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Pfälzerwald
Deindustrialisierung und Tourismus (20. und 21. Jahrhundert) · Im 20. Jahrhundert erfasste der allgemeine Strukturwandel auch die Region des Pfälzerwaldes, die …
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Überblick und räumliche Einordnung
Der Pfälzerwald ist ein Mittelgebirge in Rheinland-Pfalz und mit 82 bis 90 % Waldanteil das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Je nach Abgrenzung umfasst er 1589,4 km² oder 1771 km² und bildet die zentrale Landschaft der Pfalz. Der höchste Gipfel ist die Kalmit mit 673,64 m ü. NHN.
Er gehört zum Nordfranzösischen Schichtstufenland und bildet mit den südlich anschließenden Vogesen einen einheitlichen Mittelgebirgsraum von etwa 8000 km². Der französische Teil nördlich der Zaberner Steige heißt Nordvogesen (Vosges du Nord). Das grenzüberschreitende Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord umfasst 310.500 Hektar. Der deutsche Naturpark Pfälzerwald ist 179.800 Hektar groß und schließt zusätzlich Gebiete am Haardtrand, an der Deutschen Weinstraße sowie die Täler von Eckbach und Eisbach ein.
Zu den wichtigsten Teillandschaften zählen der Untere oder Nördliche Pfälzerwald, der Mittlere Pfälzerwald mit der Frankenweide, die Haardt am Ostrand und der Wasgau im Süden. Nach Norden trennt der Wechsel vom Buntsandstein zu anderen Gesteinen das Gebiet deutlich vom Nordpfälzer Bergland. Nach Osten schließt sich über den Haardtrand die Oberrheinische Tiefebene an; im Westen und Süden sind die Übergänge zu benachbarten Landschaften meist fließender.
Entstehung, Gesteine und Formen
Der Pfälzerwald wird vor allem von Buntsandstein geprägt; im südöstlichen Teil kommen auch Gesteine des Rotliegend und Zechsteins vor. Die Sandsteine des Buntsandsteins entstanden in einem wüstenhaften Klima zu Beginn der Germanischen Trias, vor etwa 251 bis 243 Millionen Jahren. Die Schichten wurden bis zu 500 m mächtig. Eisenoxid färbte sie unterschiedlich, weshalb sie Buntsandstein heißen. Unterer, mittlerer und oberer Buntsandstein unterscheiden sich unter anderem in Härte und Zusammensetzung.
Im Paläogen führten Spannungen bei der Alpenentstehung vor etwa 35 Millionen Jahren zu Brüchen und Einsenkungen der Erdkruste. Am Rand des neu entstandenen Oberrheingrabens wurde der Pfälzerwald um etwa 1000 m angehoben. Dabei wurden rund 800 m jüngere Deckschichten abgetragen, die Buntsandsteinschichten schräg gestellt sowie in Teilschollen zerbrochen. Spätere Verwitterung und Abtragung, besonders während Kalt- und Warmzeiten, formten die heutige Landschaft.
Typisch sind ein dichtes, tief eingeschnittenes Talsystem, Bergrücken, Bergklötze und Felsen. Harte Sandsteine erzeugen ein Schichtstufenrelief; weichere Gesteine des Rotliegend und Zechsteins begünstigen breite Täler und Verebnungsflächen. Im Wasgau stehen häufiger isolierte Kegelberge. Unterschiedlich rasche Verwitterung schuf Felstürme, Felswände, Felsmauern, Felsklötze, Tor- und Tischfelsen. Ein bekanntes Beispiel ist der Teufelstisch bei Hinterweidenthal. Der ungefähr zwei Kilometer lange Altschlossfelsen zeigt unter anderem Wabenverwitterung, Felsspalten und Überhänge.
Die Böden aus unterem Buntsandstein sind wegen ihres hohen Quarzanteils meist sandig und nährstoffarm. Der obere Buntsandstein enthält mehr Glimmer, Karbonate und Tonminerale; daraus entstehen nährstoffreichere Böden, die im Holzland auf Rodungsinseln landwirtschaftlich genutzt werden können.
Wasser, Klima und Lebensräume
Der Pfälzerwald ist wasserreich. Niederschlag versickert leicht in den durchlässigen Sandböden und wird als Kluftgrundwasser durch Spalten im Sandstein geleitet. In bestimmten Gesteinszonen wird es gespeichert und an Quellhorizonten wieder abgegeben. Das Wasser ist meist weich und leicht sauer, weil der Sandstein nur wenige lösliche Minerale enthält. Typische Feuchtgebiete sind Moore, Moorseen und Wooge. Wooge sind meist künstlich angelegte Stauteiche, die früher etwa der Holztrift, Fischzucht oder dem Betrieb von Mühlen dienten.
Die vier großen Entwässerungssysteme sind Speyerbach, Queich, Lauter beziehungsweise Wieslauter und Schwarzbach. Speyerbach, Queich und Lauter fließen direkt zum Rhein. Der Schwarzbach gelangt über Blies, Saar und Mosel zum Rhein und ist damit das einzige Flusssystem des Pfälzerwaldes, das zur Mosel entwässert.
Das Klima liegt in der gemäßigten Zone zwischen atlantischem und kontinentalem Typ. Im westlichen und zentralen Gebirge steigen feuchte Luftmassen auf; dort fallen meist etwa 800 bis 1000 mm Niederschlag jährlich, an höheren Lagen bis zu 1100 mm. Am Ostrand liegt eine Leezone mit nur 500 bis 600 mm. Die Jahresmitteltemperatur beträgt in mittleren Lagen etwa 8 °C, in höchsten Lagen 7 °C und am Ostrand 9–10 °C. West- und Südwestwinde haben jeweils eine Häufigkeit von ungefähr 25 %. Untere und mittlere Lagen gelten bioklimatisch als Schonklima, die höchsten als mäßiges Reizklima.
Der Wald bedeckt im Pfälzerwald rund 82 %, im mittleren Teil sogar 90 % der Fläche. Nach früherer Übernutzung wurden im 18. und 19. Jahrhundert besonders Kiefern angepflanzt. Heute wird wieder ein naturnaher Mischwald angestrebt. 2008 waren Buche mit 35 % und Kiefer mit 34 % die häufigsten Baumarten; 1959 hatte die Kiefer noch 44 % und die Buche 28 % ausgemacht. Eichen-, Buchen- und Kiefernwälder prägen die Landschaft. Zu den seltenen Tieren zählen Europäische Wildkatze, Luchs, Fledermäuse, Wanderfalke sowie die im Wasgau vorkommende Kerbameise. Hasel- und Auerhuhn scheinen weiterhin ausgestorben zu sein.
Besiedlung, Nutzung und Schutz
Bis zum Ende der Völkerwanderung um 600 war das linksrheinische Mittelgebirge nahezu menschenleer und dicht bewaldet. Im Hochmittelalter führten Bevölkerungsdruck sowie Gründungen durch Adel und Kirche zur Rodung, Kolonisation und Besiedlung. Die Zisterzienserklöster Otterberg von 1144 und Eußerthal von 1148 waren daran beteiligt. In der Zeit der Salier und Staufer war die Reichsburg Trifels mit umliegenden Burgen zeitweise ein Machtzentrum des Kaiserreiches.
Seit dem Spätmittelalter gingen Bevölkerung und Siedlungszahl durch Seuchen, Hunger, Kriege und wirtschaftliche Probleme zurück. Viele gerodete Flächen waren auf nährstoffarmen Sandböden nicht dauerhaft ertragreich. Außerdem verwüsteten Streunutzung, Waldweide sowie der hohe Holzbedarf für Eisen-, Glas- und Pottascheproduktion den Wald. Nach den Verlusten des Dreißigjährigen Krieges stabilisierte Zuwanderung aus Tirol und Schwaben sowie von Glaubensflüchtlingen die Bevölkerung. Im 19. Jahrhundert führten Armut und Überbevölkerung zu Auswanderung. Die Schuhindustrie um Pirmasens und neue Bahnverbindungen boten Arbeitsmöglichkeiten; im späten 20. Jahrhundert brach die Schuhindustrie durch Produktionsverlagerungen weitgehend zusammen. Tourismus und Dienstleistungen gewannen an Bedeutung.
Der Naturpark Pfälzerwald wurde 1958 gegründet. Zunächst standen Erholungseinrichtungen im Mittelpunkt, später Biotoppflege und der Umbau von Nadelwald-Monokulturen zu standortgerechtem Mischwald. Seit 1992 ist das Gebiet UNESCO-Biosphärenreservat; seit 1998 gehört es zum ersten grenzüberschreitenden UNESCO-Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord. Es verbindet Schutz der biologischen Vielfalt, nachhaltiges Wirtschaften, Umweltbildung und Forschung.
Die Verordnung von 2007 ordnet das Biosphärenreservat in Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen. Kernzonen schützen natürliche Prozesse möglichst vollständig. Pflegezonen erhalten den Landschaftscharakter durch naturschonende Wirtschaftsweisen. Entwicklungszonen fördern beispielhafte Nachhaltigkeitsprojekte, etwa sanften Tourismus oder umweltschonende regionale Produkte. Es gibt 16 Kernzonen mit zusammen rund 2,3 % der Fläche; die größte ist das Quellgebiet der Wieslauter mit 2296 ha.
Verkehr und wichtige Ziele
Der Pfälzerwald ist dünn besiedelt. Im deutschen Teil des grenzüberschreitenden Biosphärenreservats lebten 1999 auf 5 % seiner Fläche 237.000 Menschen; dies entspricht 76 Einwohnern pro km² gegenüber 231 Personen pro km² in ganz Deutschland. Viele Orte liegen im Südosten, während große Waldflächen kaum durch Siedlungen oder breite Verkehrsachsen unterbrochen sind. Die größten Orte innerhalb des Pfälzerwaldes, Lambrecht, Annweiler und Dahn, haben jeweils weniger als 10.000 Einwohner.
Breitere Straßen durchqueren das Gebiet nur in begrenztem Umfang. Dazu gehören die B 10 im Süden sowie die B 37 und B 39. Die wichtigste Bahnstrecke ist Mannheim–Saarbrücken, die aus der 1847 bis 1849 eröffneten Pfälzischen Ludwigsbahn hervorging und seit 1964 elektrifiziert ist; nur sie hat noch Fernverkehr. Das Kuckucksbähnel wurde 1984 als Museumsbahn wieder eröffnet. Historische Wege verliefen häufig auf trockeneren Wasserscheiden; erhaltene Beispiele sind Abschnitte der Römerstraße Speyer–Metz.
Zu den bedeutenden Kulturdenkmälern zählen die Reichsburg Trifels bei Annweiler, auf der Ende des 12. Jahrhunderts Richard Löwenherz gefangen gehalten wurde, und das Hambacher Schloss, Schauplatz des Hambacher Festes von 1832 und Symbol für Demokratie. Die Burg Berwartstein ist die einzige noch bewohnte Burg der Pfalz. Die Dahner Burgengruppe besteht aus Altdahn, Grafendahn und Tanstein.
Naturziele sind das Karlstal bei Trippstadt, urwaldähnliche Naturwaldzellen im Quellgebiet der Wieslauter und die Felslandschaft des Wasgaus. Das Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz informiert über Geologie, Klima, Tier- und Pflanzenwelt sowie ökologische Zusammenhänge.
Wandern und Erholung
Der Pfälzerwald ist eine stark genutzte Wanderregion. Mehr als 100 bewirtschaftete Wanderhütten und ähnliche Einrichtungen werden vor allem vom Pfälzerwald-Verein und den Naturfreunden ehrenamtlich betrieben. Das Netz markierter Wege ist mehr als 12.000 km lang und wird überwiegend vom Pfälzerwald-Verein gepflegt.
Zu den Fernwegen gehören der Pfälzer Jakobsweg mit der Markierung „Muschel auf blauem Grund“, der Fernwanderweg Pirmasens–Belfort mit gelbem Balken und der Fernwanderweg Franken-Hessen-Kurpfalz mit rotem Kreuz. Daneben gibt es regionale Ziel- und Rundwege, Lehr-, Felsen- und Gewässerwanderwege sowie Premiumwege wie den Pfälzer Waldpfad und den Felsenland Sagenweg. Grenzüberschreitendes Wandern ist durch das ähnlich aufgebaute Markierungssystem von Pfälzerwald-Verein und Vogesenclub gut möglich.
Aussicht bieten Türme, Felsen und Burgen. Der Luitpoldturm beim Hermersbergerhof ermöglicht laut geometrischen Untersuchungen den Blick auf über 350 Berggipfel. Weitere Ziele sind der Rehbergturm bei Annweiler, der Eschkopfturm und der Weinbietturm. Von der Wegelnburg bei Schönau, der höchsten Burgruine der Pfalz, reicht das Panorama über den deutschen und französischen Wasgau.