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Revolutionen im Jahr 1989

Mai 1989 die Grenzzäune zu Österreich abgebaut hatte, DDR-Bürger im Sommer die Prager Botschaft besetzt hatten und am 9. November die Berliner Mauer gefallen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Voraussetzungen und Formen des Protests
  3. 3. Ungarn, DDR und der Eiserne Vorhang
  4. 4. Wichtige Länder und Ereignisse
  5. 5. Folgen

Kern und Bedeutung

Als Revolutionen im Jahr 1989 werden die politischen Umwälzungen in Mittel- und Osteuropa bezeichnet, die ab 1989 zur Abschaffung der dortigen realsozialistischen Systeme führten. Sie heißen auch „friedliche Revolutionen“, „Herbstrevolutionen“, „Herbst der Völker“ oder „Fall des Kommunismus“. Gemeint ist vor allem der Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaftsmonopole in mehreren Staaten des Ostblocks und der Übergang zu westlich geprägter Demokratie und Marktwirtschaft.

Wichtig waren dabei mehrere Auslöser: In der Sowjetunion verfolgte Michail Gorbatschow seit 1986 Glasnost und Perestroika. Glasnost bedeutete mehr Offenheit im politischen und gesellschaftlichen Leben, Perestroika eine Umgestaltung von Staat und Wirtschaft. Außerdem setzte sich die sogenannte Sinatra-Doktrin durch: Die anderen Ostblockstaaten sollten erstmals eigene Wege gehen dürfen und selbst für die Folgen verantwortlich sein. Damit endete praktisch die Breschnew-Doktrin, mit der die Sowjetunion seit 1968 Eingriffe in andere sozialistische Staaten gerechtfertigt hatte.

Die Umwälzungen hatten Folgen weit über einzelne Länder hinaus. Der Eiserne Vorhang, also die politische und militärische Trennlinie zwischen Ost und West in Europa, brach Schritt für Schritt zusammen. Nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 beschleunigte sich auch der Zerfall der Sowjetunion; viele Staaten wurden unabhängig. Der Prozess wird oft mit dem europäischen Völkerfrühling und den Revolutionen von 1848 verglichen.

Voraussetzungen und Formen des Protests

Die Revolutionen von 1989 gelten überwiegend als friedlich. Es gab nur wenige Gewalttaten; als Beispiel nennt der Artikel die Erschießung des rumänischen Diktators und seiner Frau nach einem kurzen Gerichtsprozess. Rumänien und die Umstürze im Baltikum verliefen nicht ganz ohne Blutvergießen, während etwa die Mongolische Revolution friedlich war.

Seit Mitte der 1970er Jahre hatten sich im Ostblock kleine und uneinheitliche Bürgerrechtsbewegungen gebildet. Sie traten mit Zivilcourage und Demokratiebewusstsein gegen totalitäre Gesellschaftsordnungen auf. Totalitär bedeutet hier: Der Staat und die herrschende Partei beanspruchten umfassende Kontrolle über Politik und Gesellschaft.

1988 und 1989 wurden diese Bürgerbewegungen offensiver. Sie forderten Bürgerrechte und Menschenrechte ein. Ihre Mittel waren häufig ziviler Ungehorsam, also bewusster, meist gewaltfreier Regelbruch aus politischem Protest, oder kleine symbolische Aktionen. Als ein Ausgangspunkt gilt die Kerzenmanifestation am 25. März 1988 in Bratislava.

Wesentliche Gründe für den Zerfall des Ostblocks waren wirtschaftliche Probleme der Staatswirtschaft, innere Probleme durch die Parteidiktatur und außenwirtschaftliche Probleme durch Abschottungspolitik. Ab Herbst und Winter 1989 verloren die kommunistischen Staatsführungen in allen Ostblockstaaten ihr Herrschaftsmonopol.

Ungarn, DDR und der Eiserne Vorhang

Ungarn spielte eine Schlüsselrolle. Ab dem 2. Mai 1989 begann das Land, Grenzanlagen entlang des Eisernen Vorhangs abzubauen. Am 27. Juni 1989 durchtrennten der österreichische Außenminister Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn bei Sopron symbolisch einen Grenzzaun. Diese Aktion gilt als erste „offizielle“ Öffnung des Eisernen Vorhangs. Gleichzeitig wollte Ungarn zunächst durch stärkere Bewachung verhindern, dass eine unkontrollierte „grüne Grenze“ entstand.

Beim Paneuropäischen Picknick am 19. August 1989 wurde ein Grenztor zwischen Österreich und Ungarn geöffnet. Dadurch gelangten rund 700 Ostdeutsche nach Österreich. Es war die größte Fluchtbewegung aus Ost-Deutschland seit dem Bau der Berliner Mauer. Die Schirmherren waren Otto von Habsburg und der ungarische Staatsminister Imre Pozsgay. Das Picknick diente auch dazu, die Reaktion Gorbatschows auf eine Grenzöffnung am Eisernen Vorhang zu testen. Die Sowjetunion griff nicht ein.

Danach flohen immer mehr DDR-Bürger nach Ungarn. In der Nacht vom 10. auf den 11. September 1989 führten ungarische Behörden an der Westgrenze zu Österreich keine Kontrollen durch und ermöglichten so eine Massenflucht. Auch Botschaften der Bundesrepublik Deutschland in Budapest, Prag und Warschau wurden von Flüchtlingen genutzt. Bis zum Fall der Berliner Mauer verließen etwa 50.000 Menschen die DDR in Richtung Bundesrepublik Deutschland.

Die Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 und der innerdeutschen Grenze in den folgenden Tagen war ein wichtiger Meilenstein beim Zerfall des Eisernen Vorhangs. Die Maueröffnung gilt außerdem als Symbol für das Ende des Kalten Krieges. Elf Monate später trat die DDR der Bundesrepublik bei; die deutsche Wiedervereinigung erfolgte am 3. Oktober 1990.

Wichtige Länder und Ereignisse

In Polen gab es vom 6. Februar bis 5. April 1989 Gespräche am Runden Tisch. Am 17. April wurde die Gewerkschaft „Solidarność“ zugelassen. Am 4. Juni fanden halbfreie Wahlen statt, bei denen 65 % der Sitze für die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei und andere prokommunistische Parteien reserviert waren. Am 24. August wählte der Sejm Tadeusz Mazowiecki zum Ministerpräsidenten. Diese Ereignisse wurden von Gorbatschow unterstützt und gelten als Vorstufe zum Fall der Berliner Mauer.

In Ungarn wurde Imre Nagy am 6. Juli 1989 rehabilitiert. Am 23. Oktober 1989, dem Jahrestag des Ungarischen Volksaufstands, rief Mátyás Szűrös die Republik Ungarn als demokratische und parlamentarische Republik aus. Damit endete die Ära Kádár, die auch als „Gulaschkommunismus“ bezeichnet wurde.

In der DDR begannen die Montagsdemonstrationen am 4. September 1989. Die Wende und friedliche Revolution in der DDR setzte im Oktober 1989 ein. Am 4. November fand die Alexanderplatz-Demonstration statt, am 9. November fiel die Berliner Mauer. Bundeskanzler Helmut Kohl stellte am 28. November 1989 sein Zehn-Punkte-Programm vor; ein Jahr später war die deutsche Wiedervereinigung bereits vollzogen.

In Bulgarien wurde der kommunistische Staatschef Todor Schiwkow am 10. November 1989 zum Rücktritt gezwungen. In der Tschechoslowakei führte die Samtene Revolution im November und Dezember 1989 dazu, dass Präsident Gustáv Husák unter Druck geriet. Er ernannte am 10. Dezember 1989 eine neue Regierung unter Marián Čalfa, in der die Kommunistische Partei keine Mehrheit mehr hatte, und trat zurück. Noch im Dezember 1989 baute die ČSSR ihre Grenzbefestigungen ab.

In Rumänien kam es im Dezember 1989 zu einem gewaltsamen Umsturz. In den baltischen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen zielte die Singende Revolution auf die Wiederherstellung der Unabhängigkeit. Die Mongolische Revolution begann im Dezember 1989 in der Mongolischen Volksrepublik und führte zur Demokratisierung der Mongolei. Der Artikel nennt außerdem das Tian’anmen-Massaker in China: Am 4. Juni 1989 wurde auf dem Tian’anmen-Platz eine studentische Demonstration von Sondereinheiten der Volksbefreiungsarmee gewaltsam unterbunden.

Folgen

In den genannten Staaten wurde das sozialistische Staatssystem abgeschafft. Die Gesellschaften wurden nach dem Muster westlicher Demokratie und Marktwirtschaft umgestaltet. Dieser Wandel betraf nicht nur Regierungen, sondern das gesamte politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System.

Die politischen Umwälzungen in den acht genannten Staaten wirkten auch auf die Sowjetunion zurück. Sie zerfiel im Zeitraum von März 1990 bis Dezember 1991. Viele Staaten errangen ihre Unabhängigkeit, und es entstand unter anderem die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Damit endete die Nachkriegsordnung des Ostblocks in ihrer bisherigen Form.

Lernvideos zu Revolutionen im Jahr 1989

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