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KZ Mittelbau-Dora

Konzentrationslager Mittelbau-Dora ist der heute verwendete Name eines nationalsozialistischen Konzentrationslagers nördlich von Nordhausen im heutigen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Unterirdische Rüstungsfabrik und Arbeitsbedingungen
  3. 3. Lagerkomplex, Häftlinge und SS
  4. 4. Befreiung und Gedenkstätte
  5. 5. Aufarbeitung und Erinnerung

Gegenstand und Bedeutung

Das Konzentrationslager Mittelbau-Dora war ein nationalsozialistischer Konzentrationslagerkomplex nördlich von Nordhausen im heutigen Thüringen. Sein größter Einzelstandort und Sitz der Kommandantur war das Lager „Dora“ am Südhang des Kohnsteins bei Niedersachswerfen. Die Häftlinge mussten beim Ausbau und Betrieb der unterirdischen Rüstungsfabrik Mittelwerk GmbH arbeiten, in der vor allem die „Vergeltungswaffe 2“ (V2) und die Flugbombe „Vergeltungswaffe 1“ (V1) hergestellt wurden.

Am 28. August 1943 errichtete die SS dort zunächst ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald mit der Tarnbezeichnung Arbeitslager „Dora“. Die Bezeichnung „Arbeitslager der Waffen-SS“ war ein offizieller Deckname für bestimmte Außenlager, die im Rahmen der Untertageverlagerung der Rüstungsindustrie entstanden. Am 28. Oktober 1944 wurde „Dora“ als Konzentrationslager Mittelbau selbstständig. Dem neuen Hauptlager wurden schließlich fast 40 Nebenlager und Außenkommandos unterstellt.

Während der etwa 18 Monate seines Bestehens durchliefen den Komplex etwa 60.000 Häftlinge aus 48 Nationen. Mindestens 20.000 Menschen starben infolge der unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen. Der Lagerstandort „Dora“ wurde am 11. April 1945 durch die US-Armee befreit. Heute befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Hauptlagers die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Die Bezeichnung „Dora-Mittelbau“ wurde zu verschiedenen Zeiten sowohl für den Lagerstandort, den gesamten Lagerkomplex als auch für die Gedenkstätte verwendet.

Unterirdische Rüstungsfabrik und Arbeitsbedingungen

Die Entwicklung des KZ Mittelbau hing eng mit der Untertageverlagerung der deutschen Rüstungsindustrie im Zweiten Weltkrieg zusammen. Die Stollen unter dem Kohnstein waren ab Mitte der 1930er Jahre ursprünglich als unterirdisches Treibstofflager der Wehrmacht angelegt worden und bis Herbst 1942 provisorisch fertiggestellt. Nach der Bombardierung der Heeresversuchsanstalt Peenemünde durch die Royal Air Force in der Nacht vom 17. zum 18. August 1943 entschieden Adolf Hitler, Rüstungsminister Albert Speer und Reichsführer SS Heinrich Himmler, die Fertigung von V2-Raketen und V1-Flugbomben unter Tage zu verlagern.

Mit dem Ausbau zur Raketenfabrik wurde die WiFo als Eigentümerin beauftragt. Die Produktion nach Vorgaben der Heeresversuchsanstalt Peenemünde übernahm die halbstaatliche Mittelwerk GmbH, die am 24. September 1943 offiziell gegründet wurde. Der erste Transport mit 107 Häftlingen erreichte den Kohnstein am 28. August 1943. Bis Ende 1943 wurden insgesamt 11.000 Häftlinge dorthin gebracht.

Die Häftlinge betonierten Böden, bauten Straßen, verlegten Gleise, trieben weitere Kammern vor und montierten Maschinen. Zwei parallele Haupttunnel, die Fahrstollen A und B, waren jeweils etwa 1800 Meter lang und etwa 30 Meter hoch. Sie waren durch 46 Querstollen verbunden. Im Mai 1945 betrug die Gesamtlänge des Tunnelsystems etwa 20 Kilometer, die Gesamtfläche über 250.000 Quadratmeter. Ein Güterbahnhof und eine Eisenbahnbrücke über die Zorge stellten den Anschluss an die Bahnstrecke Northeim–Nordhausen her.

Die ersten Häftlinge lebten zunächst in einem Zeltlager und anschließend unter katastrophalen Bedingungen in der Stollenanlage. Sie mussten in den ersten vier Seitenkammern sogenannte „Schlafstollen“ einrichten und wurden teilweise rund um die Uhr in den Tunneln festgehalten. Tausende starben an Entkräftung, Unterernährung, mangelhaften sanitären Bedingungen und Lungenkrankheiten durch den Sprengstaub. Bis zum Anlaufen der Raketenproduktion im Frühjahr 1944 starb etwa ein Drittel der am Kohnstein eingesetzten Häftlinge. Die SS nahm diese Vernichtung durch Arbeit bewusst in Kauf.

Die V2-Produktion begann im Januar 1944. Im Durchschnitt arbeiteten etwa 5000 Häftlinge unter der Aufsicht von ungefähr 3000 Zivilangestellten an der Montage. Im Sommer 1944 kam die V1-Produktion hinzu; Heinkel und Junkers fertigten außerdem Flugzeuge beziehungsweise Flugzeugmotoren. Bis zur kriegsbedingten Einstellung der Raketenproduktion Ende März 1945 entstanden etwa 6000 V1-Raketen und ungefähr ebenso viele V2-Waffen. Das Mittelwerk war damit die größte unterirdische Rüstungsfabrik des Zweiten Weltkriegs. Die meisten Häftlinge arbeiteten jedoch beim Stollenbau und bei der Vorbereitung weiterer unterirdischer Verlagerungen.

Lagerkomplex, Häftlinge und SS

Nach dem Beginn der V2-Produktion wurden die Häftlinge schrittweise in ein oberirdisches Barackenlager am Kohnstein verlegt. Dieses Lager bestand zuletzt aus 70 Holzbaracken für Wohn- und Funktionszwecke. Es gab unter anderem eine Küche, ein Heizhaus, eine Wäscherei, ein Lagergefängnis mit Hinrichtungsstätte, ein Krankenrevier und ein Lagerbordell. In diesem Bordell wurden weibliche Häftlinge aus Ravensbrück zur Prostitution gezwungen. Im Herbst 1944 wurde ein Krematorium mit zwei Verbrennungsöfen der Berliner Firma Kori fertiggestellt; dort wurden etwa 5000 Leichen verbrannt. Das Lagergelände gliederte sich in Häftlingsbereich, SS-Bereich, Industriebereich und Bahnhofsanlagen.

Im Harz entstand bis April 1945 ein Netz von etwa 40 Außenlagern mit unterschiedlichen Funktionen:

  • Produktionslager dienten der Herstellung von Rüstungsgütern.
  • In Baulagern mussten Häftlinge Schwerstarbeit leisten, etwa beim unvollendeten Bau der Helmetalbahn.
  • In Sterbelagern wie der Boelcke-Kaserne in Nordhausen wurden arbeitsunfähige Häftlinge meist ohne ausreichende medizinische Betreuung sich selbst überlassen.

Die Bezeichnungen und die Organisation des Komplexes änderten sich mehrfach. Ab dem 8. Juni 1944 hieß das Lager „Dora“ „Mittelbau I“, während Harzungen und Ellrich-Juliushütte zusammen als „Mittelbau II“ geführt wurden. Am 10. September 1944 wurde Ellrich-Juliushütte zu „Mittelbau II“ und Harzungen zu „Mittelbau III“. Am 28. Oktober 1944 wurde das KZ Mittelbau vom KZ Buchenwald getrennt und als eigenständiges Hauptlager organisiert.

Die Häftlinge stammten aus fast allen Ländern Europas. Besonders nach der Räumung der Konzentrationslager Auschwitz und Groß-Rosen kamen zwischen Januar und März 1945 etwa 16.000 entkräftete Menschen hinzu. Für den Gesamtkomplex nennt der Artikel mehr als 60.000 Häftlinge und mindestens 20.000 Tote; allein im April 1945 starben 6000 Häftlinge. Eine Übersicht der polnischen Untersuchungskommission verzeichnete für den gesamten Komplex 32.475 Häftlinge am 1. November 1944 und 40.202 am 1. April 1945. Die größten Gruppen waren Sowjetbürger, Polen und Franzosen.

Die SS kennzeichnete Häftlinge mit farbigen Winkeln: Rot stand für politisch Verfolgte, Grün für „Kriminelle“, Schwarz für „Asoziale“, Rosa für Homosexuelle, Violett für „Bibelforscher“ beziehungsweise Zeugen Jehovas und Gelb für Juden. Die Einteilung konnte willkürlich erfolgen und sollte die Häftlinge spalten und eine gemeinsame Gegenwehr verhindern. Im KZ Mittelbau-Dora lagen die Kapo-Funktionen, anders als in Buchenwald, überwiegend in der Hand der „Grünen“.

Im Juni 1944 bestand das Lagerpersonal aus etwa 1000 Personen. Nach der Verselbstständigung waren ab Ende 1944 etwa 3300 SS-Männer im SS-Totenkopfsturmbann Mittelbau eingesetzt. Kommandant war zunächst Otto Förschner; ab 1. Februar 1945 übernahm Richard Baer, zuvor Kommandant von Auschwitz, die Leitung. Zu den weiteren genannten Funktionsträgern gehörten Hans Möser, Wilhelm Simon, Franz Hößler, Max Sell, Eduard Wirths und Hans Schurz.

Befreiung und Gedenkstätte

Im März 1945 wurde die Rüstungsproduktion eingestellt. Die Mehrheit der Häftlinge wurde auf Räumungstransporte und Todesmärsche getrieben, unter anderem nach Bergen-Belsen, Sachsenhausen, Ravensbrück und in die Lübecker Bucht. Viele Menschen starben außerdem beim Massaker in der Isenschnibber Feldscheune in Gardelegen, bei dem 1016 Häftlinge lebendig verbrannt wurden. Zurück blieben vor allem Kranke und Sterbende, besonders in der Boelcke-Kaserne.

Am 11. April 1945 befreite die 1. US-Armee den Lagerstandort „Dora“. Nordhäuser Einwohner mussten am 13. und 14. April unter amerikanischer Aufsicht die Leichen in einem Massengrab bestatten. Britische und amerikanische Spezialeinheiten sicherten im Mittelwerk Maschinen und Material, darunter etwa 100 V1- und V2-Waffen. Nach der Übergabe Thüringens an die sowjetische Militärverwaltung am 1. Juli 1945 wurden dort noch ein Jahr lang Flugkörper, Motoren und Turbinen gebaut. Anschließend demontierte die Rote Armee die Anlagen und brachte sie in die Sowjetunion. Die Sprengung des gesamten Stollensystems im Sommer 1947 scheiterte; zerstört wurden vor allem die Zugänge.

Von Ende 1945 bis Ende 1946 diente das Gelände als „Umsiedlerlager Dora“ für Vertriebene aus Reichenberg, Gablonz und Friedland. Im Dezember 1945 lebten dort 1194 Menschen. Ab Frühjahr 1947 wurden die Baracken abgebaut und als Behelfsunterkünfte in Nordhausen und im Landkreis verwendet.

Die DDR eröffnete 1964 die „Mahn- und Gedenkstätte Mittelbau-Dora“. Ihre frühen Ausstellungen konzentrierten sich auf den „antifaschistischen Widerstand“ und verdeckten andere Häftlingsschicksale. 1952 war das ehemalige Lagergefängnis abgerissen worden. Ab den 1970er Jahren wurde das frühere Häftlingslager stärker einbezogen; der Appellplatz wurde 1974 zum „Denkmal der Nationen“ umgestaltet. Nach 1995 erhielt die Gedenkstätte ein neues Konzept, das auch Elemente der DDR-Zeit bewahrte. Seitdem ist ein kleiner Teil der Stollen mit Schlaf- und Produktionsräumen im Rahmen von Führungen zugänglich. 2005 wurde ein neues Museumsgebäude eingeweiht, seit September 2006 zeigt es eine neue Dauerausstellung.

Heute sind große Teile des Geländes von Wiesen und Wald bedeckt. Meist sind nur Fundamentreste erhalten. Sichtbar oder zugänglich sind unter anderem die Eisenbahnbrücke, ein Reichsbahnwaggon, Gleisreste, die Kläranlage, das Krematorium, eine Feuerwache, ein SS-Unterstand, eine Tischlerei und eine Wohnbaracke. Wohnbaracke und SS-Unterstand sind Rekonstruktionen. Die Stollenanlage ist in weiten Bereichen vom Grundwasser überflutet und möglicherweise teilweise eingestürzt.

Aufarbeitung und Erinnerung

Im Dachauer Dora-Prozess wurde vom 7. August bis zum 30. Dezember 1947 gegen 14 SS-Angehörige, vier Funktionshäftlinge und den Generaldirektor der Mittelwerk GmbH verhandelt. Es gab ein Todesurteil gegen Hans Möser, vier Freisprüche und 13 Haftstrafen. Im Bergen-Belsen-Prozess wurden ebenfalls Angehörige des Mittelbau-Personals angeklagt; drei ehemalige SS-Angehörige wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet, darunter Hans Hößler. Otto Förschner war bereits im Dachau-Hauptprozess zum Tode verurteilt und Ende Mai 1946 hingerichtet worden. Weitere Verfahren in der Bundesrepublik und der DDR liefen bis in die 1980er Jahre. Der Essener Dora-Prozess dauerte vom 17. November 1967 bis zum 8. Mai 1970; die drei Angeklagten erhielten Haftstrafen, mussten sie jedoch nicht antreten.

Im Sommer 1990 gründeten ehemalige Häftlinge aus Frankreich, Belgien und Tschechien das Komitee Dora, Ellrich, Harzungen et Kommandos „Pour la Mémoire“. Es sollte die Erinnerung an die Verbrechen international wachhalten und den Ausbau der Gedenkstätte fördern. 1995 initiierte Jacques Brun außerdem den Verein „Jugend für Dora“.

Der Archäologe Willi Kramer dokumentierte mit einer Arbeitsgruppe von Januar bis März 1998 die Kammern und Stollen des Mittelwerks; Voruntersuchungen hatten 1992 begonnen. Die Geschichte des Lagers wird außerdem in Dokumentar- und Spielfilmen behandelt. Ein wichtiges künstlerisches Zeugnis ist Edmund Polaks Papierarbeit „Der Tunnel“ aus dem Jahr 1944, die die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den unterirdischen Anlagen darstellt und später digital rekonstruiert wurde.

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