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Prime

prima = „die Erste“) bezeichnet man in der Musik die erste Tonstufe einer Tonleiter und als Intervall den Zusammenklang oder die Wiederholung von zwei Tönen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung der Prime
  2. 2. Prime als reines Intervall
  3. 3. Alterierte Primen und ihre Benennung
  4. 4. Tonrepetition in der Melodik
  5. 5. Einklang, Harmonik und Instrumente

Bedeutung der Prime

Die Prime ist in der Musik die erste Tonstufe einer Tonleiter. Als Intervall bezeichnet sie den Zusammenklang oder die Wiederholung zweier Töne, die vom selben Stammton hergeleitet sind. Erklingen beide Töne gleichzeitig, heißt dies Einklang; folgen sie nacheinander, spricht man von Tonwiederholung oder Repetition.

„Prime“ oder „Prim“ kann außerdem den Grundton meinen, also den Ausgangston eines Akkordes.

Prime als reines Intervall

Die reine Prime gehört wie die Oktave zu den reinen Intervallen. Sie liegt zwischen zwei Tönen gleicher Tonhöhe und hat daher die Größe von 0 Cent. Im Kontrapunkt und in der Harmonielehre wird sie als Simultanintervall wie eine Oktave behandelt.

Enharmonisch verwechselbare Töne, etwa Cis–Des, können je nach Instrument oder Stimmung akustisch fast oder vollständig gleich sein. Wegen ihrer unterschiedlichen Stammtonableitungen C und D heißen sie dennoch verminderte Sekunde, nicht Prime.

Alterierte Primen und ihre Benennung

Ein chromatischer Halbtonschritt mit gleichem Stammton, beispielsweise C–Cis aufwärts, heißt übermäßige Prime. Cis–C abwärts wird gelegentlich verminderte Prime genannt. Diese Bezeichnung ist jedoch umstritten: Manche Autoren lassen sie beim Üben der Bestimmung alterierter Intervalle anhand des Notenbilds zu, andere bestreiten ihre Existenz. Stefan Kostka, Dorothy Payne und Byron Almén schreiben in Tonal Harmony, 7. Auflage (2013), S. 20: „There is no such thing as a diminished unison.“

Intervallbezeichnungen geben die Größe, nicht die Richtung an. Deshalb ist auch Cis–C, vom tieferen zum höheren Ton gelesen C–Cis, eine übermäßige Prime. Es gibt keine negativen Intervalle; eine verminderte Prime würde aber eine Tonhöhendifferenz kleiner als Null nahelegen. Das Komplementärintervall einer übermäßigen Prime zur reinen Oktave ist eine verminderte Oktave. Übermäßige Oktaven existieren wegen ihrer Intervallweite größer als Null, bilden aber kein Komplementärintervall.

Tonrepetition in der Melodik

Mehrere aufeinanderfolgende Primen ergeben Tonrepetitionen. Sie kommen in der Figurenlehre, bei Verzierungen wie der Bebung und bei besonderen Formen des Orgelpunkts vor. In der Affektenlehre kann die Prime unter anderem Todes-Motivik, Ruhen in sich oder Monotonie ausdrücken. Frühe liturgische Musik verwendet sie als Rezitationston.

Peter Cornelius’ Ein Ton für Singstimme und Klavier nutzt die Prime als Grundprinzip: Der gesamte Liedtext wird auf derselben Tonhöhe über einem wechselnden harmonischen Hintergrund gesungen. In Richard Wagners Wesendonck-Lied STEHE STILL! erscheinen Primketten bei „schweiget“ und „Lippe verstummt“; zugleich nehmen die anfangs großen Sprünge, etwa Oktaven und Septimen, nach und nach ab.

Einklang, Harmonik und Instrumente

Das gleichzeitige Erklingen zweier Töne im Primabstand heißt Einklang oder Unisono. Die Prime kann Ziel oder Ausgangspunkt von zwei oder mehr Stimmen sein. In Schlussformeln mehrstimmiger Werke entsteht sie zwangsläufig, wenn zwei Stimmen derselben Stimmlage auf demselben Schlusston enden. Einen besonderen Schlusseffekt bildet ein Ende, bei dem alle Stimmen auf demselben Ton liegen und Terz oder Quint des Schlussakkords fehlen. Ein Beispiel ist Claudio Monteverdis Marienvesper, VII. Concerto Duo Seraphim.

Bei der Orgel können zahlreiche in der Prime gestimmte Pfeifen gleichzeitig erklingen, zum Beispiel beim Aequalregister. Bei Saiteninstrumenten werden oft zwei oder mehr Saiten als Saitenchöre im Einklang gestimmt, etwa bei Laute, mehrchöriger Gitarre, Mandoline, Hackbrett, Cembalo und Klavier. Bei Orgel und Cembalo erzeugt das Hinzunehmen oder Wegnehmen unterschiedlich klingender, gleich gestimmter Register verschiedene Klangfarben. Bei anderen Instrumenten verändert eine leichte Verstimmung der Saiten den Klang: Es entstehen Schwebungen, durch die die Prime lebendiger als eine rein gestimmte Prim wirken kann.

Lernvideos zu Prime

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