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Religionspädagogik

Die Religionspädagogik (RPG, rpg) bedenkt und gestaltet religiöse Erziehung, Bildung und Sozialisation in der Sicht der betreffenden Glaubensgemeinschaft …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundverständnis und Aufgaben
  2. 2. Christliche Religionspädagogik
  3. 3. Islamische Religionspädagogik
  4. 4. Buddhistische Religionspädagogik in Österreich
  5. 5. Ausbildung und Organisationen
  6. 6. Wichtige Personen

Grundverständnis und Aufgaben

Religionspädagogik bedenkt und gestaltet religiöse Erziehung, Bildung und Sozialisation aus der Sicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft und ihrer Spiritualität. Sie vermittelt Glaubenslehre unter religionswissenschaftlichen, pädagogischen sowie methodisch-didaktischen Gesichtspunkten. Dabei berücksichtigt sie den gesellschaftlichen, rechtlichen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Kontext.

Religionspädagogik ist nicht nur auf Schule und Religionsunterricht beschränkt. Sie befasst sich allgemein mit Erziehung, Bildung, Sozialisation, Lernen und Entwicklung an verschiedenen Lernorten: in Religionsgemeinschaften wie der Kirche, in öffentlichen und privaten Schulen, in Gemeinden oder auch an religiösen Orten, etwa im Rahmen der Kirchenraumpädagogik. Zielgruppen sind deshalb nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene, Männer und Frauen. Besondere Aufgaben können bei der Ehevorbereitung, bei der Begleitung junger Eltern, alter Menschen oder kranker Menschen entstehen.

Im Christentum hat sich eine Unterscheidung zwischen Religionspädagogik im engeren Sinn und Gemeindepädagogik herausgebildet. Religionspädagogik im engeren Sinn bezieht sich stärker auf Schule und Religionsunterricht. Gemeindepädagogik richtet sich stärker auf die Pfarrgemeinde. Für beide Bereiche gibt es unterschiedliche Ausbildungsschwerpunkte. Für Erwachsenen- und Pfarrpastoral ist die Praktische Theologie an Universitäten zuständig, für die Ausbildung von Religionslehrkräften die Religionspädagogik an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen.

Seit den 1980er Jahren gibt es Überlegungen und Versuche zu einem konfessionell-kooperativen Religionsunterricht. Damit ist ein Religionsunterricht gemeint, bei dem verschiedene christliche Konfessionen teilweise zusammenarbeiten. Unterstützt werden kann dies durch eine teilweise gemeinsame Ausbildung von Religionslehrkräften verschiedener Konfessionen.

Christliche Religionspädagogik

Aus christlicher Sicht ist Religionspädagogik ursprünglich Glaubensverkündigung und Katechese. Katechese bedeutet Lehren und Lernen mit dem Ziel, Christsein zu verstehen und einzuüben. Zugleich gilt christliche Religionspädagogik als theologische Disziplin innerhalb der Praktischen Theologie. Sie steht in Verbindung zu Sozialwissenschaften, Pädagogik und Psychologie. Im Sinn der Katechese liegt ihre Arbeitsebene in der Beziehung zwischen Mensch und Gott.

In der heutigen Zeit gelten große Teile der Bevölkerung als kirchenfern. Deshalb ist der schulische Religionsunterricht für viele Schülerinnen und Schüler oft die erste Begegnung mit Religion. Dadurch rückt die Vermittlung religiösen Wissens stärker in den Mittelpunkt. Im katholischen Bereich betrifft dies zum Beispiel auch die ersten Wochen des Erstkommunion-Unterrichts.

Davon unterscheidet sich die Gemeindepädagogik in Pfarren oder in christlich geprägten Gruppen. Dort kann das reine Wissen gegenüber der Seelsorge in den Hintergrund treten. Wichtiger werden persönliche Aspekte wie geistliche Begleitung, Ermutigung, Lebenshilfe, Gespräche über die Bibel und das Gottesbild sowie die Hinführung zum Gebet. Gemeindearbeit kann daher als Bemühen um den ganzen Menschen und seine Beziehung zu Gott verstanden werden.

In manchen Bereichen kann auch psychotherapeutisches Handeln eine Rolle spielen, etwa der Ansatz von Carl Rogers zur persönlichen oder partnerschaftlichen Motivation sowie die Pastoralpsychologie. Dabei sind nicht nur Geistliche angesprochen. Besonders im evangelischen wie im katholischen Verständnis ist jeder erwachsene Christ einbezogen. Zuhören, Einfühlen, Beistehen und Ideenaustausch dienen auch dem Aufbau einer modernen christlichen Gemeinde.

Seit den 1970er-Jahren hat die Bedeutung anderer Religionen in der Religionspädagogik zugenommen. Früher wurden sie oft als „Fremdreligionen“ bezeichnet, heute eher als „Weltreligionen“. Seit den 1990er-Jahren spricht man weniger von „Weltreligionen im Religionsunterricht“, sondern stärker von „Interreligiösem Lernen“. Damit ist Lernen gemeint, das Begegnung und Verständnis zwischen Religionen fördern soll.

Islamische Religionspädagogik

Die Darstellung zur islamischen Religionspädagogik bezieht sich im Artikel vor allem auf Deutschland. Anfang des 21. Jahrhunderts steckte die islamische Religionspädagogik dort noch in den Kinderschuhen. Bereits in den 1990er-Jahren gab es einzelne Bestrebungen, eine entsprechende Lehre aufzubauen.

Eine wichtige Rolle spielte das Institut für Interreligiöse Didaktik und Pädagogik in Köln. Unter der Leitung von Rabeya Müller wurden dort erste Konzepte für islamischen Religionsunterricht entwickelt, Lehrmaterialien erstellt und Fortbildungskurse angeboten. Auch Lamya Kaddor trug zur Weiterentwicklung der Disziplin bei. Sie verfasste und veröffentlichte mehrere Publikationen. Seit 2004 erarbeitete sie in Kooperation mit Rabeya Müller den „Koran für Kinder und Erwachsene“, der im Artikel als erste kindgerechte Übersetzung des Koran genannt wird, sowie das erste staatlich genehmigte Schulbuch für den islamischen Religionsunterricht, „Saphir“. An diesem Schulbuch war auch Harry Harun Behr beteiligt.

Mit der Berufung von Harry Harun Behr auf die Professur für Islamische Religionspädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg erhielt die junge Disziplin erstmals Zugang zum deutschen Hochschulsystem. Die Entwicklung wurde besonders durch politische Bestrebungen begünstigt, islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen in Deutschland einzurichten.

Als wichtiger Experte gilt in Deutschland Bülent Ucar an der Universität Osnabrück. Er trug mit zahlreichen Publikationen zur Entwicklung der islamischen Religionspädagogik bei. Im März 2008 bekräftigte die deutsche Islamkonferenz die Bestrebungen zur Einführung eines ordentlichen Religionsunterrichts. In Österreich wurde die Islamische Religionspädagogik im Jahr 2007 an der Universität Wien etabliert.

Buddhistische Religionspädagogik in Österreich

Mit der gesetzlichen Anerkennung des Buddhismus in Österreich im Jahr 1983 war auch das Recht verbunden, buddhistischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen zu erteilen. Die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft entwickelte einen ersten Lehrplan für alle Schulstufen. Dieser wurde im Mai 1992 vom Unterrichtsminister verlautbart.

Im September 1993 begann buddhistischer Religionsunterricht in Graz, Salzburg und Wien. In den folgenden Jahren konnte er ausgeweitet werden. Im Jahr 2001 wurde in Salzburg das Buddhistische Religionspädagogische Institut der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft eingerichtet, zentral für ganz Österreich. Begründer und Leiter des Instituts war Kurt Krammer, der auch Fachinspektor für Buddhistische Religion war.

2008 trat ein neuer Lehrplan in Kraft. Wegen der Vielfalt buddhistischer Traditionen in Europa gibt es unterschiedliche Erwartungen an den Religionsunterricht. Die meisten Schülerinnen und Schüler des buddhistischen Religionsunterrichts stammen laut Artikel aus asiatischem Migrationshintergrund. Insgesamt nehmen in ganz Österreich ungefähr 200 Schülerinnen und Schüler am buddhistischen Religionsunterricht teil.

Ausbildung und Organisationen

Die akademische Ausbildung in Religionspädagogik findet an kirchlichen Hochschulen und an staatlichen Einrichtungen statt. Genannt werden unter anderem evangelische Fachhochschulen, die katholische Universität Eichstätt, die Katholische Stiftungsfachhochschule München mit der Abteilung Benediktbeuern und die Katholische Hochschule Mainz. Auch staatliche Universitäten wie Luzern, Tübingen, Hamburg, Münster und Greifswald bieten entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten. In Baden-Württemberg wird Religionspädagogik außerdem an Pädagogischen Hochschulen in Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Weingarten gelehrt.

Weitere Ausbildungsformen sind Fernstudien oder Fernunterricht, zum Beispiel an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz und an der Domschule Würzburg mit „Theologie im Fernkurs“. In Berlin hat spätestens seit 2006 die Ausbildung an der EFB zum FH-diplomierten Religionspädagogen den früheren mehrstufigen und berufsbegleitenden Ausbildungsgang zum Katecheten vollständig abgelöst oder ersetzt.

In der islamischen Religionspädagogik erfolgt die akademische Ausbildung bislang nur an wenigen Standorten. Nach der Professur in Erlangen-Nürnberg wurde auch an der Universität Osnabrück ein zweiter Lehrstuhl besetzt, dessen Inhaber Bülent Ucar ist. An der Universität Münster befindet sich die Islamische Religionspädagogik am Centrum für Religiöse Studien im Aufbau. In Hessen kann das Lehramtsstudium in Gießen und Frankfurt absolviert werden. Seit 2014/15 ist an der Universität Frankfurt die Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Islamische Religionspädagogik und Didaktik des Islamischen Religionsunterrichts für die Sekundarstufen mit Harry Harun Behr besetzt. In Baden-Württemberg sind Professuren geplant. Zusätzlich bieten Ministerien der Bundesländer, die islamischen Religionsunterricht oder Islamkunde anbieten, Fortbildungen für Lehrkräfte an.

Wichtige Organisationen von Religionspädagogen in Deutschland sind die Gesellschaft für wissenschaftliche Religionspädagogik, die Arbeitsgemeinschaft Katholische Religionspädagogik und Katechetik sowie die Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Pädagogischen Institute und Katechetischen Ämter der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Wichtige Personen

Der Artikel nennt zahlreiche Personen, die für die Entwicklung der Religionspädagogik bedeutsam sind. Zu den als Begründer aufgeführten Religionspädagogen gehören Johann Amos Comenius (1592–1670), August Hermann Francke (1663–1727), Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768–1834), Friedrich Adolph Wilhelm Diesterweg (1790–1866), Friedrich Niebergall (1866–1932), Joseph Göttler (1874–1935), Oskar Hammelsbeck (1899–1975), Helmuth Kittel (1902–1984) und Adolf Exeler (1926–1983).

Für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nennt der Artikel unter anderem Hubertus Halbfas (1932–2022), Johannes Lähnemann (* 1941), Lamya Kaddor (* 1978), Karl Ernst Nipkow (1928–2014), Friedrich Schweitzer (* 1954), Rabeya Müller (1957–2024), Mouhanad Khorchide (* 1971), Bülent Ucar (* 1977), Mirjam Schambeck (* 1966), Bernd Schröder (* 1965), Martin Rothgangel (* 1962), Hans Mendl (* 1960) und Roland Rosenstock (* 1966). Diese Namenslisten zeigen, dass Religionspädagogik in verschiedenen christlichen Konfessionen sowie in der islamischen Religionspädagogik weiterentwickelt wurde.

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