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Um-zu-Satz
Ein um-zu-Satz ist eine grammatikalische Struktur im Deutschen, die einen Untertyp einer Infinitivgruppe darstellt. Die Struktur hat einen satzwertigen …
Grundidee
Ein Um-zu-Satz ist im Deutschen ein Untertyp einer Infinitivgruppe. Er hat satzwertigen Charakter. Die traditionelle deutsche Grammatik stufte ihn nicht als Nebensatz ein; in der neueren Linguistik gilt er als infiniter Nebensatz, also als „inkohärente Konstruktion“ des Infinitivs. Dabei wird um als Konjunktion für Infinitivsätze verstanden.
Beispiel: „Er trinkt das Gebräu nur, um gesund zu werden.“
Mitverstandenes Subjekt
Wie alle infiniten Sätze im Deutschen haben Um-zu-Sätze kein grammatikalisches Subjekt. Für das infinite Prädikat wird aber ein Subjekt mitverstanden. Im Satz „Er trinkt das Gebräu, um gesund zu werden“ bezieht sich das implizite Subjekt von „gesund werden“ auf er, also auf das Subjekt des Hauptsatzes. Diese Beziehung heißt in der Sprachwissenschaft „Kontrolle“ des Infinitivsubjekts.
Es gibt Ausnahmen, wenn im Hauptsatz keine handelnde Person als grammatisches Subjekt erscheint, sondern diese ebenfalls nur mitverstanden wird: „Viel Geduld war nötig, um die Tiere aneinander zu gewöhnen.“ Die Person, die die Tiere aneinander gewöhnt, ist hier zugleich diejenige, die Geduld aufbringt, auch wenn sie nicht als grammatisches Subjekt genannt wird.
Zweck und Folge
Um-zu-Sätze können verschiedene adverbielle Bedeutungsbeziehungen ausdrücken. Als Finalsatz geben sie einen Zweck an. Sie lassen sich dann durch einen finiten Satz mit damit umschreiben: „Er trinkt das Gebräu, damit er gesund wird.“ Im damit-Satz wird das Subjekt sichtbar; hier ist er sowohl das Subjekt von „trinken“ als auch von „gesund wird“.
Bei einem finiten damit-Satz müssen Hauptsatzsubjekt und Nebensatzsubjekt jedoch nicht übereinstimmen. Deshalb kann „Otto montierte das Schild auf Augenhöhe, damit jeder es sieht“ nicht als Um-zu-Satz formuliert werden.
Eine weitere Verwendung gehört zu den Konsekutivsätzen, genauer zu negativen Konsekutivsätzen. Sie drückt eine Folge aus: „Er ist zu alt, um noch als Kind zu zählen.“ Dies kann umschrieben werden mit: „Er ist zu alt, als dass er noch als Kind zählen könnte.“
Syntaktischer Aufbau
Wenn um als Konjunktion analysiert wird, gliedert sich die Konstruktion in um und den folgenden Satzkern, die Verbalphrase (VP):
„um _{VP}[ gesund _{V}[zu werden] ]“
Die Verbindung von um und zu wird so erklärt: zu ist ein Flexions-Merkmal des infiniten Verbs und dadurch ein Merkmal der ganzen Verbphrase, ein Kopfmerkmal. Die Konjunktion um verlangt dieses Merkmal, weil sie die VP regiert. Dies ähnelt der Statusrektion: Auch das Verb scheinen verlangt einen zu-Infinitiv, etwa in „Er scheint gesund zu werden“.
Dass um mit einem zu-Infinitiv auftritt, entspricht damit, das eine VP mit dem Merkmal „finit“ regiert.