Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Kanton Wallis
Kanton Wallis lanciertes Projekt gegen den brain drain.
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Geographie
Das Wallis (Kürzel VS; französisch Valais) ist ein Kanton im Südwesten der Schweiz. Es ist zweisprachig: Im westlichen Teil wird vor allem Französisch, im östlichen Teil Deutsch beziehungsweise Walliserdeutsch gesprochen. Der Hauptort ist Sitten (Sion). Das Wallis trat 1815 als 22. Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei. Mit 5224,64 km² ist es flächenmässig der drittgrösste Kanton der Schweiz und liegt vollständig in den Alpen. Am 30. September 2025 hatte es 374'461 Einwohnerinnen und Einwohner, bei einer Einwohnerdichte von 72 Einwohnern pro km².
Geographisch besteht das Wallis vor allem aus dem Rhonetal vom Rhonegletscher bis zum Genfersee und aus vielen Seitentälern. Im Norden liegen die Berner und Waadtländer Alpen, im Süden die Walliser Alpen. Dort befinden sich einige der höchsten Berge der Schweiz und der Alpen, darunter die Dufourspitze mit 4634 m ü. M., der höchste Berg der Schweiz, sowie Dom, Matterhorn, Weisshorn und Grand Combin. Mit Aletschgletscher, Gornergletscher und Walliser Fieschergletscher liegen auch die drei grössten Gletscher der Alpen im Wallis. Der tiefste Punkt liegt bei 372 m ü. M. am Genfersee.
Wichtige Seitentäler nördlich der Rhone sind Fieschertal, Lötschental und Dalatal. Südlich der Rhone liegen unter anderem Binntal, Saastal, Mattertal, Val d’Anniviers, Val d’Hérens, Val de Bagnes, Val d’Entremont und Val d’Illiez. Der Kanton ist in 13 Bezirke gegliedert, die auf dem Kantonswappen durch 13 Sterne dargestellt werden. Zu den grösseren Gemeinden zählen Sitten, Martigny, Monthey, Siders, Brig-Glis, Val de Bagnes, Naters, Crans-Montana und Collombey-Muraz.
Klima, Natur und Bevölkerung
Das Wallis ist ein inneralpines Trockental. Es erhält vielerorts nur 500 bis 600 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Die umliegenden Gebirge fangen einen grossen Teil der Niederschläge ab. Dadurch entstehen kalte Winter, trockene Sommer, starke Temperaturunterschiede und klare Luft. Besonders das Unterwallis gehört zu den trockensten Tälern Europas. Das trockene Klima beeinflusst auch die Vegetation: Neben Weinreben können an manchen Stellen sogar Kakteen wachsen. Zur Bewässerung wurden früher und teils bis heute Wasserleitungen genutzt, die Suonen oder Bissen heissen.
Die Natur des Wallis ist durch die trockene, alpine Lage geprägt. Der Artikel nennt unter anderem Hirsch, Steinbock, Gämse, Reh, Wolf und Luchs sowie im Wallis die einzige Wildpopulation des Mufflons in der Schweiz. Auch besondere Vogelarten wie Alpenkrähe, Bienenfresser, Italiensperling und Bartgeier werden erwähnt. Bei Pflanzen unterscheiden sich die schattigere Südseite und die sonnige Nordseite des Rhonetals deutlich. Auf der Sonnenseite kommt Felsensteppe vor; Weinberge haben dort aber viele frühere Steppenflächen ersetzt. Wichtige Schutzgebiete sind unter anderem die Naturpärke Binntal und Pfyn-Finges sowie Les Follatères bei Martigny. Der Naturabschnitt des Artikels ist allerdings als nicht ausreichend belegt gekennzeichnet.
Sprachlich bildet das Wallis eine Grenze zwischen Deutschschweiz und Romandie. Östlich von Siders wird Deutsch beziehungsweise Walliserdeutsch gesprochen, westlich davon Französisch oder teilweise frankoprovenzalische Mundart. Bei der Volkszählung 2000 sprachen 62,8 Prozent Französisch, 28,4 Prozent Deutsch, 2,2 Prozent Italienisch und rund 6,6 Prozent andere Sprachen. Das Walliserdeutsch des Oberwallis ist ein höchstalemannischer Dialekt und wird von rund 80'000 Wallisern gesprochen.
Religiös ist das Wallis traditionell römisch-katholisch. 2017 gehörten 77,2 Prozent der Gesamtbevölkerung der römisch-katholischen Kirche an, 5,9 Prozent der evangelisch-reformierten Kirche. In einer Stichprobenerhebung 2017 unter Personen ab 15 Jahren waren 15,3 Prozent konfessionslos. Viele junge Menschen verlassen das Wallis zeitweise oder dauerhaft für Ausbildung und Arbeit. 2004 arbeiteten rund zwei von drei Wallisern mit höherer Ausbildung nach ihrem Abschluss nicht im Heimatkanton; der Artikel beschreibt dies als Talentabwanderung.
Geschichte, Kultur und Bildung
Das Gebiet des heutigen Wallis wurde nach 57 v. Chr. von den Römern erobert und hiess Vallis Poenina. Um 888 wurde es Teil des Königreichs Burgund. Im Jahr 999 übergab König Rudolf III. von Burgund die Grafschaft Wallis mit allen Rechten und Privilegien an den Bischof von Sitten. Vom 15. Jahrhundert bis 1798 war das Wallis in sieben Zehnden eingeteilt und wurde als Republik der sieben Zehnden bekannt. Diese Republik setzte im 16. Jahrhundert ihre Eigenständigkeit von den Bischöfen von Sitten durch. Napoleon I. erklärte das Gebiet 1802 zur unabhängigen Republik Wallis und 1810 zum französischen Département Simplon. 1815 trat das Wallis der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei. Die heutige Kantonsverfassung stammt von 1907, wurde aber mehrfach geändert. Frauen sind im Kanton seit 1970 stimmberechtigt.
Die Walliser Fahne zeigt 13 Sterne in drei vertikalen Reihen auf rot-weissem Grund. Rot und Weiss waren die Farben des Bischofs von Sitten; die 13 Sterne stehen für die Zehnden beziehungsweise Bezirke. Als Kantonshymnen gelten seit 2016 das Walliser Lied „Wallis, unser Heimatland“ und die Instrumentalversion des Marignan-Marsches.
Die Walliser Küche unterscheidet sich von anderen Schweizer Regionalküchen. Typische Produkte sind Walliser Roggenbrot, Walliser Trockenfleisch und Walliser Safran. Ein Walliser Teller enthält unter anderem Trockenfleisch, Trockenspeck, Rohschinken, Trockenwurst, Roggenbrot und Käse. Typische Gerichte sind Walliser Raclette, Gsottus und Cholera, ein Gemüsekuchen mit Lauch, Kartoffeln, Käse und Äpfeln. Wichtige Weine sind Fendant und Dôle; Fendant darf nur von Weinen aus dem Kanton Wallis getragen werden.
Im Bildungswesen besuchen Kinder seit 2008 ab dem Alter von vier Jahren zwei Jahre Kindergarten. Danach folgen sechs Jahre Primarschule und drei Jahre Orientierungsschule, also Sekundarstufe I. Die Sekundarstufe II umfasst berufliche Grundbildung, Fachmittelschule oder Gymnasium. Auf Tertiärstufe gibt es höhere Berufsbildung, höhere Fachschulen und Hochschulen.
Politik und Verwaltung
Die Kantonsverfassung des Wallis stammt vom 8. März 1907 und wurde seither mehrfach teilrevidiert. Die Legislative, also die gesetzgebende Gewalt, ist der Grosse Rat. Er hat 130 Mitglieder, die vom Volk im Proporzsystem für vier Jahre gewählt werden. Gleichzeitig werden 130 Stellvertreter gewählt. Ein fakultatives Referendum ist möglich, wenn 3000 Stimmberechtigte innerhalb von 90 Tagen nach Veröffentlichung eines Gesetzes eine Volksabstimmung verlangen. Verfassungsänderungen unterliegen dem obligatorischen Referendum. Für eine Gesetzesinitiative braucht es 4000 Unterschriften, für eine Verfassungsinitiative 6000.
Die Exekutive, also die Regierung, ist der Staatsrat. Er besteht aus fünf Mitgliedern und wird direkt vom Volk im Majorzsystem auf vier Jahre gewählt. Die drei Regionen Oberwallis, Mittelwallis und Unterwallis haben Anspruch auf mindestens einen Sitz im Staatsrat. Für die Amtszeit 2025–2029 nennt der Artikel Christophe Darbellay, Stéphane Ganzer, Franz Ruppen, Franziska Biner und Mathias Reynard als Mitglieder.
Die Judikative, also die Rechtsprechung, hat als oberstes kantonales Gericht das Kantonsgericht in Sitten. Es ist für Zivil- und Straffälle sowie für Sozialversicherungsrecht und Verwaltungsrecht zuständig. In erster Instanz bestehen neun Bezirksgerichte für Zivil- und Straffälle. Auf Gemeindeebene gibt es Gemeinderichterämter als Schlichtungsbehörden sowie Polizeigerichte.
Die lokalen öffentlich-rechtlichen Körperschaften sind Munizipalgemeinden, Burgergemeinden und Pfarr- beziehungsweise Kirchgemeinden. 2021 gab es 122 Munizipalgemeinden, 141 Burgergemeinden, 157 römisch-katholische Pfarrgemeinden und 10 evangelisch-reformierte Kirchgemeinden. Parteipolitisch verlor die CVP ihre frühere dominante Stellung teilweise: In der Regierung hält sie nach Majorzwahl weiterhin die absolute Mehrheit, im Parlament verlor sie 2013 die absolute Mehrheit. Auf Bundesebene hat das Wallis acht Sitze im Nationalrat und zwei im Ständerat.
Wirtschaft und Tourismus
Das Bruttoinlandsprodukt des Wallis betrug 2022 21,8 Milliarden Franken, Platz 12 unter den 26 Kantonen. Das BIP pro Kopf lag bei 61'387 Franken, womit der Kanton Platz 25 belegte. Wichtige Wirtschaftsbereiche sind Tourismus, Landwirtschaft, Energie, Chemie und Industrie.
Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftssektor. 2016 trug die Tourismusbranche eine Bruttowertschöpfung von 2,39 Milliarden Franken bei. Etwa 18,6 Prozent aller Arbeitsplätze im Kanton hängen direkt vom Tourismus ab, im Oberwallis sogar ungefähr jeder dritte Arbeitsplatz. Bedeutende touristische Orte und Gebiete sind unter anderem Zermatt mit dem Matterhorn, das Aletschgebiet im UNESCO-Weltnaturerbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch, Saas-Fee, Leukerbad, Crans-Montana, Verbier, das Val d’Anniviers und das Unterwallis mit Martigny, Saint-Maurice und Portes du Soleil. Für den Wintersport nennt der Artikel 60 Destinationen mit insgesamt 603 km Langlaufloipen und/oder 3096 km Skipisten. Bedeutende Skigebiete sind unter anderem Portes du Soleil, 4 Vallées, Zermatt, Crans-Montana, Aletsch Arena und Saas-Fee.
In der Landwirtschaft ist das Wallis das grösste Weinanbaugebiet der Schweiz mit über 4636 Hektaren Rebfläche. Rebbau ist besonders im Unterwallis und Mittelwallis wichtig, reicht aber stellenweise bis ins Oberwallis. Neben Fendant werden alte Sorten wie Humagne, Petite Arvine, Amigne, Resi oder Malvoisie wieder stärker genutzt. Aus dem Wallis stammen etwa 95 Prozent der Schweizer Aprikosen und die Hälfte der Birnen. Auch Gemüse, Spargel und Safran aus Mund spielen eine Rolle. 2020 wurden 20,6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche durch 387 Betriebe biologisch bewirtschaftet.
Die Industrie umfasst unter anderem die Chemie- und Pharmaindustrie mit Lonza in Visp, die Energiewirtschaft mit vielen Speicherkraftwerken, Aluminiumstandorte von Constellium und den Industriebetrieb der Scintilla AG in St. Niklaus. Bedeutende Stauseen sind Grande Dixence am Lac des Dix, eine der höchsten Staumauern der Welt und mit 285 m die höchste Europas, sowie Lac de Mauvoisin, Lac de Tseuzier, Lac de Moiry, Lac d’Emosson, Sanetschsee, Mattmark, Griessee, Ferden und Gibidum.
Verkehr
Das Wallis ist durch Bahn, Strassen, Postautolinien, Seilbahnen und touristische Bergbahnen erschlossen. Wichtige Bahnknoten sind Brig-Glis und Visp. Brig liegt an den Strecken Genf–Lausanne–Mailand und Basel–Bern–Mailand; Autozüge fahren durch den Simplontunnel nach Iselle di Trasquera. Der Lötschberg-Basistunnel wurde 2007 eröffnet und machte Visp zu einem wichtigen Umsteigebahnhof. Weitere Strecken sind unter anderem Lausanne–Simplon, Bern–Lötschberg–Simplon, Martigny–Orsières–Le Châble und Saint-Maurice–Saint-Gingolph.
Mehrere Schmalspurbahnen und Zahnradbahnen erschliessen alpine Regionen. Dazu gehören die Matterhorn-Gotthard-Bahn, der Mont-Blanc Express, die Aigle-Ollon-Monthey-Champéry-Bahn und die Gornergratbahn. Die Bergstation der Gornergratbahn liegt auf 3089 m ü. M.; sie ist nach der Jungfraubahn die zweithöchste Bergbahn Europas. Etwa 30 Prozent der Schweizer Seilbahnen entfallen auf das Wallis, verteilt auf 455 Anlagen. Zusätzlich gibt es 78 Postautolinien.
Auf der Strasse führt die Autobahn A9 durch Waadt und Wallis, ist im Wallis aber teilweise noch nicht vollständig doppelspurig und richtungsgetrennt. Das Teilstück zwischen Susten und Gampel wurde 2016 fertiggestellt; die Schliessung der Verbindung von Siders Ost bis Gamsen wird erst für die späten 2020er Jahre erwartet. Wichtige Passstrassen sind Simplonpass, Grosser St. Bernhard, Pas de Morgins, Col de la Forclaz, Nufenenpass, Furkapass, Grimselpass und Sanetschpass. 2025 lag der Motorisierungsgrad bei 657,1 Personenwagen pro 1000 Einwohner.