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Private Finanzplanung

Private Finanzplanung oder persönliche Finanzplanung (englisch personal financial planning) ist die Finanzplanung der Privathaushalte.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Umfang und Finanzierungsquellen
  3. 3. Finanzielle Bildung und systematisches Vorgehen
  4. 4. Finanzielle Risiken und Schutz
  5. 5. Privatinsolvenz und Anbieter

Grundidee und Bedeutung

Private Finanzplanung, auch persönliche Finanzplanung genannt, ist die Finanzplanung der Privathaushalte, also von Alleinstehenden und Familien. Sie unterstützt Haushalte dabei, finanzielle Entscheidungen systematisch vorzubereiten und individuelle Ziele zu erreichen. Dazu werden Einnahmen, Ausgaben, Vermögen, Schulden, Finanzierungen, Geldanlagen, Altersvorsorge, Nachfolge und Steuern gemeinsam betrachtet.

Privathaushalte können grundsätzlich auf Planungsmethoden und Instrumente zurückgreifen, die für Unternehmen und öffentliche Haushalte entwickelt wurden. Finanzplanung ist dabei eine regelmäßige Aufgabe der Finanzwirtschaft und soll in gleichen Zeitabständen vorgenommen werden. Der aktuelle Kapitalbedarf wird durch Finanzierung gedeckt. Dabei wird zwischen Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung unterschieden.

Ein wichtiger Unterschied zu Unternehmen besteht darin, dass viele Privathaushalte nur über geringe oder keine finanzielle Allgemeinbildung verfügen. Finanzplanungstechniken führen deshalb ohne ausreichende Kenntnisse nicht automatisch zu guten Ergebnissen.

Umfang und Finanzierungsquellen

Private Finanzplanung umfasst die lebenszyklusorientierte Prognose der künftigen Entwicklung eines Haushalts. Sie untersucht insbesondere die Einnahmen und Ausgaben in einer privaten Liquiditätsrechnung sowie die Entwicklung von Vermögen und Schulden. Berücksichtigt werden außerdem Finanzierungsentscheidungen, Geldanlage, Altersvorsorge, Nachfolgeplanung, Steuerfragen und die individuellen finanziellen Ziele.

Sie dient nicht nur der Anlageberatung. Auch die Frage, ob sich ein Haushalt ein Automobil leisten kann, oder die Entscheidung, sich durch Versicherungen gegen Schäden zu schützen, gehören dazu. Eine umfassende Planung kann zusätzlich rechtliche, psychologische, philanthropische und ethische Fragen einbeziehen. Dazu zählen etwa Ausbildung, Karriere, Freizeitbudget, Ruhestandseintritt und die Weitergabe von Vermögen über Generationen hinweg, beispielsweise durch Testamente, Eheverträge, Schenkungen oder Stiftungen.

Zur privaten Finanzplanung gehört auch eine private interne Revision. Damit ist die Überwachung der Struktur und Entwicklung von Zahlungsströmen, Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten sowie der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Haushalts gemeint.

Die private Eigenfinanzierung stammt vor allem aus dem Einkommen. Dieses kann aus Arbeitseinkommen, Kapitaleinkommen oder Transfereinkommen bestehen. Auch Ersparnisse sowie Erlöse aus dem Verkauf von Vermögensgegenständen können zur Eigenfinanzierung beitragen. Diese Mittel dienen beispielsweise der Finanzierung von Hausrat, Automobilen oder Wohnimmobilien. Reichen sie nicht aus, muss der Haushalt Kredite aufnehmen. Spätestens dann ist ein Finanzierungsplan erforderlich, der auch für Kreditinstitute eine wichtige Kreditunterlage ist.

Finanzielle Bildung und systematisches Vorgehen

Private Finanzplanung unterscheidet sich von spontanen Alltagsentscheidungen wie einem Spontankauf durch ihr systematisches Vorgehen. Zuerst werden die Ziele sowie die finanzielle, persönliche und familiäre Ausgangssituation erfasst. Dazu gehören eine Privatbilanz, eine private Liquiditätsrechnung, gegebenenfalls mithilfe eines Haushaltsbuchs, und eine private Gewinn- und Verlustrechnung. Zusätzlich werden bestehende Versorgungsansprüche für Alter und Krankheit untersucht.

Aus diesen Daten lassen sich die Realisierbarkeit der Ziele, vorhersehbare Ereignisse und finanzielle Risiken ableiten. Zunächst wird die notwendige Absicherung gegen existenzbedrohende Risiken ermittelt, zum Beispiel gegen Invalidität oder Haftpflicht. Wenn Angehörige finanziell abhängig sind, muss auch das Todesfallrisiko berücksichtigt werden.

Nach der klassischen, weiterhin vorherrschenden Methodik wird auf Grundlage der laufenden Einkünfte zunächst ein Budget erstellt. Übrig bleibendes Geld wird langfristig gespart und investiert, sofern nicht noch Kredite bestehen, die vorrangig zurückgezahlt werden können. Das Vermögen soll bis zum Ruhestand vermehrt oder zumindest erhalten werden; unnötige Risiken sollen vermieden werden.

Das moderne Paradigma, das unter anderem mit Robert Merton, Paul Samuelson und Zvi Bodie verbunden ist, setzt einen anderen Schwerpunkt. Ziel ist die optimale, an die persönliche Risikopräferenz angepasste Verteilung der Ausgaben über die gesamte Lebensdauer. Ein Modell gibt dafür eine je nach Risiko mehr oder weniger stark schwankende Sparquote vor. Für das verbleibende Geld wird anschließend eine Budgetplanung vorgenommen.

Bei der Anlageplanung sind zwei Fragen besonders wichtig. Die Vermögensallokation bestimmt, welche Anlageklassen ausgewählt und wie sie gewichtet werden, etwa riskantere Wertpapiere im Verhältnis zu verhältnismäßig sicheren Spareinlagen sowie einzelne Aktien und Anleihen. Die sogenannte Asset Location fragt, in welcher steuerlichen Gestaltung Finanzprodukte möglichst effizient angeschafft werden sollen, beispielsweise als Direktanlage, Investmentfonds oder Versicherungsmantel.

Finanzielle Risiken und Schutz

Bei der privaten Finanzplanung müssen verschiedene Finanzrisiken berücksichtigt werden. Dazu gehören eine zwanghafte Konsumneigung, also Konsumismus, eine unzureichende Anpassung der Ausgaben an sinkende Einnahmen und allgemeiner Geldmangel. Ebenfalls wichtig sind allgemeine Lebensrisiken, Arbeitsunfähigkeit, Krankheit, Scheidung, der Tod naher Angehöriger, unversicherte Schadenshaftungen sowie unerwartete Nachzahlungen, etwa für Betriebskosten oder Steuern.

Weitere Risiken entstehen durch eine zu starke Konzentration von Kapitalanlagen, also ein Klumpenrisiko beziehungsweise eine zu geringe Granularität. Auch ein überdurchschnittlich hoher Kapitaldienst bei Krediten infolge von Überschuldung und zu hohe Mietkosten können den Haushalt belasten. Für diese beiden Belastungen gibt es die Kennzahlen Schuldendienstdeckungsgrad und Mietbelastungsquote.

Viele Risiken können durch Versicherungen abgesichert werden. Nicht versicherbare Risiken müssen durch eine Selbstversicherung aus dem eigenen Vermögen getragen werden. Dieses Vermögen entsteht durch Vermögensbildung, die auch als Bildung von Rückstellungen und Rücklagen verstanden werden kann.

Privatinsolvenz und Anbieter

Privatinsolvenzen können tendenziell Ausdruck einer Überforderung mit der privaten Finanzplanung sein. Nach dem Schuldenbarometer 2018 der Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel war 2010 mit 139.110 in Deutschland angemeldeten Privatinsolvenzen von Privatpersonen und ehemals Selbstständigen ein Rekordjahr. Danach sank die jährliche Zahl bis auf 88.995 Fälle im Jahr 2018.

Am stärksten betroffen war 2018 die Altersgruppe der 31- bis 40-Jährigen mit 24.852 Fällen. Bei den mindestens 61-Jährigen wurden 9.338 Fälle registriert. Regional zeigte sich im Wesentlichen ein Nord-Süd-Gefälle. Im Bundesdurchschnitt gab es 2018 insgesamt 107 Privatinsolvenzfälle je 100.000 Einwohner. Baden-Württemberg und Bayern lagen mit 72 beziehungsweise 73 Fällen deutlich darunter. Besonders hohe Werte hatten Bremen mit 166, Niedersachsen mit 150, das Saarland mit 146, Schleswig-Holstein mit 145 und Hamburg mit 143 Fällen je 100.000 Einwohner.

CRIF Bürgel vermutete, dass neben der geringen Arbeitslosenquote auch das Pfändungsschutzkonto zum Rückgang beigetragen habe, weil es viele überschuldete Bürger vom Anmelden einer Privatinsolvenz abhalte. Zwischen 2012 und 2015 stieg die Zahl der Privatinsolvenzen bei den mindestens 61-Jährigen. 2015 lag sie gegenüber 2011 um 26 Prozent höher. Damals wurde ein Trend zu steigender Altersarmut vermutet; bis 2018 bestätigte sich dieser Trend in der weiteren Entwicklung jedoch nicht.

Als Dienstleister bieten vor allem Kreditinstitute private Finanzplanung an, bei Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken häufig im Rahmen des Private Banking. Weitere Anbieter sind Finanzvertriebe, Vermögensverwaltungen, freie Anlageberater, Makler, Honorarberater und vereinzelt Steuerberater. Berufsverbände von Finanzplanern veröffentlichen Kriterien für gute Finanzplanung. Viele sind dem Financial Planning Standards Board Ltd. angeschlossen, darunter FPSB Deutschland e. V. und der Österreichische Verband Financial Planners. Sie vergeben Qualitätszertifikate wie Certified Financial Planner und European Financial Planner. Der weltweit größte Berufsdachverband ist die US-amerikanische Financial Planning Coalition mit CFP Board, Financial Planning Association und NAPFA.

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