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Quadratestadt
Quadratestadt ist ein Beiname der Stadt Mannheim, deren historische Innenstadt als Planstadt in Häuserblocks statt in Straßenzügen angelegt ist.
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Grundidee und Bedeutung
Mannheim wird „Quadratestadt“ genannt, weil die historische Innenstadt als Planstadt nicht vor allem über Straßennamen, sondern über Häuserblocks organisiert ist. Diese Blocks heißen „Quadrate“, obwohl kaum eines geometrisch ein Quadrat ist. Es gibt rechteckige, rhombische und trapezförmige Blöcke, außerdem zwei dreieckige. Insgesamt umfasst die Innenstadt 144 solcher „Quadrate“. Im Alltag meint „die Quadrate“ den ganzen von den Ringstraßen umgebenen Innenstadtbereich mit Straßenzügen, Bebauung und Plätzen.
Die Besonderheit ist auch für Adressen wichtig: Hausnummern werden nicht entlang einer Straße vergeben, sondern laufen um die vier Seiten eines Blocks. Deshalb kann eine Adresse zum Beispiel „D 6, 2“ lauten. Das moderne Logo der Stadtverwaltung, „Mannheim²“, spielt auf diese Stadtstruktur an.
Entstehung und historische Entwicklung
Die Grundlage der Quadratestadt entstand 1606. Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz legte damals den Grundstein zur Zitadelle Friedrichsburg und beauftragte den holländischen Festungsarchitekten Bartel Janson mit der Planung der angrenzenden Stadt. Die Planung folgte den Idealen einer Planstadt und war stark militärisch geprägt: parallele und rechtwinklig kreuzende Straßen sollten eine regelmäßige, gut überschaubare Blockstruktur schaffen.
Der Begriff „Quadrate“ ist erstmals im Ratsprotokoll vom 22. Februar 1676 schriftlich überliefert. Bis 1684 hießen die Straßen noch „Gasz“ beziehungsweise Gassen, oft nach Richtungen, Bevölkerungsgruppen, Mitgliedern der kurfürstlichen Familie oder bekannten Bewohnern. Später wurde eine Nummerierung eingeführt, die sich aber deutlich von der heutigen unterschied. Das heutige P 1 war etwa Quadrat XXXI, das heutige E 1 Quadrat XXXII.
Nach der Zerstörung Mannheims durch die Franzosen im Jahr 1689 während des Pfälzischen Erbfolgekrieges blieb die Einteilung in Quadrate beim Wiederaufbau erhalten. Nach einer Neuvermessung in den 1730er Jahren wurden die Quadrate erstmals mit Buchstaben bezeichnet. 1798 wurde die Stadt neu eingeteilt; die Wohnblocks erhielten Buchstaben, zunächst A bis Z, heute A bis U, und Ziffern. Die heutige Systematik mit Buchstaben und Zahlen wurde 1811 eingeführt, weil die Innenstadt nach Westen und Osten wuchs und ein nach beiden Seiten erweiterbares System brauchte.
Stadtplan und Hauptachsen
Die Innenstadt Mannheims liegt hufeisenförmig zwischen Rhein und Neckar, knapp 3,5 km vor der Neckarmündung. Im Südwesten bildet das Schloss Mannheim eine Art Grundlinie. Von dort führt die 1,1 km lange „Breite Straße“, amtlich Kurpfalzstraße, als Mittelachse nach Nordosten durch die Innenstadt. Etwa auf halber Höhe wird sie von den 1,4 km langen „Planken“ gequert; O 1 entspricht dem Paradeplatz.
Die weiteren, parallel zu diesen beiden Achsen verlaufenden Straßen teilen die Innenstadt in die Quadrate. Die Innenstadt wirkt auf den ersten Blick wie ein Nord-Süd-Raster, ist aber tatsächlich um etwa 32 Grad im Uhrzeigersinn gedreht. Der Vergleich mit einem Schachbrett passt nur teilweise: Das Mannheimer Raster hat den Umriss eines umgekehrten U, ist in eine linke und rechte Hälfte geteilt und besitzt Reihen unterschiedlicher Länge.
Den äußeren Rahmen bildet der Ring aus Kaiserring, Friedrichsring, Luisenring und Parkring; die Bismarckstraße bildet die gerade Grundlinie am Schloss. Der Ring entstand erst ab 1865 bis zur Jahrhundertwende und hieß zunächst insgesamt „Ringstraße“. Er wurde breit angelegt, zum Beispiel war der Kaiserring 1875 auf 54 m Breite geplant, und ist überall auf mindestens vier Fahrstreifen ausgebaut. Auf der Ringstraße unternahm Carl Benz am 3. Juli 1886 mit seinem Patent-Motorwagen die erste Probefahrt eines Automobils in der Geschichte.
Benennung und Hausnummern
Die Bezeichnung der Quadrate folgt einem Koordinatensystem. Die Kurpfalzstraße, die vom Schloss zur Kurpfalzbrücke führt und als „Breite Straße“ bekannt ist, teilt die Innenstadt in einen linken und einen rechten Bereich. Links der Mitte tragen die Reihen vom Schloss aus die Buchstaben A bis K, rechts die Buchstaben L bis U. Die Zahl gibt an, wie weit ein Quadrat von der Mittelachse entfernt liegt.
Beispiel: G 1 liegt links von der Kurpfalzstraße, weil G zwischen A und K steht. Vom Schloss aus ist G die siebte Reihe. Die Zahl 1 bedeutet, dass das Quadrat direkt an der Mittelachse liegt. Meist gibt es sieben Quadrate pro Buchstabe, doch es gibt Abweichungen: Die A-Reihe hat 5 Quadrate, die C-Reihe 8, S, T und U enden rechts nach 6 Quadraten. Die L-Reihe reicht wegen der Quadrate nördlich und südlich der Bismarckstraße bis L 15.
Die Hausnummern beginnen jeweils an der dem Schloss zugewandten Ecke. In den linken Quadraten A bis K laufen sie gegen den Uhrzeigersinn um den Block, in den rechten Quadraten L bis U im Uhrzeigersinn. Für Adressen am Ring gilt eine Besonderheit: Auf der Innenseite gelten die Quadratadressen, auf der Außenseite normale Straßennamen mit Hausnummern, zum Beispiel N 7, 12 gegenüber Kaiserring 46.
Straßen, Plätze und offizielle Namen
Viele Straßen innerhalb der Quadrate haben keine offiziellen Straßennamen. Auch bekannte Namen wie „Planken“, „Fressgasse“ oder „Kunststraße“ dienen meist der Orientierung, erscheinen aber nicht immer als amtliche Straßennamen. Die Planken bezeichnen den Straßenzug zwischen D 4/E 4 und O 4/P 4. Die „Fressgasse“ hieß früher Pfälzer Straße und ist ein ehemaliger, erloschener Straßenname. Die „Breite Straße“ heißt offiziell Kurpfalzstraße.
Einige Namen sind offiziell, darunter Asamplatz, Heidelberger Straße, Herschelplatz, Kapuzinerplanken, Kapuzinerplatz, Kurpfalzstraße, Marktplatz, Marktstraße, Paradeplatz, Rabbiner-Grünewald-Platz, Schillerplatz, Swanseaplatz, Toulonplatz und Tunnelstraße. Wichtige Orientierungspunkte sind der Paradeplatz in O 1, der Marktplatz in G 1, das Schloss, die Planken und die Kurpfalzstraße.
Die Quadrate enthalten zahlreiche bedeutende Gebäude und Erinnerungsorte. In A 4 stehen die Jesuitenkirche und die historische Sternwarte, in C 5 das Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen, in E 5 das Rathaus, in F 1 das Alte Rathaus mit der St.-Sebastian-Kirche und in O 1 der Paradeplatz mit der Grupello-Pyramide. Mehrere Orte erinnern an Kultur- und Technikgeschichte, etwa das alte Nationaltheater in B 3, wo 1782 Schillers „Die Räuber“ uraufgeführt wurde, oder T 6, wo Carl Benz sein erstes Automobil baute.
Besondere und ehemalige Quadrate
Einige Quadratreihen haben Besonderheiten. Die L-Quadrate liegen beiderseits der Bismarckstraße und reichen als einzige über den Innenstadtring hinaus; L 15 ist das Mannheimer Quadrat mit der höchsten Nummer. K 7 und U 6 sind die beiden Quadrate ohne vier Ecken, sie haben Dreiecksform. Bei den I-Quadraten ist wichtig, dass es keine J-Quadrate gibt: Historisch wurde im lateinischen Alphabet lange nicht zwischen I und J unterschieden.
Im 19. Jahrhundert wurden zeitweise auch Gebiete außerhalb des Rings in die Quadratenummerierung einbezogen, besonders im heutigen Jungbusch. Dort gab es unter anderem Z-Quadrate sowie Fortsetzungen wie C 9 bis F 8 und G 8 bis G 12. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Quadratebezeichnungen außerhalb des Rings endgültig aufgehoben. Auch in der Neckarstadt gab es ab 1872 geplante „Quadrate“, zur Unterscheidung mit vorangestelltem Z. 1902 erhielt die ganze Neckarstadt Straßennamen.
Die Quadrate prägen bis heute die lokale Kultur. Einrichtungen spielen mit ihren Standortnamen, etwa ein Restaurant „Sea Five“ in C 5 oder ein Friseurladen „Haar 7“ in H 7. Die Manhattan-Metrik wird auch „Mannheimer Metrik“ genannt, und der Inlinehockey-Verein ISC Mannheim nennt seine Mannschaft „quadRats“.