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Rücküberweisung (Migranten)
Remittances werden international unterschiedlich abgegrenzt; so weist der Internationale Währungsfonds in der Zahlungsbilanzstatistik unter Berücksichtigung …
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Begriff und Bedeutung
Rücküberweisungen sind Auslandsüberweisungen von Ausländern an Verwandte oder andere Zahlungsempfänger in ihren Herkunftsländern. Sie dienen nicht der Tilgung einer Verbindlichkeit, sondern vor allem dem Unterhalt von Personen. Weitere Bezeichnungen sind Heimatüberweisungen, Remittances, Rimessen und Transferzahlungen. Im englischsprachigen Raum ist „Remittance“, in der Schweiz „Rimesse“ gebräuchlich.
Die Weltbank rechnet zu Remittances Arbeitseinkommen von vorübergehenden ausländischen Arbeitskräften, etwa bei Saisonarbeit von unter 12 Monaten, Rücküberweisungen von Arbeitsmigranten, die länger als 12 Monate im Land sind, sowie Vermögensübertragungen.
Für Haushalte in den Herkunftsländern sind solche Zahlungen oft eine wichtige Einkommensquelle. Staaten mit Leistungsbilanzdefizit können durch Rücküberweisungen ihre Zahlungsbilanz ausgleichen helfen.
Formelle und informelle Wege
Formelle Transfers erfolgen über Kreditinstitute, Finanzdienstleister oder Zahlungsinstitute wie Western Union und MoneyGram. Diese Unternehmen unterliegen der Bankenaufsicht.
Informelle Transfers entstehen beispielsweise, wenn Migranten Bargeld bei einer Reise in die Heimat mitnehmen. Dazu zählen auch illegale Zahlungssysteme wie Hawala, die zur Schattenwirtschaft gehören. Wirtschaftlich zählen außerdem Güter zu den Transfers, die als Schenkung in das Heimatland übertragen werden.
Eine vollständige statistische Erfassung ist schwierig: Formelle Zahlungen unterschreiten meist die Meldegrenze von 12.500 Euro pro Zahlung nach § 67 Abs. 2 AWV; durch Smurfing kann diese Grenze umgangen werden. Illegale Hawala-Systeme werden überhaupt nicht erfasst.
Zahlen und internationale Verteilung
Die Deutsche Bundesbank schätzte die Rücküberweisungen aus Deutschland 2023 auf rund 6,8 Mrd. Euro. Rund 75 % der Zahlungen gingen an europäische Empfängerländer. Zu den wichtigsten Empfängern gehörten Türkei mit 843 Mill. Euro, Rumänien mit 604 Mill. Euro, Polen mit 534 Mill. Euro, Ukraine mit 451 Mill. Euro, Italien mit 389 Mill. Euro und Syrien mit 360 Mill. Euro. Weitere genannte Länder sind Kroatien mit 275 Mill. Euro, Serbien mit 255 Mill. Euro, Bulgarien mit 253 Mill. Euro, Griechenland mit 213 Mill. Euro, Afghanistan mit 139 Mill. Euro und Irak mit 109 Mill. Euro.
Weltweit überwiesen Migranten nach Berechnungen der Weltbank 2012 insgesamt 529 Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer, mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2000 und mehr als doppelt so viel wie weltweit an Entwicklungshilfe. Für 2023 werden die Rücküberweisungen auf 656 Milliarden US-Dollar geschätzt. 2012 gingen jeweils über 60 Milliarden Dollar allein nach Indien und China. Die tatsächlichen Beträge dürften höher sein: Weltbank-Experten schätzten weitere 250 Milliarden Dollar über informelle Wege wie Busfahrer, reisende Familienmitglieder oder Hawala.
Bei den Herkunftsstaaten der Zahlungen lagen 2000, 2005, 2010 und 2015 stets die Vereinigten Staaten auf Platz eins und Saudi-Arabien mit deutlichem Abstand auf Platz zwei. Bei den Empfängerstaaten lag 2000 Indien vor Frankreich, 2005 China vor Mexiko und knapp vor Indien. 2010 und 2015 standen Indien und China, jeweils mit deutlichem Abstand zu anderen Ländern, an den ersten beiden Stellen.
Die internationale Abgrenzung von Remittances ist nicht einheitlich. Der Internationale Währungsfonds weist unter Einbeziehung der „Compensation of Employees“ höhere Beträge aus. In einer engen Abgrenzung, die nur Erwerbseinkommen aus unselbständiger Arbeit erfasst, wurden für Deutschland 2004 gut 6 Mrd. Euro ausgewiesen.
Beschränkungen und politische Regelungen
Die Erwartung, nach einer Migration Geld in die Heimat überweisen zu können, dürfte eine treibende Kraft internationaler Migration sein. In Deutschland sollen Rücküberweisungen von Asylbewerbern durch die Bezahlkarte nicht mehr möglich sein. Im November 2023 vereinbarten die Bundesländer, einen Teil der staatlichen Leistungen als Guthaben statt als Bargeld bereitzustellen. Die Bankkarte ist für Überweisungen, insbesondere Auslandsüberweisungen, gesperrt; nur das Taschengeld bleibt als Bargeld verfügbar. Im Inland kann mit der Karte bargeldlos bezahlt werden.
Auch finanzpolitische Regeln beeinflussen Rücküberweisungen. Der US-amerikanische Big Beautiful Bill von 2025 sieht ab dem 1. Januar 2026 eine „remittance tax“ von 1 % auf sämtliche Bargeldtransfers ins Ausland vor. Ausgenommen sein sollen Überweisungen und Zahlungen mit US-amerikanischen Kreditkarten. Die Steuer soll unabhängig von der Staatsangehörigkeit der zahlenden Person gelten. Ursprünglich war eine höhere, umfassendere Steuer geplant.
Historisch wird für Frankreich berichtet, dass eingeschränkter Devisentransfer Rücküberweisungen verringerte. Kritiker weisen zudem darauf hin, dass über Dienste wie Western Union oder MoneyGram auch Terroristen Geld überweisen können.
Wirtschaftliche Wirkungen
Nach Schätzungen der Weltbank wurden 2006 etwa 200 Mrd. US-Dollar auf formellen und informellen Wegen in Entwicklungsländer transferiert. Mit nicht registrierten Transfers könnte sich dieser Betrag verdoppeln. Das Volumen ist damit wesentlich größer als die offizielle Entwicklungshilfe und steht in den Herkunftsländern meist nach Direktinvestitionen an zweiter Stelle.
Rücküberweisungen stabilisieren Währungen in Empfängerländern und können dadurch Importe verbilligen. Zugleich kann dies die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure schwächen. Menschen ohne Rücküberweisungen spüren die Inflation stärker. Eine stabile Währung kann jedoch ausländische Direktinvestitionen und Portfolioinvestitionen begünstigen, die Vermögensbildung verbessern und niedrigere Leitzinsen der Zentralbank ermöglichen.
Empfänger verwenden die Gelder überwiegend konsumtiv, etwa für Lebensmittel und Möbel, weniger investiv, beispielsweise für die Bildung der Kinder oder Hausbau. Dadurch können Rücküberweisungen Armut lindern. Formelle Transfers können allerdings Transaktionskosten von bis zu 17 % des Transferbetrags verursachen. Ihr Anteil am Volkseinkommen beträgt beispielsweise in Albanien 13,5 %, in Nepal 13,4 %, in Serbien 12 %, in Vietnam 10 %, in Marokko 9 % und in Sri Lanka 7,2 %.
In der Übertragungsbilanz führen Rücküberweisungen aus Deutschland ohne gleich hohe Gegenleistungen zu einem negativen Saldo. Dieser wirkt wie ein Import und verringert Zahlungsbilanzüberschüsse oder vergrößert Zahlungsbilanzdefizite. In den Herkunftsländern wirken die Zahlungen umgekehrt wie Exporte: Sie können Überschüsse erhöhen oder Defizite senken sowie Konsum und Investitionen fördern. Genannt werden aber auch negative Wirkungen auf Arbeitswilligkeit, Bildung und Wirtschaftswachstum. Die offizielle Statistik unterschätzt diese grenzüberschreitenden Zahlungen wahrscheinlich.