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Laissez-faire

Er dient insbesondere als Schlagwort des Wirtschaftsliberalismus des 19. Jahrhunderts für eine von staatlichen Eingriffen freie Wirtschaft sowie als Schlagwort …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Entstehung des Begriffs
  3. 3. Laissez-faire in der Wirtschaft
  4. 4. Spätere wirtschaftliche Debatten
  5. 5. Erziehung und Führung
  6. 6. Philosophische Abgrenzung

Grundidee und Bedeutung

Laissez-faire ist ein französischsprachiger Ausdruck und bedeutet sinngemäß „lassen Sie machen, lassen Sie laufen“. Der Begriff wird vor allem als Schlagwort für eine Haltung verwendet, die auf Nichteinmischung setzt. Gemeint ist der bewusste Verzicht auf Regulation, Grenzen oder Vorgaben.

Besonders wichtig wurde Laissez-faire im Wirtschaftsliberalismus des 19. Jahrhunderts. Dort bezeichnet es die Forderung nach einer Wirtschaft, die möglichst frei von staatlichen Eingriffen ist. In einem weiteren Sinn kann der Ausdruck auch bedeuten, Menschen oder Entwicklungen gewähren zu lassen, zum Beispiel in der Kindererziehung. Eine staatliche Politik, die das Gegenteil von Laissez-faire verwirklicht, heißt Etatismus oder Staatsinterventionismus: Der Staat greift dabei aktiv in wirtschaftliche oder gesellschaftliche Abläufe ein.

Entstehung des Begriffs

Die Grundidee, wirtschaftliche Vorgänge nicht durch staatliche Eingriffe zu lenken, findet sich schon Anfang des 18. Jahrhunderts. 1707 schrieb Pierre Le Pesant de Boisguilbert die Empfehlung „Tant qu’on laisse faire la nature“, also „Man lasse die Natur machen“. Auch die Antwort „Laissez-nous faire“ („Lassen Sie uns machen“) wird genannt: Der Kaufmann Legendre soll sie Colbert gegeben haben, als dieser fragte, was man tun könne, um den Kaufleuten zu helfen.

Die Maxime „laissez faire“ erschien 1751 im Zeitalter der Physiokratie bei René Louis d’Argenson. Anne Robert Jacques Turgot schrieb 1759 die Formel „laissez faire, laissez passer“ Vincent de Gournay zu. In allen Fällen richtete sich der Aufruf an die Staatsmacht: Sie solle nicht in wirtschaftliche Vorgänge eingreifen.

Die französischen Physiokraten forderten mit „Laissez faire et laissez passer“ Gewerbefreiheit und Freihandel statt Merkantilismus. Merkantilismus war eine damals vorherrschende Wirtschaftspolitik, bei der der Staat Handel und Gewerbe stark lenkte. Für die Physiokraten drückte das Schlagwort ihre Vorstellung einer „natürlichen Ordnung“ aus, die auf Freiheit, Wettbewerb und Privateigentum beruhte.

Meyers Großes Konversations-Lexikon erklärte 1908 den Sinn der Formel so: Bei freier Konkurrenz ohne staatliche Einmischung werde dem Interesse der Gesamtheit am vollständigsten gedient. Das Lexikon verband die Formel mit der Forderung nach Beseitigung damaliger Beschränkungen in Handel und Gewerbe und nach voller Verkehrsfreiheit.

Laissez-faire in der Wirtschaft

Unter dem Einfluss der klassischen Ökonomen wurde Laissez-faire zu einem wirtschaftspolitischen Leitbild. Es setzte auf Freiräume für private Eigeninitiative und wollte die Rolle des Staates auf das Notwendigste beschränken. Adam Smith, der Begründer der klassischen Nationalökonomie, benutzte diese Wendung allerdings nur selten; laut Artikel passt sie auch schlecht zu seinem Menschenbild.

In der Wirtschaftswissenschaft bezeichnet Laissez-faire eine fundamentalistische Form des Liberalismus. Dazu werden im Artikel Klassischer Liberalismus, Manchesterliberalismus, Klassische Nationalökonomie und Libertarismus genannt. Nach dieser Sicht fördert der Staat wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand am besten, indem er nicht in das wirtschaftliche Geschehen eingreift.

Eine an Laissez-faire orientierte Wirtschaftspolitik wurde besonders im 19. Jahrhundert in Westeuropa und den USA betrieben. Diese Epoche war einerseits geprägt von expansivem Welthandel, starkem Wachstum der Industrie, bedeutenden Produktivitätsfortschritten in der Landwirtschaft und steigendem Wohlstand in den Industrienationen. Andererseits nennt der Artikel auch Wirtschaftskrisen sowie Ausbeutung und Verelendung der Arbeiter. Die Epoche endete erst mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, auch wenn es schon vorher einen Trend zu moderatem Staatsinterventionismus und zu Schutzzollpolitik gab.

Zu den prominenten Gegnern gehörten Ferdinand Lassalle, John Maynard Keynes und Alexander Rüstow. Lassalle bezeichnete den angewandten Laissez-faire-Liberalismus als „Nachtwächterstaat“. Keynes veröffentlichte 1926 die Schrift „Das Ende des Laissez-Faire“. Rüstow kritisierte den Laissez-faire-Liberalismus unter anderem in „Versagen des Wirtschaftsliberalismus“ und „Die Religion der Marktwirtschaft“.

Spätere wirtschaftliche Debatten

Nach der klassischen Laissez-faire-Zeit gab es zeitweise nur wenige Vertreter eines konsequenten Laissez-faire-Liberalismus. Verschiedene Neoliberale bezeichneten solche Positionen gelegentlich als „altliberal“ oder „paläoliberal“.

Ludwig von Mises betonte, dass „laissez faire“ und „laissez passer“ zusammengehören. Damit meinte er, dass die Forderung nach Gewerbefreiheit nicht von der Forderung nach geöffneten Grenzen getrennt werden könne.

Mitte der 1960er Jahre radikalisierte sich laut Artikel das neoliberale Denken teilweise wieder in Richtung Laissez-faire. Die jüngere Chicagoer Schule um Milton Friedman vertrat das Credo: Je weniger Staat, desto besser der Markt. Auch Friedrich August von Hayek forderte, dass der „Wettbewerb als Entdeckungsverfahren“ nicht durch staatliche Intervention gestört werden dürfe.

Hayek hielt die Formel „Laissez-faire“ jedoch für irreführend. Nach seiner Auffassung bedeutet Liberalismus nicht, die Dinge einfach sich selbst zu überlassen. Vielmehr sei dort, wo echter Leistungswettbewerb möglich ist, Wettbewerb anderen Formen der Wirtschaftssteuerung überlegen. Zugleich betonte er, dass Konkurrenz einen sorgfältig durchdachten Rahmen brauche und dass bestehende Rechtsnormen nicht vollkommen seien.

Erziehung und Führung

In der Pädagogik bezeichnet „Laissez-faire“ einen Erziehungsstil, der von Kurt Lewin eingeführt wurde. Bei diesem Stil überlässt man das Kind sich selbst und lässt es „(ungehindert) machen“. Zielgerichtete Erziehungsmaßnahmen unterbleiben, weil Erziehung in dieser Sicht als keine angemessene Maßnahme gegenüber Kindern gilt.

Diese Vorstellung wurde später auch auf Führungsstile übertragen. In der öffentlichen Diskussion wird Laissez-faire-Erziehung oft als Synonym für antiautoritäre Erziehung verwendet. Wichtig ist dabei: Der Artikel beschreibt diese Verwendung als häufige Gleichsetzung in der öffentlichen Diskussion, nicht als genaue fachliche Definition antiautoritärer Erziehung.

Philosophische Abgrenzung

In der chinesischen Philosophie gibt es das Prinzip des Nicht-Handelns oder „Tun ohne Tun“, chinesisch „Wu wei“. Es wird im „Daodejing“ des Laozi vielfach beschrieben und prägt als „Ideal des Weisen“ den Daoismus.

Der Religionswissenschaftler und Experte für östliche Philosophie Alan Watts warnt jedoch davor, Wu wei mit Laissez-faire oder bloßer Passivität zu verwechseln. Wu wei meint nach dieser Auffassung nicht einfach Nichtstun, sondern zwangloses, freies Handeln, das natürliche Gesetzmäßigkeiten nutzt. Eine ähnliche Denkweise findet sich laut Artikel auch in anderen, auch westlich beeinflussten Lehren wie der Permakultur.

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