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Pfälzische Dialekte

Relativsatz. Bearbeiten. Anstelle der Relativpronomina „der, die, das“ (im Sinne von „welcher, welche, welches“) wird im Pfälzischen „wo“ bzw. wu verwendet …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Verbreitung
  2. 2. Lautsystem und typische Aussprache
  3. 3. Verbalsystem
  4. 4. Nominalsystem, Pronomen und Satzbau
  5. 5. Wortschatz und Redewendungen
  6. 6. Mundartliteratur und Sprachproben

Begriff und Verbreitung

Pfälzisch, in der Eigenbezeichnung „Pälsisch“, ist ein Sammelbegriff für die Dialekte der Gruppen Westpfälzisch und Ostpfälzisch. Zum Ostpfälzischen gehören Vorderpfälzisch und Kurpfälzisch. Linguistisch zählt Pfälzisch zu den rheinfränkischen Mundarten innerhalb des Westmitteldeutschen und damit zu den mitteldeutschen Mundarten. Es wird vor allem in Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Teilen Baden-Württembergs und Hessens gesprochen; die Zahl der Sprecher wird auf etwa 1 Million geschätzt. Die Sprachcodes sind ISO 639-2: „gem“ und ISO 639-3: „pfl“.

Die Abgrenzung zu benachbarten Mundarten erfolgt durch Isoglossen, also Sprachgrenzen, an denen bestimmte Laut- oder Wortformen wechseln. Im Süden trennt die Hus/Haus- beziehungsweise Is/Eis-Linie das Pfälzische vom Lothringischen. Im Westen grenzt die dat/das-Linie, auch Sankt Goarer Linie genannt, zum Moselfränkischen ab. Im Norden bildet die feschd/fest-Linie die Grenze zum Hessischen. Im Osten grenzen die Abbel/Apfel-Linie, die Speyerer Linie, oder die Pund/Pfund-Linie, die Germersheimer Linie, zum Süd- und Ostfränkischen ab. Als typische Kennformen gelten daher Haus oder Hous, das, feschd und Abbel beziehungsweise Pund.

Zum pfälzischen Sprachraum gehören der ehemalige Regierungsbezirk Pfalz und der westlich angrenzende Saarpfalz-Kreis, Teile des Saarlandes, die Kurpfalz in Baden-Württemberg, angrenzende Teile des Hunsrücks, die Bergstraße in Hessen, Teile des Odenwalds und fast ganz Rheinhessen. Einige Dialekte in der Pfalz südöstlich der Abbel/Apfel- beziehungsweise Pund/Pfund-Linie, etwa in der Verbandsgemeinde Hagenbach, werden dagegen dem Südfränkischen zugerechnet. Sprachraum und Selbstbezeichnung stimmen deshalb nicht immer überein. Auch Gebiete mit nichtpfälzischer Eigenbezeichnung können sprachgeographisch zum Pfälzischen gehören. Dieses Spannungsverhältnis fasste Ernst Christmann 1926 mit dem Satz zusammen: „Das Pfälzische ist ein Teil des Pfälzischen.“

Dialektwörterbücher orientierten ihre Untersuchungsgebiete meist an politischen Grenzen. Das Pfälzische Wörterbuch erfasst das Gebiet der ehemaligen bayerischen Pfalz in den Grenzen von 1816 bis 1920, besonders in der Projektzeit ab 1912. Der Mittelrheinische Sprachatlas beschreibt das linksrheinische Pfälzisch in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Rudolf Post legte dagegen das Selbstverständnis der Sprecher als Grundlage seiner Darstellung zugrunde.

Die Übergänge zwischen den Ortsdialekten sind fließend. Die gebroch-gebroche-Linie durch den Pfälzerwald unterscheidet Westpfälzisch und Ost- beziehungsweise Vorderpfälzisch: Im Westpfälzischen enden starke Partizipien der Vergangenheit oft ohne Endung, etwa gebroch, gesung, kumm; im Vorderpfälzischen enden sie meist auf -e, etwa g(e)broche, g(e)sunge, kumme. Jüngere und mobile Sprecher verwenden heute tendenziell weniger Dialekt, geben ortsspezifische Formen auf und nähern sich einem großräumigen Regiolekt an.

Durch die Massenauswanderung der Pfälzer ab 1709 gelangte der Dialekt im 18. und 19. Jahrhundert nach Südost- und Osteuropa sowie nach Nord- und Südamerika. In Pennsylvania, Ohio, Indiana und 29 weiteren US-Staaten sowie im kanadischen Ontario wird er bei Amischen und Mennoniten alter Ordnung bis heute teilweise gesprochen. Mehrere hunderttausend Menschen sprechen oder verstehen diese nahe verwandte Form, die von den Sprechern „Deitsch“, auf Englisch meist „Pennsylvania Dutch“ oder „Pennsylvania German“, genannt wird. Weitere pfälzische Sprachinseln entstanden etwa in Viereck in Vorpommern und in Südost- und Osteuropa; viele sind heute nur noch relikthaft nachweisbar.

Lautsystem und typische Aussprache

Wie bei den mitteldeutschen Dialekten wurde die hochdeutsche Lautverschiebung im Pfälzischen nicht vollständig durchgeführt. Erhaltene p-Lautungen im Anlaut zeigt der Spruch: „In de Palz geht de Parrer mit de Peif in die Kerch.“

Bei den Konsonanten ist eine binnendeutsche Konsonantenschwächung typisch. Plosive, also Verschlusslaute, werden besonders im Inlaut häufig stimmhaft: /t/ wird zu [d], /p/ und /k/ zu [b] und [g]. Althochdeutsches t im Anlaut wird zu d, etwa Diir oder Deer für „Tür“ und rischdisch für „richtig“. Bei jüngeren Entlehnungen aus dem Hochdeutschen bleibt t jedoch erhalten, etwa in Tee, Terror und Tuub „Tube“.

Intervokalische Konsonanten, also Laute zwischen zwei Vokalen, können spirantisiert werden. Dabei werden Verschlusslaute zu Reibelauten, etwa siwwe für „sieben“, Kolwe für „Kolben“ und Bärwel für „Bärbel“. Intervokalisches g wird häufig zu [ç], also ch: Nachel bedeutet „Nagel“. Im Norden kann das g ganz wegfallen: Naal. Für „tragen“ gibt es unter anderem draan im Westpfälzischen sowie draache oder draae im Vorderpfälzischen.

Weitere regionale Veränderungen betreffen d und r. In Teilen der Westlichen Vorderpfalz, Zentral- und Nordpfalz sowie der Westpfalz tritt Rhotazismus auf, also die Entwicklung von d zu r: guude wird guure, Wedder wird Werrer. In Teilen der Kurpfalz, der Nordwestpfalz sowie einzelnen Orten der Saar- und Vorderpfalz gibt es Lambdazismus: Wedder wird Weller. Ein [ð]-Laut für d in einzelnen Vorderpfälzer Orten ist fast verschwunden; jüngere Sprecher ersetzen ihn durch d, r, l oder j. d kann außerdem ausfallen, etwa in unner „unter“, furch(d)bar und du bisch(d) „du bist“.

Schriftsprachliches sk, sp, st und rs werden im In- und Anlaut zu schg, schb, schd und rsch: Muschgel „Muskel“, Weschb „Wespe“, feschd „fest“ und Wersching „Wirsing“. Durch Koronalisierung, die sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ausbreitet, können /ç/ und /ʃ/ zusammenfallen oder als sch-, ch- beziehungsweise Zwischenlaut ausgesprochen werden. Die vorderpfälzische Verbindung gh wird meist k gesprochen: ghowe wird kowe „gehoben“, gherd wird keerd „gehört“. Die Schreibweise gh- kann trotzdem die Herkunft und Morphologie sichtbar machen. bhalde „behalten“ wird zu palde.

Auch das Vokalsystem unterscheidet sich deutlich vom Standarddeutschen. Die mittelhochdeutschen Vokale ei [ɛɪ̯] und î [iː], die im Standarddeutschen beide zu ei [aɪ̯] zusammengefallen sind, bleiben unterschieden. Mittelhochdeutsches ei entspricht etwa ää: Schdää, Sääf, Klääd „Stein, Seife, Kleid“. Mittelhochdeutsches î entspricht westpfälzisch ai und ostpfälzisch oi: Woi, doi, soi „Wein, dein, sein“.

Entsprechend werden mittelhochdeutsches ou und û unterschieden, obwohl beide im Hochdeutschen zu au zusammengefallen sind. ou wird häufig zu aa: Aag, Schdaab, Raach „Auge, Staub, Rauch“; in der Südpfalz und Teilen der Nordwestpfalz auch zu ää, etwa Frää „Frau“. û entspricht au, im Südwestpfälzischen ou: Haus beziehungsweise Hous.

Weitere Merkmale sind die teilweise Diphthongierung im Südostpfälzischen, etwa grouß „groß“, die Senkung von i zu e und u zu o vor r, etwa Kerch „Kirche“ und dɔɐ̯ʃd „Durst“, sowie die Erhaltung von u vor Nasalen: Sunn „Sonne“, kumme „kommen“. Langes a wird zu o verdunkelt: Hoor „Haare“, schloofe „schlafen“. ö und ü werden entrundet, also zu e beziehungsweise i: kenne „können“, Schlissel „Schlüssel“. Außerdem kommen Sprossvokale, Nasalierung und die Verschleifung von auslautendem -er zu -a vor: Millich „Milch“, Sennef „Senf“, Lånd für Land und Parra für „Pfarrer“. Auslautendes e wird meist apokopiert; der Plural bleibt dennoch oft erkennbar, etwa Hund, Hunn und Aff, Affe.

Verbalsystem

Das pfälzische Verbalsystem ist gegenüber dem Hochdeutschen stark reduziert. Es gibt vier Zeiten: Präsens, Perfekt, Plusquamperfekt und eine zusammengesetzte Zukunft mit werre „werden“. Das Präteritum ist bis auf wenige Restformen der Hilfsverben weitgehend verschwunden und wird durch das Perfekt ersetzt. Das Plusquamperfekt kommt selten vor. Zukünftigkeit wird häufig durch das Präsens und den Kontext ausgedrückt; ohne erkennbare Zeitangabe steht dafür das Futur.

In allen drei Pluralpersonen ist die Verbform gleich. Im Westpfälzischen lautet das Präsens von „haben“: ich hann, du hasch, er/sie/es hadd; im Plural mir hann, ihr hann, die hann. Im Vorderpfälzischen heißt es ich habb, du hoschd, er/sie/es hodd; im Plural mir hänn, ihr hänn, die hänn. Im Nordpfälzischen lauten die Formen ich hunn, du hoschd, er/sie/es hodd sowie mir hunn, ihr hunn, die hunn. Auch der Infinitiv variiert: hann, hawwe oder hunn.

Beim Verb „gehen“ finden sich westpfälzisch ich geh(n), du gehsch, er/sie/es gehd sowie im Plural mir gehn, ihr gehn, die gehn. Vorderpfälzisch heißen die Formen ich geh, du gehschd, er/sie/es gehd sowie mir gehe, ihr gehe, die gehe. Der Imperativ lautet beispielsweise geh. Das Perfekt wird mit sein und dem Partizip gebildet: i(s)ch bin gång(e) „ich bin gegangen“. Das Plusquamperfekt lautet i(s)ch war gång(e), das Futur i(s)ch werr gehn oder gehe. Wenn der Zeitpunkt aus dem Zusammenhang hervorgeht, kann auch das Präsens stehen: I(s)ch geh no(ch) Ameriga „Ich gehe nach Amerika“.

Partizipien weichen teilweise vom Hochdeutschen ab, etwa gesass „gesessen“, gestock „gesteckt“, gedenkt „gedacht“, gewisst „gewusst“ und westpfälzisch gebrung „gebracht“.

Konjunktivformen fehlen grundsätzlich, außer beim Konjunktiv II einiger Hilfs- und Modalverben. Beispiele sind er hätt zu er hat, sie wär zu sie is, es deet zu es dut und er kennt zu er kann. Bei anderen Verben wird ein Hilfsverb verändert oder, wenn kein passendes Hilfsverb vorhanden ist, dun „tun“ eingeschaltet. So stehen etwa hot g(e)saacht und hott net laut genung g(e)rufe für „sagte“ und „habe nicht laut genug gerufen“. Vorderpfälzisch kann auch stehen: Er saacht, die deet net laut genung rufe. Westpfälzisch lautet die entsprechende Aussage etwa Er saat, es ruft net laut genuch.

Nominalsystem, Pronomen und Satzbau

Das Nominalsystem verwendet drei Kasus: Nominativ, Dativ und Akkusativ. Eigene Kasusendungen gibt es nicht. Der Genitiv fehlt und wird regelmäßig durch Konstruktionen mit dem Dativ ersetzt. Bei „der Bär, die Bären“ lautet die Deklination: Nominativ de Bär, die Bäre; Dativ dem Bär, de Bäre; Akkusativ de Bär oder en Bär, die Bäre.

Der schriftsprachliche Satz „Gertrud Schäfers Onkel ist Harald Webers Kollege“ kann westpfälzisch heißen: Em Schäfer Gertrud sei Unggel is’m Wewer Harald sei Kolleech. Vorderpfälzische Varianten sind De Ungel vun de Gertrud Schäfer is’m Harald Wewer soin Kolleech oder De Schäfers Gertrud ihrn Ungel is’m Wewers Harald soin Kolleech. Nordpfälzisch lautet die Konstruktion etwa Em Schäfer Gertrud soi Unggel is däm Weber Harald soi Kolleeg. Auch „wessen Auto?“ wird mit dem Dativ ausgedrückt: wemm sei Audo?

Für Familienzugehörigkeit gibt es Formen wie Millersch Audo oder Millersch ihr Audo „das Auto der Familie Müller“, Scheiermanns Lina „Lina aus der Familie Scheuermann“ und Keßlersch gehn in die Kerch „die Familie Keßler geht zur Kirche“.

Relativsätze verwenden anstelle von der, die, das im Sinn von „welcher, welche, welches“ meist wo oder wu. Beispiel: Kennscht du den, wu do vorne laaft? „Kennst du den, der da vorne läuft?“

Die Personalpronomen unterscheiden sich vom Hochdeutschen und werden als betonte und unbetonte Formen verwendet. Betont heißen beispielsweise i(s)ch, du, der/die/des, mir, ihr und die; unbetont treten unter anderem ma für „ich“ oder „wir“, a für „er“, se für „sie“ und s für „es“ auf. Beispiele sind wann (de) meensch(t) „wenn du meinst“, wann a meent „wenn er meint“, wann a meenen „wenn ihr meint“ und wann se meenen „wenn sie meinen“.

Das hochdeutsche betonte „sie“ ist im Pfälzischen unüblich und wird durch die ersetzt; unbetont lautet es se. Weibliche Personen sind besonders im Westpfälzischen häufig Neutra. Deshalb heißt es etwa Es Elfried hat angeruf „Die Elfriede hat angerufen“. Die feminine Form die erscheint unter anderem bei indirekter Bezeichnung, bei bestimmten Endungen oder wenn die neutrale Form als unpassend empfunden wird. Im städtischen Bereich, etwa in Kaiserslautern und Pirmasens, ist die vor weiblichen Vornamen häufiger. Ohne Vornamen kann die abwertend wirken; zunehmend verbreitet sich das wertneutrale sie.

Personen werden, wie im süddeutschen Raum üblich, meist mit Artikel genannt; Nachnamen stehen vor dem Vornamen. „Peter Meier geht zu Müllers“ lautet pfälzisch De Meier Peder geht zu’s oder geht bei Millers. Die bestimmten Artikel sind de, die und es. Der unbestimmte Artikel e ist im Westpfälzischen für alle drei Geschlechter gleich. Im Vorderpfälzischen gibt es en für Maskulinum und e beziehungsweise enni für Femininum, unbetont beziehungsweise betont.

Wortschatz und Redewendungen

Der Wortschatz wird im Pfälzischen Wörterbuch beschrieben. Ein wichtiger historischer Kernbestand betrifft bäuerliche Kultur, Kulturpflanzen, Haustiere und alte Handwerke. Viele dieser Wörter verschwanden im 20. Jahrhundert, als herkömmliche Lebens- und Arbeitsweisen aufgegeben wurden.

Vor allem bei älteren Sprechern finden sich zahlreiche französische Lehnwörter. Beispiele sind Lawor „Waschschüssel“ von lavoir, Bottschamber „Nachttopf“ von pot de chambre, Hussjee „Gerichtsvollzieher“ von huissier und alloo oder alla als Aufforderungspartikel im Sinn von „gehen wir; vorwärts, los“. Einige Wörter stammen direkt aus lothringischen Dialekten und haben deshalb eine nordostfranzösische Lautung, etwa Mermidd oder Mermedd „Kochtopf“ aus lothringisch mermite. Viele weitere Entlehnungen gelangten zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert aus der französischen Standardsprache in die Mundarten. Dazu gehören Blimmoo „Federbett“ von plumeau und Määr „Bürgermeister“ von maire. Letztere Wörter stehen teilweise mit der Zeit in Verbindung, in der die Pfalz vom späten 18. bis ins spätere 19. Jahrhundert zum französischen Rechtsgebiet gehörte.

Auch westjiddische Lehnwörter sind vertreten. Aus der hebräisch-aramäischen Komponente stammen Kazuff „Metzger“ und Zores „Streit“. Aus der romanischen Komponente kommen ore „in der Synagoge beten, halblaut vor sich hin lernen, jammern, plaudern“ und bemmsche „Gedichte herunterleiern“. Diese sprachlichen Einflüsse stehen mit der früheren jüdischen Bevölkerung der Pfalz und ihrer Nachbarregionen in Verbindung.

Typische Redewendungen sind ah jo im Sinn von „ja, klar“, etwa Ah jo, nadierlich tringge ma noch en Schobbe, sowie alla hopp oder alla guud im Sinn von „na dann“, etwa Alla hopp, enner geht noch.

Mundartliteratur und Sprachproben

Die pfälzische Mundart verfügt über eine vielfältige Lyrik- und Prosadichtung. Traditionell wurde sie vor allem von volkstümlichen Heimatdichtern geprägt. Typische Gattungen sind Gedicht, Schwank und mündliche Erzählung. Anthologien mit besinnlichen oder humoristischen Texten überwiegen; lange Prosagattungen wie Romane sind selten und erlangten keinen nennenswerten Bekanntheitsgrad.

Eine Schwierigkeit der Verschriftlichung besteht darin, dass dem Dialekt als gesprochener Sprache Mittel für komplizierte Zeitstellungen fehlen. Frühere Texte konnten deshalb unfreiwillig humoristisch wirken, besonders bei klischeehaften Themen aus dem Bereich „Weck, Worscht un Woi“. In den Mundartdichterwettstreiten von Bockenheim, Dannstadt, Gonbach und Wallhalben/Herschberg zeigen sich jedoch Reformbemühungen. Die moderne Dialektlyrik erreicht teilweise hohes literarisches Niveau und avantgardistische Formen. Der Wettbewerb Dannstadter Höhe nahm ab 2001 zeitweise auch szenische Darbietungen als Ansatz zu modernen Dialektdramen auf. Als bekanntestes Werk gilt Paul Münchs „Die Pälzisch Weltgeschicht“ von 1909. Die bosener gruppe fördert Mundartliteratur aus dem rhein- und moselfränkischen Sprachraum.

Sprachproben zeigen die regionale Vielfalt. Eine westpfälzische Aufnahme aus Kaiserslautern von 1992–1997 verwendet etwa „Unn die [mei Mudder] hat noch erlääbt, dass jeden Daag moijens de Sauhert ... durch die Strooße von Laudere is“. Eine ostpfälzische Aufnahme aus Dernbach aus derselben Zeit enthält Formen wie „in de Vorderpalz“, „g'habbt“, „horrer“ und „die Leit hän des gewisst“. Eine batschkapfälzische Probe aus Tscherwenka nach einem Maschinenskript von 1963 erzählt, wie ein Vater seinem Sohn Adam eine „Eensr“ auf die Tafel schreiben lässt; der Sohn erkennt darin jedoch einen „Egyes“, das ungarische Wort für „Einser“. Diese Beispiele zeigen zugleich unterschiedliche Lautungen, Verbformen, Pronomen und Schreibweisen innerhalb der pfälzischen Dialektlandschaft.

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