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Prometheus (Orff)

6 Flöten, alle auch Piccoloflöten, 1 auch Bassflöte · 6 Oboen, die Oboen 5–6 auch Englischhorn · 6 Trompeten · 6 Posaunen · 4 Harfen · 4 Tenorbanjos · 1 Orgel · 1 …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundkonflikt
  2. 2. Fesselung und Hilfe für die Menschen
  3. 3. Io, Weissagung und Strafe
  4. 4. Musikalische Gestaltung
  5. 5. Besetzung des Orchesters
  6. 6. Dokumentierte Aufnahmen

Werk und Grundkonflikt

Prometheus ist eine etwa zweistündige Oper von Carl Orff nach der Tragödie Der gefesselte Prometheus von Aischylos, dem einzig überlieferten Teil seiner Prometheus-Trilogie. Das Libretto besteht durchgängig aus dem altgriechischen Originaltext. Die Oper spielt in mythischer Zeit im Kaukasus und wurde am 24. März 1968 im Staatstheater Stuttgart uraufgeführt.

Im Mittelpunkt steht der Titan Prometheus, der den Menschen geholfen und ihnen unter anderem das Feuer gebracht hat. Dafür lässt Zeus ihn an einen Felsen ketten. Prometheus behauptet außerdem, ein Geheimnis über das künftige Ende der Herrschaft des Zeus zu kennen. Trotz Drohungen weigert er sich, dieses Wissen preiszugeben. Die Hauptrollen sind Prometheus (Bariton), Hephaistos (Bariton), Okeanos (Tenor), Io Inachis (Sopran), Hermes (Bass), Kratos und Bia als Sprechrollen sowie die Okeaniden als Frauenchor.

Fesselung und Hilfe für die Menschen

Kratos, die personifizierte „Macht“, und Bia, die personifizierte „Gewalt“, bringen Prometheus im Auftrag des Zeus in den Kaukasus. Dort zwingen sie Hephaistos, ihn an einen Felsen zu schmieden. Hephaistos empfindet Mitleid, gehorcht aber aus Angst vor Zeus.

Nach ihrem Fortgang erscheinen die Okeaniden, die Töchter des Okeanos. Prometheus berichtet ihnen, dass er Zeus einst im Kampf gegen Kronos geholfen habe, seinen Vater durch List und Klugheit zu stürzen. Nach seinem Sieg habe Zeus die Ämter verteilt, die Menschen aber nicht berücksichtigt. Prometheus habe ihnen deshalb Feuer, Hoffnung und die Kunst der Weissagung verschafft. Obwohl er seine Bestrafung vorausgesehen habe, habe er aus Verantwortung für die Menschen gehandelt.

Okeanos kommt auf einem Greif und rät Prometheus, sich Zeus zu unterwerfen und um Gnade zu bitten. Er bietet an, bei Zeus für ihn einzutreten. Prometheus weist diesen Rat ironisch zurück und warnt Okeanos davor, sich selbst in Gefahr zu bringen. Dabei verweist er auf die Schicksale seines Bruders Atlas und des Typhon. Okeanos lässt sich überzeugen und fliegt davon.

Prometheus erläutert anschließend weitere Kenntnisse, die er den Menschen vermittelt habe, darunter Heilkunde, Seefahrt, Meteorologie und Weissagung. Zugleich prophezeit er, dass Zeus eines Tages abdanken müsse und Prometheus befreit werde. Damit sich diese Vorhersage erfüllt, dürfe er Zeus dessen Zukunft jedoch nicht offenbaren.

Io, Weissagung und Strafe

Die gehörnte Io erscheint und bittet Prometheus, ihr Schicksal vorherzusagen. Zunächst erzählt sie, wie sie von der Liebe des Zeus träumte. Ihr Vater Inachos erhielt daraufhin durch ein Orakel den Befehl, seine Tochter aus dem Land zu vertreiben. Um seine Liebe zu Io zu verbergen, verwandelte Zeus sie in eine Kuh. Hera durchschaute dies, setzte Argos als Wächter ein und ließ Io von einer Bremse verfolgen.

Prometheus kündigt Io eine lange Wanderung an: Sie werde den später nach ihr benannten Bosporus überqueren, über Äthiopien flussabwärts ziehen und schließlich im Nildelta nach Kanopus gelangen. Dort werde sie Epaphos gebären. Ein Nachkomme Ios in der 13. Generation, ein „Held des Bogens“, werde Prometheus befreien; gemeint ist Herakles. Von den Stichen der Bremse gequält, flieht Io weiter.

Prometheus teilt den Okeaniden mit, Zeus werde infolge des Fluchs des Kronos sein Ende finden. Hermes verlangt daraufhin im Namen des Zeus, Prometheus müsse verraten, wer Zeus stürzen werde. Er droht mit Blitz, Sturm und einem Adler, der Prometheus’ Leber fressen werde. Prometheus bleibt standhaft und schweigt. Daraufhin versinkt der Felsen mit dem angeketteten Titanen unter Blitz, Donner und Erdbeben im Schattenreich des Hades.

Musikalische Gestaltung

Eine zentrale Besonderheit ist die Vertonung des altgriechischen Originaltextes. Orff entschied sich dafür nach ausführlicher Beratung durch den Altphilologen Wolfgang Schadewaldt, der ihn besonders in Fragen der griechischen Metrik unterstützte. Auch der Musikwissenschaftler Thrasybulos Georgiades und Wieland Wagner begleiteten die Entstehung der Antikenopern im Gedankenaustausch mit dem Komponisten.

Die Quantitätsmetrik des Altgriechischen, bei der die Länge der Silben entscheidend ist, lässt sich weder mit der Akzentmetrik moderner europäischer Sprachen noch mit dem regelmäßigen Taktmetrum der europäischen Kunstmusik vereinbaren. Orff bildet daher das ursprüngliche Versmaß nicht unmittelbar nach. Stattdessen überformt er die Silbenfolge mit einer eigenständigen musikalischen Rhythmik. Große Teile des Textes werden von den Solostimmen rhythmisch deklamiert, also zwischen Sprechen und Singen gestaltet. Einwürfe des sehr großen Schlagwerks unterbrechen diese Deklamation nur gelegentlich. Damit entfernt sich die Oper noch stärker von traditionellen Tonhöhenstrukturen als Orffs frühere Antikenopern.

Bestimmte und unbestimmte Schlaginstrumente prägen das Klangbild. Klaviere und Xylophone übernehmen ungefähr die tragende Funktion, die in der Wiener Klassik gewöhnlich der Streicherapparat hatte. Dagegen werden traditionelle Orchesterinstrumente wie Flöten, Oboen, Trompeten und Kontrabässe teilweise ähnlich eingesetzt wie seltene Schlaginstrumente im Orchester des 19. Jahrhunderts.

Zahlreiche außereuropäische Instrumente erweitern die Klangfarben. Da Orff diese Farben kaum unvermischt einsetzt, versteht der Artikel ihre Verwendung nicht als musikalischen Exotismus. Die Instrumente aus verschiedenen Weltregionen sollen vielmehr den Anspruch unterstützen, im altgriechischen Mythos etwas Allgemein-Menschliches darzustellen. Orffs Antikenopern gelten dadurch als eigenständiger Weg des Musiktheaters nach 1950; seit 2000 werden sie auch wegen der Verwandtschaft ihrer Musiksprache mit Tendenzen der Minimal Music wieder stärker beachtet.

Besetzung des Orchesters

Die Partitur verlangt eine außergewöhnliche Besetzung: sechs Flöten, die sämtlich auch Piccoloflöte spielen und von denen eine zusätzlich die Bassflöte übernimmt; sechs Oboen, wobei die fünfte und sechste auch Englischhorn spielen; sechs Trompeten, sechs Posaunen, vier Harfen, vier Tenorbanjos, eine Orgel, ein Regal, eine elektrische Orgel, vier Konzertflügel mit acht Spielern und neun Kontrabässe.

Besonders umfangreich ist das Schlagwerk, das 15 bis 18 Spieler benötigt. Dazu gehören unter anderem fünf Pauken, verschiedene kleine und große Trommeln, O-Daiko, Taiko, Darabukkas und Congas. Hinzu kommen Lithophon, Xylophone, zwei chromatische Tenorxylophone, Marimbaphone, Bassxylophon, Glockenspiel, Metallophone und Röhrenglocken. Weitere Klangmittel sind zahlreiche Becken, antike Zimbeln, Tamtams, Gongs, Metallplatten, eine Plattenglocke, Holzblöcke und Holzglocken sowie Instrumente wie Guiro, afrikanische Schlitztrommel, Bambusröhren, Hyoshigi, Wasamba, Bin Sasara, Maracas und Angklung. Sieben abgestimmte Gläser, eine Windmaschine und eine Donnermaschine ergänzen das Ensemble.

Die chromatischen Tenorxylophone stammen aus dem Orff-Schulwerk und sind wegen ihrer chromatischen Anordnung im Orchester ungebräuchlich. In der heutigen Aufführungspraxis werden ihre normalen Partien meist auf Marimbaphonen gespielt; lediglich die chromatischen Glissandi, also gleitende Tonfolgen, bleiben den Tenorxylophonen vorbehalten. Die bei der Uraufführung technisch besonders anspruchsvollen Schlagzeugpartien gelten aufgrund der Weiterentwicklung der Schlagzeugtechnik inzwischen nicht mehr als unüberwindlich.

Dokumentierte Aufnahmen

Eine Aufnahme von 1972 entstand mit Roland Hermann, Colette Lorand, Fritz Uhl, Heinz Cramer, Josef Greindl und Kieth Engen sowie dem Rundfunk-Symphonieorchester Köln unter Ferdinand Leitner; sie erschien bei Arts Archives. Eine weitere Aufnahme mit denselben genannten Solisten spielte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Rafael Kubelík ein; sie erschien 1975 bei Orfeo.

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