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Prélude à l’après-midi d’un faune

Debussys Prélude gilt als ein Hauptwerk des musikalischen Impressionismus und ist ein Wendepunkt in der Entwicklung zur modernen Musik. Zusammen mit …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Bedeutung
  2. 2. Aufbau, Besetzung und musikalische Idee
  3. 3. Entstehung und Uraufführung
  4. 4. Rezeption und Weiterwirken

Einordnung und Bedeutung

Prélude à l’après-midi d’un faune (französisch für „Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns“), L. 86, ist eine sinfonische Dichtung von Claude Debussy, die frei nach Stéphane Mallarmés Gedicht L’Après-midi d’un faune entstand. Das Werk wurde am 22. Dezember 1894 in Paris uraufgeführt.

Debussys Prélude gilt als Hauptwerk des musikalischen Impressionismus und als Wendepunkt auf dem Weg zur modernen Musik. Gemeinsam mit Mallarmés Gedicht und Vaslav Nijinskys gleichnamigem Ballett steht es für eine zentrale Entwicklung der künstlerischen Moderne in Musik, Dichtung und Tanz. Nach Debussys eigener Erklärung soll die Musik vor allem die erotischen Stimmungen, Begierden und Träume eines Fauns an einem heißen, dämmernden Nachmittag hervorrufen. Sie erzählt die Handlung des Gedichts jedoch nicht ausführlich nach.

Aufbau, Besetzung und musikalische Idee

Das Prélude ist ein Instrumentalwerk in 110 Takten und dauert ungefähr zehn Minuten. Die Besetzung umfasst 3 Flöten, 2 Oboen, Englischhorn, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Harfen, 2 Cymbales antiques oder Crotales sowie ein sinfonisches Streichquintett.

Obwohl das Werk als sinfonische Dichtung mit Mallarmés Gedicht verbunden ist, besitzt es laut Debussy im Grunde keine ausgeprägte Narrativität. Es ist vielmehr eine „sehr freie“ musikalische Illustration. Die Musik soll verschiedene Atmosphären andeuten, in denen sich die Wünsche und Träume des Fauns entwickeln. Der Faun ist müde davon, furchtsame Nymphen und scheue Najaden zu verfolgen, und überlässt sich einem Höhepunkt der Lust, verbunden mit dem Traum, die gesamte Natur vollkommen zu besitzen.

Besonders berühmt ist das Faunmotiv, das Pierre Boulez als musikalischen Ausgangspunkt der Moderne hervorhob. Es besteht aus einem Abstieg über einen Ganzton und vier Halbtonschritte bis zum Tritonus sowie der Rückkehr zum Ausgangston über zwei Ganzton- und zwei Halbtonschritte. Die Flöte des Fauns gilt dabei als charakteristischer Beginn einer neuen musikalischen Ausdrucksweise.

Entstehung und Uraufführung

Stéphane Mallarmé schrieb sein Gedicht L’après-midi d’un faune 1865; veröffentlichen konnte er es erst 1876. Das Gedicht war von suggestiver Symbolik geprägt und fand in impressionistischen Kreisen Anerkennung. Édouard Manet bebilderte es. Die musikalische Qualität von Mallarmés Sprache regte mehrere bedeutende Komponisten an, darunter Debussy.

Debussy wurde vermutlich erstmals durch eine Rezension Theodor de Wyzewas in der symbolistischen Zeitschrift La Vogue auf das Gedicht aufmerksam. 1887 empfahl er es Paul Dukas mit großer Begeisterung; eine Vertonungsabsicht hatte er damals offenbar noch nicht. Die ersten Entwürfe des Stücks entstanden an der Jahreswende 1890/91. Ursprünglich sollte die Musik eine Lesung des Gedichts begleiten, die für den 27. Februar 1891 vorgesehen war. Die Lesung fand jedoch nicht statt, und die Musik blieb zunächst unvollendet.

Ein Jahr später nahm Debussy die Arbeit wieder auf. Er plante nun eine dreiteilige Suite mit den Teilen Prélude, Interlude et Paraphrase finale sur l’Après-midi d’un faune. Dieses Vorhaben wurde nicht vollständig umgesetzt; nur das Prélude entstand. Der geplante Titel der Suite gab dem realisierten Werk seinen Namen.

Debussy spielte eine noch nicht endgültige Klavierversion 1893 und 1894 Freunden sowie Mallarmé vor. Selbst während der Proben nahm er noch letzte Änderungen an der Orchestrierung vor. Die Uraufführung fand am 22. Dezember 1894 in der Société Nationale de Musique in Paris statt; am folgenden Tag wurde das Werk wiederholt. 1913 vertonte Debussy erneut Gedichte Mallarmés, ungefähr zur gleichen Zeit wie Maurice Ravel und mit denselben Gedichten Soupir und Placet futile. Für das Prélude war L’Après-midi d’un faune nach Debussys eigener Aussage jedoch nur eine Inspiration.

Rezeption und Weiterwirken

Mit dem Prélude gelang Debussy der künstlerische Durchbruch. Das Publikum nahm das Werk gut auf, während die Fachkritik zwiespältig reagierte. Paul Dukas lobte es. Andere Kritiker forderten Debussy auf, zu größerer Einfachheit zurückzukehren. Camille Saint-Saëns erklärte, das Prélude klinge zwar hübsch, enthalte aber keine klar ausgeprägte musikalische Idee und besitze weder einen eigenen Stil noch ausreichende Logik.

In der späteren Rückschau bewertete Pierre Boulez das Werk besonders hoch und bezeichnete es als Ausgangspunkt der modernen Musik. Die Musik und Mallarmés Gedicht bildeten außerdem die Grundlage für Vaslav Nijinskys gleichnamiges Ballett von 1912, das als Meilenstein der modernen Tanzkunst gilt.

Das Thema wurde auch in anderen Kunstformen aufgegriffen: Roberto Rossellini drehte 1938 einen kurzen Dokumentarfilm mit diesem Titel. Bruno Bozzetto verwendete die Musik 1976 für den an Walt Disneys Fantasia angelehnten Trickfilm Allegro non troppo und gab der Geschichte einen humoristisch-melancholischen Charakter.

Nijinskys Choreografie wurde lange von den Ballets Russes de Monte Carlo (1933–1955) und der Rambert Dance Company (1931–1983) aufgeführt. Rekonstruktionen wurden 1976 an der Opéra National de Paris, 1989 am Teatro San Carlo in Neapel und 2008 beim Festival d’Avignon gezeigt. Seit den 1980er Jahren steht L’après-midi d’un faune auf den Spielplänen zahlreicher Ballettensembles und wurde unter anderem von Richard Wherlock, Boris Nebyla und Sasha Waltz neu interpretiert.

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