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Peripherie

Geographie. Bearbeiten. In der Geographie wird der Ausdruck Peripherie ... Häufig wird er verwendet, um räumliche Disparitäten aufzuzeigen oder zu erklären.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung und Mathematik
  2. 2. Räumliche Randlagen
  3. 3. Körper und Nervensystem
  4. 4. Macht, Gesellschaft und Regionen
  5. 5. Technische Geräte und Funktionen
  6. 6. Perspektiven des Handelns

Grundbedeutung und Mathematik

Peripherie bezeichnet allgemein einen randständigen Bereich im Gegensatz zu einem Zentrum. Die genaue Bedeutung hängt davon ab, welches Zentrum oder Bezugssystem betrachtet wird.

In der Mathematik ist die Peripherie der Umfang eines Kreises, also die Kreislinie. Allgemeiner kann damit der äußerste Rand einer krummlinig begrenzten Fläche gemeint sein.

Räumliche Randlagen

In der Geographie beschreibt Peripherie den räumlichen Gegensatz zu einem Zentrum. Der Begriff kann auf verschiedenen Maßstabsebenen verwendet werden: lokal innerhalb einer Stadt, regional innerhalb eines Landes oder Kontinents sowie global in Bezug auf die gesamte Erde.

Die Unterscheidung zwischen Zentrum und Peripherie dient häufig dazu, räumliche Disparitäten, also Unterschiede zwischen Gebieten, aufzuzeigen oder zu erklären.

Körper und Nervensystem

In der Human- und Tiermedizin bezeichnet Peripherie bei Säugetieren die Extremitäten im Gegensatz zum Körperstamm als Körperzentrum. Innerhalb der Extremitäten gelten Unterarme und Unterschenkel eher als peripher als Oberarme und Oberschenkel. „Peripher“ bedeutet hier „außen hin“ oder „randwärts“.

In der Physiologie hängt die Bedeutung vom jeweiligen Bezugssystem ab. Auf mikroskopischer Ebene heißen beispielsweise bestimmte Membranproteine peripher, wenn sie direkt auf oder unter der Plasmamembran liegen, aber weder integral in sie eingebunden sind noch die Membran durchspannen. Auf makroskopischer Ebene gelten Körperteile als peripher, wenn sie weit vom Körperzentrum oder vom Zentrum eines Organsystems entfernt liegen. Dazu gehören etwa die Gliedmaßen und herzferne Blutgefäße.

Das periphere Nervensystem umfasst alle Teile des Nervensystems außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Es wird damit dem Zentralnervensystem gegenübergestellt.

Macht, Gesellschaft und Regionen

In marxistisch geprägten Richtungen der Politikwissenschaft sind Peripherien Gesellschaften, die ein Machtzentrum umgeben, von ihm abhängig sind und zunehmend ausgebeutet werden. Die Dependenztheorien untersuchen mit dem Modell von Zentrum und Peripherie die Unterentwicklung des globalen Südens. Sie verstehen diese als Produkt einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die von den Zentren ausgeht.

Die Weltsystem-Theorie entwickelte diesen Gedanken zu einem umfassenden Welterklärungsansatz weiter. Neben Zentrum und Peripherie unterscheidet sie außerdem Semiperipherien. Als Beispiel nennt der Artikel Lateinamerika als „Peripherie“ der „Metropole“ Vereinigte Staaten.

In den historisch-soziologischen Studien Immanuel Wallersteins bildet die Peripherie das Gegenstück zur Hegemonie, also zur Vorherrschaft. Darauf aufbauend verwendet Christian Giordano den Begriff bei seiner Einteilung der sechs historischen Regionen Europas. Als peripher beschreibt er sowohl einen nordeuropäischen Großraum von Island über Westirland, Schottland und die Mitte der skandinavischen Halbinsel bis nach Nordwest-Finnland als auch Enklaven wie die Pyrenäen sowie verarmte Gebiete in den Alpen oder im französischen Zentralmassiv. Diese Kulturareale waren abgelegen, marginal und dünn besiedelt. Häufig wurde dort Subsistenzwirtschaft betrieben, also hauptsächlich für den eigenen Bedarf produziert; kulturelle Entwicklungen kamen stark verzögert an.

In Niklas Luhmanns soziologischer Systemtheorie ist die Unterscheidung zwischen Zentrum und Peripherie für einige gesellschaftliche Subsysteme grundlegend. Im Rechtssystem bilden die Gerichte das Zentrum, weil sie verbindliche Entscheidungen treffen. Alle anderen Teilnehmer am juristischen Diskurs gehören zur Peripherie, da ihre Entscheidungen unverbindlich bleiben.

Technische Geräte und Funktionen

In der Computertechnik sind Peripheriegeräte alle Geräte, die an eine Zentraleinheit angeschlossen sind oder werden. Sie werden von der Zentraleinheit gesteuert und müssen gegebenenfalls zunächst initialisiert, also betriebsbereit eingerichtet werden. Beispiele sind Drucker, Scanner, Tastatur und Maus. Auch interne Komponenten wie Anschlüsse, Laufwerke und Erweiterungskarten können zur Peripherie gehören.

Als Peripheriebausteine oder Peripheriefunktionen bezeichnet man Teile eines Computers, deren Funktionen nicht vom Prozessorkern selbst, sondern von zusätzlicher Hardware bereitgestellt werden. Diese Hardware kann sich auf weiteren integrierten Schaltkreisen oder gemeinsam mit dem Prozessor auf demselben Chip befinden. Beispiele sind Schnittstellen-Bausteine, Zeitgeber und Watchdogs, die ein System überwachen.

In der Veranstaltungstechnik umfasst die Peripherie die Geräte, die um das Mischpult als zentrale Regeleinheit angeordnet sind. Dazu zählen Equalizer, Compressor-Limiter, Halleffekte und Scratching-Tables.

Perspektiven des Handelns

In der Philosophie wird zwischen zwei Handlungsperspektiven unterschieden. Die Berichtsperspektive entspricht der Sicht der dritten Person: Jemand beobachtet oder berichtet über „er“, „sie“ oder „es“. Die Vollzugsperspektive ist die Sicht der ersten Person: Das „Ich“ nimmt als handelnder Teilnehmer eine Handlung vor.

Eine Person befindet sich in der Vollzugsperspektive immer „im Zentrum der eigenen Peripherie“ und kann dieses Zentrum nicht verlassen. Dennoch ist nicht jede Aussage, in der ein „Ich“ vorkommt, vollzugsperspektivisch. Eine Person kann auch über sich selbst berichten. Das Beispiel „a verspricht b, dass q“, wobei a mit „ich“ gleichgesetzt wird, verdeutlicht diese Möglichkeit.

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