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Politisches System Japans
Die legislative Gewalt wird von einem Zweikammerparlament, bestehend aus Unterhaus (Shūgiin) und Oberhaus (Sangiin) ausgeübt. An der Spitze der Judikative steht …
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Grundordnung und Verfassung
Japan ist seit der Nachkriegszeit eine zentralstaatlich organisierte Monarchie mit parlamentarisch-demokratischer Ordnung. Die heutige Verfassung wurde am 3. November 1946 verkündet und trat am 3. Mai 1947 in Kraft. Sie entstand unter starkem Einfluss der USA und wird wegen ihres Bekenntnisses zu Frieden und demokratischer Ordnung auch „Friedensverfassung“ genannt.
Die souveräne Macht liegt beim Volk. Der Tennō ist Symbol des Staates und der Einheit des Volkes, darf aber nicht in Regierungsbefugnisse eingreifen und besitzt keine politische Macht. Artikel 9 lehnt Krieg als souveränes Recht ab und verbietet die Androhung militärischer Gewalt zur Lösung internationaler Konflikte. Die Verfassung betont außerdem die Unverletzlichkeit der Menschenrechte und sichert allgemeines sowie geheimes Wahlrecht ohne Unterschiede etwa nach Abstammung, Glaube, Geschlecht, Besitz oder Einkommen.
Zentralstaat: Kaiser, Regierung und Gerichte
Naruhito ist der 126. Tennō. Rechtlich ist er kein Staatsoberhaupt; sein Amt ist zeremoniell. Er ernennt den von beiden Parlamentskammern gewählten Premierminister und den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, verkündet Gesetze und beruft das Parlament ein. Seine Regierungsdevise lautet reiwa; Reiwa 1 ist das Jahr 2019.
Die Exekutive besteht aus dem Kabinett, dem Premierminister sowie Ministerien und Behörden. Das Kabinett ist dem Parlament verantwortlich. Premierministerin ist seit dem 21. Oktober 2025 Sanae Takaichi, die erste Frau in diesem Amt. Beide Parlamentskammern wählen den Premierminister; bei Konflikten entscheidet das Unterhaus. Ministerpräsident und Minister müssen Zivilisten sein, und die Mehrheit der Minister muss dem Ober- oder Unterhaus angehören. Traditionell stellt der Vorsitzende der stärksten Unterhauspartei den Premierminister; wegen der langen Dominanz der LDP entschied deren Vorsitzendenwahl seit 1955 meist faktisch über die Regierungsführung.
Die Judikative ist von Regierung und Parlament unabhängig. Der Oberste Gerichtshof besteht aus einem auf Vorschlag des Kabinetts vom Tennō ernannten Obersten Richter und 14 Höchsten Richtern. Diese werden vom Kabinett für 10 Jahre ernannt, periodisch durch Volksabstimmung legitimiert und können erneut amtieren. Das Gericht prüft Gesetze und Verordnungen auf Verfassungsmäßigkeit, entscheidet endgültig über Revisionen und prägt durch seine Entscheidungen die spätere Gesetzesauslegung. Unter ihm bestehen acht Obergerichte, 50 Bezirksgerichte, über 400 einfache Gerichte sowie 50 Familiengerichte. Separate Verwaltungs- oder Arbeitsgerichte gibt es nicht.
Parlament und Wahlen
Das nationale Parlament, Kokkai, ist das höchste Organ der Staatsgewalt und die einzige gesetzgebende Körperschaft. Es besteht aus dem Oberhaus, dem Sangiin, und dem Unterhaus, dem Shūgiin. In wichtigen Fragen hat das Unterhaus Vorrang: bei der Wahl des Premierministers, der Ratifizierung internationaler Verträge und der Verabschiedung des Haushalts.
Gesetzentwürfe können in beiden Kammern eingebracht werden und müssen gewöhnlich beide passieren. Lehnt das Oberhaus einen bereits vom Unterhaus verabschiedeten Entwurf ab oder berät ihn nicht, kann das Unterhaus ihn mit einer erneuten Zweidrittelabstimmung durchsetzen. Dies geschah erstmals 1951; 2008 und 2009 wurden in einem „verdrehten Parlament“ mit unterschiedlichen Mehrheiten in beiden Kammern mehrere Gesetze so beschlossen. Seit den 1990er Jahren sind Koalitionsregierungen oder Duldungsvereinbarungen üblich; seit 1999 bestanden sie laut Artikel ununterbrochen.
Die Details des Wahlrechts regeln Gesetze. Wählen dürfen japanische Männer und Frauen ab 18 Jahren. Für das Unterhaus gilt passives Wahlrecht ab 25 Jahren, für das Oberhaus ab 30 Jahren. Das Unterhaus wird seit 1996 durch ein Grabenwahlsystem gewählt, also durch die Verbindung von einfacher Mehrheitswahl und Verhältniswahl mit regionalen Parteilisten. Im Oberhaus wird für Wahlkreisabgeordnete weiterhin die nicht übertragbare Einzelstimmgebung genutzt; der nationale Wahlkreis wird seit 1983 per Verhältniswahl bestimmt. Seit 2001 kann dort eine zusätzliche Präferenzstimme die gewählten Listenkandidaten beeinflussen.
Präfekturen, Gemeinden und Parteien
Japan ist ein Einheitsstaat, der Aufgaben an 47 Präfekturen überträgt. Diese verfügen innerhalb ihres Aufgabenbereichs über lokale Selbstverwaltung, sind finanziell jedoch stark von der Zentralregierung abhängig. Die Verfassung von 1947 garantiert lokale Selbstverwaltung; Einzelheiten regelt das Gesetz über lokale Selbstverwaltung.
Präfekturen und Gemeinden arbeiten im Präsidialsystem: Gouverneure und Bürgermeister werden direkt gewählt. Präfekturparlamente sowie Stadt- und Gemeinderäte sind Einkammerparlamente. Weil lokale Steuern meist nicht reichen, finanziert die Zentralregierung einen großen Teil der Haushalte durch Zuweisungen. Dadurch hat die Regierung in Tokio de facto Einflussmöglichkeiten auf örtliche Entscheidungen.
Das Nachkriegssystem ist pluralistisch und mehrparteilich, aber von der 1955 gegründeten Liberaldemokratischen Partei (LDP) geprägt, die mit wenigen Unterbrechungen 1993–94 und 2009–12 regierte. Wichtige weitere kontinuierliche Parteien sind die Sozialdemokratische Partei, die Kommunistische Partei Japans und die Kōmeitō. Nach dem Regierungswechsel der Demokratischen Partei 2009 und ihrer Abwahl 2012 wurde die Opposition mehrfach neu organisiert. Im Parlament vertreten waren im August 2026 unter anderem LDP, Chūdō Kaikaku Rengō, Kōmeitō, Konstitutionell-Demokratische Partei, Nippon Ishin no Kai, Demokratische Volkspartei, Sanseitō, Team Mirai, Kommunistische Partei Japans, Inochi no Tō, Sozialdemokratische Partei und Konservative Partei Japans.
Politische Schwerpunkte und Außenbeziehungen
Innenpolitische Themen sind Deflation, hohe Staatsverschuldung, die alternde Bevölkerung sowie Reformen von Sozialsystemen und Arbeitsrecht. Die DPJ-Regierung von 2009 bis 2010 setzte unter Yukio Hatoyama auf „Vom Beton zu den Menschen“: weniger große Infrastrukturprojekte, mehr Sozialausgaben und Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen. Mit „Von den Beamten an das Volk“ sollte der Einfluss der Ministerialbürokratie zugunsten gewählter Politiker sinken. Die nachfolgenden Kabinette Kan und Noda betonten zusätzlich Haushaltskonsolidierung; Noda konzentrierte sich auf das Tōhoku-Erdbeben 2011, führte den Atomausstieg fort und strebte eine Mehrwertsteuererhöhung von 5 % auf 10 % an. Das Problem von Korruption und Spendenskandalen blieb trotz Reformen der Parteienfinanzierung bestehen.
Unter Shinzō Abe wurde Abenomics als Wirtschaftsprogramm mit den drei Säulen „Geldschwemme“, „Konjunkturprogramme“ und „tiefgreifende Deregulierungen“ verfolgt. Die Bewertung ist im Artikel umstritten: Kritiker sehen das Programm wegen der nicht erreichten Deflationsbekämpfung als gescheitert, andere bewerten die niedrige Inflation weniger problematisch. 2015 verabschiedete das Parlament ein umstrittenes Gesetz zur kollektiven Selbstverteidigung, das Einsätze der Streitkräfte im Rahmen des Sicherheitsvertrags mit den USA über die ausschließliche Verteidigung Japans hinaus ermöglicht.
Die Außenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg beruht vor allem auf der festen Bindung an die USA, „Scheckbuchdiplomatie“ und dem Verzicht auf militärische Aggression. Belastend sind Gebietsstreitigkeiten: mit Russland um die Südkurilen, mit Südkorea um Takeshima/Dokdo und mit der Republik China sowie der Volksrepublik China um die Senkaku-/Diaoyu-Inseln. Beziehungen zu Nordkorea, Südkorea und China sind auch wegen einer unzureichenden Aufarbeitung der Geschichte angespannt. Kriege mit Südkorea und China gelten wegen enger wirtschaftlicher Verflechtung als unwahrscheinlich; Nordkoreas Kernwaffenprogramm erzeugt dagegen besondere Sicherheitsbedenken.
Ausprägung der Demokratie
Die japanische Demokratie ist parlamentarisch und kapitalistisch orientiert, weist laut Artikel aber besondere Merkmale auf: einen großen Einfluss der Ministerialbürokratie auf Gesetzgebung und politische Entscheidungen, starke Personalisierung und Faktionen in den Parteien sowie enge Verbindungen von Politik und Wirtschaft. Die lange Alleinregierung der LDP begünstigte diese Verflechtungen und Korruptionsskandale.
Die gesellschaftlichen und historischen Grundlagen unterscheiden sich nach Darstellung des Artikels deutlich von den auf der Aufklärung beruhenden politischen Vorstellungen in Europa und den USA; Regierungsaufbau und Wirtschaftsordnung seien eher formal ähnlich. Europäische Ideen der Aufklärung und des Sozialismus wurden jedoch bereits im 19. Jahrhundert in japanischen Eliten diskutiert und beeinflussten die Bewegung für Freiheit und Volksrechte, die gewählte Vertretungen und eine Verfassung forderte. Seit 1945 gilt Volkssouveränität; zuvor wechselte die tatsächliche Souveränität zwischen Tennō-Dynastie, Militär- und Feudaldynastien sowie Kriegsherren.