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Propheten des Islam
Nach dem islamischen Verständnis beginnt die prophetische Tradition bereits mit dem Urvater der Menschheit, Adam, mit dem Gott nach Sure 7:172-173 einen Ur-Bund …
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Grundverständnis von Propheten und Gesandten
Als Propheten des Islam gelten Personen, die nach islamischem Verständnis von Gott zu verschiedenen Völkern gesandt wurden, um Gottes Botschaft zu übermitteln. Viele werden im Koran und in Hadithen erwähnt. Der Glaube an Propheten und Gesandte gehört zu den sechs Glaubensartikeln des Islams.
Der Koran beschreibt Offenbarung häufig mit Verben der Wurzel n-z-l („herabsenden“): Gott sendet Offenbarungen von über den sieben Himmeln zur Erde. Die Offenbarung gelangt dabei durch Engel zu Propheten und Gesandten.
Zwischen nabī („Prophet“) und rasūl („Gesandter“) wird unterschieden, wobei Religionsgelehrte dies unterschiedlich erklären. Häufig heißt es: Ein Gesandter bringt ein neues Gesetz, während ein Prophet dem Gesetz eines früheren Gesandten folgt und zu dessen Befolgung anhält. Nach einer weiteren Erklärung ist der Gesandte zur Verkündung der Offenbarung verpflichtet, der Prophet dagegen nicht. Jeder Gesandte ist zugleich Prophet, aber nicht jeder Prophet Gesandter. Die Gesandtschaft (risāla) gilt deshalb als höchste Form der göttlichen Sendung.
Gemeinsame Botschaft und Abschluss der Prophetie
Die prophetische Tradition beginnt nach islamischem Verständnis mit Adam. Mit ihm soll Gott nach Sure 7:172–173 einen Ur-Bund geschlossen haben. Muhammad gilt als letzter Prophet, als „Siegel der Propheten“ (ḫātam al-anbīyāʾ); mit ihm ist die Kette göttlicher Offenbarungen abgeschlossen. Sure 33:40 bezeichnet ihn als Gesandten Gottes und Siegel der Propheten.
Alle Propheten und Gesandten bilden die „Kette der Propheten“ (silsilat al-anbīyāʾ). Sie verkündeten dieselbe Grundüberzeugung: die Einheit Gottes (tauḥīd) und seine alleinige Anbetung, den Jüngsten Tag sowie das Leben nach dem Tod. Sie wurden jedoch in unterschiedlichen Epochen zu unterschiedlichen Völkern gesandt. Sure 40:78 sagt, dass über manche Gesandte berichtet wurde und über andere nicht.
Nach der Lehre wurde zu jedem Volk mindestens ein Prophet gesandt. Den Kindern Israels wurden mehrere Propheten sowie die zwei Gesandten Mose und Jesus gesandt. Die Botschaft eines jeweiligen Propheten oder Gesandten war für sein Volk bestimmt; allein Muhammads Botschaft war universal und an alle Völker gerichtet.
Schutz, Zeichen und Eigenschaften
Gott ist nach Sure 72:27–28 bei seinen Gesandten, wenn sie seine Botschaft verkünden. Die dort genannten „Aufpasser“ (raṣad) werden als Engel verstanden. Gottes Gegenwart schützt die Gesandten vor Gefahren und gewährt Hilfe (naṣr) und Schutz. Klare „Beweise“ (bayyināt), die die Sendung bestätigen, werden von Gelehrten als Wunder (muʿǧiza) gedeutet. Der Koran gilt als Bestätigungswunder für Muhammads Sendung. Als körperliches Kennzeichen wird außerdem das „prophetische Siegel“ zwischen Muhammads Schultern verstanden.
Ein besonderer Bund (mīṯāq) wird in Sure 33:7 für einige Propheten genannt. Als ūlū l-ʿazm, also Gesandte mit Entschlossenheit und Geduld in ihrer Mission, gelten nach einer häufigen, aber nicht unumstrittenen Deutung Noah, Abraham, Mose, Jesus und Muhammad.
Seit der Mitte des 8. Jahrhunderts entwickelte sich die Lehre von der Sündenlosigkeit der Propheten (ʿiṣmat al-anbīyāʾ, „Schutz der Propheten“). Sie besagt, dass Propheten vor Sünde und Irrtum bewahrt seien. Sie wurde offenbar ursprünglich von Schiiten entwickelt und von fast allen islamischen Theologen und Juristen angenommen. Ar-Razi (1149–1209) vertrat die Auffassung, Propheten könnten weder schwere noch kleine Sünden oder Fehler (ḏanb) begehen.
Gesandten werden Aufrichtigkeit, Vertrauenswürdigkeit, vollständige Übermittlung der Offenbarung und hohe Intelligenz zugeschrieben. Unmöglich seien daher Lüge, Hintergehen, Verheimlichen und Einfältigkeit. Sie sind dennoch Menschen und können etwa heiraten oder leicht erkranken, sofern dies ihre Gesandtschaft nicht behindert. Im Islam sind Propheten ausschließlich männlich; Sure 12:109 spricht von Männern als Gesandten.
Überlieferte Propheten und Prophetenerzählungen
Prophetengeschichten nehmen im Koran viel Raum ein. Viele der 48 Erzählungen über Propheten des Judentums und Christentums erscheinen dort in anderer Form. Die Literaturgattung Qiṣaṣ al-anbiyāʾ sammelte Erzählungen über Propheten und Gottesmänner vor Muhammad und ergänzte koranische Geschichten später mit jüdisch-christlichen Überlieferungen, den Isrāʾīlīyāt. Namen unterscheiden sich teils von den biblischen Formen, etwa Ibrāhīm für Abraham, Dāwūd für David und Mūsā für Mose.
Der Koran nennt 25 Propheten oder Gesandte: Ādam, Idrīs, Nūḥ, Hūd, Ṣāliḥ, Ibrāhīm, Lūṭ, Ismāʿīl, Isḥāq, Yaʿqūb, Yūsuf, Ayyūb, Schuʿayb, Mūsā, Hārūn, Ḏū-l-Kifl, Dāwūd, Sulaimān, Ilyās, al-Yasaʿ, Yūnus, Zakariyyā, Yaḥyā, ʿĪsā ibn Maryam und Muḥammad. Als offenbarte Bücher werden Ibrāhīms Ṣuḥuf, Mose die Tora, Dāwūd der Psalter, Jesus das Evangelium und Muhammad der Koran zugeordnet.
Muslime gehen außerdem von sehr vielen nicht im Koran genannten Propheten aus. Sure 10:47 lautet: „Und jede Gemeinschaft hat einen Gesandten.“ Ein Hadith im Musnad Ahmad ibn Hanbal, überliefert nach Abu Dharr, nennt 313 oder 319 Gesandte und 124.000 Propheten. Die Muʿtazila gingen von einer Austauschbarkeit der beiden Bezeichnungen aus. Der Koran fordert den Glauben an alle anerkannten Propheten und offenbarten Bücher, ohne Unterschiede zwischen ihnen zu machen.
Weitere Personen werden je nach Gelehrtenmeinung als Propheten oder als Fromme beziehungsweise Heilige angesehen: ʿUzair (Esra), Luqmān, Dhū l-Qarnain und Daniyal (Daniel).