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Jüngster Tag (Islam)

Der Jüngste Tag ist im Islam der Tag, an dem Gott als Richter alle Menschen zur Rechenschaft ziehen wird. Alle Menschen, die je gelebt haben, werden erweckt und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Ablauf
  2. 2. Stellung im Koran
  3. 3. Beispiele aus dem Koran
  4. 4. Angekündigte Vorzeichen
  5. 5. Tod und Auferstehung

Bedeutung und Ablauf

Der Jüngste Tag ist in der islamischen Eschatologie, also der Lehre von den letzten Dingen, der endgültige Tag der Auferstehung und Abrechnung. Er heißt auch „Tag der Auferstehung“, „Tag des Gerichts“ oder „Tag der Abrechnung“. Der Glaube daran und an das Gericht gehört zu den Kernaussagen des Korans und zu den sechs Glaubensgrundsätzen des Islams.

An diesem Tag wird Gott als Richter alle Menschen für ihre Taten zur Rechenschaft ziehen. Sämtliche Menschen, die jemals gelebt haben, werden auferweckt und vor Gott versammelt. Diese Zusammenkunft der Toten wird al-Haschr genannt. Nach Sure 70 dauert dieser Tag nicht 24 Stunden, sondern 50.000 Jahre.

Stellung im Koran

Das Wort Qiyāma bedeutet „sich erheben, aufstehen“. Es beruht auf der arabischen Wortwurzel q-w-m und kommt im Koran mehr als siebzigmal vor, stets in Verbindung mit yaum al-qiyāma, dem „Tag der Auferstehung“. Ein Beispiel ist der erste und namensgebende Vers der Sure 75.

Die Einheit Gottes und die Verantwortung der Menschen für ihre Taten am Jüngsten Tag gelten als die beiden frühesten und wichtigsten Botschaften, die Mohammed in den frühmekkanischen Suren verkündet wurden. Beide Aussagen sind eng miteinander verbunden: An zahlreichen Stellen setzt der Koran den Glauben an Gott mit dem Glauben an den Jüngsten Tag in Beziehung.

In Werken des ʿIlm al-kalam, der islamischen systematischen Glaubenslehre, und der islamischen Philosophie wird die Eschatologie unter dem Begriff maʿād behandelt. Das Wort bedeutet „Rückkehr“, kommt in dieser Form nur einmal im Koran vor und wird häufig auch anstelle von „Auferstehung“ verwendet.

Beispiele aus dem Koran

Sure 1 bezeichnet Gott als den Barmherzigen und Gnädigen, der am Tag des Gerichts regiert. Das Gebet verbindet diese Aussage mit der Bitte um Hilfe und um Führung auf den geraden Weg.

Sure 2, Vers 8 spricht von Menschen, die behaupten, an Gott und den Jüngsten Tag zu glauben, tatsächlich aber nicht gläubig seien. Ihr Versuch, Gott und die Gläubigen zu betrügen, richtet sich der Aussage zufolge in Wirklichkeit gegen sie selbst, ohne dass sie sich dessen bewusst sind.

Angekündigte Vorzeichen

Nach islamischer Vorstellung endet am Jüngsten Tag alles Vergängliche. Katastrophale Vorzeichen auf der Erde kündigen das Ende des Universums an. Der genaue Zeitpunkt und die Ursache dieser Ereignisse werden nicht genannt.

Zu den beschriebenen Vorzeichen gehören Erdbeben, etwa in Sure 99, und folgende Vorgänge:

  • Die Erde wirft ihre Bürden ab.
  • Der Himmel bricht.
  • Die Gräber werden umgedreht.
  • Seen werden ausgegossen.
  • Die Berge fliegen wie Wollbüschel davon.
  • Die Sonne geht im Westen auf.
  • Die Dābbat al-Ard erscheint.

Nach einigen Hadithen, also Überlieferungen über Aussagen und Handlungen Mohammeds, treten außerdem der Daddschāl und der Mahdi auf. Allgemein wird auch die Rückkehr von Jesus erwartet. Entweder Jesus oder der Mahdi soll den Daddschāl besiegen.

Andere Überlieferungen nennen „kleine“ Vorzeichen, die bereits vor dem eigentlichen Beginn des Jüngsten Tages auftreten sollen. Dazu zählen miteinander konkurrierende höchste Gebäude, ein Wettbewerb bei der Ausschmückung von Moscheen, das Auspeitschen anderer Menschen, „angezogene, aber nackte“ Frauen, der Rückgang der Ehrlichkeit, die Zunahme von Lug und Trug sowie die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten und Ehebruch.

Tod und Auferstehung

Am Jüngsten Tag bläst der Engel Isrāfīl zweimal in ein Horn. Beim ersten Hornstoß stirbt jedes Lebewesen. Beim zweiten Hornstoß erwacht jedes Lebewesen zur Abrechnung.

Nach diesem zweiten Hornstoß werden die Seelen in ihre Körper zurückgeschickt. Alle Menschen und Dschinn, also im Islam angenommene Geistwesen, stehen wieder auf. Danach erscheint ihnen die Zeit in den Gräbern so, als hätten sie dort nur kurze Zeit verbracht.

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