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Vergangenheit
Die Vergangenheit (Abk.: Verg., Vrg.) ist die Menge aller zeitlich zurückliegenden Ereignisse. Dabei gibt es verschiedene Auffassungen in Abhängigkeit vom …
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Begriff und Bedeutung
Die Vergangenheit ist die Menge aller zeitlich zurückliegenden Ereignisse. Wie weit ein Ereignis zurückliegen muss, um als vergangen zu gelten, hängt vom jeweiligen Sachgebiet ab. „Gestern“ bezeichnet die nahe Vergangenheit, besonders den vergangenen Kalendertag. Vergangenheit ist wichtig, weil sie sowohl als zeitliche Kategorie als auch in Sprache, Physik, Philosophie, Geschichtsschreibung, Literatur und Film eine zentrale Rolle spielt.
Vergangenheit in der Grammatik
In der Sprachwissenschaft bezeichnet Vergangenheit einerseits das Tempus, also die sprachliche Darstellung vergangener Vorgänge, und andererseits die grammatischen Vergangenheitsformen.
Die deutsche Grammatik kennt drei Vergangenheitsformen:
• Präteritum, auch Imperfekt oder 1. Vergangenheit, in Österreich häufig „Mitvergangenheit“: „ich liebte“.
• Perfekt, genauer Präsensperfekt, auch 2. Vergangenheit, in Österreich häufig „Vergangenheit“: „ich habe geliebt“.
• Plusquamperfekt, auch Vorvergangenheit oder 3. Vergangenheit: „ich hatte geliebt“.
In einigen deutschsprachigen Regionen und Dialekten wird fast nur das Perfekt verwendet; andere Regionen unterscheiden stärker zwischen den Formen.
Im Englischen gibt es sechs Formen, von denen drei Verlaufsformen sind. Das Simple Past („I loved“) entspricht weitgehend dem deutschen Präteritum und Perfekt. Das Past Progressive („I was loving“) beschreibt einen Verlauf und hat im Hochdeutschen keine direkte Entsprechung. Das Present Perfect Simple („I have loved“) betont das Ergebnis einer Handlung; syntaktisch ähnelt es dem deutschen Perfekt, inhaltlich kann es auch dem Präteritum entsprechen. Das Present Perfect Progressive („I have been loving“) ist wiederum eine Verlaufsform ohne hochdeutsche Entsprechung. Das Past Perfect Simple („I had loved“) bezeichnet die Vorvergangenheit und entspricht dem Plusquamperfekt. Das Past Perfect Progressive („I had been loving“) ist dessen Verlaufsform und hat ebenfalls keine direkte Entsprechung im Hochdeutschen.
Das Spanische besitzt im Indikativ, der Wirklichkeitsform, fünf Vergangenheitsformen: Pretérito perfecto, Pretérito indefinido, Pretérito imperfecto, Pretérito anterior und Pretérito pluscuamperfecto. Hinzu kommen im Subjuntivo, der unter anderem Vorstellungen oder nicht als sicher dargestellte Sachverhalte ausdrückt, drei Formen: Pretérito perfecto, Pretérito imperfecto und Pretérito pluscuamperfecto de subjuntivo. Das Pretérito perfecto de indicativo entspricht dem deutschen Perfekt annähernd; das Pretérito indefinido wird im Englischen ungefähr durch das Simple Past wiedergegeben. Die übrigen Formen haben Entsprechungen in anderen romanischen Sprachen, etwa im Französischen, Italienischen und Rumänischen.
Vergangenheit in der Physik
In der klassischen Physik bestimmt der Zeitpfeil die Richtung der Zeit von der Vergangenheit zur Zukunft. Die Vergangenheit besteht dabei aus allen Ereignissen, die kausal mit dem gegenwärtigen Ereignis verbunden sind. „Kausal“ bedeutet, dass sie dieses Ereignis beeinflussen konnten.
Durch Albert Einsteins spezielle Relativitätstheorie änderte sich die Vorstellung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Zwei Ereignisse, die für einen Beobachter gleichzeitig stattfinden, müssen für einen relativ zu ihm bewegten Beobachter nicht gleichzeitig sein. Deshalb tritt in diesem Zusammenhang der Begriff der „Raumartigkeit“ an die Stelle einer allgemein gültigen Gleichzeitigkeit. Die Vergangenheit wird nicht mehr lediglich als Punkt oder Abschnitt auf einem gedachten Zeitstrahl verstanden, sondern als der Bereich der Raumzeit, aus dem ein Beobachter in der Gegenwart Informationen erhalten kann.
Philosophische Sicht und Wissen über Vergangenes
Der Präsentismus vertritt die Auffassung, dass nur die Gegenwart real existiert. Prozesse laufen demnach ausschließlich in der Gegenwart ab. Eine Vergangenheit entsteht als Vorstellung durch Aufzeichnungen und Erinnerungen an diese Prozesse. Solche Aufzeichnungen können den kausalen Verlauf nur ungefähr wiedergeben, weil eine hundertprozentige Erfassung praktisch unmöglich ist. Der Artikel führt diese Auffassung auf Platon zurück: Die Vergangenheit sei ein theoretisches, nicht mehr existentes Gebilde, weil die Materie vergangener Ereignisse inzwischen Bestandteil neuer gegenwärtiger Ereignisse ist.
Nach einer weiteren philosophischen Überlegung lebt der reflektierende Verstand stets in der Vergangenheit. Das Bilden und Ausdrücken eines Gedankens benötigt Zeit; sobald ein Geschehen bewusst betrachtet wird, ist es daher bereits vergangen. Die Gegenwart könne nur unmittelbar erfahren werden, also ohne die abstrahierende Tätigkeit des Verstandes. Diese Aussagen werden im Artikel als philosophische Positionen dargestellt, nicht als allgemein bewiesene Tatsachen.
Auch historisches Wissen ist begrenzt. Fragen nach Herkunft, Verwandtschaft und gesellschaftlicher Entwicklung werden von Religion und Wissenschaft unterschiedlich beantwortet. Viele Religionen nehmen eine planmäßige Schöpfung durch eine höhere Kraft an; die Naturwissenschaften erklären die Entstehung der Welt durch das Zusammenwirken von Zufall und Gesetzmäßigkeiten. Über die nähere Vergangenheit informiert die Geschichtsschreibung. Je weiter Ereignisse zurückliegen, desto ungenauer wird das Wissen über sie. Da vergangene Ereignisse nicht direkt beobachtet werden können, lassen sie sich laut Artikel theoretisch nur mit Wahrscheinlichkeiten beschreiben; ihre Anerkennung als Tatsachen gilt dort als gesellschaftliche Konvention. Biologische und physikalische Prozesse ermöglichen jedoch eine näherungsweise Datierung.
Geschichtsdarstellungen können außerdem verändert werden. George Orwell schildert dies im Roman „1984“: Nach einem Umsturz wird die Geschichtsschreibung und damit die bekannte Vergangenheit umgeschrieben. Heinrich Heine betont dagegen den Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart: „Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen. Was dieser gewollt hat müssen wir erforschen, wenn wir zu wissen wünschen, was jener will.“
Darstellung in Literatur und Film
Literatur kann eine fiktive Vergangenheit darstellen. Entscheidend ist nicht, ob die beschriebenen Ereignisse wirklich geschehen sind, sondern dass sie vom Standpunkt der Erzählung aus zurückliegen. Die Erzählung behandelt sie so, als hätten sie tatsächlich stattgefunden. Ein typischer Beginn ist die Märchenformel: „Es war einmal vor langer, langer Zeit …“
Im Film wird Vergangenes häufig durch Rückblenden gezeigt. In der Science-Fiction erlauben Zeitreisen eine erfundene Rückkehr in die Vergangenheit, wodurch Paradoxien entstehen können.
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