Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Religionen in der Schweiz
Religionszugehörigkeit nach Nationalität ; Christentum, 72,9, 80,9 ; – römisch-katholische Kirche, 36,7, 76,9 ; – evangelisch-reformierte Kirche, 31,2, 0,6 ; – …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und heutige Verteilung
Die Schweiz ist religiös vielfältig. Die wichtigsten traditionellen Kirchen sind die römisch-katholische Kirche und die evangelisch-reformierte Kirche. Daneben gibt es weitere christliche Kirchen, islamische Gemeinschaften, jüdische Gemeinden, andere Religionen und viele Menschen ohne Religionszugehörigkeit. Religionszugehörigkeit bedeutet, dass eine Person sich einer Religionsgemeinschaft oder Konfession zurechnet; Konfession meint hier vor allem eine Richtung innerhalb des Christentums.
Ende 2024 waren von der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren 30,0 Prozent römisch-katholisch und 18,7 Prozent evangelisch-reformiert. Nach der Erhebung des Bundesamtes für Statistik waren 36,8 Prozent konfessionslos, 6,0 Prozent gehörten anderen christlichen Glaubensgemeinschaften an, 6,0 Prozent islamischen Glaubensgemeinschaften, 0,2 Prozent waren jüdischen Glaubens, 1,3 Prozent gehörten anderen Religionsgemeinschaften an, und 0,9 Prozent machten keine Angabe. Insgesamt entfielen 2024 auf das Christentum 54,7 Prozent und auf andere Religionen 7,3 Prozent.
Seit der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gibt es keine genauen Vollerhebungsdaten mehr zu allen kleineren Gruppen und zum Anteil der Konfessionslosen an der Gesamtbevölkerung. Das Bundesamt für Statistik arbeitet stattdessen mit Stichprobenerhebungen bei Personen ab 15 Jahren. Die Zahlen zeigen einen deutlichen Wandel: Ende 2010 waren noch 38,6 Prozent römisch-katholisch, 28,0 Prozent reformiert und 20,1 Prozent konfessionslos. 2022 lagen die Konfessionslosen mit rund 34 Prozent erstmals vor den Katholiken, die rund 32 Prozent erreichten.
Rechtlicher Rahmen
Die Religionsfreiheit ist in der Schweiz ein verfassungsmässig verankertes Grundrecht. Das bedeutet, dass Menschen grundsätzlich frei sind, eine Religion zu haben, sie auszuüben, zu wechseln oder keiner Religion anzugehören.
Die Kantone entscheiden selbst, ob sie bestimmten Religionsgemeinschaften einen besonderen öffentlich-rechtlichen Status als Landeskirche geben. Landeskirchen sind religiöse Körperschaften, die vom Staat in besonderer Weise anerkannt sind; der genaue rechtliche Status unterscheidet sich je nach Kanton. In den meisten Kantonen sind die römisch-katholische Kirche und die evangelisch-reformierte Kirche als Landeskirchen anerkannt. In den Nordwest- und einigen Nordostschweizer Kantonen sowie in Zürich und Bern ist zusätzlich die christkatholische Kirche anerkannt.
Auch jüdische Gemeinschaften haben in mehreren Kantonen eine öffentlich-rechtliche Anerkennung, nämlich in Basel-Stadt, Bern, Freiburg, St. Gallen, Waadt und Zürich. In Genf und Neuenburg gibt es keine Landeskirchen, weil Kirche und Staat dort vollständig getrennt sind. Trotzdem sind die reformierte und die katholische Kirche dort als «Organisationen von öffentlichem Interesse» anerkannt.
Regionale Unterschiede
Die Religionsverteilung unterscheidet sich stark nach Region und Kanton. Im Jahr 2018 war Bern der einzige Kanton, in dem die evangelisch-reformierte Kirche eine absolute Mehrheit hatte: 52,3 Prozent der Bevölkerung waren dort reformiert. Katholische absolute Mehrheiten gab es vor allem in Teilen der Zentralschweiz, in der Romandie in Freiburg und Jura sowie in der italienischen Schweiz im Tessin.
Beispiele für katholische Mehrheiten 2018 sind Uri mit 78,5 Prozent römisch-katholischer Bevölkerung, Wallis mit 76,2 Prozent, Jura mit 74,9 Prozent, Obwalden mit 71,2 Prozent, Tessin mit 66,7 Prozent, Nidwalden mit 65,6 Prozent, Freiburg mit 62,0 Prozent, Schwyz mit 60,2 Prozent und Luzern mit 59,9 Prozent. In Zürich waren 25,5 Prozent römisch-katholisch und 28,0 Prozent evangelisch-reformiert; 46,6 Prozent gehörten einer anderen christlichen Konfession, einer anderen Religion oder keiner Religion an. In Basel-Stadt war dieser dritte Bereich mit 73,7 Prozent besonders gross.
Auch in den Grossstädten hat sich die Lage stark verändert. Im Jahr 2000 waren die Anteile von Katholiken und Reformierten in vielen Städten noch relativ ausgeglichen: Zürich hatte 33,9 Prozent Katholiken und 30,3 Prozent Reformierte, Genf 37,4 Prozent Katholiken und 13,5 Prozent Reformierte, Basel 25,2 Prozent Katholiken und 23,5 Prozent Reformierte, Bern 24,5 Prozent Katholiken und 47,0 Prozent Reformierte, Lausanne 37,8 Prozent Katholiken und 27,2 Prozent Reformierte. Laut dem Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut waren 2020 die Konfessionslosen in allen fünf Grossstädten die grösste Gruppe.
Wandel seit 1970
Die grossen traditionellen Religionsgemeinschaften, vor allem Katholizismus und Protestantismus, werden statistisch kleiner, während kleinere Religionsgemeinschaften wachsen. Besonders deutlich ist das Wachstum beim Islam. Noch stärker gestiegen ist aber der Anteil der Menschen ohne Religionszugehörigkeit.
1970 gehörten 46,42 Prozent der Gesamtbevölkerung zur evangelisch-reformierten Kirche; 2000 waren es 33,04 Prozent und 2018 noch 24,68 Prozent. Die römisch-katholische Kirche sank von 49,39 Prozent im Jahr 1970 auf 41,82 Prozent im Jahr 2000 und 37,23 Prozent im Jahr 2018. Die christlich-orthodoxen Kirchen stiegen von 0,33 Prozent im Jahr 1970 auf 1,81 Prozent im Jahr 2000. Die islamischen Gemeinschaften wuchsen von 0,26 Prozent im Jahr 1970 auf 4,26 Prozent im Jahr 2000. Der Anteil ohne Zugehörigkeit stieg von 1,14 Prozent im Jahr 1970 auf 11,11 Prozent im Jahr 2000; nach den neueren Erhebungen lag der Anteil der Konfessionslosen 2024 bei 36,8 Prozent der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren.
Religionszugehörigkeit unterscheidet sich auch nach Nationalität. Laut einer BFS-Erhebung von 2017 gehörten unter Schweizer Staatsangehörigen 72,9 Prozent dem Christentum an, 2,4 Prozent dem Islam und 22,4 Prozent keiner Konfession. Bei italienischen Staatsangehörigen waren 76,9 Prozent römisch-katholisch. Bei deutschen Staatsangehörigen waren 50,0 Prozent konfessionslos. Bei Personen aus den vom BFS zusammengefassten Balkanstaaten Albanien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien und Kosovo gehörten 61,1 Prozent dem Islam an. Bei türkischen Staatsangehörigen lag der islamische Anteil bei 72,9 Prozent.
Religionsgemeinschaften und Bistümer
Zu den christlichen Konfessionen in der Schweiz zählen unter anderem die Alttäufer beziehungsweise Mennoniten, die Christkatholische Kirche, evangelische Freikirchen, lutherische Kirchen, reformierte Kirchen, die römisch-katholische Kirche und syrisches Christentum. Die Täuferbewegung entstand in der Schweiz in der Reformationszeit; ihre Mitglieder wurden damals Schweizer Brüder genannt. Die heutigen Gemeinden sind in der Konferenz der Mennoniten der Schweiz zusammengeschlossen.
Zu den im Artikel genannten anderen Religionen gehören Buddhismus, Hinduismus, Islam und Judentum. Das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Augin in Arth im Kanton Schwyz wird als geistliches Zentrum der assyrischen Diaspora in der Schweiz genannt.
Die römisch-katholische Kirche ist in der Schweiz in mehrere Bistümer gegliedert: Basel mit Sitz in Solothurn, Chur mit Sitz in Chur, Lausanne, Genf und Freiburg mit Sitz in Freiburg, Lugano mit Sitz in Lugano, St. Gallen mit Sitz in St. Gallen und Sitten mit Sitz in Sitten. Dazu kommen die Territorialabteien Einsiedeln und Saint-Maurice. Das Koordinierungsorgan der römisch-katholischen Bistümer ist die Schweizerische Bischofskonferenz.
Beispiele für Bauten und historische Folgen
Der Artikel nennt einige bedeutende religiöse Bauten nichtchristlicher Religionen. Dazu gehören der buddhistische Wat-Srinagarindravararam-Tempel in Gretzenbach im Kanton Solothurn, der hinduistische Sri-Subramania-Tempel in Zürich, die Mahmud-Moschee in Zürich, die Moschee in Genf, Synagogen in Basel, Zürich und Genf sowie der 2006 fertiggestellte Gurdwara-Sahib-Tempel der Sikh in Langenthal im Kanton Bern.
Religiöse Gegensätze hatten in der Schweizer Geschichte auch politische Folgen. 1597 trennte sich das protestantisch gewordene Appenzell Ausserrhoden vom katholisch gebliebenen Appenzell Innerrhoden. Die Abspaltung des überwiegend katholischen Kantons Jura vom mehrheitlich reformierten Kanton Bern im Jahr 1978 geht teilweise ebenfalls auf konfessionelle Gegensätze zurück. Die französischsprachigen, aber mehrheitlich reformierten Amtsbezirke des Südjuras entschieden sich dagegen für den Verbleib beim Kanton Bern.