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Corporate Social Responsibility
Die Frage sozialer Verantwortung von Unternehmen ist eng mit der Religion im Allgemeinen und der protestantischen Religion im Besonderen verbunden. Max …
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Grundidee und Definition
Corporate Social Responsibility (CSR), auf Deutsch gesellschaftliche Unternehmensverantwortung, bezeichnet die Integration ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Faktoren in die Unternehmenstätigkeit. Dies geschieht auf freiwilliger und teilweise auch rechtlicher Basis. Zur Unternehmenstätigkeit gehören wirtschaftliche Aktivitäten sowie interne Beziehungen, etwa zwischen Arbeitnehmern, Managern und Aktionären, und externe Beziehungen zu Lieferanten, Kunden und weiteren gesellschaftlichen Akteuren.
Verantwortung bedeutet bei CSR zweierlei: Unternehmen müssen über ihre Handlungen Rechenschaft ablegen, zum Beispiel durch Berichterstattung und Audits, und sie müssen die Konsequenzen ihrer Handlungen tragen, etwa durch Wiedergutmachungs- und Präventionsmaßnahmen. Dafür muss geklärt werden, gegenüber welchen gesellschaftlichen Akteuren diese Verantwortung besteht und welche Handlungen und Folgen gemeint sind.
Eine zentrale Rolle spielen die Stakeholder. Das sind Personen, Gruppen oder Institutionen, die ein berechtigtes Interesse an den Aktivitäten eines Unternehmens haben oder von ihnen betroffen sind. Nach R. Edward Freeman ist ein Stakeholder „jede Gruppe von Individuen oder jedes Individuum, das sich auf die Erreichung der Organisationsziele auswirken kann oder davon betroffen ist“. CSR verlangt deshalb den Dialog mit Stakeholdern, der je nach Situation kooperativ oder konfliktträchtig sein kann.
Im europäischen Raum wurde zunächst die Definition des Grünbuchs der Europäischen Kommission prägend: CSR ist ein „Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren“. Eine spätere, kürzere Definition aus COM(2011) 681 final lautet: CSR ist „die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft“.
Freiwilligkeit bedeutet dabei vor allem eine Abgrenzung zu gesetzlichen Vorgaben. In der Praxis können Unternehmen auch durch wirtschaftlichen Druck, etwa durch Kunden oder Auftraggeber, zu CSR-Maßnahmen veranlasst werden. Sozial verantwortlich zu handeln bedeutet, die geltenden Gesetze einzuhalten und darüber hinaus „mehr“ in Humankapital, Umwelt und Stakeholder-Beziehungen zu investieren. CSR soll jedoch staatliche Regulierung und Gesetzgebung zu sozialen Rechten oder Umweltstandards nicht ersetzen. Im modernen Verständnis ist CSR ein ganzheitliches Unternehmenskonzept, das soziale, ökologische und ökonomische Beiträge umfasst, die über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen (Compliance) hinausgehen.
Corporate Citizenship bezeichnet im deutschsprachigen Verständnis nur einen Teil der Unternehmensverantwortung: das Engagement über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus im lokalen Umfeld, insbesondere Sponsoring, Spenden und Stiftungen. Corporate Social Initiatives (CSI) sind Marketinginstrumente und -maßnahmen, mit denen CSR ausgedrückt wird. ESG steht für Environment, Social and Governance und bezeichnet Bewertungsmaßstäbe für CSR in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.
Entwicklung und Bedeutung nachhaltiger Entwicklung
CSR entstand aus Forderungen der Zivilgesellschaft, darunter religiöse, ökologische und humanitäre Gruppen, nach einer stärkeren Berücksichtigung der sozialen und ökologischen Folgen wirtschaftlicher Tätigkeit. Globale Umweltprobleme, die besonders seit den 1970er Jahren sichtbar wurden, verstärkten diese Forderungen.
Der ausdrückliche Begriff Corporate Social Responsibility erschien in der englischsprachigen Unternehmensliteratur der 1950er und 1960er Jahre, insbesondere in Howard Bowens Social Responsibilities of the Businessman (1953) und George Goyders The Responsible Company (1961). Ab Ende der 1950er Jahre wurde CSR auch an US-amerikanischen Business Schools wissenschaftlich behandelt. 1959 empfahl ein Bericht der Ford Foundation neue Kurse zum rechtlichen, sozialen und politischen Umfeld von Unternehmen. 1967 führte die AACSB das Thema Beziehungen des Unternehmens und der Umwelt ein, 1971 gründete die Academy of Management die Abteilung Social Issues in Management, und 1980 entstand die Society for Business Ethics. Bis 1974 gab es in den USA 660 entsprechende Kurse für über 65.000 Studierende.
CSR und nachhaltige Entwicklung entwickelten sich zunächst getrennt. CSR wurde seit den 1960er Jahren vor allem von amerikanischen Akademikern und Pionierunternehmen vertreten. Nachhaltige Entwicklung entstand ebenfalls in den 1960er Jahren in wissenschaftlichen Kreisen der IUCN und wurde durch den Brundtland-Bericht von 1987 verbreitet. 1992 wurde sie auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro weltweit anerkannt.
Die Verbindung von CSR und nachhaltiger Entwicklung wurde besonders zwischen 1987 und 1997 institutionalisiert. Stephan Schmidheiny und das von ihm gegründete BCSD (Business Council for Sustainable Development) sowie John Elkington und SustainAbility verbanden Unternehmensverantwortung mit Nachhaltigkeitszielen. Auf dem Erdgipfel in Rio 1992 wurden neben politischen Vertretern und NGOs rund 50 multinationale Unternehmen beteiligt. Schmidheiny fasste sie im BCSD zusammen; 1995 wurde daraus der WBCSD (World Business Council for Sustainable Development). Das BCSD und Schmidheiny stellten in Changing Course (1992) Grundlagen der modernen CSR dar.
John Elkington prägte 1994 den Begriff Triple Bottom Line. Das Modell verlangt, Unternehmen anhand von drei Kriterien zu bewerten: Wirtschaft, Umwelt und Soziales. Diese drei Dimensionen werden auch als 3P bezeichnet: „People, Planet, Profit“ – People für Soziales, Planet für Umwelt und Profit für Wirtschaft. Ab 2001–2002 wurde CSR in Europa zunehmend als Berücksichtigung nachhaltiger Entwicklung durch Unternehmen verstanden.
Rechtlicher Rahmen, Normen und internationale Leitlinien
CSR ist zunächst ein Begriff des Soft-Law und begründet daher grundsätzlich keine direkte rechtliche Haftung eines Unternehmens als juristische Person. Verbindlichkeit kann entstehen, wenn CSR auf Vertragsrecht oder Gesetzen beruht. In der Europäischen Union wurde CSR in verschiedene Rechtsakte aufgenommen, zuletzt unter anderem in die CSRD von 2022.
Wichtige internationale Leitlinien und Standards sind:
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Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen wurden erstmals 1976 verfasst und 1979, 1982, 1984, 1991, 2000 und 2011 überarbeitet. Sie richten sich als Empfehlungen und Leitlinien an multinationale Unternehmen, sind aber nicht bindend.
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Der UN Global Compact wurde im Januar 2000 durch UN-Generalsekretär Kofi Annan auf dem Weltwirtschaftsforum ins Leben gerufen. Sein Verhaltenskodex umfasst zehn Grundsätze: zwei zu Menschenrechten, vier zu Arbeitsnormen, drei zur Umwelt und einen zur Korruptionsbekämpfung.
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Die Principles for Responsible Investment (PRI) wurden im April 2006 von Kofi Annan in New York ins Leben gerufen. Sie sollen Versicherungsgesellschaften und andere institutionelle Anleger dazu bewegen, beim Asset-Management Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien zu berücksichtigen.
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Die Äquatorprinzipien wurden im Juni 2003 eingeführt und 2006 sowie 2013 überarbeitet. Sie dienen bei Industrie- und Infrastrukturprojekten dazu, ökologische und soziale Risiken zu identifizieren, zu bewerten und zu managen.
In der EU setzte sich die Europäische Kommission seit dem ersten CSR-Grünbuch von 2001 für eine proaktive Politik ein. Der EU-Gipfel von Göteborg legte am 15. und 16. Juni 2001 eine europäische Strategie für nachhaltige Entwicklung im Rahmen der Lissabon-Strategie fest. Die CSR-Richtlinie 2014/95/EU wurde am 22. Oktober 2014 erlassen; die Mitgliedstaaten sollten sie bis zum 6. Dezember 2016 umsetzen. In Deutschland trat das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz am 19. April 2017 in Kraft.
Zu den CSR-bezogenen EU-Regelungen gehören unter anderem Vorschriften zum Wasser im Jahr 2000, zur Erhaltung der Fischbestände im Jahr 2002, zu persistenten organischen Schadstoffen und biologisch abbaubaren Detergenzien im Jahr 2004, zur Abfallbehandlung im Jahr 2006, die seit 2007 geltende REACH-Verordnung für Chemikalien sowie die CSR-Richtlinie von 2014 und die aktualisierte CSRD von 2022.
Zu den internationalen Normen zählen ISO 14000, ISO 26000, EMAS und ISO 45001. ISO 14000 wurde 1996 initiiert und 2015 überarbeitet; sie behandelt unter anderem Emissionen, Gewässerableitungen, Bodenkontamination, Abfallwirtschaft sowie die Nutzung von Rohstoffen und natürlichen Ressourcen. ISO 26000 wurde am 1. November 2010 veröffentlicht. Sie ist kein klassischer zertifizierbarer Standard, sondern ein Leitfaden für gesellschaftliche Verantwortung, Unternehmensführung und Ethik. EMAS ist ein freiwilliges Umweltmanagement- und Umweltbetriebsprüfungssystem mit öffentlicher Ergebnisbereitstellung und eigenem Logo. ISO 45001 wurde im März 2018 veröffentlicht und legt Anforderungen an Managementsysteme für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz fest. CSR-bezogene Labels sind unter anderem B Corp, das Europäische Umweltzeichen, FSC, MSC, Fair-Trade-International und Rainforest Alliance.
Modelle und praktische Umsetzung
Nach Hiß lassen sich CSR-Aktivitäten drei Verantwortungsbereichen zuordnen. Der innere Verantwortungsbereich umfasst Wirtschaftlichkeit und Gesetz. Er gehört nur dann zur CSR, wenn freiwillig mehr getan wird, als rechtlich zwingend erforderlich ist, beispielsweise wenn Gesetze auch dort strikt eingehalten werden, wo ihre Durchsetzung im Produktionsland üblichweise schwach ist. Gewinnerzielung ist nicht grundsätzlich unvereinbar mit CSR. Zu unterscheiden ist zwischen verantwortlicher Gewinnerzielung und kurzfristigen Gewinnen zulasten Dritter, etwa durch Sicherheitsverstöße, Mitarbeiterausbeutung oder Menschenrechtsverletzungen.
Der mittlere Verantwortungsbereich betrifft die Wertschöpfungskette. Dazu gehören Arbeits- und Umweltstandards, Lieferkettenmanagement und der Stakeholderdialog. Wichtige Stakeholder sind Kapitalgeber, Arbeitnehmer und Gewerkschaften, Kunden, Lieferanten, Anwohner, Verbraucher- und Umweltschutzverbände, Regierungsorganisationen, Medien und die Öffentlichkeit. Der äußere Verantwortungsbereich umfasst Aktivitäten außerhalb der beiden anderen Bereiche, zum Beispiel Spenden, Sponsoring und Corporate Volunteering. Er entspricht im Wesentlichen dem Verständnis von Corporate Citizenship.
Carrolls Vier-Stufen-Pyramide unterscheidet vier Verantwortungsarten:
- Ökonomische Verantwortung: Das Unternehmen muss mindestens kostendeckend wirtschaften.
- Gesetzliche Verantwortung: Es darf keine illegalen Tätigkeiten ausüben und muss gesetzliche Bestimmungen befolgen.
- Ethische Verantwortung: Es soll fair und ethisch handeln, auch über bestehende Gesetze hinaus.
- Philanthropische Verantwortung: Es engagiert sich karitativ über gesellschaftliche Erwartungen hinaus.
Die ersten beiden Ebenen sind gesellschaftlich gefordert, die ethische Ebene ist gesellschaftlich erwartet, und die philanthropische Ebene ist freiwillig, aber gesellschaftlich erwünscht. CSR umfasst prinzipiell alle vier Stufen. Das Modell unterscheidet jedoch nicht ausdrücklich zwischen ökologischen und sozialen Aspekten.
Quazi und O’Brien ordnen vier Sichtweisen in einem zweidimensionalen Modell: Die klassische Sicht entspricht ungefähr Carrolls ökonomischer Stufe, die sozialökonomische Sicht verbindet legale und ethische Elemente, die moderne Sicht entspricht der ethischen Stufe mit Einflüssen der Stakeholder-Theorie, und die philanthropischen Sichtweisen stimmen in beiden Modellen weitgehend überein. Carroll und Schwartz teilen CSR dagegen in ökonomische, ethische und legale Verantwortung. Durch ihre Überschneidungen entstehen sieben mögliche Kategorien; die ökologische Dimension wird dabei der ethischen Verantwortung zugeordnet.
In der Praxis werden CSR-Abteilungen, Zuständigkeiten, Berichtsprozesse und strategische Programme eingerichtet. CSR soll in das Kerngeschäft und möglichst in das Geschäftsmodell integriert werden, statt auf einzelne Nebenprojekte beschränkt zu bleiben. Weitere Ansätze sind Unternehmensnetzwerke, das Konzept „Base of the Pyramid“ zur Einbeziehung der ärmsten Bevölkerung in Wirtschaftskreisläufe, kulturelle Vielfalt und Diversity Management, Gütesiegel, die Zusammenarbeit mit NGOs, Designrichtlinien zur Verringerung von Material- und Energieverbrauch sowie Corporate Volunteering. Dabei werden Beschäftigte für einen Teil ihrer Arbeitszeit für soziale oder ökologische Aktivitäten freigestellt. Die ISO 26000 wurde nach einem fünfjährigen Prozess im September 2010 verabschiedet; sie ist nicht zertifizierungsfähig und dient als Leitlinie und Orientierung für gute CSR-Praxis.
Lieferkette, Vorteile und Kritik
CSR bezieht sich zunehmend nicht nur auf das einzelne Unternehmen, sondern auf die gesamte Supply Chain, also Lieferkette. Der Einsturz der Rana-Plaza-Textilfabrik im Jahr 2013, bei dem mehr als 1000 Menschenleben gefordert wurden, verstärkte diese Sichtweise. Nach Wieland und Handfield (2013) sind dafür drei Maßnahmenkomplexe wichtig: Produkte und Lieferanten müssen auditiert werden, wobei auch Lieferanten von Lieferanten einzubeziehen sind; die Transparenz der gesamten Lieferkette muss erhöht werden; und Kooperationen mit lokalen Partnern, anderen Unternehmen der Branche sowie Hochschulen sollen CSR verbessern.
CSR kann laut dem Consortium Report der Performance Group aus dem Jahr 1999 in sechs Bereichen Vorteile bringen:
- frühzeitige Reaktion auf Zwänge und Vermeidung sozialer, ökologischer und rechtlicher Risiken;
- geringere Kosten durch weniger Ressourcenverbrauch und Abfälle;
- Innovation durch bessere Qualität, besseren Service und höhere Wertschöpfung;
- stärkere Differenzierung im Markt und höherer Markenwert;
- besseres Firmenimage und stärkere Kundenbindung;
- höhere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.
Gleichzeitig ist CSR umstritten. Kritiker bezweifeln, dass Unternehmen, besonders börsennotierte Unternehmen, aus eigener Überzeugung sozial oder ökologisch handeln. Ihrer Ansicht nach verfolgen viele Unternehmen vor allem Profitinteressen und versuchen, mit möglichst geringen Kosten einen möglichst großen positiven Effekt für das eigene Unternehmen zu erzielen.
Ein Kritikpunkt ist die Imageverbesserung: CSR-Maßnahmen werden stark beworben, obwohl die übrige Unternehmenstätigkeit ökologisch oder sozial nicht nachhaltig ist. Im ökologischen Bereich wird dies als Greenwashing bezeichnet. Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass Unternehmen freiwillige CSR einsetzen könnten, um strengere Gesetze zu verhindern, die höhere Kosten verursachen würden. Außerdem kann CSR nach Unfällen oder Pannen wirtschaftlich sinnvoll sein, weil die Folgekosten nicht nachhaltigen Handelns die vorher eingesparten Kosten übersteigen können. Als Beispiele nennt der Artikel das Tankerunglück der Exxon Valdez von 1989 und die Rückrufaktion bleibelasteten Spielzeugs von Mattel im Jahr 2007.
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