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Primärquelle und Sekundärquelle
Von einer Primärquelle wird gesprochen, wenn im betreffenden Zusammenhang Sekundärquellen behandelt werden, ansonsten wird einfach der Begriff Quelle verwendet.
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Grundidee und Bedeutung
Das Begriffspaar Primärquelle/Sekundärquelle beschreibt in der Geschichtswissenschaft den Überlieferungszusammenhang von Quellen. Eine Sekundärquelle kann darüber informieren, was in einer Primärquelle stand, auch wenn diese verloren gegangen ist. Von einer Primärquelle spricht man vor allem dann, wenn sie einer Sekundärquelle gegenübergestellt wird; sonst genügt meist der Begriff Quelle.
Wichtig ist die Unterscheidung, weil eine spätere Überlieferung den Inhalt einer älteren Quelle fehlerhaft wiedergeben kann. Historiker versuchen deshalb, die zuverlässigere Quelle zu einem Thema zu bestimmen.
Primär- und Sekundärquellen
Primärquellen sind häufig, aber nicht zwingend, Informationen von Augenzeugen oder schriftliche Berichte von Personen, die an einem Geschehen beteiligt waren. Sie überliefern Ereignisse, historische Besonderheiten oder Abläufe meist erstmals schriftlich. Dazu gehören etwa Geschichtswerke, Urkunden, Berichte, Protokolle und Korrespondenzen. Sie gelten daher als besonders authentisch. Die erste inhaltliche Erschließung solcher Quellen liegt in der Regel bei Archivaren.
Sekundärquellen sind Berichte und Überlieferungen aus zweiter Hand. Sie zitieren Primärquellen oder beruhen auf ihnen. So sind die Werke früher antiker Alexanderhistoriker verloren; ihr Inhalt ist nur bekannt, weil spätere antike Geschichtswerke auf diese verlorenen Vorlagen zurückgriffen.
Nutzung und Rekonstruktion
Sekundärquellen können helfen, eine verlorene Primärquelle zu rekonstruieren oder zumindest ihren ungefähren Inhalt zu erfahren. Erhaltene antike oder mittelalterliche Werke enthalten teilweise Zitate oder Bemerkungen aus verlorenen Texten. Diese Passagen sind dann Sekundärquellen über die verlorenen Werke.
Eine Primärquelle ist nicht automatisch wertvoller. Ahasver von Brandt betont, dass eine Sekundärquelle im Einzelfall wegen größerer Objektivität im Bericht oder eines besseren Überblicks über Zusammenhänge eine Primärquelle an Wert übertreffen kann.
In der Literaturwissenschaft sind die literarischen Werke selbst Primärquellen. Sekundärquellen sind dort Texte, deren Erschließung Aufgabe der Quellenkunde ist, beispielsweise Handschriften, Manuskripte, Drucke, Dokumente, Archivalien und Memoiren. Ihre Kenntnis ergänzt und erweitert die wissenschaftliche Erforschung der Werke.
Abgrenzung zur Sekundärliteratur
Primärquelle und Sekundärquelle sind nicht dasselbe Gegensatzpaar wie Quelle und Sekundärliteratur. Primär- und Sekundärquellen sind beide Quellen. Sekundärliteratur meint dagegen moderne Fachliteratur, die einen Sachverhalt mit modernen Methoden kritisch analysiert. Nur ausnahmsweise wird Fachliteratur selbst zur Quelle, etwa wenn wissenschaftsgeschichtliche Untersuchungen moderne Darstellungen betrachten. Eine Quellenedition gilt nicht als Sekundärquelle.
Im englischen Sprachraum stehen primary sources für Quellen und secondary sources für Sekundärliteratur. Tertiary sources sind Hilfsmittel wie Fachwörterbücher, Handbücher und Geschichtsatlanten.
Beispiele
Nimmt Person A an einem Ereignis teil und schreibt darüber einen Bericht, ist dieser Bericht eine Primärquelle. Liest Person B den Bericht und erzählt davon in einem Brief, ist dieser Brief eine Sekundärquelle. Ist der Bericht von A verloren, können die Angaben im Brief helfen, seinen Inhalt zu erschließen.
Ahasver von Brandt bezeichnet Goethes Tagebuch der Italienischen Reise von 1786 als Primärquelle gegenüber der späteren Italienischen Reise von 1816.