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Verb der Bewegung
Französisch ... Im Französischen gilt: Beschreibt ein Verb eine Bewegungsrichtung, so wird das Passé composé in der Regel mit être (sein) und nicht mit avoir ( …
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Grundidee
Verben der Bewegung sind Verben, die Bewegungsereignisse ausdrücken. Im engeren Sinn bezeichnen sie einen Ortswechsel, also eine Veränderung der Lokalisierung eines Gegenstands im Raum. Das unterscheidet sie von innerer Bewegung ohne Ortswechsel, etwa zittern, winken oder sich beugen. Manche Verben können beide Bedeutungen haben: In „Die Erde dreht sich (um ihre eigene Achse)“ liegt innere Bewegung vor, in „Die Erde dreht sich um die Sonne“ eine Ortsveränderung im Raum.
Bewegungsverben sind für die Sprachwissenschaft wichtig, weil sie zeigen, wie räumliche Relationen und Wahrnehmungskategorien sprachlich ausgedrückt werden. Sie hängen eng mit Lokaladverbialen zusammen, also mit räumlichen Präpositionen und Adverbien. Beispiele im Deutschen sind „aus der Dusche springen“, „zur Arbeit eilen“ und „nach Hause schlendern“.
Ein Bewegungsereignis setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen: dem Bewegungsträger, möglichen Fortbewegungsmitteln, Bezugspunkten im Raum sowie Pfad, Richtung und Art und Weise der Bewegung. Je nachdem, welche dieser Faktoren ein Verb ausdrückt oder offenlässt, können Bewegungsverben in Unterklassen eingeteilt werden.
Wichtige Bedeutungsklassen
Eine klassische Einteilung nach Levin (1993) unterscheidet vor allem Verben der gerichteten Bewegung und Verben der Art und Weise einer Bewegung. Zu den Verben der Art und Weise gehören Unterklassen, bei denen die Bewegung nicht notwendig vom Subjekt kontrolliert wird, etwa „roll-verbs“, und solche, bei denen Kontrolle durch das Subjekt notwendig ist, etwa „run-verbs“. Außerdem gibt es Verben des Fortbewegungsmittels, zum Beispiel rodeln, radeln und rudern, sowie kleinere Sondergruppen wie verfolgen, begleiten oder tanzen.
Bei Verben der Art und Weise einer Bewegung geht es darum, wie die Bewegung abläuft. Man unterscheidet aktive Eigenbewegung, zum Beispiel rennen, flitzen, eilen, hüpfen, kriechen, flanieren und spazieren, von nicht-aktiver Fortbewegung, zum Beispiel fallen oder auf dem Wasser treiben. Manche Verben sind unspezifisch und erlauben beide Lesarten, etwa rollen: „Die Münze rollte in den Gully“ und „Die Kinder rollten (sich) den Hang hinunter“.
Verben der aktiven Eigenbewegung haben oft belebte Subjekte, also Menschen oder Tiere. Dieser Zusammenhang ist aber nicht streng. Verben der nicht-aktiven Bewegung bilden unakkusativische Verben, eine grammatische Klasse intransitiver Verben.
Pfad, Richtung und Beobachter
Verben der Bewegungsrichtung beschreiben häufig die Lokalisierung eines Bewegungspfades. Ein Pfad kann in Bezug auf ein Referenzobjekt beschrieben werden, also auf einen Gegenstand oder Ort, dessen Position als Bezugspunkt dient. Dabei kann sich die Angabe auf den Anfang, die Mitte oder das Ende des Pfades beziehen.
In „Der Chef hat das Büro verlassen“ beginnt der Pfad im Inneren des Büros und führt davon weg. In „Die Sonde passierte den Jupiter“ liegt der Jupiter nahe an der Mitte des Pfades; Anfang und Ende der Bewegung sind nicht in seiner Nähe. In „Wir erreichten den Gipfel“ endet der Pfad am Ort des Gipfels. Diese Verben sagen zugleich nichts über die Art und Weise der Bewegung aus.
Daneben gibt es Verben, die eine Bewegung nicht über ein Referenzobjekt lokalisieren, sondern eine absolute Raumrichtung ausdrücken, meist ohne festen Endpunkt. Beispiele sind steigen und fallen.
Einige Verben der gerichteten Bewegung können außerdem eine deiktische Komponente haben. Deixis bedeutet in der Sprachwissenschaft die Bezugnahme auf Personen, Orte, Gegenstände und Zeiten im Kontext der kommunikativen Partner. Bei deiktischen Bewegungsverben hängt die Verwendung davon ab, wie der Bewegungspfad zur Position eines tatsächlichen oder vorgestellten Beobachters steht. Der Artikel markiert diesen Abschnitt jedoch als grundsätzlich überarbeitungsbedürftig und weist darauf hin, dass die Bezeichnung „deiktisch“ hier zu klären sei.
Lexikalisierungsmuster
Leonard Talmy und Dan Slobin beschrieben in den 1970er und 1980er Jahren zwei wichtige Muster, wie Sprachen Bewegungsereignisse ausdrücken. In Satellite-framed-languages, zu denen auch das Deutsche gehört, steht die Information über den Bewegungspfad meistens außerhalb des Verbs. Sie erscheint in einem „Satelliten“ des Verbs, zum Beispiel in einer Verbpartikel oder einem Adverbial. Deutsche Beispiele sind heraus, ein und vorbei.
Anders funktionieren Verb-framed Languages. In ihnen wird die Richtung einer Bewegung gewöhnlich im Verb selbst ausgedrückt. Im Spanischen gibt es zum Beispiel viele Verben der reinen Pfadrichtung, die im Deutschen seltener sind: salir bedeutet sich hinausbewegen, entrar sich hineinbewegen und pasar sich vorbeibewegen.
Wenn die Art und Weise der Bewegung zusätzlich wichtig ist, kann sie in solchen Sprachen durch ein Adverbial ergänzt werden. Das spanische „entrar en cojeando“ entspricht dem deutschen „hereinhumpeln“: Die Information, die im Deutschen im Verb „humpeln“ steckt, steht im Spanischen im Adverbial „en cojeando“.
Perfektbildung in europäischen Sprachen
Viele europäische Sprachen können Perfektformen mit einem haben- oder einem sein-Hilfsverb bilden. Bei Bewegungsverben treten dabei besondere Regeln auf, die je nach Sprache unterschiedlich sind.
Im Deutschen wird das Perfekt eines Bewegungsverbs mit sein gebildet, wenn das Verb intransitiv ist, also kein direktes Objekt hat. Das gilt auch bei aktiv handelndem Subjekt: „ich bin geflogen“, „ich bin gerannt“, „ich bin geschwommen“. Wird dasselbe Bewegungsverb transitiv gebraucht, steht haben: „ich bin nach Hause gefahren“, aber „ich habe einen Wagen gefahren“.
Im Französischen gilt: Beschreibt ein Verb eine Bewegungsrichtung, wird das Passé composé in der Regel mit être und nicht mit avoir gebildet. Der Artikel nennt dreizehn „primäre“ Verben der Bewegung: aller, arriver, descendre, entrer, monter, mourir, naître, partir, rester, retourner, sortir, tomber, venir. Abgeleitete Verben wie devenir verlangen ebenfalls être. Andere Bewegungsverben gehören nicht zu dieser Gruppe; nager und courir bilden das Passé composé mit avoir.
Im Italienischen wird das passato prossimo der Verben der Bewegungsrichtung wie im Deutschen mit essere gebildet. Wenn aber Ziel oder Ausgangspunkt der Bewegung nicht angegeben sind oder das Verb transitiv gebraucht wird, steht avere. Beispiele sind „sono corso a casa“ für „ich bin nach Hause gerannt“, aber „ho corso due ore“ für „ich bin zwei Stunden lang gerannt“; außerdem „sono saltata dal tavolo“ und „ho saltato il pranzo“.
Bewegungsverben als Hilfsverben
Bewegungsverben können sich zu Hilfsverben entwickeln. Diese Entwicklung heißt Grammatikalisierung: Ein ursprünglich selbstständiges Verb übernimmt eine grammatische Funktion. Häufig betrifft das Verben wie kommen und gehen, die dann zur Bezeichnung von Zukunft oder bevorstehenden Ereignissen verwendet werden.
Im Schwedischen gibt es eine Futurform mit dem Verb für kommen: „jag kommer att …“, wörtlich „ich komme zu …“, mit der Bedeutung „Ich bin im Begriff zu …“. Verben für gehen dienen im Englischen, nämlich go im Going-to future, und im Französischen, nämlich aller, als Hilfsverben für eine Vorausschau auf ein kommendes Ereignis, also einen Prospektiv. Beispiele sind „Je vais te voir ce soir“, wörtlich „ich gehe dich sehen heute Abend“, und „I was going to meet him“, wörtlich „ich war gehend zu treffen ihn“.
Eine ungewöhnliche Verwendung nennt der Artikel für das Katalanische: Das Hilfsverb anar, „gehen“, kann zur Bezeichnung einer Vergangenheit dienen. Das Beispiel „Ell va venir“ bedeutet „Er kam“.