Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Präludium
Das einleitende Musikstück einer Oper, Operette oder anderen musikalischen Bühnenstückes kann hingegen sowohl ein Präludium (im deutschen Sprachgebrauch dann …
Inhalt3 Abschnitte
Bedeutung und ursprüngliche Funktion
Ein Präludium (auch Praeludium, französisch Prélude, italienisch und spanisch Preludio) ist ein Instrumentalwerk mit eröffnendem oder hinführendem Charakter. Es kann also auf ein folgendes Musikstück, einen Choral oder einen Gottesdienst vorbereiten.
Seit dem 16. Jahrhundert bezeichnete der Begriff ein einleitendes, formfreies und improvisiertes Vorspiel für Orgel oder Zupfinstrumente wie Laute, Gitarre und Vihuela. Im 17. Jahrhundert eröffnete ein Präludium häufig eine Suite oder Sonate. Für Orgel konnte es außerdem zu einem Choral hinführen oder einen Gottesdienst eröffnen.
Präludium als selbstständiges Werk
Später konnte ein Präludium einer Fuge, einer Fantasie oder einem anderen Werk vorausgehen. Beispiele sind Johann Sebastian Bachs Praeludien und Fugen für Orgel sowie die zwei Teile des Wohltemperierten Klaviers.
Das einleitende Stück einer Oper, Operette oder eines anderen musikalischen Bühnenwerks kann ebenfalls ein Präludium sein; im Deutschen wird es dann meist Vorspiel genannt. Es kann aber auch Ouvertüre oder, italienisch, Sinfonia heißen.
Im 19. Jahrhundert wurde das Prélude für Tasteninstrumente zu einem eigenständigen Charakterstück. Ein Charakterstück ist ein kürzeres Werk, das vor allem eine bestimmte musikalische Stimmung oder Eigenart gestaltet. Dabei ging die ursprüngliche eröffnende Funktion verloren.
Bedeutende Préludes und spätere Entwicklung
Besonders bedeutend sind Frédéric Chopins 24 Préludes op. 28. Der Zyklus umfasst kurze Albumblätter, etüdenhafte Skizzen und längere Stücke, die an Nocturnes erinnern und in dreiteiliger Liedform angelegt sind. Chopin ordnete die Stücke nach dem Quintenzirkel mit jeweils nachgestellter Moll-Parallele, von C-Dur bis d-Moll. Der Zyklus beeinflusste unter anderem Alexander Skrjabin und Sergei Rachmaninow, die ebenfalls Préludes schrieben.
Mit der Zeit entfernte sich das Prélude zunehmend von seiner ursprünglichen Aufgabe als Vorspiel. Die großen Orchesterwerke Les Préludes von Franz Liszt und Prélude à l’après-midi d’un faune von Claude Debussy haben mit diesem Ursprung nichts mehr gemein. Zu den bekannten Präludien neuerer Zeit gehören außerdem Heitor Villa-Lobos’ fünf Préludes für Gitarre von 1940.