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Gebetsmühle
Gebetsmühlen erinnern an das Ingangsetzen des Rades der Lehre (dharmachakra) durch Buddha selbst und sollen Leseunkundigen Möglichkeiten zum Erwerb von …
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Grundbedeutung und Funktion
Eine Gebetsmühle, auch Mani-Mühle oder Mani-Rad genannt, ist ein Rad oder eine Walze. Auf einer Papierrolle im Inneren stehen Gebete oder Mantras; alternativ ist die Außenseite mit solchen Texten verziert. Der tibetische Ausdruck lautet ma ni 'khor lo.
Gebetsmühlen erinnern an das Ingangsetzen des Rades der Lehre, des Dharmachakra, durch Buddha selbst. Nach buddhistischer Überzeugung sollen sie auch Menschen, die nicht lesen können, eine Möglichkeit zum Erwerb von positivem Karma eröffnen. Beim Drehen werden körperliche Aktivität und geistig-spirituelle Inhalte miteinander verbunden.
Spirituelle Praxis
Ein grundlegendes Ziel der Praxis ist es, alle Bereiche der Lebenswirklichkeit in den Weg zur Erleuchtung einzubeziehen. Dazu gehören auch einfache körperliche Handlungen wie das Drehen einer Gebetsmühle. Diese Verbindung von Alltagshandlung und spirituellem Weg ist eine grundlegende Methode des Vajrayana, einer buddhistischen Richtung.
Das Drehen soll gutes Karma anhäufen. Auf einer einfachen Stufe richtet die drehende Person den Wunsch darauf, dass alle in der Walze enthaltenen Mantras durch die Drehung zum Wohl der fühlenden Wesen wirken, deren Leid beseitigen und ihnen Glück bringen.
Eine weiterführende Praxis besteht darin, sich vorzustellen, dass die Mantras während des Drehens Licht zu allen fühlenden Wesen ausstrahlen. Dieses Licht soll ihr Leid beseitigen und schlechtes Karma auflösen.
Auf einer fortgeschrittenen, der höchsten Sichtweise des Buddhismus angenäherten Stufe konzentriert sich die Person darauf, dass der Drehende, die Handlung des Drehens, die Gebetsmühle und die enthaltenen Mantras und Gebete untrennbar von einer in ihrem Ursprung „nichtdualen Natur“ sind. In dieser Sichtweise ist letztlich alles eins.
Entstehung und Verbreitung
Der klassische indische Buddhismus sowie der ost- und südostasiatische Buddhismus kennen keine Gebetsmühlen. Sie tauchten erst nach der Ausbreitung der Lehre Buddhas im 4. bis 8. Jahrhundert nach Tibet beziehungsweise Ladakh auf. Die genaueren Ursprünge sind bislang nicht erforscht. Wahrscheinlich standen am Anfang kleine Handmühlen von Pilgermönchen.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelangten Gebetsmühlen mit den tibetischen Flüchtlingen auch in den Norden Indiens.
Bauformen und Redewendung
Es gibt festinstallierte mittelgroße Gebetsmühlen an den Umgängen von Stupas. Sie können beim Umschreiten eines Stupa, dem sogenannten Pradakshina, in Bewegung gesetzt werden. An Tempelmauern sind solche Mühlen häufig geradlinig nebeneinander angeordnet.
Daneben wurden einzeln stehende riesige Gebetsmühlen und kleine Handmühlen entwickelt. Manche Gebetsmühlen werden durch menschliche Kraft bewegt, andere durch Wind- oder Wasserkraft angetrieben.
Aus dem langandauernden Drehen einer Gebetsmühle entstand das fast immer abwertend gebrauchte Adjektiv „gebetsmühlenartig“. Es bezeichnet das monotone und anhaltende Wiederholen eines Gedankens oder eines Sinnzusammenhangs.