Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Personanz (Musik)

Jahrhunderts und bezeichnet den Sonanzcharakter eines Mehrklanges (Zwei-, Drei-, Vier-, Fünfklang) als Begriff zwischen Konsonanz und Dissonanz.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Definition und Bedeutung
  2. 2. Personanz in der modernen Tonalität
  3. 3. Regeln und Beispiele
  4. 4. Entstehung und Verwendung

Definition und Bedeutung

Personanz ist ein Begriff der musikwissenschaftlichen Analyse für den Sonanzcharakter eines Mehrklangs, also eines Zwei-, Drei-, Vier- oder Fünfklangs. Sie liegt zwischen Konsonanz und Dissonanz und dient besonders zur Beschreibung der Neuen Musik und der modernen Tonalität des 20. Jahrhunderts.

Der Sonanzcharakter beschreibt das Verhältnis von Rauigkeit und Verschmelzung innerhalb eines Klangs. Personante Klänge sind spannungshaltig, wirken aber dennoch klar. In ihnen bleiben grundlegende Tonbeziehungen trotz der komplexeren Klanggestalt hörbar.

Personanz in der modernen Tonalität

Die moderne Tonalität gilt als vorwiegend personant orientiert. Anders als eine funktionale, auf Dreiklängen und Kadenzen beruhende Tonalität kann sie unabhängig vom funktionalen Dreiklang und ohne Kadenz dargestellt werden. Sie bildet ein Kräftespiel verwandter Tonelemente, das auf Schwerpunkte und zentrale Tonfelder ausgerichtet ist.

Personante Klänge stellen Tonverwandtschaften zweiten Grades dar. Ihre elementaren Beziehungen, etwa Terz-, Quint- und Oktav-Verhältnisse, „tönen“ gewissermaßen durch die komplexere Klanggestalt hindurch. Personanz bezeichnet daher weder bloß das Gegenteil von Konsonanz noch eine Funktionsdissonanz, also eine Dissonanz mit einer bestimmten harmonischen Auflösungsfunktion.

Regeln und Beispiele

Als personant gelten alle nichtkonsonanten Mehrklänge, die ausschließlich „reine“, „große“ oder „kleine“ Intervalle enthalten. Verminderte und übermäßige Intervalle dürfen nicht vorkommen.

Wilhelm Keller ordnete diatonische Sekunden und Septimen der Personanz zu. Bei der Sekunde c–d tönt nach seiner Erklärung die Doppelquinte c–g–d hindurch. Bei der Septime c–h ist der Quint-Terz-Klang c–g beziehungsweise e–h als zugrunde liegende Beziehung hörbar.

Entstehung und Verwendung

Der Begriff entstand in den 1950er-Jahren. Der Universitätsprofessor und Komponist Wilhelm Keller stellte ihn 1959 auf dem „Kieler Kongress“ des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung (INMM) dar. Die Referate wurden 1960 vom Sender Freies Berlin ausgestrahlt und als Kongressbericht in der Reihe „Stilkriterien der Neuen Musik“ veröffentlicht.

Als bewusst eingesetztes Stilmerkmal erschienen personante Strukturen nach Arnold Schönberg zunächst bei Igor Strawinsky und später bei Béla Bartók, Sergei Sergejewitsch Prokofjew und weiteren Komponisten dieser Generation. Einen ausgeprägten Personalstil prägten sie unter anderem bei Joseph Suder, Carl Orff, Paul Hindemith, Johann Nepomuk David und Harald Genzmer. Personanzklänge unterscheiden sich wesentlich von den atonalen Strukturen der Schönberg-Schule.

Weiterlesen

Musikwissenschaft Die Musikästhetik beschäftigt sich mit den Grundlagen der sinnlichen Erkenntnis der Musik, des Schönen in der Musik sowie dem Verstehen und Bewerten von Musik … Neue Musik Neue Musik ist der Sammelbegriff für eine Fülle unterschiedlicher Strömungen komponierter westlicher Kunstmusik von etwa 1910 bis zur Gegenwart. Dreiklang Als Dreiklang wird in der Musik ein dreitöniger Akkord bezeichnet, der im einfachsten Fall aus zwei übereinandergeschichteten Terz-Intervallen besteht: den … Vierklang Die in der klassischen Musik häufigsten Vierklänge sind die Septakkorde, die aus drei übereinandergeschichteten Terzen bestehen, also Dreiklängen eine Septime … Konsonanz und Dissonanz Vollkommene Konsonanzen eignen sich besonders als Anfangs- und vor allem als Schlussklänge. Für sie gilt das Parallelenverbot. · Dissonanzen müssen als … Komponist Die musikalischen Kompositionen werden mit Hilfe von Interpreten (Musikern, Gesang) vertont und für Tonaufnahmen anschließend in einem Tonstudio abgemischt. Kadenz (Harmonielehre) In der Harmonielehre bezeichnet Kadenz (italienisch cadenza, von lateinisch cadere ‚fallen, enden') meist eine Akkordfolge, die den Abschluss eines … Tonalität (Musik) Tonalität ist in der Musik ein System hierarchischer Tonhöhenbeziehungen. Töne werden dabei in Bezug auf einen Grundton als „Zentrum“ einer Tonleiter, … Quinte Die Quinte besteht als „reine“ Quinte aus sieben, in ihren Varianten auch sechs oder acht Halbtonschritten. Die Quinte ist das Komplementärintervall zur Quarte. Oktave Als Oktave (von lateinisch octava ‚die achte') bezeichnet man in der Musiktheorie ein Intervall sowie einen durch heptatonische Unterteilung acht Tonstufen … Funktionstheorie Die Funktionstheorie ist Teilgebiet der Musiktheorie und gehört zur Harmonielehre. Sie beschreibt die Verhältnisse und Spannungen zwischen den Akkorden in … Diatonik Diatonische Tonleitern etwa sind spezielle, aus Ganzton- und Halbtonschritten zusammengesetzte, in der Regel siebenstufige Tonleitern. Seit dem frühen …