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Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas
Sie soll an den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma erinnern, die unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt wurden. Schätzungen zufolge …
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Kern und Bedeutung
Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas ist eine zentrale Gedenkstätte in Berlin. Es erinnert an den nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma, die damals unter dem Sammelbegriff „Zigeuner“ verfolgt wurden. Schätzungen zufolge wurden bis zu 500.000 Männer, Frauen und Kinder Opfer dieser Verbrechen.
Der Entwurf stammt von dem israelischen Künstler Dani Karavan. Das Denkmal soll ein Ort der Erinnerung und der inneren Anteilnahme sein. Es macht sichtbar, dass die nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma Teil der rassistischen Vernichtungspolitik war. Die Gedenkstätte wird, wie andere zentrale Berliner Gedenkorte für Opfer des Nationalsozialismus, von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas betreut.
Lage in Berlin
Die Gedenkstätte liegt am Simsonweg im Großen Tiergarten in Berlin, südlich des Reichstags. Der Ort befindet sich im Berliner Ortsteil Tiergarten, nahe dem Brandenburger Tor und direkt gegenüber dem Reichstagsgebäude. Das Grundstück wurde vom Land Berlin zur Verfügung gestellt; der konkrete Standort wurde 2001 festgelegt.
In der Umgebung liegen weitere zentrale Gedenkorte für Opfer nationalsozialistischer Verbrechen: das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen und der Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde. Dadurch steht das Denkmal in einem größeren Zusammenhang öffentlicher Erinnerungskultur in der deutschen Hauptstadt.
Gestaltung und Symbole
Das Denkmal ist durch eine Wand aus milchglasfarbenen Glasplatten vom Gelände abgegrenzt. Durch ein schmales Tor gelangt man in die Gedenkstätte. Auf den Glasplatten befindet sich eine „Chronologie des Völkermordes an den Sinti und Roma“. Außen ist sie auf Englisch, innen auf Deutsch zu lesen. Sie dokumentiert die Verfolgung von 1933 bis 1945, etwa die verschärfte Diskriminierung ab 1933, die Rolle Heinrich Himmlers bei der Planung der Ermordung 1938 und die Opferzahl von bis zu 500.000 ermordeten Männern, Frauen und Kindern bis 1945.
Im Zentrum steht ein kreisrundes Wasserbecken mit schwarzem, „endlos tiefem“ Grund. Karavan verstand die Kreisform als Ausdruck der Gleichheit. Das Wasser symbolisiert Tränen. In der Mitte des Beckens steht eine dreieckige steinerne Stele. Ihre Form erinnert von oben gesehen an den Winkel auf der Kleidung der KZ-Häftlinge. Auf der Stele liegt eine Blume, die regelmäßig ersetzt wird, wenn sie verwelkt ist. Sie ist zugleich Symbol des Lebens, der Trauer und der Erinnerung.
Karavan erklärte außerdem, Blumen seien der Ausgangspunkt seines Werkes gewesen. Die zentrale Blume solle an Feldblumen erinnern, die auf den Gräbern der Sinti und Roma wuchsen. Viele dieser Gräber waren zugleich Tatorte, weil Menschen auf offenem Feld erschossen und in Massengräbern verscharrt wurden. Das Wasser sollte die zentrale Pflanze schützen. Karavan bemerkte später auch, dass sich die Fassade des Reichstags im Wasserbecken spiegelt; dies sei nicht beabsichtigt gewesen und habe ihn erschreckt.
Am Rand des Brunnens steht auf Englisch, Deutsch und Romanes das Gedicht „Auschwitz“ des italienischen Rom Santino Spinelli, Künstlername „Alexian“: „Eingefallenes Gesicht / erloschene Augen / kalte Lippen / Stille / ein zerrissenes Herz / ohne Atem / ohne Worte / keine Tränen“. Über Lautsprecher wird die von Romeo Franz für das Mahnmal komponierte Melodie „Mare Manuschenge“ eingespielt. Um das Wasserbecken liegt ein etwa drei Meter breites Band aus unregelmäßig geformten weißen Steinplatten. Darin sind Namen von Konzentrationslagern eingemeißelt, zum Beispiel Neuengamme oder Auschwitz.
Beschluss und Streitfragen
1992 stimmte die Bundesregierung dem Vorschlag des Bundesinnenministeriums zu, ein „Denkmal für die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Sinti und Roma“ zu errichten. Damit erfüllte sie eine langjährige Forderung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Die Umsetzung war jedoch über viele Jahre konfliktreich. Noch 2000 gab es aus der CDU Berlin Kritik, aus dem Berliner Stadtzentrum solle keine „Gedächtnismeile“ werden. 2004 meldete sich der Tsiganologe Hermann Arnold zu Wort, der nach 1945 weiterhin rassenhygienische Paradigmen der NS-„Zigeunerforschung“ publiziert hatte; er bestritt, dass „Zigeuner“ Opfer des NS-Rassismus gewesen seien.
Ein zentraler Streitpunkt war der Text für eine zunächst geplante Widmung. Beteiligt waren unter anderem der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, die Sinti Allianz Deutschland und die Bundesregierung. Umstritten war besonders die Bezeichnung der Opfergruppe. Die Bundesregierung wollte den Begriff „Zigeuner“ verwenden, was der Zentralrat als unwürdig und unzumutbar ablehnte. Die Sinti Allianz unterstützte ab 2005 die Position der Regierung. Ein weiterer Streitpunkt war, wie der Genozid an der Roma-Minderheit im Verhältnis zum Genozid an der jüdischen Minderheit dargestellt werden sollte.
Zusätzliche Konflikte entstanden durch den 2006 gegründeten Jenischen Bund in Deutschland und Europa e. V., der die Anerkennung eines „Holocaust am jenischen Volk“ forderte. Da kein Kompromiss möglich war, wurde statt einer Widmung eine „Chronologie des Völkermordes an den Sinti und Roma“ erarbeitet. Beteiligt waren das Institut für Zeitgeschichte in München und das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln; der Bundesrat beschloss den Text am 20. Dezember 2007 einstimmig.
Die Chronologie spricht von einer europäischen Minderheit, die „als ‚Zigeuner‘“ verfolgt wurde, und nennt beispielhaft Sinti, Lalleri, Lovara und Manusch sowie „Roma“. Sie stellt fest, Ziel des nationalsozialistischen Staates und seiner Rassenideologie sei „die Vernichtung dieser Minderheit“ gewesen. Zitate von Bundeskanzler Helmut Schmidt aus dem Jahr 1982 und Bundespräsident Roman Herzog aus dem Jahr 1997 bezeichnen das Verbrechen als „Völkermord“ an „Sinti und Roma“. Herzog formulierte, dieser sei „aus dem gleichen Motiv des Rassenwahns, mit dem gleichen Vorsatz und dem gleichen Willen zur planmäßigen und endgültigen Vernichtung durchgeführt worden (ist) wie der an den Juden.“
Bau, Einweihung und spätere Gefährdung
Die Bauarbeiten waren ursprünglich schon für 2004 vorgesehen, verzögerten sich aber wegen der Meinungsverschiedenheiten. Sie begannen symbolisch am 19. Dezember 2008, dem offiziellen Gedenktag des Bundesrates für die Opfer des Völkermordes an den Roma. Eigentlich sollten sie 2009 abgeschlossen sein, dauerten jedoch bis 2012. Gründe waren vor allem Konflikte zwischen dem beauftragten Künstler und den mit der Umsetzung Betrauten. Bauausführung und Bauleitung lagen beim Land Berlin.
Das Denkmal wurde am 24. Oktober 2012 im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck eingeweiht. Es wurde mit Bundesmitteln errichtet, weil es als Gedenkstätte von nationaler und internationaler Bedeutung gilt. Die Errichtung kostete rund 2,8 Millionen Euro.
2020 drohte dem Denkmal zeitweise eine Sperrung oder teilweise Entfernung wegen des S21-Projekts der Deutschen Bahn. Geplant ist eine neue S-Bahn-Strecke, die in einem Tunnel direkt unter dem Denkmal hindurchführen soll. Ursprünglich wollte die Bahn das Denkmal dafür vollständig abbauen lassen. Nach Gesprächen mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sahen aktuelle Pläne eine temporäre Entfernung oder teilweise Sperrung vor, was beim Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Empörung und Widerstand auslöste. Ende des Jahres gab es eine Einigung: Die Oberfläche des Denkmalsgeländes soll vollständig geschützt werden; offene Baugruben soll es nur vor und hinter dem Denkmalsgelände geben.