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KZ-Gedenkstätte Dachau
Die KZ-Gedenkstätte Dachau liegt nordnordwestlich von München am Ostrand von Dachau. Sie wurde am 5. Mai 1965 als Mahnstätte und Erinnerungsort auf dem …
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Aufgabe und Anlage
Die KZ-Gedenkstätte Dachau ist eine Mahn- und Erinnerungsstätte auf dem ehemaligen Häftlingsgelände des Konzentrationslagers Dachau. Sie liegt nordnordwestlich von München am Ostrand der Stadt Dachau und wurde am 5. Mai 1965 eröffnet. Ihr Zweck ist, an die Opfer des Nationalsozialismus und die Geschichte des Lagers zu erinnern. Seit 2003 trägt sie die Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Jährlich besuchen sie etwa 1.000.000 Menschen aus aller Welt.
Erhalten geblieben ist unter anderem das ehemalige Wirtschaftsgebäude, in dem sich Archiv und ein Teil der Ausstellung befinden. Seit Ende April 2005 führt der Besuchereingang durch das originale Jourhaus und dessen eisernes Tor mit der Inschrift „Arbeit macht frei“. Die Ausstellung folgt seit 1996 bis 2003 neu entwickelt dem Leitmotiv „Der Weg der Häftlinge“; 2003 wurde sie neu gestaltet. Zu sehen ist auch ein Barackennachbau, dessen Innenausbau die Lagerzeit darstellt. Die originalen, baufälligen Baracken waren abgerissen worden; ihre Umrisse von 32 Baracken wurden in Beton markiert.
Zum Gelände gehören außerdem Wachtürme, Lagermauer, Kontrollstraße und der ehemalige Appellplatz. Dort steht seit dem 8. September 1968 das Internationale Mahnmal des Künstlers Nandor Glid. Sakrale Erinnerungsorte sind die katholische Todesangst-Christi-Kapelle (1960), das Kloster Karmel Heilig Blut (1964), die evangelische Versöhnungskirche (1967), die jüdische Gedenkstätte nach einem Entwurf von Hermann Zvi Guttmann (1967) und die russisch-orthodoxe Kapelle „Auferstehung unseres Herrn“ (1995).
Entstehung und Weiterentwicklung
Unmittelbar nach der Befreiung erinnerten ehemalige Häftlinge an das Lager: Am 1. Mai 1945 feierten sie auf dem Appellplatz den „Tag der Befreiung, der Freundschaft und Verbrüderung“. Ihre Losungen lauteten „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ Im ehemaligen Krematorium richteten Überlebende 1945 einen kleinen Gedenkort ein. Das Gelände wurde damals jedoch als Flüchtlingslager genutzt; in den früheren Häftlingsbaracken lebten Vertriebene. 1955 beantragte der Dachauer CSU-Landrat den Abriss des Krematoriums.
Beim internationalen Treffen ehemaliger Gefangener im Mai 1955 forderte das Comité International de Dachau stattdessen eine würdige Mahn- und Gedenkstätte. 1960 entstand im Krematorium ein provisorisches Museum. 1965, zum 20. Jahrestag der Befreiung, kamen über 600 ehemalige Häftlinge aus 14 europäischen Ländern nach Dachau; in diesem Jahr wurde die Gedenkstätte in ihrer heutigen Form errichtet. Der Bayerische Jugendring, der DGB, Hans-Jochen Vogel sowie weitere Unterstützer setzten sich dafür ein.
Seit 2005 wird der Ort verstärkt als internationaler Lern- und Gedächtnisort, besonders für Jugendliche, verstanden. Die Arbeit verändert sich durch den Generationswechsel und das absehbare Sterben der Zeitzeugen. Ein neues Besucherzentrum wurde am 30. April 2009 eröffnet. 2010 besuchte Horst Köhler als erster amtierender Bundespräsident die Gedenkstätte. Die 2014 gestohlene Tor-Tür mit „Arbeit macht frei“ wurde im Dezember 2016 in Bergen gefunden, kehrte am 22. Februar 2017 zurück und soll in der Dauerausstellung gezeigt werden. Ruth Jakusch leitete die Gedenkstätte bis 1975, Barbara Distel bis 2008; ihr folgte Gabriele Hammermann.
Trägerschaft, Finanzierung und Bildungsarbeit
Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten verantwortet die KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg, die Erinnerung an ihre Außenlager sowie seit 2013 die 75 verbliebenen KZ-Friedhöfe in Bayern. Im Stiftungsrat sitzen Vertreter des Freistaates Bayern, des Bundes, örtlicher Kommunen, der evangelischen und katholischen Kirche, israelitischer Kultusgemeinden und Verbände ehemaliger Häftlinge, besonders des Internationalen Dachau-Komitees (CID). Ein beratendes Kuratorium beteiligt weitere Gruppen, etwa den Bayerischen Jugendring, den Verband der Sinti und Roma in Bayern und den bayerischen DGB.
Bis 2010 finanzierte allein der Freistaat Bayern die Stiftung; 2010 betrug dieser Betrag 2,4 Millionen Euro. Seit 2010 beteiligt sich der Bund jährlich mit 1,2 Millionen Euro. Weitere Mittel stammen unter anderem aus Parkgebühren, Spenden sowie Aktivitäten von Religionsgemeinschaften, privaten Trägern und Fördervereinen. Der Forderung, Eintrittsgelder für das Gelände zu erheben, wurde breit widersprochen.
Für Führungen werden Honorarkräfte in Ausbildungskursen zu Referentinnen und Referenten qualifiziert. Regelmäßige Treffen dienen dem Erfahrungsaustausch; außerdem finden Gespräche mit Zeitzeugen statt. Die Gedenkstätte arbeitet mit der Stadt Dachau beim seit 2005 vergebenen Dachau-Preis für Zivilcourage zusammen.
Weitere Erinnerungsorte und kritische Sichtweisen
Vor der Befreiung wurden viele Häftlinge in Richtung Alpen getrieben; viele starben auf diesen Todesmärschen. Entlang der Route stehen 22 Skulpturen von Hubertus von Pilgrim. Von den 169 Außenlagern des KZ Dachau besitzen nur wenige Gedenkorte oder Gedenktafeln. Zu Erinnerungsorten im Umfeld gehören unter anderem der SS-Schießplatz Hebertshausen, der KZ-Friedhof Dachau-Leitenberg, die Gräberanlage auf dem Waldfriedhof Dachau, der „Kräutergarten“, die frühere SS-Siedlung, Eisenbahnorte und ein Todesmarsch-Denkmal.
Der im März 2007 eingeweihte „Weg des Erinnerns“ führt vom Dachauer Bahnhof zum Besucherzentrum. Der rund drei Kilometer lange Fußweg dauert etwa 45 Minuten und ist mit zwölf Informationstafeln versehen. Er folgt dem Weg, auf dem die meisten Häftlinge in das Lager gebracht wurden, verweist auf den noch sichtbaren Bahndamm, auf von Häftlingen ausgeführte Straßenarbeiten und führt an der ehemaligen SS-Kaserne entlang.
Die Gedächtniskultur in Dachau wird auch kritisiert. K. Erik Franzen beanstandete eine stark religiöse Ausrichtung der Geländetopographie durch sakrale Gedenkorte und die Leitidee christlicher Versöhnung; der „authentische“ Ort habe sich dadurch nahezu aufgelöst. Ruth Klüger bestritt am Beispiel Dachaus die Eignung von Erinnerungsstätten als Lernorte und Museen: Die Sauberkeit und Ordnung könne eher an ein Ferienlager als an gefoltertes Leben erinnern. Sie kritisierte zudem „Pathos und Kitsch“; Aleida Assmann fasste Klügers Sicht als Kritik an „musealisierten Erinnerungsorten“ zusammen.