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Römische Währung
Nachdem die Römische Republik während ihres Aufstiegs zur Großmacht nur sehr unregelmäßig Bronze- und später auch Silberwährung ausgegeben hatte, wurde 212/211 …
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Grundlagen und frühe Zahlungsmittel
Die römische Währung umfasst alle Zahlungsmittel, die im antiken Römischen Reich gebraucht wurden. Sie ist wichtig, weil sich an ihr die wirtschaftliche Entwicklung Roms von der frühen Republik über die Kaiserzeit bis in die Spätantike verfolgen lässt. Neben staatlichen Münzen, den Reichsprägungen, gab es auch regionale Münzen von Städten und Provinzen, besonders im Osten des Reiches; diese heißen Provinzialprägungen.
Vor einer einheitlichen Währung beruhte der Wertverkehr vor allem auf Vieh und auf unregelmäßigen Bronzestücken, dem Aes rude. Deren Wert wurde durch Wiegen bestimmt, weil es noch keine festen Münznominale gab. Schriftlich belegt ist, dass römische Soldaten seit der Belagerung von Veji 406 v. Chr. mit Aera rudia bezahlt wurden. Im 4. Jahrhundert v. Chr. entstanden gegossene rechteckige Bronzebarren, Aes signatum, meist mit der Inschrift ROMANOM. Sie dienten als Zahlungsmittel, waren aber keine Münzen im engeren Sinn, weil sie die vorgesehenen Gewichtsanforderungen nicht zuverlässig erfüllten. Um 250 v. Chr. wurde ihre Herstellung eingestellt.
Erste Münzen und griechischer Einfluss
Nach der Überlieferung wurden 289 v. Chr. die ersten Münzmeister eingesetzt. Ihre Signatur lautete „III. VIR. AAAFF“, eine Abkürzung für tres viri aere argento auro flando feriundo, also das Dreimännerkollegium für das Einschmelzen und Schlagen von Bronze, Silber und Gold. Die Münzstätte Roms soll sich im Tempel der Iuno Moneta auf dem Kapitol befunden haben.
Ein frühes römisches Bronzemünzsystem wird heute Aes grave genannt. Es beruhte ursprünglich auf dem As, das ein römisches Pfund von 327 Gramm wog. Das Pfund war in 12 Unciae geteilt; die Uncia war also ein Zwölftel des Pfundes und zugleich ein Münznominal. Das Gewicht der Aes grave sank stark: um 270 v. Chr. auf 10 Unciae, um 215 v. Chr. auf 5 Unciae, um 211 v. Chr. auf 1 bis 1,5 Unciae und zu Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. auf nur noch 1/2 Unze, also 13,65 g. Frühe römische Münzen zeigten auf der Rückseite häufig einen Schiffsrumpf, die Prora, und auf der Vorderseite Götterbilder.
Rom prägte außerdem Münzen im griechischen Stil. Bereits um 300 v. Chr. entstanden kleine Bronzemünzen mit der Inschrift PΩMAIΩN, vermutlich in Neapel und wohl zur Förderung des Handels beim Bau der Via Appia ab 312 v. Chr. 281 v. Chr., im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Tarent und Pyrrhos I., ließ Rom die erste Silbermünze prägen, eine Didrachme. Weitere Silbermünzen übernahmen griechische Nominale wie Drachme und Didrachme. Der Quadrigatus wurde seit etwa 235 v. Chr. in großer Menge geprägt; sein Silbergehalt wurde während des Zweiten Punischen Krieges um 30 Prozent gesenkt.
Das Denarsystem der Republik
Im Jahr 211 v. Chr. wurde der Denar eingeführt. Er wurde zur Leitwährung des Römischen Reiches und blieb über vier Jahrhunderte zentral. Das dafür benötigte Silber stammte aus der Plünderung von Syrakus 212 v. Chr. Der Denar galt zunächst 10 Asse, trug deshalb die Wertzahl X und wog etwa 4,5 g, also ein Zweiundsiebzigstel eines römischen Pfundes. Zugleich wurden der Quinarius nummus als halber Denar mit dem Wertzeichen V und der Sesterz als Viertel-Denar mit dem Wertzeichen IIS eingeführt.
Die Denare zeigten anfangs auf der Vorderseite den behelmten Kopf der Göttin Roma und auf der Rückseite die reitenden Dioskuren. Später konnten Münzmeister die Motive freier gestalten; häufig erschienen Mythologie, römische Geschichte und Vorfahren der Münzmeister. Gaius Iulius Caesar war der erste noch lebende Mensch, der auf einer römischen Münze abgebildet wurde, nachdem der Senat ihm dieses Recht im Februar 44 v. Chr., seinem Todesjahr, verliehen hatte.
Auch Goldmünzen wurden in der Republik geprägt, zunächst um 216 v. Chr. als Stater und Halbstater. Um 213 v. Chr. wurden sie durch sogenannte Gold-Asse mit den Wertstufen 20, 40 und 60 ersetzt. Der Victoriatus, eine Silbermünze von etwa 3,41 g, wurde ebenfalls in hoher Auflage eingeführt, gehörte aber offenbar nicht direkt zum Denarsystem, sondern war eher für andere Gebiete bestimmt.
Nach der Einführung sank das Gewicht des Denars: von 4,5 g im Jahr 211 v. Chr. auf 4,2 g im Jahr 206 v. Chr., 3,9 g in den 190er Jahren und 3,7 g in den 170er Jahren. Der Grund ist unklar, hing anfangs aber wohl mit dem Zweiten Punischen Krieg zusammen. Um etwa 140 v. Chr. wurde der Wert des Denars auf 16 Asse festgelegt; die genaue Datierung ist unbekannt. Dieses Verhältnis blieb für die folgenden Jahrhunderte wichtig. Der Aureus ersetzte 83 v. Chr. die Gold-Asse und gewann am Ende der Republik stark an Bedeutung.
Kaiserzeit und Provinzen
Unter Caesar und Augustus wurde eine umfassende Reform der Reichswährung durchgeführt. Das System lautete: 1 Aureus aus Gold = 25 Denare aus Silber; 1 Denar = 4 Sesterze aus Messing; 1 Sesterz = 2 Dupondien; 1 Dupondius = 2 Asse aus Kupfer; 1 As = 2 Semis; 1 Semis = 2 Quadranten. Damit entsprach 1 Aureus auch 100 Sesterzen, 200 Dupondien, 400 Assen, 800 Semis oder 1600 Quadranten.
Dieses Schema blieb etwa zwei Jahrhunderte Grundlage der römischen Reichswährung. Viele Münzen der frühen und hohen Kaiserzeit trugen auf der Vorderseite das Bild des Kaisers und einen Titel wie Imperator Caesar, Augustus, Pontifex maximus, tribunicia potestate, Consul und Pater patriae. Die Jahresangaben der wiederholten Amtsverleihungen helfen bei der Datierung der Münzen und archäologischer Funde, auch wenn nicht jede Münze eindeutig datierbar ist. Rückseiten zeigten Götter, personifizierte Länder, Flüsse oder Städte sowie Hinweise auf militärische und politische Erfolge oder Bauprojekte.
Bis ins 3. Jahrhundert gab es daneben lokale Münzprägungen. Besonders Alexandrien hatte mit den Alexandrinischen Münzen eine eigene Binnenwährung für Ägypten. Das zentrale Nominal war dort die Billon-Tetradrachme, die im Lauf der Zeit immer mehr zu einer Bronzemünze mit sinkendem Silberanteil wurde. Auch Cistophori in Kleinasien und Tetradrachmen von Antiochia blieben regional wichtig. Für Gold- und Silbermünzen setzte sich jedoch die römische Reichswährung weitgehend durch. Bei Bronzemünzen prägten viele Städte, vor allem im Osten, weiterhin eigene Nominale, oft auf Grundlage des Assarion. Erst die Reformen Diokletians beendeten die provinziellen Eigenprägungen.
Krise, Reformen und Spätantike
Seit dem 3. Jahrhundert verfiel das römische Münzwesen zunehmend. Eine erste Münzverschlechterung hatte bereits Nero vorgenommen, danach blieb das System etwa 130 Jahre relativ stabil. Ab den Severern und besonders unter den Soldatenkaisern beschleunigte sich die Entwertung. Mitte des 3. Jahrhunderts enthielten manche Silbermünzen nur noch ein Zwanzigstel Silber. Kaiser Aurelian versuchte um 270 mit Gaius Valarius Sabinus eine Reform, unter anderem mit einem besonderen Antoninian; die Bemühungen scheiterten und gelten manchen Forschern sogar als möglicher Auslöser stärkerer Inflation.
Unter Diokletian wurden neue Reformen begonnen. Der Aureus wurde neu bewertet, reine Silbermünzen namens Argenteus wurden geprägt, und eine Ausgabe trug die Zahl XCVI (= 96), weil 96 Argentei einem römischen Pfund entsprachen. Alte Bronzemünzen wie der Sesterz wurden aufgegeben. Neu war eine Bronzemünze mit Silberanteil, der Nummus oder Follis. Konstantin der Große führte Anfang des 4. Jahrhunderts weitere Nominale ein: den Solidus und Teilstücke wie den Tremissis, außerdem Siliqua, Miliarense und Centenionalis. Besonders der Solidus blieb jahrhundertelang im Wesentlichen stabil und wurde zur Grundlage des spätantiken Währungssystems.
In der Spätantike wurden Münzen in bis zu 16 über das Reich verteilten Prägestätten hergestellt; dazu kam die mobile moneta comitatensis, die mit dem Kaiser reiste. Gold blieb relativ stabil, während die Verschlechterung der Bronzemünzen weiter Probleme verursachte. 346 ersetzten Constantius II. und Constans den Follis durch die Maiorina, konnten die Entwicklung aber nicht stoppen.
Im Osten löste sich die Münzprägung im späteren 5. Jahrhundert zunehmend von römischen Vorbildern. Anastasios I. reformierte Silber-, Kupfer- und Bronzewährung und führte 498 neue Kupfermünzen mit dem Follis ein; dies gilt traditionell als Beginn der byzantinischen Münzgeschichte. Dennoch blieben römische Formen, besonders der Solidus, noch lange wichtig. Im Westen und Osten gingen spätrömische Prägungen langsam in frühmittelalterliche beziehungsweise byzantinische Münztraditionen über. Germanisch beherrschte Reiche prägten bis weit ins 6. Jahrhundert Münzen nach west- oder oströmischem Vorbild, oft noch mit dem Bild des Kaisers. So beeinflusste die römische Währung die Währungen des europäischen Frühmittelalters stark.