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Rivalitätsgrad
Der Rivalitätsgrad zeigt in der Volkswirtschaftslehre an, ob und inwieweit ein Nachfrager Rivalen bei einem bestimmten Gut, einer bestimmten Dienstleistung …
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Grundidee und Bedeutung
Der Rivalitätsgrad zeigt in der Volkswirtschaftslehre an, ob und inwieweit ein Nachfrager Rivalen bei einem bestimmten Gut, einer Dienstleistung oder deren Nutzen hat. Er beschreibt also, ob der Konsum oder die Nutzung durch eine Person andere Personen beeinträchtigt. Der korrespondierende Begriff ist der Exklusionsgrad, der angibt, ob andere von der Nutzung ausgeschlossen werden können.
Güter und Dienstleistungen können danach eingeteilt werden, ob mehrere Nachfrager dasselbe Gut nachfragen und dabei miteinander konkurrieren. Rivalität auf der Nachfragerseite liegt vor, wenn mindestens zwei Nachfrager unabhängig voneinander ein konkretes Gut erwerben oder nutzen wollen. Der Rivalitätsgrad fragt dann: Beeinträchtigt es einen Nutzer, wenn ein anderer Nutzer dasselbe Gut konsumiert?
Man unterscheidet rivale und nicht-rivale Güter. Rivale Güter sind dadurch gekennzeichnet, dass der Konsum eines Gutes durch einen Konsumenten den Konsum desselben Gutes durch einen anderen Konsumenten behindert oder sogar verhindert. Bei nicht-rivalen Gütern ist dies nicht der Fall.
Formel und Grenzfälle
Mathematisch ist der Rivalitätsgrad r die relative Änderung der Bereitstellungskosten für ein Gut BK bei einer relativen Änderung der Anzahl der Nutzer n:
r = (ΔBK / Δn) · (n / BK).
Rivalität liegt bei r = 1 vor, Nicht-Rivalität bei r = 0. Nicht-rivale Güter sind dadurch gekennzeichnet, dass sich die Bereitstellungskosten durch steigende Nutzer- oder Nachfragerzahlen nicht ändern. Das bedeutet: Ein zusätzlicher Nutzer verursacht bei einem nicht-rivalen Gut keine zusätzlichen Bereitstellungskosten.
Einordnung der Güterarten
Der Rivalitätsgrad ist besonders wichtig für die Unterscheidung zwischen öffentlichen Gütern und Klubgütern einerseits sowie privaten Gütern und Allmendegütern andererseits.
Öffentliche Güter haben im Konsum keinen Rivalitätsgrad. Die Bereitstellungs-Grenzkosten für einen weiteren Nutzer sind Null, unabhängig davon, ob ein Nutzer zahlt oder nicht. Typische öffentliche Güter sind Frieden oder Landesverteidigung. Wenn der Staat die Landesverteidigung übernimmt, sind alle Bürger gleichzeitig geschützt, ohne dass ein einzelner Bürger dadurch beeinträchtigt wird. Die Militärausgaben erhöhen sich nicht, wenn ein weiterer Bürger geschützt werden soll.
Klubgüter sind Güter oder Dienstleistungen, die von Mitgliedern genutzt werden, etwa in einem Sportverein oder einer Bücherei. Auch das Internet wird genannt. Die Nutzer untereinander unterliegen keiner oder nur sehr geringer Rivalität, weil die Dienstleistung weitgehend unbeeinträchtigt von anderen Nutzern in Anspruch genommen werden kann. Besonders deutlich ist dies bei digitalen Gütern wie E-Books.
Hohe Rivalität und Allmendegüter
Private Güter haben einen hohen Rivalitätsgrad. Dazu gehören Konsumgüter, bei denen die Rivalität der Nachfrager auf dem Gütermarkt durch den Preiswettbewerb entschieden wird. Ein gekaufter Apfel kann nur vom Käufer gegessen werden; danach ist er für andere Käufer nicht mehr vorhanden.
Allmendegüter sind Güter, die grundsätzlich von mehreren genutzt werden können, aber bei Übernutzung rival werden. Typische Beispiele sind Straßen. Sie können nur so lange als Gemeingut von allen Verkehrsteilnehmern genutzt werden, bis sie überfüllt sind. Bei Überfüllung können weitere Verkehrsteilnehmer sie nicht oder nur eingeschränkt nutzen, etwa im Verkehrsstau.
Situationsabhängigkeit
Rivalität und Nichtrivalität können stark von der konkreten Situation abhängen. Ein Fußballspiel im Pay-TV gilt zwar als typisches Klubgut, doch wenn man es in einer Kneipe anschaut, wird der Konsum des Einzelnen mit jedem weiteren Kneipengast stärker eingeschränkt.
Auch beim Atmen in einem stecken gebliebenen Fahrstuhl erhöht sich die Konsumrivalität erheblich. Die Autobahnbenutzung ist zunächst nicht rival, weil ein zweites Auto auf der Autobahn den einzelnen Fahrer nicht stört. Bei stark zunehmender Verkehrsdichte, besonders im Verkehrsstau, wird jedoch auch die Autobahnbenutzung rival.
Ausschließbarkeit und wirtschaftliche Einteilung
Für die wirtschaftliche Einteilung der Güterarten wird neben dem Rivalitätsgrad auch der Exklusionsgrad berücksichtigt. Der Exklusionsgrad beschreibt die Ausschließbarkeit: ob andere Konsumenten von der Nutzung ausgeschlossen werden können. Aus der Kombination von Rivalität und Ausschließbarkeit ergeben sich die Güterarten öffentliches Gut, Klubgut, Allmendegut und privates Gut. Auch die Public-Choice-Theorie unterscheidet private und öffentliche Güter nach den Kriterien Rivalität und Ausschließbarkeit.
In der Übersicht gilt: Bei Exklusionsgrad = 0 und Rivalitätsgrad = 0 liegt ein öffentliches Gut vor, zum Beispiel ein Deich. Bei Exklusionsgrad = 0 und Rivalitätsgrad = 1 liegt ein Allmendegut vor, zum Beispiel eine überfüllte Innenstadtstraße. Bei Exklusionsgrad = 1 und Rivalitätsgrad = 0 liegt ein Klubgut vor, zum Beispiel Pay-TV. Bei Exklusionsgrad = 1 und Rivalitätsgrad = 1 liegt ein privates Gut vor, zum Beispiel Speiseeis.
Öffentliche Güter haben im Konsum keinen Rivalitätsgrad; die Grenzkosten eines weiteren Nutzers sind Null. Als reines öffentliches Gut wird auch die Bildung genannt. Viele öffentliche Güter sind Bestandteil eines Netzwerks, etwa ein Verkehrsnetz mit Verkehrsinfrastruktur oder öffentlicher Verkehr. Als Beispiele für Allmendegüter nennt der Artikel Brücken und Straßen, als Klubgüter die Mitgliedschaft im Sportverein, die Bücherei oder das Internet. Private Güter haben einen Rivalitätsgrad; die Grenzkosten eines weiteren Nachfragers sind größer als Null.