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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Mistral (Wind)

Winde vom Land zum Meer an der französischen Mittelmeerküste und den Nachbarküsten, jeweils in den örtlichen Sprachen (Katalanisch, Französisch, Italienisch).

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Definition und Entstehung
  2. 2. Wettermerkmale und Ausbreitung
  3. 3. Regionale Namen und unterschiedliche Definitionen
  4. 4. Folgen für Umwelt und Landschaft

Definition und Entstehung

Der Mistral ist ein katabatischer Wind, also ein kalter, trockener und oft starker Fallwind. Er macht sich vor allem im unteren Rhônetal und darüber hinaus bemerkbar. Im Rhonetal weht er aus Nord; an der Côte d’Azur und auf Korsika dreht er nach West. In der beschriebenen Wetterlage strömt die Luft auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn um ein Tiefdruckgebiet und in dieses hinein. Dadurch entsteht ein geostrophischer Wind aus etwa nordwestlicher Richtung.

Die klassische Ausgangslage ist gegeben, wenn ein Tief über Nordfrankreich nach Osten abzieht. Dabei strömt Polarluft in den Mittelmeerraum. Alpen und Cevennen wirken als Blockade; die kalte Luft wird in das Rhônetal gelenkt. Dieses ist ein Grabenbruch zwischen den beiden Gebirgen. Durch die Kanalisierung, also einen Düseneffekt, werden hohe Windgeschwindigkeiten von 50–75 km/h erreicht, in Spitzen über 135 km/h.

Die typische Mistralwetterlage wird durch hohen Luftdruck über der Biskaya und ein Tiefdruckgebiet über Italien geprägt. Sie tritt häufig zusammen mit Kaltlufteinbrüchen aus Norden auf. Deren Hauptstoßrichtung verläuft über Großbritannien bis in den nordwestlichen Mittelmeerraum. Dort trifft die Kaltluft auf die wärmere Mittelmeerluft, was günstige Voraussetzungen für die Entstehung eines Genuatiefs schafft.

Wettermerkmale und Ausbreitung

Der Mistral kann zunächst sanft wehen und durch die Landmasse noch aufgewärmt sein, sodass er anfangs warm wirkt. Nach einigen Stunden oder Tagen kann er sich zu einem starken bis stürmischen Wind entwickeln, der aus nordwestlicher Richtung über Frankreich in den Mittelmeerraum weht. Typisch sind ein wolkenloser, dunkelblauer Himmel, gute Fernsicht, nachts ein auffälliger Sternenhimmel und ein erheblicher Temperaturabfall. Der Wind kann tagelang anhalten. Im Rhônetal sind Bäume deshalb häufig als Windflüchter in Windrichtung nach Süden gebogen. Ein Hinweis auf den oft sehr plötzlich einsetzenden Mistral sind auffällige Lenticulariswolken.

Die Bezeichnung wird besonders mit der Provence verbunden. Betroffen sind außerdem Languedoc östlich von Montpellier, das Département Var bei Fréjus sowie das gesamte untere Rhônetal von Lyon bis Marseille. Der östliche Teil der Côte d’Azur, die Französische Riviera, ist durch höher aufragende Berge geschützt und bleibt von diesem meist als unangenehm empfundenen Wind fast immer verschont.

Auf dem Meer erzeugt der Mistral bereits als starker oder steifer Wind der Stärke 6–7 Beaufort ein ausgeprägtes, über Tage und Nächte konstantes Windfeld. Es kann den Golfe du Lion überdecken und bis zu den Inseln Menorca und Sardinien reichen. Bei stärkeren Winden können Ausläufer darüber hinaus bis in den Golf von Tunis und an die afrikanische Nordküste gelangen. Die Straße von Bonifacio kann den Wind örtlich durch einen Düseneffekt weiter verstärken und nach Osten umlenken.

Regionale Namen und unterschiedliche Definitionen

An der französischen Mittelmeerküste und an den Nachbarküsten werden Winde vom Land zum Meer in den jeweiligen örtlichen Sprachen bezeichnet. In der Provence kennen die Bewohner 32 Winde aus allen Himmelsrichtungen. Dort ist der Mistral der direkt aus Nordwest wehende Wind. Ein sehr starker Mistral heißt Aurassos, ein sehr kalter Mistral Cisampo. Auf Sardinien und Sizilien wird er Maestrale genannt.

Die Definition ist bei den Provenzalen nicht einheitlich. Nach einer Auffassung ist Mistral ausschließlich der im Rhônetal wehende Nordwestwind; weiter östlich, etwa an der Côte d’Azur, dürfte dieser Wind dann eigentlich nicht so genannt werden. Nach einer anderen Auffassung werden auch kalte Nordwinde an der Côte d’Azur als Mistral bezeichnet.

Ein ähnlicher Talwind ist der Cers. Er strömt zwischen dem Massif Central im Norden und den Pyrenäen im Süden durch das Lauragais und das Tal der Aude zum Mittelmeer bei Narbonne. Am Unterlauf des Ebro bei Tarragona heißt ein entsprechender Wind auf Katalanisch Cerç.

Der über die Cevennen beziehungsweise das Zentralmassiv zum Mittelmeer strömende Fallwind wird Tramontane genannt und weht in Nord-Süd-Richtung. Andere Quellen bezeichnen dagegen den Mistral selbst als Fallwind aus den Bergen des Zentralmassivs. Trotz trockenadiabatischer Erwärmung wird er als kalt empfunden, weil er in die wärmere Mittelmeerluft einströmt.

Folgen für Umwelt und Landschaft

Der Mistral ist sehr trocken und entzieht dem Boden Feuchtigkeit. Dadurch steigt die Waldbrandgefahr in der Provence erheblich. Außerdem kann er den Baumwuchs schädigen. Das ist besonders für den Obst- und Olivenanbau wichtig, der nur in windgeschützten Lagen möglich ist.

Für den Feldbau hat der Wind zugleich Vorteile: Pilzkrankheiten und Schadinsekten können sich durch die trockenen und windigen Bedingungen nur geringfügig bis gar nicht ausbreiten.

Die im Artikel gezeigten Beispiele veranschaulichen seine Wirkung: Eine Korkeiche ist durch den Mistral geformt, außerdem werden der Mistral über der Insel Château d’If vor Marseille und gischtende Brecher am Plage du Prado dargestellt. Auch die winddurchlässigen schmiedeeisernen Glockenkäfige auf provenzalischen Kirchtürmen sind an den Mistral angepasst, weil sie dem Wind weniger Widerstand entgegensetzen als Glockengiebel oder Spitzhelme.

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