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Psalm 51
Der 51. Psalm (nach griechischer Zählung der 50.) gehört in die Reihe der sieben Bußpsalmen. Nach seinem Incipit in der lateinischen Vulgata (Miserere mei, …
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Psalm als Bußgebet
Psalm 51 ist nach griechischer Zählung Psalm 50 und einer der sieben Bußpsalmen. Er ist ein Gebet, in dem Schuld bekannt und Gottes Erbarmen erbeten wird. Sein lateinisches Incipit, also die ersten Worte der Vulgata, lautet „Miserere mei, Deus, secundum magnam misericordiam tuam“: „Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen“. Deshalb wird er im liturgischen Zusammenhang oft kurz Miserere genannt.
In der Überschrift der Hebräischen Bibel wird der Psalm David zugeordnet: Er betet ihn, nachdem er mit Batseba Ehebruch begangen hat und vom Propheten Natan angeklagt worden ist (Psalm 51,1–2 EU). David wird dadurch zur Gestalt, mit der sich reuige Betende identifizieren können.
Deutung als Beispiel der Reue
Die älteste christliche Auslegung steht in Augustinus von Hippos Enarrationes in Psalmos. Augustinus versteht den Psalm als Beispiel für alle Christen. Damit wird Davids Bitte um Vergebung nicht nur als seine persönliche Reaktion auf Schuld gelesen, sondern als Muster eines reuigen Gebets.
Cassiodor deutete den Psalm im Sinn der mittelalterlichen katholischen Bußpraxis. Auch für Martin Luther hatte Psalm 51 eine zentrale Bedeutung: In seinen Dictata super Psalterium bezog er sich wiederholt auf ihn.
Verwendung im Gottesdienst
Im römischen Stundenbuch ist Psalm 51 seit der Reform des Stundengebets durch die apostolische Konstitution Laudis canticum von Papst Paul VI. vom 1. November 1970 der erste Psalm der Laudes am Freitag. Die Laudes sind das Morgengebet des Stundengebets; das Vierwochenpsalter verteilt die Psalmen auf vier Wochen.
In der Regula Benedicti gehört der Psalm täglich zu den Laudes. Diese Ordnung galt lange auch im römischen Brevier. Nach Divino afflatu von Papst Pius X. aus dem Jahr 1911 war er außerhalb von Advent, Fastenzeit und Quatembertagen Teil der Matutin am Mittwoch; in Advent, Fastenzeit und an Quatembertagen blieb er fester Bestandteil der Laudes. Bis zur Reform der Karwochenliturgie schloss er außerdem jede Hore des Triduum Sacrum ab.
Vers 17 wird in katholischer und evangelischer Tagzeitenliturgie am Beginn der Matutin verwendet: „Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige […]“. Derselbe Vers eröffnet in der jüdischen Liturgie das tägliche Achtzehnbittengebet. Im römischen Ritus stehen die Verse 9 und 1 in der Antiphon zum Asperges: „Asperges me, Domine, hyssopo, et mundabor: lavabis me, et super nivem dealbabor. Miserere mei, Deus, secundum magnam misericordiam tuam.“ Frühmittelalterliche Vorbereitungsgebete des Priesters zur heiligen Messe begannen ebenfalls mit Psalm 51; danach folgten Versikel, Orationen sowie Gebete zur Händewaschung und zum Ankleiden.
Musikalische Wirkung
Psalm 51 wurde unter anderem von Orlando di Lasso, Jan Dismas Zelenka, Giovanni Pierluigi da Palestrina, E. T. A. Hoffmann und Gregorio Allegri vertont. Bekannt ist besonders Allegris doppelchöriges Miserere. Mit ihm verbindet sich die Legende, Wolfgang Amadeus Mozart habe 1770 die angeblich vom Vatikan geheim gehaltene neunstimmige Partitur nach einmaligem Hören fehlerfrei aus dem Gedächtnis niedergeschrieben.
Erhard Hegenwald schuf 1524 mit „Erbarm dich mein o Herre Gott“ eine deutsche Nachdichtung des Psalms. Das Lied wurde Vorlage für Kompositionen von Johann Sebastian Bach, etwa „Tilge, Höchster, meine Sünden“, BWV 1083, einer Bearbeitung von Pergolesis Stabat mater, von Heinrich Schütz („Erbarm dich mein, o Herre Gott“, SWV 148) und von Heinrich Scheidemann. Johannes Brahms vertonte in op. 29 als fünfstimmige Motette „Schaffe in mir Gott, ein rein Herz“ die auf Ps 51,12–14 beschränkten Verse.