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Public Affairs
Der Begriff Public Affairs (PA) bzw. Politikkontaktarbeit bezeichnet die strategische, kommunikative Einflussnahme auf politische Entscheidungsprozesse …
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Grundidee und Ziele
Public Affairs (PA), auch Politikkontaktarbeit, bezeichnet das strategische Management und die kommunikative Beeinflussung von Entscheidungsprozessen an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Organisationen versuchen damit, ihre Interessen in politische und gesellschaftliche Prozesse einzubringen. Eine allgemein akzeptierte Definition gibt es jedoch nicht.
PA richtet sich vor allem an Regierungen, Parlamente, Behörden, Gemeinden, Verbände, andere Institutionen und gesellschaftliche Einflussgruppen. Unternehmen, Verbände, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Gewerkschaften können diese Arbeit selbst übernehmen oder spezialisierte Dienstleister wie PR-Agenturen und Lobbyingfirmen beauftragen.
Ziel ist es, eine Organisation aktiv und dauerhaft in gesellschaftliche und politische Prozesse einzubeziehen sowie öffentliche, politische und mediale Aufmerksamkeit und Akzeptanz für bestimmte Themen zu schaffen. Organisationen können Themen gezielt setzen und gestalten. Zugleich beobachten sie relevante Themen und Akteure, untersuchen deren Entwicklung und versuchen, mögliche Krisen frühzeitig zu erkennen.
Zu den Instrumenten gehören klassische Methoden der Public Relations wie Presse- und Medienarbeit und Issues Management, also die systematische Beobachtung und Bearbeitung öffentlich bedeutsamer Themen. Hinzu kommen Gespräche mit und Beratung von politischen Entscheidungsträgern, indirekte Kommunikation über Meinungsbildner und Medien, politisches Monitoring zur laufenden Beobachtung politischer Entwicklungen sowie CSR (Corporate Social Responsibility), die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen.
Abgrenzung verwandter Tätigkeiten
Public Relations (PR) pflegt und entwickelt die Beziehungen einer Organisation zu den für sie wichtigen Öffentlichkeiten. PA kann als Teilbereich dieser professionellen Kommunikation verstanden werden: Sie richtet sich besonders an Politik und Öffentlichkeit, um politische Entscheidungen zu beeinflussen. Eine andere Sichtweise behandelt PA und PR als getrennte Disziplinen. In jedem Fall konzentriert sich PA insbesondere auf Regierung, Verwaltung, Behörden und Interessengruppen.
Government Relations (GR) bezeichnet den Teil des Lobbyismus, der den Gesetzgebungsprozess durch einen unmittelbaren, rechtlichen Dialog mit dem Gesetzgeber beeinflusst. GR wird meistens von Anwälten und Lobbyingfirmen betrieben. Viele Aufgaben aus PA und GR werden traditionell auch von Verbänden wahrgenommen.
Public Affairs und Lobbyismus beziehungsweise Lobbyarbeit werden teilweise als Synonyme verwendet. Nach Barbara Olfe-Kräutlein trug das negative Bild des Lobbying dazu bei, dass der als „sauber“ empfundene Ausdruck Public Affairs in der deutschen Politik- und Kommunikationsszene beliebter wurde. Auch die Berufsbezeichnung Public Affairs Manager dient häufig als Euphemismus für Lobbytätigkeiten. Olaf Hoffjann sieht eine Ähnlichkeit darin, dass sowohl PA als auch Lobbyismus Macht durch die Androhung von Sanktionen ausüben können. Der ebenfalls als Ersatz verwendete Ausdruck „Politikberatung“ hat jedoch eine andere Bedeutung.
Dienstleistungen und Strukturen in Deutschland
In Deutschland ist Public Affairs eine vergleichsweise junge Disziplin. Einen starken Entwicklungsschub erhielt sie 1999 durch den Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin. Das Berliner Regierungsviertel wurde zum Mittelpunkt der Branche, weil sich dort zahlreiche spezialisierte Agenturen, Beratungsunternehmen und weitere Akteure ansiedelten.
In den 1980er Jahren führten der Druck von Umweltverbänden und die wachsende umweltpolitische Debatte zu stärkeren Wirtschaftsregulierungen. Unternehmen suchten deshalb häufiger den Dialog mit der Politik, um Regulierungen zu verhindern oder deren wirtschaftliche Folgen zu begrenzen. Diese Interessenvertretung übernahmen überwiegend Verbände; daraus entstand die Bezeichnung „Verbändestaat“ beziehungsweise Korporatismus.
Mit dem Regierungsumzug von 1999 wandelte sich die politische Kommunikation. Neben Verbänden vertreten seitdem auch Unternehmensrepräsentanzen, Lobbyingfirmen, PA-Agenturen, Rechtsanwaltskanzleien und freie Berater wirtschaftliche Interessen. Sie sollen die kommunikative Kluft zwischen Politik und Wirtschaft überbrücken und Anliegen ihrer Auftraggeber oder Mitglieder in politische Prozesse einbringen. Ehemalige Spitzenpolitiker werden deshalb vermehrt von PA-Agenturen und Unternehmen beschäftigt. Nach amerikanischem Vorbild treten außerdem internationale Großkanzleien und Lobbyingfirmen auf. Mithilfe ehemaliger Politiker und spezialisierter Anwälte führen sie ausländische Unternehmen an den deutschen oder europäischen Markt heran oder verschaffen deutschen Unternehmen in politischen Gremien Gehör.
Verbände vertreten das gemeinsame Interesse ihrer Mitglieder und können abgestimmte Branchenpositionen und fachliche Einschätzungen entwickeln. Berater vertreten dagegen gezielt die individuellen Interessen ihrer Auftraggeber. Beim Projektlobbying geht es meist um kommerzielle Interessen einzelner Akteure; Verbände können dies nur schwer leisten, weil sie dadurch ein Mitglied gegenüber anderen bevorzugen würden. Umgekehrt fehlt PA-Agenturen häufig die langfristige Verwurzelung in einem bestimmten Interessengebiet. Daher bleiben Verbände wichtige Informationsquellen und Partner für Agenturen.
Entwicklung in den USA
Public Affairs entstand in den USA. 1954 wurde auf Veranlassung des amerikanischen Präsidenten Eisenhower in Washington, D.C. das Public Affairs Council (PAC) als Gegenorganisation zu den Gewerkschaften gegründet. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass Gesetze, Verordnungen, Genehmigungen und Auflagen auf allen politischen Ebenen Unternehmensentscheidungen und wirtschaftlichen Erfolg beeinflussen können. Unternehmen sollten politische Steuerungsprozesse daher bewusst mitgestalten. PA wird in diesem Zusammenhang auch als Government Relations oder Community Relations bezeichnet.
Anfangs waren die Akteure überwiegend Juristen in höheren Unternehmenspositionen. Sie pflegten informelle Kontakte zu politischen Akteuren und versorgten sie vor allem mit Informationen. Die Unternehmen reagierten meist erst auf bereits getroffene politische Entscheidungen, indem sie diese akzeptierten oder Einspruch erhoben.
In den 1960er Jahren wurden die Beziehungen zur Regierung angesichts einflussreicher Gewerkschaften wichtiger. Unternehmen ließen ihre Manager beim Public Affairs Council in politischem Sachwissen ausbilden. Dem Council gehören laut Artikel heute mehr als 500 der größten US-amerikanischen Unternehmen an. Später konzentrierte es sich auf die Vertretung von Unternehmensinteressen gegenüber Konsumenten- und Umweltschutzgruppen sowie besonders auf die Schulung von Managern und die Verbesserung ihres politischen Engagements.
In den 1970er Jahren wuchs der amerikanische PA-Sektor stark: Die Mitgliederzahl des Public Affairs Councils verdoppelte sich, während sich die Zahl der PA-Fachkräfte verdreifachte. Zunehmende staatliche Eingriffe und Konflikte mit Gewerkschaften, NGOs, Politikern und Regulierungsbehörden erhöhten den Bedarf an externer Beratung durch Political Consultants. Unternehmen und Verbände wechselten dabei von einer defensiven zu einer offensiveren Interessenvertretung.
In den 1980er Jahren brach der Sektor infolge der Rezession, zahlreicher Unternehmenszusammenschlüsse und eines sinkenden Engagements in diesem Bereich ein. Viele Unternehmen konzentrierten sich wieder auf ihr kommerzielles Umfeld. Seit den 1990er Jahren gewann PA erneut an Bedeutung. Gründe waren unter anderem eine Verlagerung politischer Macht auf Einzelstaaten und Kommunen, eine weitere Rezession sowie polarisierte Auseinandersetzungen über Wirtschaftspolitik, Gesundheitssystem und die Reform des Wohlfahrtsstaates. Besonders die Tabak-, Chemie- und Pharmaindustrie setzte auf PA, weil ein durch Konsumenten- und Umweltschutzgruppen gefördertes Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein den öffentlichen Druck auf diese Branchen erhöhte.
Einordnung der Angaben
Der Ausgangsartikel weist ausdrücklich darauf hin, dass er nicht ausreichend mit Belegen ausgestattet ist. Einzelne Angaben, insbesondere zur historischen Entwicklung, zu Motiven und zu Akteurszahlen, sollten deshalb als nicht hinreichend nachgewiesene Darstellung des Artikels behandelt werden.