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Religionen in Esslingen
In Esslingen findet sich mit der Kirche Mariä Verkündigung die größte griechisch-orthodoxe Kirche Europas außerhalb Griechenlands. Die dreischiffige …
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Religiöse Vielfalt und Entwicklung
Esslingen ist religiös vielfältig. Neben evangelischen und römisch-katholischen Christen leben dort unter anderem griechisch-orthodoxe Christen, Angehörige verschiedener Freikirchen und christlicher Sondergemeinschaften, Muslime, Juden und Bahai. Zugleich ist der Anteil der Konfessionslosen und der Menschen, die anderen Glaubensgemeinschaften angehören, deutlich gestiegen.
Um 2000 waren etwa 39 % beziehungsweise 35.100 Einwohner evangelisch und rund 27 % beziehungsweise 24.300 katholisch. Laut Zensus vom 9. Mai 2011 waren 32,8 % evangelisch, 23,1 % römisch-katholisch und 44,2 % gehörten anderen Konfessionen oder Religionsgemeinschaften an oder waren konfessionslos. Am 31. Dezember 2023 betrugen die entsprechenden Anteile 22,8 % evangelisch, 17,6 % katholisch und 59,6 % konfessionslos oder einer anderen Glaubensgemeinschaft zugehörig.
Katholische Gemeinden
Das katholische Leben Esslingens reicht bis in die Frühzeit der Stadt zurück. Bei der ersten Erwähnung Esslingens im Jahr 777 gehörte die Kirche Abt Fulrad von Saint-Denis. Er vermachte die Cella, also eine kleine klösterliche Niederlassung, zusammen mit den Gebeinen des Märtyrers Vitalis der Abtei Saint-Denis bei Paris. Esslingen entwickelte sich dadurch zu einem bedeutenden Pilgerort und erhielt um 800 das Marktrecht, vermutlich zur Versorgung der Pilger und zur Sicherung der Klostereinnahmen. 1213 schenkte Kaiser Friedrich II. die Esslinger Stadtkirche dem Domkapitel Speyer.
Im 13. Jahrhundert entstanden große Kirchen, Klöster und die Neckarbrücke; zugleich wurde St. Vitalis erweitert. Dominikaner, Franziskaner und Karmeliter vertraten als Bettelorden die Ideale von Armut, Buße und Sorge um das Seelenheil. Die Esslinger Bevölkerung gehörte damals zum Bistum Konstanz und zum Archidiakonat Alb; die Stadt war Sitz des Landkapitels Esslingen.
Nach der Reformation blieb nur eine kleinere katholische Bevölkerung zurück. Sie hielt Gottesdienste in der Marienkapelle beim Kaisheimer Pfleghof. 1806 wurde wieder offiziell eine katholische Gemeinde gegründet. Sie nutzte zunächst die Kirche des Katharinenspitals, bis diese 1811 abgebrochen wurde, und anschließend die Frauenkirche. 1821 kam die Gemeinde zum neu gegründeten Bistum Rottenburg. 1861 erwarb sie die ehemalige Dominikanerkirche St. Paul, die 1864 als katholische Pfarrkirche geweiht wurde.
Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden wegen des Zuzugs katholischer Flüchtlinge und Heimatvertriebener weitere Gemeinden. Sie bilden heute die Seelsorgeeinheiten 8 und 9 im Katholischen Dekanat Esslingen-Nürtingen der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Zur Seelsorgeeinheit 8 gehören das Münster St. Paul sowie St. Josef in Hohenkreuz, Maria Hilfe der Christen in Mettingen und St. Elisabeth in der Pliensauvorstadt. Zur Seelsorgeeinheit 9 zählen St. Maria Schmerzhafte Mutter in Berkheim, Albertus Magnus in Oberesslingen, Zur heiligsten Dreifaltigkeit in Zell und St. Augustinus in Zollberg.
Evangelische Prägung
Die Reformation machte Esslingen über mehrere Jahrhunderte zu einer überwiegend protestantischen Stadt. 1526 wurde der erste evangelische Pfarrer angestellt. Ab 1531 waren freie Predigten erlaubt, und der Reformator Ambrosius Blarer wurde berufen. 1532 zerstörte ein Bildersturm die Innenausstattung der Kirchen. Esslingen trat 1531 dem Schmalkaldischen Bund bei, einem Bündnis protestantischer Territorien und Städte. Nach dessen Niederlage gegen Kaiser Karl V. musste die Stadt ab 1548 wieder die katholische Messe dulden; bereits 1551 fanden jedoch erneut evangelische Gottesdienste statt. Danach setzte sich zunehmend das lutherische Bekenntnis durch.
Als Freie Reichsstadt regelte Esslingen seine kirchlichen Angelegenheiten selbst. Seit 1698 leitete ein Superintendent, auch Senior genannt, die Kirche der Stadt. Nach dem Übergang an Württemberg 1802 wurde Esslingen Sitz eines Dekanats, also eines regionalen evangelischen Kirchenbezirks. Der Senior an der Stadtkirche St. Dionysius wurde Dekan.
Wichtige evangelische Kirchen in der Innenstadt sind die Stadtkirche St. Dionysius und die Frauenkirche. Die ehemalige Franziskanerklosterkirche, auch Hintere Kirche genannt, verlor Anfang des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit ihr Langhaus; ihr Chor wurde 1840 in das evangelische Gemeindehaus der Stadtkirchengemeinde einbezogen.
In den Stadtteilen entstanden eigene Kirchen und Gemeinden. Genannt werden unter anderem Hegensberg-Liebersbronn, Hohenkreuz, die Johanneskirchengemeinde, Mettingen, St. Bernhardt, die Südkirchengemeinde, Sulzgries und Zollberg. Die drei früheren Oberesslinger Gemeinden Martinskirche, Versöhnungskirche und Gartenstadtkirche sind inzwischen zu einer Kirchengemeinde fusioniert. Auch Berkheim und Zell besitzen evangelische Gemeinden, weil beide Orte früh zu Württemberg gehörten und dort ebenfalls die Reformation eingeführt wurde. Alle evangelischen Kirchengemeinden im Esslinger Stadtgebiet gehören zum Dekanat Esslingen innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Daneben bestehen evangelische Gemeinschaften wie die Süddeutsche Gemeinschaft.
Weitere christliche Gemeinschaften
Schon 1527 entstand in Esslingen eine Gemeinde der reformatorischen Täufer. Gegen sie wurde 1529 mit sechs Todesurteilen vorgegangen; noch 1598 wurden Täufer in der Stadt festgenommen. Heute gehören zur Vereinigung Evangelischer Freikirchen die Siebenten-Tags-Adventisten, die seit 1920 vertreten sind, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde der Baptisten mit der Begegnungskirche und die Evangelisch-methodistische Kirche mit der seit 1860 bestehenden Friedenskirche. Nicht zur Vereinigung gehören die Christadelphianer in Wäldenbronn und die Volksmission entschiedener Christen.
Mit der 1995 fertiggestellten Kirche Mariä Verkündigung steht in Esslingen die größte griechisch-orthodoxe Kirche Europas außerhalb Griechenlands. Die dreischiffige Basilika ist ein verkleideter und in klassisch-orthodoxer Weise ausgemalter Betonbau. In der Apsis ist die thronende Gottesmutter mit dem Jesuskind dargestellt, begleitet von den Erzengeln Michael und Gabriel. Das Kuppelgemälde zeigt Christus als Pantokrator, also als Weltenherrscher.
Weitere Gemeinschaften mit christlichem Hintergrund sind die Neuapostolische Kirche seit 1905, die Christliche Wissenschaft seit 1920, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und die Christengemeinschaft jeweils seit 1922 sowie die Zeugen Jehovas seit 1930.
Jüdisches und muslimisches Leben
In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge im Heppächer geschändet. Menschen, die nach der nationalsozialistischen Ideologie als Juden galten, wurden zur Vernichtung in den Osten deportiert. 2012 bekannten sich wieder mehr als 200 Esslinger Bürger zum jüdischen Glauben. Anfang 2012 wurde das ehemalige Synagogengebäude im Heppächer der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs in Form eines Erbbaurechts rückübertragen; dort war die Einrichtung eines Gemeindezentrums geplant.
Mit weit über 8.000 Gläubigen bilden Muslime nach den Christen die größte Glaubensgemeinschaft Esslingens. Die älteste muslimische Gemeinde ist die zur IGMG gehörende Islamische Gemeinschaft Esslingen e. V., auch Fatih Moschee genannt. Der Verein wurde 1978 unter dem Namen „Die Welt des Islams“ gegründet und hatte mehr als 300 aktive Mitglieder. Neben täglichen Gebeten sowie Freitags- und Festgebeten bietet er im Fastenmonat Ramadan das Iftar, das Fastenbrechen, für Mitglieder und Nichtmitglieder an. Er beteiligt sich außerdem an Straßenaktionen und am Esslinger Bürgerfest.
Der 1991 gegründete DİTİB-Ableger ist nach der Mitgliederzahl der größte muslimische Verein der Stadt. Sein zu Beginn der 2000er Jahre gestellter Antrag auf einen Moscheebau löste kontroverse Diskussionen über Christentum und Islam aus. Der Verein distanzierte sich mehrfach vom Missbrauch des Korans für machtpolitische und gewalttätige Zwecke. Für die genehmigte Moschee in der Rennstraße 9 wurden unter anderem ein 440 m² großer Gebetssaal, ein Veranstaltungssaal, eine Teestube, Unterrichts- und Besprechungsräume, ein Jugendraum, eine Tiefgarage mit 32 Stellplätzen und ein 25 m hohes Minarett geplant. Der Spatenstich erfolgte am 6. Mai 2006; seit dem Sommer 2008 ist der Rohbau fertig. Für den Innenausbau wurden Spenden gesammelt.
Bahai-Gemeinde
Bereits 1908 bestand in Esslingen eine kleine Bahai-Gemeinde; heute befindet sich ihr Zentrum im Stadtteil Krummenacker. Für die Bahai-Geschichte ist die Stadt besonders bedeutsam, weil ʿAbdul-Baha', der Sohn des Religionsstifters dieser abrahamitischen Weltreligion, 1913 aus Palästina anreiste und frühe Gläubige in Europa und Esslingen besuchte. Ihm zu Ehren fand im Alten Museum, der heutigen Gaststätte Reichsstadt, ein Kinderfest statt.
Ein Beispiel für die Zusammenarbeit verschiedener Religionen war die multireligiöse Friedensandacht im Januar 2003. Sie wurde von der Bahai-Gemeinde gemeinsam mit evangelischen, katholischen und muslimischen Gemeinden in der Frauenkirche veranstaltet.