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Risikopolitik

Um eine bestimmte Rentabilität bei Erhaltung der Liquidität zu erreichen, müssen angemessene und beherrschbare Risiken eingegangen werden. Diese Risiken müssen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Einordnung
  2. 2. Risikoneigung und Umgang mit Risiken
  3. 3. Instrumente und Arten der Risikobewältigung
  4. 4. Strategie, Rendite und Gesamtumfang der Risiken
  5. 5. Kernrisiken, Limite und Risikobewertung
  6. 6. Grenzen, Abgrenzung und Veröffentlichung

Aufgabe und Einordnung

Risikopolitik umfasst alle Maßnahmen eines Unternehmens, mit denen im Risikomanagement sämtliche Unternehmensrisiken bewältigt werden. Sie ist wichtig, weil unternehmerisches Handeln stets mit Risiken verbunden ist: Diese zeigen sich zunächst in schwankenden Ergebnissen, also Gewinn oder Verlust. Die Volatilität des Ergebnisses kann statistisch oder zukunftsorientiert durch Risikoaggregation bestimmt werden.

Die stärkste Ausprägung ist das Insolvenzrisiko. Es beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen wegen Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung Verpflichtungen nicht oder nicht vollständig erfüllen kann. Der aggregierte Risikoumfang, die Risikotragfähigkeit – insbesondere das Eigenkapital – und die Ertragskraft beeinflussen diese Wahrscheinlichkeit; sie wird im Rating ausgedrückt. Risiken können zu einer Unternehmenskrise und schließlich zur Insolvenz führen. Daher soll die Risikopolitik Risiken analysieren, katalogisieren und bewerten.

Sie richtet sich an den Unternehmenszielen aus und bearbeitet den Zielkonflikt zwischen Rentabilität, Liquidität und Risiko. Um bei erhaltener Liquidität eine Rendite zu erzielen, müssen angemessene, beherrschbare Risiken eingegangen und mit risikopolitischen Instrumenten überwacht und gesteuert werden. Die Risikopolitik bestimmt außerdem, wer mit welchem Ziel Risikomanagement betreibt und welche Mittel und Methoden eingesetzt werden.

Risikoneigung und Umgang mit Risiken

Die Risikoneigung gibt Entscheidungsträgern vor, ob hohe Risiken zulässig sind (Risikofreude) oder eher geringe Risiken übernommen werden sollen (Risikoaversion). Das Verhalten kann von der konkreten Situation abhängen. Nach der Prospect Theory sind Personen in Gewinnsituationen eher risikoavers, in Verlustsituationen dagegen eher risikofreudig und gehen höhere Risiken ein, um Verluste auszugleichen. Die Risikowahrnehmung hängt zudem von Kontext, Informationsgrad und persönlichen Merkmalen der Entscheidungsträger ab.

Risiken sind nötig, um Gewinn zu erzielen. Erfolg beruht auf der Auswahl der „richtigen“ Risiken, der „upside risks“. Finanzierungsrisiken zählen dagegen zu vermeidbaren „downside risks“. Eine risikobewusste Unternehmensführung entwickelt passende Strategien und effiziente sowie effektive Geschäftsprozesse. Finanzrisiken aus Finanzinstrumenten können durch Hedginginstrumente gesteuert werden.

Instrumente und Arten der Risikobewältigung

Die systematische Bearbeitung beginnt mit der Risikoidentifikation, also dem Erfassen möglicher Risiken. Es folgen Risikoanalyse nach Ursachen und Eintrittswahrscheinlichkeiten sowie Risikobewertung: Sie ermittelt die Bedrohung für das Unternehmen und beurteilt, ob ein Risiko vertretbar ist. Vertretbare Risiken werden als Restrisiko getragen und durch Risikocontrolling überwacht.

Zur aktiven Risikobewältigung gehören Risikovermeidung, Risikominderung und Risikodiversifikation. Passiv sind Risikotransfer und Risikovorsorge; sie sind nötig, wenn keine aktive Bewältigung erfolgt. Risikovermeidung bedeutet insbesondere, einen risikobehafteten Vertrag oder Finanzkontrakt nicht anzunehmen.

Ursachenbezogene Risikopolitik setzt vor der Risikoübernahme (ex ante) an. Sie umfasst Risikovermeidung, Risikoselektion – etwa die Entscheidung über einen Kreditantrag –, Risikoteilung mit mehreren Geschäftspartnern, Diversifikation eines Portfolios nicht vollständig korrelierter Risiken und Risikobegrenzung durch Limite, beispielsweise eine Kreditlinie.

Wirkungsbezogene Risikopolitik setzt nach der Risikoübernahme (ex post) an und mindert mögliche Verluste. Dazu gehören Risikoüberwälzung auf Dritte, Risikokompensation durch Gegenpositionen, Risikotransfer etwa durch Factoring, Versicherung oder Rückversicherung sowie Risikovorsorge durch Abschreibungen, Rückstellungen oder Wertberichtigungen.

Strategie, Rendite und Gesamtumfang der Risiken

Risikopolitik ist Teil der Unternehmensstrategie und soll Kernkompetenzen, Wettbewerbsvorteile und Unternehmensziele sichern. Alle Risiken, welche strategische Ziele und zentrale Erfolgsfaktoren beeinflussen, müssen erfasst und quantifiziert werden. Die Unternehmensführung legt die Risikopolitik fest, prägt die Risikokultur und unterstreicht ihre Bedeutung; alle Beschäftigten führen sie aus. Ziel ist eine einheitliche unternehmensweite Kommunikation des Risikomanagements.

Bei Handlungsoptionen müssen Rendite und Risiko gemeinsam abgewogen werden. Eine mögliche Rendite von 8 % ist nicht zwingend besser als 5 %, wenn dafür ein unverhältnismäßig großes Risiko entsteht. Die Risikopolitik soll hierfür ein einheitliches Entscheidungskriterium vorgeben. Der Unternehmenswert kann Rendite und Risiko verbinden, wenn Kapitalkosten aus zukünftigen Ertragsrisiken abgeleitet und das Rating als Werttreiber berücksichtigt wird. Höhere Risiken erfordern mehr Eigenkapital als Risikodeckungspotenzial. Chancen und Gefahren sollen gemeinsam betrachtet und gegeneinander abgewogen werden.

Der Gesamtrisikoumfang darf die Risikotragfähigkeit nicht überschreiten. Ein Gesamtrisikoportfolio zeigt die Verteilung der Risiken nach Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit. Mit Value-at-Risk-Verfahren wie der Monte-Carlo-Simulation wird durch Risikoaggregation das Gesamtrisiko ermittelt. Die Summe der Einzelrisiken ist wegen ihrer Korrelation nicht mit dem aggregierten Gesamtrisiko gleichzusetzen; bloßes Addieren genügt daher nicht für „bestandsbedrohende Entwicklungen“ nach § 91 Aktiengesetz.

Die Risikotragfähigkeit bezeichnet den Verlust, den ein Unternehmen ohne Existenzbedrohung tragen kann. Die Finanzierungsstruktur bestimmt damit das maximal tragbare Risiko. Die Eigenkapitalquote ist besonders für das Rating wichtig: Eine hohe Quote zeigt Unabhängigkeit von Fremdkapitalgebern, Tilgung und Zinsen. Das anzustrebende Rating festzulegen, gehört ebenfalls zur Risikopolitik.

Kernrisiken, Limite und Risikobewertung

Kernrisiken stehen unmittelbar mit dem Ausbau und der Nutzung von Erfolgspotenzialen in Verbindung und lassen sich nicht sinnvoll auf Dritte übertragen. Dazu können technologische Fähigkeiten gehören, bei denen Forschung und Entwicklung hohe Ausgaben und Risiken erfordern. Randrisiken sind die übrigen Risiken; ihre Vermeidung oder Übertragung senkt das Gesamtrisiko. Neben dem Risikotransfer können Derivate auf Währungen, Zinsen oder Rohstoffpreise verwendet werden. Dabei sind die Kosten der Risikoübertragung und die in der Risikopolitik festgelegten Limite maßgeblich.

Ein Limit ist die monetäre Verlustgrenze, die ein Unternehmen für ein einzelnes Risiko höchstens eingehen will. Es wird individuell festgelegt, steht aber zur Risikotragfähigkeit in Beziehung und hängt von der Risikobereitschaft ab: Höhere Risikobereitschaft führt tendenziell zu höheren Limiten. Relative Limite bestimmen die zulässige Abweichung vom Risiko eines Benchmarks, berücksichtigen jedoch weder Eigenkapital noch das individuelle Risiko-Rendite-Verhältnis. Absolute Limite setzen einen Verlusthöchstwert, der nicht überschritten werden darf; unter Beachtung der Eigenkapitalquote vermeiden sie dieses Problem.

Nach der Identifikation werden Risiken qualitativ oder quantitativ gewichtet. Qualitativ werden Ursache-Wirkungs-Beziehungen betrachtet; quantitativ dienen Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe als Risikodeterminanten. Die Risikopolitik muss die Methode festlegen, damit das Unternehmen Risiken einheitlich bewertet.

Grenzen, Abgrenzung und Veröffentlichung

Probleme entstehen, wenn für verschiedene Risiken unterschiedliche Entscheidungskriterien wie Umsatz oder Gewinn verwendet werden, wenn die Risikopolitik nicht ausreichend an der Risikotragfähigkeit beziehungsweise am Eigenkapital ausgerichtet ist oder wenn identifizierten Risiken keine geeigneten Maßnahmen folgen. Ohne ausführliche Risikopolitik fehlt ein einheitliches Handeln. Auch eine fehlende Trennung von Kern- und Randrisiken führt zu ineffizientem Umgang. Die Risikopolitik muss fortlaufend an Veränderungen bei Erfolgspotenzialen, Wettbewerbsvorteilen, Unternehmenszielen und externen Rahmenbedingungen angepasst werden.

Risikopolitik und Risikomanagement werden teils gleichgesetzt. Hier ist Risikomanagement jedoch die funktionale Umsetzung der Risikopolitik in der Ablauforganisation; es kann als Abteilung diese Umsetzung übernehmen.

Bei publizitätspflichtigen Rechtsformen interessiert die Risikopolitik auch die Öffentlichkeit. Das KonTraG verpflichtete Kapitalgesellschaften im Mai 1998, den Lagebericht um einen Risikobericht zu ergänzen. Darin müssen existenzbedrohende Risiken dokumentiert und Risiken der künftigen Entwicklung behandelt werden. Der Risikobericht veröffentlicht das Ergebnis der Risikopolitik.

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