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Revolutionen: Die friedliche Revolution 1989 | #FokusDHM

Deutsches Historisches Museum7:09 35.251 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 48 Zeilen
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  1. Denken wir an politische Revolutionen, dann kommen uns meist Bilder von Straßenschlachten, Barrikadenkämpfen oder zerstörten Häuserzeilen in den Kopf.
  2. Dass politische Veränderungen jedoch nicht ausschließlich mit Gewalt erzwungen werden müssen, hat uns die Revolution gezeigt, mit der wir uns heute beschäftigen.
  3. Die Rede ist natürlich von der friedlichen Revolution von 1989, mit der die DDR endete und die den Weg zur deutschen Einheit ebnete.
  4. Und damit herzlich willkommen bei unserer vierten und letzten Folge zum Thema Revolutionen. Ihren Anfang nahm die Revolution eigentlich schon Ende der 1970er Jahre.
  5. Unter dem Schutz der Kirche organisierten sich zahlreiche Bürgergruppen in Opposition zur DDR-Regierung.
  6. Warum denn gerade zusammen mit der Kirche? Ich dachte, im Sozialismus ist die Religion nur „Opium des Volks“?
  7. Genau deshalb war das Verhältnis zwischen der Staatspartei SED, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, und der Kirche immer schwieriger.
  8. Verbieten konnte die SED die Kirche nicht, aber sie konnte sie einschränken und schikanieren.
  9. Zugleich betrieb die SED eine starke Verweltlichung und ersetzte religiöse Rituale durch staatliche.
  10. Beispielsweise ersetzte die Jugendweihe die Kommunion beziehungsweise die Konfirmation. Im Zuge der atomaren Aufrüstungspolitik engagierten sich in den 1980ern
  11. mehr und mehr junge Menschen für eine Friedenspolitik in der DDR. Zum Motto wurde dabei der Bibelspruch "Schwerter zu Pflugscharen".
  12. Unter diesem Motto trafen sich Bürgerrechtler*innen ab Juli 1989 in der Leipziger Nikolaikirche jeden Montag zu einem Friedensgebet.
  13. Daraus entwickelten sich ab September 1989 die berühmt gewordenen Montagsdemonstrationen. Knapp zehn Jahre zuvor hatte sich in Polen die Gewerkschaft Solidarność gebildet,
  14. die nicht nur von polnischen Intellektuellen unterstützt wurde, sondern auch von Papst Johannes Paul II. Obwohl die Gewerkschaft bereits 1981, nur ein Jahr nach ihrer Gründung, verboten wurde,
  15. lebte sie im Untergrund weiter. Solidarność stellte den Machtanspruch der kommunistischen Regierung infrage, die von sich sagte,
  16. sie allein könnte den Willen des polnischen Volkes repräsentieren. Der Schlüsselmoment waren jedoch die Kommunalwahlen der DDR im Mai 1989.
  17. Am Wahlabend des 7. Mai wurden die offiziellen Ergebnisse bekannt gegeben: Nur 98% der Wahlbeteiligten hatten mit Ja für die Abgeordneten der Volkskammer gestimmt.
  18. Das war das schlechteste Ergebnis, das die SED-Regierung jemals bei Wahlen erzielt hatte. „Nur“…? Das ging doch auch nicht mit rechten Dingen zu.
  19. Und was waren die Gründe für die so "schlechten" Ergebnisse? Zum einen hatte es mit der wirtschaftlichen Notlage zu tun,
  20. in der sich die DDR seit einiger Zeit befand. Auch verweigerte die SED notwendige Reformen,
  21. sodass die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mehr und mehr stieg. Dies führte dazu, dass nun zum ersten Mal Bürgerrechtsbewegungen die Wahlauszählung beobachteten.
  22. Dabei stellten sie fest, dass die Wahlen manipuliert wurden. Die Folge war eine massive Ausreisewelle ab dem Sommer 1989.
  23. Aber die Grenze nach Westen war durch die Mauer doch seit 1961 zu. Das stimmt.
  24. Viele DDR-Bürger*innen flohen in sozialistische Nachbarländer wie beispielsweise in die Tschechoslowakei, nach Ungarn oder Polen, wo sie anschließend die bundesdeutschen Botschaften besetzten,
  25. um ihre Ausreise zu erzwingen. Gleichzeitig formierten sich ab Herbst '89 immer mehr Oppositionsgruppen
  26. wie etwa das Neue Forum, die eine Demokratisierung der DDR verlangten. Sie verlangten nicht das Ende der DDR und die deutsche Einheit?
  27. Das ist wichtig zu unterscheiden. Tatsächlich forderten die meisten Oppositionsbewegungen nicht das Ende des Sozialismus
  28. oder das Ende der DDR als Staat. Sie verlangten schlicht die Grundrechte, die ihnen in der Verfassung der DDR seit vierzig Jahren versprochen waren.
  29. Das sieht man auch hier auf den Plakaten. Erst nach dem Mauerfall begann sich der Gedanke zu etablieren,
  30. die Bundesrepublik und die DDR als einen Staat zusammenzuführen. Das sieht man auf diesem Plakat, das später entstanden ist,
  31. als die anderen hier gezeigten. Und was war die Reaktion der DDR-Regierung auf diese immer lauter werdenden Proteste?
  32. Die DDR-Regierung versuchte mit aller Kraft, die Flüchtlingsströme und Protestaktionen einzudämmen, doch darf nicht vergessen werden, in welcher Situation sich die DDR im Sommer und Herbst '89 befunden hat.
  33. Die Wirtschaft lag am Boden und seit Juli fehlte es der Regierung an einer klaren Linie,
  34. nachdem Erich Honecker aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nicht mehr ausüben konnte. Was den Demonstrant*innen jedoch besonders half, war der Politikwechsel innerhalb der Sowjetunion
  35. unter Michail Gorbatschow, der ab 1987 Glasnost und Perestroika versprach, also Offenheit und Umbau der Sowjetunion.
  36. Doch in der DDR wurden diese neuen Leitlinien nicht eingeführt. Anfang November spitzten sich die Proteste dann mehr und mehr zu.
  37. Sowohl in Leipzig wie auch in Ost-Berlin auf dem Alexanderplatz. Um ein Ende der Proteste herbeizuführen und quasi "den Druck aus dem Kessel" zu nehmen,
  38. entschied sich die SED schließlich am 9. November, den Bürger*innen der DDR ein Grundrecht wiederzugeben, das sie ihnen mit dem Mauerbau 1961 praktisch entzogen hatte, nämlich die Reisefreiheit.
  39. Dies sollte der Berliner SED-Bezirkschef Günter Schabowski am Abend des 9. November auf einer Pressekonferenz der Bevölkerung mitteilen.
  40. Die Szene ist heute legendär. Hierbei kam es zu einer Fehlkommunikation.
  41. Während die SED-Regierung geplant hatte, dass DDR-Bürger*innen von nun an leichter Pässe und Visa erhalten können, wurden Schabowskis Worte so interpretiert,
  42. dass ab sofort die Grenze passiert werden könne! Und so versammelten sich Tausende von Menschen noch in der Nacht an der Bornholmer Straße
  43. und anderen Grenzübergängen und verlangten, über die Grenze gelassen zu werden. Die Grenzbeamten gaben schließlich überfordert auf und öffneten die Schlagbäume.
  44. Kein Schuss fiel. Und damit war zum ersten Mal in der deutschen Geschichte eine Revolution auf friedlichem Weg geglückt.
  45. Aber das war nur der Anfang einer rasanten Entwicklung. Am 18. März 1990 kam es zu den ersten freien Parlamentswahlen in der DDR.
  46. Das Datum war kein Zufall. Hatte die erste deutsche Revolution ja am 18. März 1848 ihren Ausgang genommen.
  47. Und damit sind wir am Ende unserer Reihe zu wegweisenden Revolutionen der europäischen, aber vor allem der deutschen Geschichte.
  48. -Ende-

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