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Pressegeschichte in Deutschland

Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Presse in Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. ... Inhaltliche Gleichschaltung. Bearbeiten. Nach der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und frühe Formen
  2. 2. Entstehung der periodischen Presse
  3. 3. Massenpresse und Pressefreiheit im 19. und frühen 20. Jahrhundert
  4. 4. Presse im Nationalsozialismus und nach 1945
  5. 5. Bundesrepublik, DDR und Wiedervereinigung
  6. 6. Presse im digitalen Wandel

Grundlagen und frühe Formen

Die Pressegeschichte in Deutschland beschreibt die Entwicklung gedruckter Nachrichtenmedien von frühen Nachrichtenbriefen bis zu Zeitungen, Zeitschriften und Online-Angeboten. Sie ist wichtig, weil Presse über lange Zeit ein zentrales Mittel war, um politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Informationen zu verbreiten. Zugleich zeigt ihre Geschichte, wie eng Presse mit Technik, Bildung, Zensur, politischer Macht und wirtschaftlichen Interessen verbunden ist.

Seit etwa 1380 berichteten Kaufmannsbriefe neben privaten und geschäftlichen Nachrichten auch über Politik und Wissenschaft; ein bekanntes Beispiel sind die Fuggerzeitungen. Die technische Grundlage für die massenhafte Verbreitung von Presseerzeugnissen schuf 1445 Johannes Gutenberg mit dem Buchdruck mit beweglichen Lettern. Zunächst erschienen vor allem Flugschriften und Flugblätter. Sie waren nicht periodisch, oft sogar nur einmalig, zählen aber zu den Printmedien. Da nur ein kleiner Teil der Bevölkerung lesen konnte, spielten Illustrationen eine große Rolle: Sie vermittelten Botschaften und sollten zum Kauf anregen.

Zwischen 1501 und 1530 wurden etwa 10.000 Flugschriften mit religiösem oder politischem Inhalt veröffentlicht. 1502 erschien mit der Newe zeytung eine erstmals gedruckte, unperiodische Nachrichtenzusammenstellung. Die sogenannten Neuen Zeitungen berichteten über aktuelle Ereignisse und Sensationsnachrichten und hatten bereits Merkmale von Periodizität und Aktualität. Zwischen 1500 und 1700 gab es geschätzt 5000 bis 8000 solcher Titel.

Entstehung der periodischen Presse

Eine periodische Presse erscheint regelmäßig. 1597 kam in Rorschach am Bodensee die Rorschacher Monatsschrift als erste periodisch erscheinende deutschsprachige Zeitschrift heraus. 1605 veröffentlichte Johann Carolus in Straßburg erstmals die Relation aller fürnemmen und gedenckwürdigen Historien. Der Weltverband der Zeitungen erkennt sie als erste Zeitung der Welt an; deshalb gilt Deutschland als Ursprungsland der Zeitung. Ab 1609 erschien der Aviso, Relation oder Zeitung in Wolfenbüttel. Weitere Zeitungen folgten rasch, unter anderem in Basel 1610, Frankfurt am Main 1615, Berlin 1617, Amsterdam 1618, London 1621 und Paris 1631.

1650 erschien in Leipzig mit den Einkommenden Zeitungen von Timotheus Ritzsch zum ersten Mal eine Tageszeitung mit sechs Ausgaben pro Woche. Ab 1663 bot Georg Greflingers Norddeutscher Mercurius bereits nach Themen sortierte Rubriken. 1680 erreichte das Frankfurter Journal eine Auflage von 1500 Exemplaren. Im 17. Jahrhundert gab es über 200 meist kurzlebige Zeitungen mit einer Durchschnittsauflage von 300 Exemplaren; durch Vorlesen wurde ihr Wirkungskreis größer. Gleichzeitig wurden Flugschriften und Blätter politischer, besonders wegen des Dreißigjährigen Kriegs. Für das 17. Jahrhundert sind mehr als 7.000 deutschsprachige politische Flugschriften und Flugblätter nachgewiesen.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erschienen in Deutschland rund 200 bis 250 Zeitungen gleichzeitig, meist mit Auflagen unter 700 Exemplaren. Eine Ausnahme war die Hamburgische Unpartheyische Correspondenten mit 30.000 Stück. Die Presse unterlag landesfürstlicher Zensur. Bei den Zeitschriften waren Moralische Wochenschriften wichtig: Sie behandelten Familie, Erziehung, Sittlichkeit, Toleranz, Moral, gesellschaftliches Zusammenleben und Kritik am Hof. 1725 erschien mit Die vernünftigen Tadlerinnen die erste Frauenzeitschrift, herausgegeben von Johann Christoph Gottsched. 1798 erschien erstmals die von Johann Friedrich Cotta gegründete Allgemeine Zeitung, die im frühen 19. Jahrhundert zur bedeutendsten deutschen Tageszeitung wurde.

Massenpresse und Pressefreiheit im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert entstand die moderne Massenpresse. Entscheidend waren technische Neuerungen: 1812 wurde die Schnellpresse erfunden, 1845 die Rotationsmaschine und 1886 die Linotype-Setzmaschine. Diese Technik machte Zeitungen schneller und billiger herstellbar. Zugleich wuchs das Interesse an Informationen aus Politik und Gesellschaft. Auch die Alphabetisierung nahm stark zu: 1750 konnten erst knapp 10 % der Bevölkerung lesen und schreiben, 1871 waren es schon 88 %. Dadurch wurde der Kreis der Zeitungsleser deutlich größer.

Ein wichtiger wirtschaftlicher Schritt war die Aufhebung des staatlichen Anzeigenmonopols. Zeitungen konnten nun Anzeigen verkaufen und erhielten damit neben dem Verkaufspreis eine zweite Einnahmequelle. Dadurch ließen sie sich günstiger anbieten und weiter verbreiten. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland etwa 3500 Zeitungen.

Politisch blieb Pressefreiheit umkämpft. 1819 schrieben die Karlsbader Beschlüsse die Pressezensur fest. 1848 wurde die Pressefreiheit durch die Paulskirchenverfassung erstmals gesetzlich verankert, doch bald folgten wieder Einschränkungen wie Kautionszwang und Stempelsteuer. 1874 wurde die Pressefreiheit im Reichspressegesetz endgültig verankert. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich Partei- und Gesinnungspresse sowie Massenpresse. Ende des Jahrhunderts entstanden große Pressekonzerne wie Mosse, Ullstein und August Scherl in Berlin.

Vor dem Ersten Weltkrieg gab es etwa 4000 deutsche Zeitungen. Im Krieg wurde die Pressefreiheit aufgehoben und durch strenge Militärzensur ersetzt. 1916 gründete Alfred Hugenberg den ersten Zeitungskonzern und schuf bis 1927 durch Zukäufe, darunter der August Scherl Verlag, die Telegraphen-Union und die Ufa, den ersten Medienkonzern. Die Weimarer Reichsverfassung von 1919 garantierte zwar Meinungsfreiheit als Individualrecht, enthielt aber keine Pressefreiheit. Republikschutzgesetze von 1922 und 1930 sowie Notverordnungen von 1931 und 1932 führten zu vielen Zeitungsverboten. 1932 gab es in Deutschland 4702 Zeitungen mit insgesamt 25 Millionen Auflage.

Presse im Nationalsozialismus und nach 1945

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde die Pressefreiheit abgeschafft. Die Presse wurde inhaltlich gleichgeschaltet und in den Dienst des NS-Staates gestellt. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels wurde im März 1933 zur zentralen Überwachungs- und Anleitungsinstitution. Zeitungen erhielten durch das Schriftleitergesetz, das am 1. Januar 1934 in Kraft trat, den Status eines „Trägers öffentlicher Aufgaben“. Damit sollten sie nicht mehr staatliches Handeln kontrollieren, sondern NS-Propaganda verbreiten.

Das Schriftleitergesetz vom 4. Oktober 1933 beschränkte den Journalistenberuf: Nur wer einen „Ariernachweis“ vorlegen konnte und als „politisch zuverlässig“ galt, durfte publizieren. Zum 1. Januar 1934 verloren etwa 1300 Journalisten ihre Arbeit. Viele liberale Zeitungen mussten ihr Erscheinen einstellen. Redaktionen erhielten Anweisungen, welche Themen wie zu behandeln waren. Auch die wirtschaftlichen Strukturen wurden umgebaut: Zeitungen von SPD und KPD wurden enteignet, später wurden jüdische, katholische, liberale und weitere Verleger verdrängt oder zum Verkauf gezwungen. 1944 kontrollierte die NSDAP im Deutschen Reich 36 % aller Zeitungen, die aber 82,5 % der täglichen Auflage herausbrachten. Die Zahl der Tageszeitungen sank von 4.702 im Jahr 1932 auf rund 2.500 im Jahr 1937 und auf 977 im Oktober 1944.

Nach dem Ende des Krieges schufen die Siegermächte die Grundlage für einen Neuaufbau des Pressewesens. Zunächst wurden alle deutschen Medien verboten, dann erschienen alliierte Heeresgruppenzeitungen, später neue deutsche Lizenzzeitungen. Ziel war es, den nationalsozialistischen Einfluss zu beseitigen. In den westlichen Besatzungszonen sollte eine pluralistische Presselandschaft entstehen; in der sowjetischen Zone war die Medienpolitik stärker ideologisch auf Sozialismus ausgerichtet. Zu wichtigen Neugründungen gehörten die Frankfurter Rundschau mit Lizenz vom 1. August 1945, Der Tagesspiegel ab 27. September 1945, Die Zeit ab 21. Februar 1946 und Der Spiegel ab 4. Januar 1947. Am 21. September 1949 wurde in Westdeutschland die Generallizenz erteilt: Danach konnte grundsätzlich jeder eine Zeitung gründen.

Bundesrepublik, DDR und Wiedervereinigung

In der Bundesrepublik Deutschland stieg nach der Generallizenz von 1949 die Zahl der Zeitungstitel stark an. Am 1. November 1949 erschien die Frankfurter Allgemeine Zeitung als Nachfolgezeitung der Frankfurter Zeitung. Die Bild-Zeitung erschien am 24. Juni 1952 erstmals mit einer Gesamtauflage von 250.000 Exemplaren. 1949 entstand außerdem die Deutsche Presseagentur durch Zusammenschluss mehrerer Nachrichtenagenturen; sie ist bis heute die größte deutschsprachige Agentur. Ab 1954 setzte eine starke Pressekonzentration ein: Viele kleinere Lokalzeitungen verschwanden, große Verlage gewannen an Bedeutung, und die Zahl der Einzeitungskreise verdoppelte sich. 1956 wurde der Deutsche Presserat gegründet. 1978 erschien die tageszeitung erstmals.

In der DDR standen alle Medien unter strenger Kontrolle. Zwar war Pressefreiheit formal in der Verfassung verankert, in der Realität existierte sie aber nicht; ein Pressegesetz gab es nicht. Zeitungen und Zeitschriften konnten nur mit Lizenz erscheinen. Der Vertrieb lief ausschließlich über den offiziellen Postzeitungsvertrieb, wodurch der Staat den Zugang zu Presseerzeugnissen kontrollieren konnte. Zuständig war die Abteilung Agitation und Propaganda des Zentralkomitees der SED. 1989 gab es in der DDR 39 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von etwa 9,7 Millionen Exemplaren. Die höchste Auflage hatte die Junge Welt der FDJ mit circa 1,3 Millionen Exemplaren, gefolgt von Neues Deutschland mit knapp einer Million Exemplaren.

Seit 1985 erschienen wenige Untergrundzeitschriften wie Grenzfall und Umweltblätter. Ende 1988 veröffentlichte der sowjetische Sputnik kritische Artikel und wurde daraufhin aus der Postvertriebsliste entfernt. Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 öffneten sich die meisten DDR-Printmedien für freiere Berichterstattung. 1991 verkaufte die Treuhandanstalt ostdeutsche Zeitungen und Zeitschriften, die zuvor Parteien und Massenorganisationen gehört hatten. Den Zuschlag erhielten ausschließlich westdeutsche Verlage. Weil frühere SED-Bezirkszeitungen nicht geteilt wurden, blieb ihre monopolartige Stellung in Ostdeutschland bestehen. Viele neue Lokalzeitungen der frühen 1990er Jahre mussten wieder eingestellt werden; einzelne Neugründungen konnten sich jedoch etablieren.

Presse im digitalen Wandel

Seit Mitte der 1990er Jahre ergänzten Verlage ihre gedruckten Ausgaben durch Internet-Präsenzen. Vorreiter in Deutschland war die Schweriner Volkszeitung, deren Webauftritt am 5. Mai 1995 online ging. Sie war damit die erste deutsche Tageszeitung im Internet. Anfangs stellten Presseerzeugnisse ihre gedruckten Texte meist unverändert online. Erst nach und nach entwickelte sich ein eigenständiger Online-Journalismus.

Im Herbst 2000 wurde mit der Netzeitung in Deutschland eine der ersten reinen Internetzeitungen gegründet. Sie verzichtete auf gedruckte Verbreitung und lieferte unter anderem Inhalte für Lokalzeitungen. Eine weitere wichtige reine Internetzeitung im deutschsprachigen Raum ist Telepolis, die bis 1998 auch als Printausgabe erschien und sich unter anderem mit Netzpolitik, Datenschutz, Medien, Wissenschaft, Politik und Kulturkritik befasst.

Nach 2001 machten neue Medienformen wie Blogs, Web-Feeds und Podcasts auch traditionelle Medien auf neue Darstellungsformen aufmerksam. Sie wurden zunehmend crossmedial genutzt, also über verschiedene Medienkanäle hinweg. Seit November 2004 gibt es mit Wikinews den Versuch, eine offene, Wiki-basierte Nachrichtenplattform zu etablieren. Ab Mitte 2007 war außerdem ein Pilotprojekt zur individuellen Tageszeitung geplant, bei der Nutzer die gedruckten Inhalte weitgehend selbst bestimmen können sollten. Durch Online-Medien veränderte sich die Perspektive der Printmedien deutlich; der Artikel nennt Befürchtungen vor einem Zeitungssterben beziehungsweise einem Ausstieg aus dem Printgeschäft.

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