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Lucius Cornelius Sulla Felix
Korruption sowie Konflikte um die Landverteilung und das Bürgerrecht hatten die römische Republik in einen Zustand innerer Gewalt geführt. In dieser Krise stieg …
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Sulla und die Krise der römischen Republik
Lucius Cornelius Sulla Felix (* um 138 v. Chr.; † 78 v. Chr. bei Puteoli) war ein römischer Politiker, Feldherr und Diktator in der späten Republik. Er stieg in einer Zeit auf, in der Streit um Land, Bürgerrechte und politische Macht sowie Korruption und militärische Gewalt die staatliche Ordnung erschütterten. Als führender Vertreter der Optimaten, die vor allem die Herrschaft des Senats sichern wollten, bekämpfte er die Popularen, die sich auf Volksversammlung und Volkstribunat stützten.
Sullas Bedeutung beruht auf seinen militärischen Erfolgen, seinen beiden Märschen auf Rom und seiner neuartigen, zeitlich unbeschränkten Diktatur. Nach seinem Sieg im Bürgerkrieg ließ er politische Gegner durch Proskriptionen verfolgen und töten. Zugleich reformierte er die Verfassung, stärkte den Senat und schränkte das Volkstribunat ein. Seine Ordnung blieb nur teilweise bestehen. Sulla wurde dadurch zum Beispiel dafür, wie militärische Macht, politische Gewalt und der Anspruch auf Rettung der Republik deren Institutionen zugleich zerstören konnten.
Aufstieg zum Feldherrn und Konsul
Sulla stammte aus dem patrizischen Geschlecht der Cornelier, aber aus einem politisch und finanziell wenig bedeutenden Familienzweig. Erst durch Erbschaften verfügte er über die Mittel für eine standesgemäße Laufbahn. Seine Jugend fiel in die Zeit der Reformversuche der Brüder Tiberius und Gaius Gracchus. Deren gewaltsamer Tod leitete eine Epoche zunehmender Bürgerkriege ein.
107 v. Chr. wurde Sulla Quästor und diente im Jugurthinischen Krieg unter Gaius Marius. Sulla gewann das Vertrauen des mauretanischen Königs Bocchus und bewirkte, dass der numidische König Jugurtha in einen Hinterhalt gelockt und ausgeliefert wurde. Weil Sulla den Erfolg öffentlich für sich beanspruchte, verschlechterte sich sein Verhältnis zu Marius. Der Krieg zeigte zugleich eine grundlegende Veränderung des römischen Militärs: Das Berufsheer band seine Soldaten stärker an den Feldherrn, der ihnen nach dem Dienst Land verschaffen sollte, als an die Republik.
Im Krieg gegen Kimbern und Teutonen diente Sulla erneut als Offizier. 104 v. Chr. nahm er Copillus, den Anführer der Tektosagen, gefangen; 103 v. Chr. gewann er die Marser durch Verhandlungen für Rom. 101 v. Chr. wurden die Kimbern bei Vercellae vernichtend geschlagen. Sulla näherte sich in dieser Zeit den Optimaten an.
Als Prätor und anschließend in Kilikien setzte er 96 v. Chr. Ariobarzanes I. wieder als König von Kappadokien ein und drängte Truppen Mithridates’ VI. bis zum Euphrat zurück. Dort führte er die erste diplomatische Begegnung zwischen Rom und dem Partherreich. Im Bundesgenossenkrieg, in dem viele italische Verbündete das römische Bürgerrecht forderten, errang Sulla wichtige Siege über die Samniten. Er eroberte unter anderem Stabiae, Herculaneum, Pompeji und Bovianum und erhielt von seinem Heer den Graskranz. Unterdessen verliehen die lex Iulia und die lex Plautia Papiria großen Gruppen der Italiker das Bürgerrecht. Aufgrund seiner militärischen Erfolge wurde Sulla für 88 v. Chr. zum Konsul gewählt und erhielt den Oberbefehl gegen Mithridates VI.
Märsche auf Rom und Krieg gegen Mithridates
Der Volkstribun Publius Sulpicius Rufus wollte 88 v. Chr. die Neubürger auf die bestehenden 35 Tribus verteilen und Sullas Oberbefehl im Krieg gegen Mithridates an Marius übertragen. Nach gewaltsamen Unruhen floh Sulla zu seinem Heer bei Nola. Seine Soldaten töteten die zur Übernahme des Heeres entsandten Militärtribunen und folgten Sulla nach Rom. Damit führte er als erster Römer seit dem sagenhaften Coriolanus ein Heer gegen die Hauptstadt.
Nach der Einnahme Roms ließ Sulla zwölf Gegner zu Staatsfeinden erklären. Sulpicius wurde getötet, Marius entkam nach Africa. Sulla hob die Maßnahmen des Sulpicius auf, machte Gesetzesanträge der Volkstribunen von der Zustimmung des Senats abhängig und verlagerte Entscheidungen zu den Zenturiatskomitien, in denen Vermögende mehr Einfluss besaßen. Danach brach er in den Osten auf.
Während seiner Abwesenheit nahmen Lucius Cornelius Cinna und Marius Ende 87 v. Chr. Rom ein und ließen zahlreiche Gegner töten. Sullas Besitz wurde eingezogen, sein Haus zerstört und er selbst geächtet. Marius starb kurz nach Beginn seines siebten Konsulats; Cinna beherrschte Rom bis zu seiner Ermordung durch meuternde Soldaten 84 v. Chr.
Mithridates VI. von Pontos hatte unterdessen große Teile Kleinasiens und Griechenlands gewonnen. Bei dem Blutbefehl von Ephesos wurden nach antiker Überlieferung 80.000 Italiker und Römer ermordet. Sulla setzte 87 v. Chr. mit fünf Legionen nach Griechenland über, eroberte im März 86 v. Chr. Athen und anschließend den Peiraieus. Bei Chaironeia und Orchomenos schlug er zahlenmäßig überlegene pontische Heere, wobei Gräben deren Kavallerie und Sichelwagen behinderten.
Im Frieden von Dardanos 85 v. Chr. musste Mithridates seine Eroberungen aufgeben, 2.000 Talente zahlen und 70 Kriegsschiffe ausliefern. Die abgefallenen Städte der Provinz Asia belastete Sulla mit insgesamt 20.000 Talenten sowie weiteren Abgaben und Einquartierungen; loyale Gemeinden erhielten Privilegien. Danach stellte er das konkurrierende populare Heer des Gaius Flavius Fimbria. Dessen Soldaten liefen zu Sulla über, woraufhin Fimbria Selbstmord beging.
83 v. Chr. kehrte Sulla mit angeblich 40.000 Mann nach Italien zurück. Ihm schlossen sich unter anderem Marcus Licinius Crassus, Gnaeus Pompeius und Lucius Sergius Catilina an. Nach zahlreichen Siegen besiegte sein Heer 82 v. Chr. Samniten und Lukaner an der Porta Collina vor Rom; besonders der von Crassus geführte rechte Flügel entschied die Schlacht. Anschließend wurden auf dem Marsfeld mehrere Tausend gefangene Samniten getötet. Mit der Kapitulation von Praeneste und dem Tod des jüngeren Marius brach der Widerstand der Popularen zusammen.
Diktatur und Proskriptionen
Da beide Konsuln des Jahres 82 v. Chr. tot waren, wurde Lucius Valerius Flaccus zum Interrex, also zum vorläufigen Leiter des Staates, bestimmt. Er brachte die lex Valeria vor die Volksversammlung. Auf ihrer Grundlage wurde Sulla zum dictator legibus scribundis et rei publicae constituendae ernannt, zum „Diktator, um Gesetze zu geben und den Staat zu ordnen“. Anders als die traditionelle, zeitlich begrenzte Notstandsdiktatur war dieses Amt zeitlich unbeschränkt.
Sulla legitimierte seine Herrschaft durch militärischen Erfolg und göttliche Begünstigung. Der Beiname Felix bedeutet „der Glückliche“; wann er ihn annahm, ist umstritten. Eine goldene Reiterstatue, ein Triumph über Mithridates Ende Januar 81 v. Chr. und die jährlich vom 26. Oktober bis 1. November gefeierten ludi victoriae Sullanae sollten seinen Anspruch als siegreicher Retter des Staates darstellen.
Die Proskriptionen hatten bereits vor der Diktatur begonnen und wurden durch die lex Valeria nachträglich gebilligt. Auf öffentlichen Listen verzeichnete Personen durften von jedermann getötet werden; für ihren Kopf wurden 12.000 Denare gezahlt, während Hilfe für einen Proskribierten mit dem Tod bestraft wurde. Die Listen waren nicht verlässlich kontrolliert und konnten willkürlich ergänzt werden. Bis zum Ende der Proskriptionen am 1. Juni 81 v. Chr. wurden nach der Überlieferung 4.700 römische Bürger getötet.
Auch Kinder und Enkel der Geächteten verloren politische Rechte. Das Eigentum der Opfer wurde versteigert, oft weit unter seinem Wert. Dadurch bereicherten sich Anhänger Sullas wie Crassus und der Freigelassene Chrysogonos; insgesamt flossen 350 Millionen Sesterzen in die Staatskasse. Die Proskriptionen dienten daher nicht nur der Ausschaltung politischer Gegner, sondern auch persönlicher Bereicherung. Caesar, ein Verwandter des Marius, wurde verfolgt, aber auf Fürsprache der Vestalinnen und von Freunden Sullas begnadigt.
Verfassungsordnung und Absicherung
Sullas Reformen sollten die Senatsherrschaft dauerhaft wiederherstellen. Er übertrug die Strafgerichtshöfe den Senatoren und schuf sieben neue ständige Gerichtshöfe, sogenannte quaestiones. Den durch Krieg und Proskriptionen geschwächten Senat vergrößerte er von 300 auf 600 Mitglieder. Künftig führte die Bekleidung der Quästur automatisch in den Senat; die Zahl der Quästoren stieg von etwa 10 auf 20. Die Zensoren verloren dadurch fast alle Möglichkeiten, über Aufnahme oder Ausschluss von Senatoren zu entscheiden.
Sulla legte die Ämterfolge Quästur – Prätur – Konsulat verbindlich fest. Das Mindestalter betrug 30 Jahre für die Quästur, 40 für die Prätur und 43 für das Konsulat. Erst nach 10 Jahren durfte jemand erneut Konsul werden. Quintus Lucretius Ofella, der ohne Quästur und Prätur für das Konsulat kandidierte, wurde auf Sullas Befehl getötet.
Konsuln und die nun acht Prätoren sollten ihr Amtsjahr in Rom verbringen und erst danach als Prokonsuln oder Proprätoren Provinzen verwalten. Statthalter mussten ihre Provinz binnen 30 Tagen nach Ankunft eines Nachfolgers verlassen, durften Grenzen nicht eigenmächtig überschreiten und ohne Zustimmung des Senats keinen Krieg beginnen.
Das Volkstribunat wurde stark geschwächt: Ein ehemaliger Volkstribun durfte keine weitere Magistratur übernehmen, Gesetzesanträge benötigten die Zustimmung des Senats, und das Vetorecht wurde auf den Schutz einzelner Bürger gegen Anordnungen von Magistraten begrenzt. Formal ließ Sulla die Volksversammlung über seine Leges Corneliae abstimmen; nach der gewaltsamen Ausschaltung seiner Gegner war wirksamer Widerstand jedoch kaum möglich.
Zur Sicherung seiner Ordnung siedelte Sulla die Veteranen von 23 Legionen auf enteignetem Land italischer Gegner an. Außerdem verlieh er mehr als 10.000 jungen Sklaven der Proskribierten das Bürgerrecht. Sie nahmen als Cornelii seinen Namen an und bildeten eine große Gruppe persönlich gebundener Gefolgsleute.
Abdankung, Tod und Folgen
Anfang 79 v. Chr. legte Sulla die Diktatur vor der Volksversammlung nieder und bot an, Rechenschaft abzulegen. Seine Motive sind umstritten. Möglich sind die Überzeugung, seinen Auftrag erfüllt zu haben, die Rücksicht auf republikanische Traditionen, Erschöpfung nach den Bürgerkriegen oder religiöse Vorstellungen. Er zog sich mit seiner fünften Ehefrau Valeria auf ein Landgut bei Puteoli zurück und verfasste Memoiren in 22 Büchern, die nicht erhalten sind. 78 v. Chr. starb er an den Folgen eines Blutsturzes. Der Senat gewährte ihm das erste Staatsbegräbnis der späten Republik.
Schon acht Jahre nach seinem Tod wurden zentrale Teile seiner Ordnung aufgehoben: Die Volkstribunen erhielten ihre Gesetzesinitiative zurück, die Gerichte wurden nicht mehr ausschließlich mit Senatoren besetzt, und die Zensur wurde wiederhergestellt. Auch die Veteranensiedlungen boten keine dauerhafte Lösung, weil viele Veteranen sich verschuldeten und ihr Land trotz Verkaufsverbots veräußerten.
Andere Reformen wirkten länger. Die Quästur blieb Voraussetzung für den Eintritt in den Senat, Statthalterschaften blieben an vorherige hohe Ämter gekoppelt, und Sullas Ordnung der Strafgerichtspflege beeinflusste noch die Kaiserzeit. Augustus übernahm große Teile der Senatsordnung und setzte die Senatorenzahl wieder auf 600 herab.
Bereits antike Autoren zeichneten ein widersprüchliches Bild. Sullas Mut und militärische Fähigkeiten wurden anerkannt, seine Diktatur und Massentötungen aber als Grausamkeit eines Tyrannen verurteilt. Appian urteilte günstiger, während Plutarch ihn stärker nach dem Muster eines griechischen Tyrannen darstellte. Caesar setzte Sullas Gewalt demonstrativ seine clementia, also Milde, entgegen; nach Caesars Tod griffen die Triumvirn Marcus Aemilius Lepidus, Marcus Antonius und Octavian dennoch erneut zum Mittel der Proskription. In der modernen Forschung gilt Sulla teils als restaurativer Republikaner, teils als Wegbereiter persönlicher Alleinherrschaft. Einigkeit besteht eher darin, dass seine Reformen ernsthafte Verwaltungs- und Verfassungsprobleme behandelten, die Gewaltexzesse aber nicht von seinem politischen Werk getrennt werden können.