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Rolf Hoppe

Zu Hoppes wichtigen Theaterrollen gehörten Galy Gay in Brechts Mann ist Mann (Spielzeit 1958/59), der Flieger Sun in Der gute Mensch von Sezuan (Spielzeit …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lebensweg
  2. 2. Arbeit am Theater
  3. 3. Film und Fernsehen
  4. 4. Hörspiele und eigene Bühnen
  5. 5. Ehrungen und Erinnerung

Bedeutung und Lebensweg

Rolf Hoppe (* 6. Dezember 1930 in Ellrich, Landkreis Grafschaft Hohenstein; † 14. November 2018 in Dresden) war ein deutscher Schauspieler. In seiner langen Karriere wirkte er in mehr als 400 Film- und Fernsehproduktionen mit. Besonders bekannt wurde er als Bösewicht in DEFA-Indianerfilmen, als König im Märchenfilm Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (1973) und international als nationalsozialistischer „Ministerpräsident“ in Mephisto (1981).

Hoppe war der einzige Sohn des Bäckermeisters Hermann Hoppe. Nach der Volksschule absolvierte er eine Bäckerlehre, arbeitete von 1945 bis 1948 auch als Kutscher und vertrat am Ende des Zweiten Weltkriegs seinen Vater in der Backstube. 1945 wurde er von der US-Armee zu Aufräumarbeiten im KZ Mittelbau-Dora beordert.

Seine künstlerische Laufbahn begann 1946/47 am Laientheater Ellrich, wo er als Schauspieler und Regisseur tätig war. Seine erste Bühnenrolle war die Titelrolle in Professor Mamlock. Von 1949 bis 1951 studierte er Schauspiel am Staatlichen Landeskonservatorium in Erfurt. Eine Stimmbandentzündung zwang ihn vorübergehend zur Aufgabe des Schauspielens; in dieser Zeit arbeitete er als Tierpfleger beim Zirkus Aeros. Nach einer Stimmschulung bei Richard Wittsack in Halle kehrte er auf die Bühne zurück.

Hoppe war verheiratet und lebte zuletzt in Dresden-Weißig. Seine Töchter Christine und Josephine Hoppe sowie sein Enkel Oscar wurden ebenfalls Schauspieler. Er starb im November 2018 im Alter von 87 Jahren und wurde auf dem Dresdner Waldfriedhof Weißer Hirsch beigesetzt.

Arbeit am Theater

Nach ersten Engagements in Erfurt und Halle arbeitete Hoppe unter anderem am Theater Greifswald, am Theater der Jungen Welt in Leipzig und am Theater Gera. Für Greifswald nennen die Quellen unterschiedliche Zeitangaben: 1953/54 oder bereits 1952/53. Von 1962 bis 1972 gehörte er zum Staatstheater Dresden, unterbrochen durch eine Tätigkeit am Deutschen Theater in Berlin. Von 1976 bis 1985 spielte er erneut am Staatsschauspiel Dresden. Außerdem gastierte er in der Schweiz, in Italien und China.

Sein Repertoire umfasste klassische und moderne Dramen. Zu seinen wichtigen Rollen gehörten Galy Gay in Bertolt Brechts Mann ist Mann, der Flieger Sun in Der gute Mensch von Sezuan, die Titelrolle in König Lear, Dorfrichter Adam in Der zerbrochne Krug, der Klosterbruder in Nathan der Weise, Torvald Helmer in Nora, Luka in Nachtasyl und die Titelrolle in Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. In der DDR-Erstaufführung von Friedrich Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame spielte er 1963 Alfred Ill; 1978/79 verkörperte er Möbius in Die Physiker.

Von 1983 bis 1989 trat Hoppe bei den Salzburger Festspielen als Mammon in Jedermann auf. Die Inszenierung führte Ernst Haeusserman, Klaus Maria Brandauer spielte die Titelrolle.

Film und Fernsehen

Sein Filmdebüt gab Hoppe 1963 als Portier in Jetzt und in der Stunde meines Todes. Danach übernahm er zahlreiche Rollen in Produktionen der DDR. Dazu gehörten der Lehrer Eiffler in Karla (1965), der Etappenmajor Behring in Ich war neunzehn (1968) und ein Polizeidirektor in Hauptmann Florian von der Mühle (1968).

Beim breiten Publikum prägten vor allem zwei Rollentypen sein Bild. In den DEFA-Indianerfilmen Spur des Falken (1968) und Weiße Wölfe (1969) spielte er den Schurken James Bashan; in Apachen (1973) und der Fortsetzung Ulzana verkörperte er Captain Burton. Eine ganz andere, bis heute bekannte Rolle war der König in Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (1973). In Hans Röckle und der Teufel spielte er anschließend den titelgebenden Puppenspieler und Erfinder.

Internationale Bekanntheit erlangte Hoppe 1981 in István Szabós Mephisto. Er stellte Hermann Göring, den NS-Ministerpräsidenten von Preußen, dar. Der nach Klaus Manns Roman entstandene Film erhielt 1982 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Weitere bedeutende Rollen waren Friedrich Wieck in Frühlingssinfonie (1983), Wilhelm Heinse in Hälfte des Lebens (1985), August III. in Sachsens Glanz und Preußens Gloria (1985/1987) und ein Schwerverbrecher in Der Bruch (1989).

Auch nach der deutschen Wiedervereinigung blieb Hoppe stark beschäftigt. Er spielte unter anderem den Fabrikanten und Altnazi Karl Lentz in Schtonk! (1992), den Präfekten Angiolieri in Mario und der Zauberer, Julius Streicher in Comedian Harmonists (1997), Felix Malroux in Palmetto – Dumme sterben nicht aus (1998), einen Rabbiner in Alles auf Zucker! (2004) und den Stasi-Oberst Seler in Wir wollten aufs Meer (2012). In Die Pfeiler der Macht, 2016 im ZDF ausgestrahlt, war er als Familienoberhaupt Seth Pilaster zu sehen.

Zwischen 1994 und 2003 wirkte Hoppe in sechs Tatort-Filmen mit. Hinzu kamen Rollen in Serien und Reihen wie Polizeiruf 110, Kommissar Rex, Das Traumschiff, Der Bulle von Tölz, SOKO Kitzbühel, Küstenwache und Commissario Laurenti. Seine letzte Rolle spielte er im Spätsommer 2016 als Hermann Stein für den Spreewaldkrimi Zwischen Tod und Leben, der 2017 ausgestrahlt wurde.

Hörspiele und eigene Bühnen

Neben Film, Fernsehen und Theater arbeitete Hoppe als Hörspielsprecher. Besonders häufig war er in Kinderhörspielen zu hören, etwa als Wind in Der Fischer und seine Frau, als Erzähler in Brüderchen und Schwesterchen, als Kaiser in Des Kaisers neue Kleider und als Goodwin in Der Zauberer der Smaragdenstadt. Außerdem wirkte er unter anderem in Hörspielfassungen von Feinde, Fahrenheit 451 und Gräfin Cosel mit.

Hoppe gründete 1995 einen Verein, um in einem ehemaligen Bauernhof in Dresden-Weißig das Hoftheater Dresden aufzubauen. Er kaufte den Hof, spendete ihn dem Verein und wirkte als Prinzipal, also als Leiter dieses kleinen Theaters. Der Spielplan orientiert sich an seinem künstlerischen Anspruch.

Mehr als zwei Jahrzehnte engagierte er sich zudem mit seinem privaten Theater auf Schloss Weesenstein. Dort führte er beispielsweise die musikalisch-literarische Reihe Dresdner Dreiklänge auf und las Märchen, Balladen und Geistergeschichten. Im November 2006 präsentierte er dort gemeinsam mit Heinz Rudolf Kunze das Programm Sachsophonie mit Lieblingstexten verschiedener Autoren aus Sachsen und Niedersachsen sowie Liedern.

Ehrungen und Erinnerung

Hoppe erhielt zahlreiche Preise für einzelne Rollen und für sein Lebenswerk. 1971 wurde ihm der Nationalpreis der DDR 1. Klasse für Kunst und Literatur verliehen. Für seine Darstellung in Mephisto erhielt er 1981 den Preis der Film- und Fernsehkritik des Ungarischen Journalistenverbandes. Es folgten unter anderem der Lessing-Preis des Freistaates Sachsen (1995), der Adolf-Grimme-Preis für Sardsch (1998), die Goldene Henne für sein Lebenswerk (2005), der Kunstpreis der Landeshauptstadt Dresden (2007) und der Preis der DEFA-Stiftung für Verdienste um den deutschen Film (2008).

2010 erhielt Hoppe das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2015 wurden ihm der PAULA-Preis und der Deutsche Schauspielerpreis für sein Lebenswerk verliehen. 2017 kamen der St. Georgs-Orden des Semperopernballs und der Lebenswerk-Preis des Märchenfilmfestivals fabulix hinzu. Seit 1996 war er Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Ellrich. Die Dresdner Neueste Nachrichten wählten ihn 2000 zu einem der „100 Dresdner des 20. Jahrhunderts“.

Zu seinem 85. Geburtstag zeigte Schloss Weesenstein vom 1. November 2015 bis zum 1. Mai 2016 die Ausstellung Rolf Hoppe. Ein Schauspielerleben. Auch in der bildenden Kunst der DDR wurde er dargestellt: Detlev Reinemer schuf 1989 unter dem Titel Porträt eines Schauspielers Terrakotta-Büsten Hoppes.

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