geschichte schwergetan habe. Verfolgte Minderheiten müssten sich daher, so Rose, „das Bewusstsein für das Recht erkämpfen“.
1980 beteiligte sich eine Gruppe Sinti mit Rose als Sprecher am Dachauer Hungerstreik auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau. Anlass war, dass das bayerische Innenministerium die Einsicht in Unterlagen der 1970 aufgelösten „Landfahrerzentrale“ verweigert hatte. 1979 wurde Rose Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti. Seit Februar 1982 ist er Vorsitzender und Geschäftsführer des von ihm mitbegründeten Zentralrats Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg.
Der Zentralrat orientierte sich am Zentralrat der Juden in Deutschland und ist eine Dachorganisation mit heute 16 Mitgliedsvereinen, also Landesverbänden und regionalen Vereinen. Er vertritt die Interessen der in Deutschland lebenden nationalen Minderheit auf nationaler und internationaler Ebene. Der Artikel bezeichnet damit Sinti und „autochthone“ osteuropäische Roma-Immigranten des 19. Jahrhunderts; inzwischen setzt sich der Verband auch für heutige osteuropäische Roma-Migranten ein. 1991 übernahm Rose zusätzlich die Geschäftsführung des vom Zentralrat getragenen Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg.
Am 17. März 1982 empfing Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Delegation des Zentralrats, zu der Rose gehörte. Dabei wurden die NS-Verbrechen an Sinti und Roma als Völkermord aus „rassischen“ Gründen anerkannt. Im Februar 2023 war Rose Erstunterzeichner der von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer initiierten Petition „Manifest für Frieden“.
Rassismus, Erinnerung und Migration
Ein wichtiges Ziel von Roses Arbeit ist die öffentliche Erinnerung an den Völkermord. Dazu gehört das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin, das im Oktober 2012 im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck eingeweiht wurde. Rose machte zudem Rassismus und Diskriminierung durch Behörden und Politiker nach 1945 öffentlich sichtbar.
Er befasst sich auch mit der Migration von Roma aus Osteuropa nach dem Ende des Ostblocks. Nach seiner Darstellung führen dort Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit, Rassismus, tägliche Gewalt und untätige Behörden dazu, dass Roma ihre Heimat verlassen oder anonym leben müssen. In Deutschland würden Zugewanderte häufig unter Stichworten wie „Prostitution, Bettelei und Schwarzarbeit“ sofort mit Kriminalität verbunden. Biologistisch-genetische Erklärungen hält Rose für rassistisch. Als Gegenbeispiel verweist er auf etwa hunderttausend jugoslawische Roma, die in den 1970er Jahren als Gastarbeiter nach Westdeutschland kamen: Deren Kinder seien deutsche Staatsbürger, hätten Berufe und seien „völlig integriert“.
Auszeichnungen und weiteres Engagement
Rose erhielt 2008 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse und 2017 das Große Bundesverdienstkreuz. Weitere Auszeichnungen waren 2012 der Muhammad-Nafi-Tschelebi-Preis, 2014 der „Schleswig-Holsteinischer Meilenstein“ sowie 2017 der Ehrenpreis der Stiftung „Münchner Bürgerpreis für Demokratie - gegen Vergessen“.
2012 erhielt er von Viktor Orbán den Ungarischen Verdienstorden Mittelkreuz. Im Juni 2021 kündigte Rose an, ihn aus Protest gegen die ungarische Anti-LGBT-Gesetzgebung zurückgeben zu wollen. Seit 2010 engagiert er sich zusammen mit Maria Böhmer und Barbara John als Schirmherr bei Show Racism the Red Card Deutschland e. V.