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Revolutionen: Die friedliche Revolution 1989 | #FokusDHM
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 48 Zeilen
- Denken wir an politische Revolutionen, dann kommen uns meist Bilder von Straßenschlachten, Barrikadenkämpfen oder zerstörten Häuserzeilen in den Kopf.
- Dass politische Veränderungen jedoch nicht ausschließlich mit Gewalt erzwungen werden müssen, hat uns die Revolution gezeigt, mit der wir uns heute beschäftigen.
- Die Rede ist natürlich von der friedlichen Revolution von 1989, mit der die DDR endete und die den Weg zur deutschen Einheit ebnete.
- Und damit herzlich willkommen bei unserer vierten und letzten Folge zum Thema Revolutionen. Ihren Anfang nahm die Revolution eigentlich schon Ende der 1970er Jahre.
- Unter dem Schutz der Kirche organisierten sich zahlreiche Bürgergruppen in Opposition zur DDR-Regierung.
- Warum denn gerade zusammen mit der Kirche? Ich dachte, im Sozialismus ist die Religion nur „Opium des Volks“?
- Genau deshalb war das Verhältnis zwischen der Staatspartei SED, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, und der Kirche immer schwieriger.
- Verbieten konnte die SED die Kirche nicht, aber sie konnte sie einschränken und schikanieren.
- Zugleich betrieb die SED eine starke Verweltlichung und ersetzte religiöse Rituale durch staatliche.
- Beispielsweise ersetzte die Jugendweihe die Kommunion beziehungsweise die Konfirmation. Im Zuge der atomaren Aufrüstungspolitik engagierten sich in den 1980ern
- mehr und mehr junge Menschen für eine Friedenspolitik in der DDR. Zum Motto wurde dabei der Bibelspruch "Schwerter zu Pflugscharen".
- Unter diesem Motto trafen sich Bürgerrechtler*innen ab Juli 1989 in der Leipziger Nikolaikirche jeden Montag zu einem Friedensgebet.
- Daraus entwickelten sich ab September 1989 die berühmt gewordenen Montagsdemonstrationen. Knapp zehn Jahre zuvor hatte sich in Polen die Gewerkschaft Solidarność gebildet,
- die nicht nur von polnischen Intellektuellen unterstützt wurde, sondern auch von Papst Johannes Paul II. Obwohl die Gewerkschaft bereits 1981, nur ein Jahr nach ihrer Gründung, verboten wurde,
- lebte sie im Untergrund weiter. Solidarność stellte den Machtanspruch der kommunistischen Regierung infrage, die von sich sagte,
- sie allein könnte den Willen des polnischen Volkes repräsentieren. Der Schlüsselmoment waren jedoch die Kommunalwahlen der DDR im Mai 1989.
- Am Wahlabend des 7. Mai wurden die offiziellen Ergebnisse bekannt gegeben: Nur 98% der Wahlbeteiligten hatten mit Ja für die Abgeordneten der Volkskammer gestimmt.
- Das war das schlechteste Ergebnis, das die SED-Regierung jemals bei Wahlen erzielt hatte. „Nur“…? Das ging doch auch nicht mit rechten Dingen zu.
- Und was waren die Gründe für die so "schlechten" Ergebnisse? Zum einen hatte es mit der wirtschaftlichen Notlage zu tun,
- in der sich die DDR seit einiger Zeit befand. Auch verweigerte die SED notwendige Reformen,
- sodass die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mehr und mehr stieg. Dies führte dazu, dass nun zum ersten Mal Bürgerrechtsbewegungen die Wahlauszählung beobachteten.
- Dabei stellten sie fest, dass die Wahlen manipuliert wurden. Die Folge war eine massive Ausreisewelle ab dem Sommer 1989.
- Aber die Grenze nach Westen war durch die Mauer doch seit 1961 zu. Das stimmt.
- Viele DDR-Bürger*innen flohen in sozialistische Nachbarländer wie beispielsweise in die Tschechoslowakei, nach Ungarn oder Polen, wo sie anschließend die bundesdeutschen Botschaften besetzten,
- um ihre Ausreise zu erzwingen. Gleichzeitig formierten sich ab Herbst '89 immer mehr Oppositionsgruppen
- wie etwa das Neue Forum, die eine Demokratisierung der DDR verlangten. Sie verlangten nicht das Ende der DDR und die deutsche Einheit?
- Das ist wichtig zu unterscheiden. Tatsächlich forderten die meisten Oppositionsbewegungen nicht das Ende des Sozialismus
- oder das Ende der DDR als Staat. Sie verlangten schlicht die Grundrechte, die ihnen in der Verfassung der DDR seit vierzig Jahren versprochen waren.
- Das sieht man auch hier auf den Plakaten. Erst nach dem Mauerfall begann sich der Gedanke zu etablieren,
- die Bundesrepublik und die DDR als einen Staat zusammenzuführen. Das sieht man auf diesem Plakat, das später entstanden ist,
- als die anderen hier gezeigten. Und was war die Reaktion der DDR-Regierung auf diese immer lauter werdenden Proteste?
- Die DDR-Regierung versuchte mit aller Kraft, die Flüchtlingsströme und Protestaktionen einzudämmen, doch darf nicht vergessen werden, in welcher Situation sich die DDR im Sommer und Herbst '89 befunden hat.
- Die Wirtschaft lag am Boden und seit Juli fehlte es der Regierung an einer klaren Linie,
- nachdem Erich Honecker aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nicht mehr ausüben konnte. Was den Demonstrant*innen jedoch besonders half, war der Politikwechsel innerhalb der Sowjetunion
- unter Michail Gorbatschow, der ab 1987 Glasnost und Perestroika versprach, also Offenheit und Umbau der Sowjetunion.
- Doch in der DDR wurden diese neuen Leitlinien nicht eingeführt. Anfang November spitzten sich die Proteste dann mehr und mehr zu.
- Sowohl in Leipzig wie auch in Ost-Berlin auf dem Alexanderplatz. Um ein Ende der Proteste herbeizuführen und quasi "den Druck aus dem Kessel" zu nehmen,
- entschied sich die SED schließlich am 9. November, den Bürger*innen der DDR ein Grundrecht wiederzugeben, das sie ihnen mit dem Mauerbau 1961 praktisch entzogen hatte, nämlich die Reisefreiheit.
- Dies sollte der Berliner SED-Bezirkschef Günter Schabowski am Abend des 9. November auf einer Pressekonferenz der Bevölkerung mitteilen.
- Die Szene ist heute legendär. Hierbei kam es zu einer Fehlkommunikation.
- Während die SED-Regierung geplant hatte, dass DDR-Bürger*innen von nun an leichter Pässe und Visa erhalten können, wurden Schabowskis Worte so interpretiert,
- dass ab sofort die Grenze passiert werden könne! Und so versammelten sich Tausende von Menschen noch in der Nacht an der Bornholmer Straße
- und anderen Grenzübergängen und verlangten, über die Grenze gelassen zu werden. Die Grenzbeamten gaben schließlich überfordert auf und öffneten die Schlagbäume.
- Kein Schuss fiel. Und damit war zum ersten Mal in der deutschen Geschichte eine Revolution auf friedlichem Weg geglückt.
- Aber das war nur der Anfang einer rasanten Entwicklung. Am 18. März 1990 kam es zu den ersten freien Parlamentswahlen in der DDR.
- Das Datum war kein Zufall. Hatte die erste deutsche Revolution ja am 18. März 1848 ihren Ausgang genommen.
- Und damit sind wir am Ende unserer Reihe zu wegweisenden Revolutionen der europäischen, aber vor allem der deutschen Geschichte.
- -Ende-
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