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Carl Orff
Carl Heinrich Maria Orff (* 10. Juli 1895 in München; † 29. März 1982 ebenda) war ein deutscher Komponist und Musikpädagoge. Sein bekanntestes Werk ist die …
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Überblick und Bedeutung
Carl Heinrich Maria Orff (* 10. Juli 1895 in München; † 29. März 1982 ebenda) war ein deutscher Komponist und Musikpädagoge. Seine bekannteste Komposition ist die szenische Kantate Carmina Burana (1937), ein Werk für die Bühne mit Chor, das zu den populärsten Chorwerken des 20. Jahrhunderts zählt. Orff prägte außerdem die Musik- und Bewegungserziehung durch das gemeinsam mit Gunild Keetman entwickelte Orff-Schulwerk.
Eine szenische Kantate ist ein umfangreiches Vokalwerk, das nicht nur konzertant, sondern auch mit Bühnenhandlung oder Bildern aufgeführt werden kann. Carmina Burana vertont 24 Texte aus der mittelalterlichen Handschrift gleichen Namens neu. Das Stück O Fortuna aus diesem Werk wurde besonders häufig in Filmen verwendet.
Ausbildung, Pädagogik und berufliche Aufgaben
Orff erhielt ab 1900 Klavier-, Cello- und Orgelunterricht; in diesem Jahr erschien auch seine erste Komposition. Als Schüler des Wittelsbacher-Gymnasiums sammelte er Erfahrungen im gemeinsamen Musizieren: Er begleitete das Schulorchester auf Orgel, Klavier oder Harmonium und sang Sopran-Solopartien im Schulchor.
Nach ersten Vertonungen von Gedichten, unter anderem von Hölderlin und Heine, studierte Orff 1913 bis 1914 an der Königlichen Akademie der Tonkunst in München. Nach einem kurzen Kriegsdienst 1917/18 arbeitete er bis 1919 als Kapellmeister in München, Mannheim und Darmstadt. 1921 und 1922 studierte er bei Heinrich Kaminski.
1924 gründete Orff mit Dorothee Günther die Günther-Schule München, eine Ausbildungsstätte für Gymnastik, Rhythmik, Musik und Tanz. Als Leiter der Musikabteilung entwickelte er die Idee, musikalisch-rhythmisches Gefühl aus Bewegung heraus entstehen zu lassen. Daraus entstand mit Gunild Keetman das Orff-Schulwerk, ein Modell der Musik- und Bewegungserziehung. Erste Veröffentlichungen erschienen 1930 bis 1934; die Neufassung Musik für Kinder erschien 1950 bis 1954 in fünf Bänden. Die Lehren werden auch in der Heilpädagogik eingesetzt. Orff war von 1950 bis 1960 Leiter einer Meisterklasse an der Musikhochschule München und leitete ab 1961 das Orff-Institut in Salzburg.
Verhältnis zum Nationalsozialismus
Orffs Verhalten während des Nationalsozialismus wird seit den 1990er Jahren verstärkt diskutiert. Das Artikelbild beschreibt ihn als unpolitischen, nicht an Politik interessierten Komponisten, der sich mit den Machthabern arrangierte, um künstlerisch arbeiten zu können, und die Anerkennung als bedeutender deutscher Komponist genoss.
Er nahm mehrere Aufträge an: Einzug und Reigen der Kinder wurde zur Eröffnung der Olympischen Spiele 1936 in Berlin aufgeführt. 1939 überarbeitete er Ein Sommernachtstraum als Ersatz für die Musik des als jüdisch geächteten Felix Mendelssohn Bartholdy. Während des Krieges erhielt er einen Auftrag für Antigonae an der Wiener Staatsoper und von 1941 bis 1945 ein festes Monatsgehalt aus Wien. 1944 stand er auf Hitlers „Gottbegnadeten-Liste“ und war deshalb vom Wehrmachts- und Arbeitseinsatz an der Heimatfront befreit.
Orff war mit Kurt Huber, einem 1943 hingerichteten Gründer der Widerstandsgruppe Weiße Rose, befreundet. Michael H. Kater behauptete, Orff habe bei der Entnazifizierung fälschlich angegeben, Mitglied der Weißen Rose gewesen zu sein. In den Akten finden sich dafür jedoch keine Belege; Oliver Rathkolb wertet dies als Widerlegung von Katers These. Orff wurde nach Rücksprache mit dem amerikanischen Offizier und früheren Schüler Newell Jenkins als Mitläufer eingestuft und durfte wieder arbeiten. Clara Huber erklärte später, Orff habe sich nach Hubers Festnahme vor allem um sein eigenes Schicksal gesorgt und keine Stellungnahme für Huber abgegeben.
Werke und künstlerische Formen
Orffs Bühnenwerke lassen sich unter anderem den Gruppen Trionfi, „Märchenstücke“, Bairisches Welttheater und Theatrum Mundi zuordnen. Zu Trionfi gehören Carmina Burana (1937), Catulli Carmina (1943) und Trionfo di Afrodite (1953). Beispiele für Märchenstücke sind Der Mond (1939), Die Kluge (1943) und Ein Sommernachtstraum, dessen endgültige Fassung 1962 entstand und 1964 uraufgeführt wurde.
Zum Bairischen Welttheater gehören Die Bernauerin (1947), Astutuli (1953), Comoedia de Christi Resurrectione (1956) und Ludus de nato Infante mirificus (1960). Im Theatrum Mundi stehen Antigonae (1949), Oedipus der Tyrann (1959), Prometheus (1968) und De temporum fine comoedia – Das Spiel vom Ende der Zeiten (1973; Neufassungen 1979 und 1981).
Daneben schrieb und bearbeitete Orff Kantaten, Chorwerke und Werke für Sprechchor. Er griff häufig auf literarische Vorlagen zurück, besonders von Aischylos, Catull, Friedrich Hölderlin und den Brüdern Grimm. Zu seinen Bearbeitungen nach Claudio Monteverdi zählen Orpheus, Klage der Ariadne und Tanz der Spröden. Für die Olympischen Sommerspiele 1972 in München komponierte er den Gruß der Jugend.
Privatleben, Tod und Nachwirkung
Orff war viermal verheiratet und hatte mit seiner ersten Frau Alice Solscher die Tochter Godela Orff-Büchtemann. Er starb nach langer Krankheit am 29. März 1982 im Alter von 86 Jahren in München. Seine Asche wurde in der „Schmerzhaften Kapelle“ der Klosterkirche Andechs beigesetzt. Die Wandtafel trägt die lateinische Inschrift „Summus finis“ („das höchste Ziel“).
Sein Werk wurde vielfach geehrt und erinnert: Orff erhielt unter anderem 1947 den Musikpreis der Stadt München, 1959 den Bayerischen Verdienstorden, 1965 das Große Verdienstkreuz mit Stern und 1975 die Ehrenbürgerwürde der Stadt München. Nach ihm wurden Museen, Schulen, Straßen, der Asteroid (21125) Orff sowie Einrichtungen und Preise benannt. Das Carl-Orff-Museum in Dießen am Ammersee wurde 2025 in Orffs Wohn- und Arbeitshaus mit modernem Erweiterungsbau wiedereröffnet.
Carmina Burana und Musik aus dem Schulwerk wirkten auch in Film und Medien weiter. In Excalibur (1981) begleitet O Fortuna den Höhepunkt einer Schlacht. Musica Poetica / Gassenhauer aus 4 Stücke für Xylophon wurde 1973 in Badlands – Zerschossene Träume, 1993 in True Romance und 2000 in Forrester – Gefunden! verwendet.