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Pejorativum

Pejorativ ist das zugehörige Adjektiv und bedeutet „abfällig“ oder „abwertend“. Pejorisierung oder Pejoration ist die Bedeutungsverschlechterung eines positiven …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernbegriff
  2. 2. Formen und Bildung
  3. 3. Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
  4. 4. Bedeutungsverschlechterung
  5. 5. Frauenbezeichnungen als Beispiel
  6. 6. Weitere Beispiele

Kernbegriff

Ein Pejorativum (Plural: Pejorativa) oder Pejorativ (Plural: Pejorative) ist in der Sprachwissenschaft, besonders in der Semantik, ein sprachlicher Ausdruck, der das Bezeichnete „implizit abwertet“. Er stellt also eine Person, Sache, Handlung oder einen Zustand bewusst schlechter oder negativer dar. Ein Pejorativum ist keine grammatikalische Wortart; entscheidend ist die abwertende Absicht oder Wirkung im Gebrauch.

Das Adjektiv „pejorativ“ bedeutet „abfällig“ oder „abwertend“. Pejorativa können beleidigend wirken, emotionalisieren und Werturteile ausdrücken. Um ihre Wirkung richtig einzuschätzen, muss immer der situative Kontext berücksichtigt werden: Ein Ausdruck kann je nach Situation stark verletzend, nur spöttisch oder auch scherzhaft gemeint sein.

Von Pejorativa zu unterscheiden ist die Pejorisierung oder Pejoration. Damit ist ein Bedeutungswandel gemeint: Ein ursprünglich positiver oder neutraler Ausdruck bekommt im Laufe der Sprachgeschichte eine negative Bedeutung. Das Gegenstück dazu heißt Meliorisierung oder Melioration, also Bedeutungsverbesserung.

Formen und Bildung

Pejorativ verwendet werden können auch Wörter, die an sich neutral oder sogar positiv sind. Entscheidend ist, ob der Sprecher sie absichtlich abwertend einsetzt. So kann „Schuppen“ neutral ein einfaches Gebäude bezeichnen, aber abwertend wirken, wenn damit ein Tanzlokal gemeint ist. Auch „talentiert“ kann herabsetzend sein, wenn eine tatsächlich hochbegabte Person dadurch nur als „bloß talentiert“ dargestellt wird.

Pejorativa entstehen oft durch bildhafte Übertragung. Merkmale oder Verhaltensweisen von Menschen werden dabei ins Lächerliche, Krankhafte, Fäkalische, Tierische oder in ähnliche Bereiche gezogen. Beispiele sind „Logorrhoe“ für Redseligkeit, „Schlafmütze“ für eine langsame Person oder Tiervergleiche wie „Sau“, „Affe“ und „Esel“.

Solche Ausdrücke können sich mit der Zeit verselbstständigen. Dann tritt ihre ursprüngliche Bedeutung zurück, und die abwertende Bedeutung steht im Vordergrund. Das nennt man Lexikalisierung. Beispiele sind „Bande“, „Köter“ und „plärren“.

Pejorativa können auch durch Wortbildung entstehen. Dazu gehören Ableitungen mit pejorativen Vor- oder Nachsilben, im Deutschen zum Beispiel „Gesinge“, „Gerede“ und „Getue“. Außerdem gibt es Kompositionen, etwa Bildungen mit Personennamen wie „-hans(el)“, „-fritz“ und „-suse“, zum Beispiel „Polithansel“, „Pressefritze“ und „Heulsuse“.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Die Begriffe „Pejorativ“, „Dysphemismus“ und „Schimpfwort“ überschneiden sich, sind aber nicht völlig gleich. „Pejorativ“ bezieht sich vor allem auf Bedeutung und Wortbildung. Ein „Dysphemismus“ betont stärker den pragmatischen Aspekt, also die sprachliche Handlung des Abwertens selbst.

Alle Schimpfwörter sind Pejorative, aber nicht alle Pejorative sind Schimpfwörter. Schimpfwörter richten sich vor allem gegen Menschen. Dysphemismen können sich dagegen auch auf Dinge, Ereignisse und Zustände beziehen.

Pejorativ gebrauchte Ausdrücke können manchmal auch scherzhaft gemeint sein. Dadurch wird ein Teil der Abwertung wieder abgeschwächt, etwa beim Beispiel „Schuppen“. Bei Schimpfwörtern ist eine solche Abschwächung seltener; sie kann zum Beispiel durch Verkleinerungsformen entstehen, etwa „Schweinderl“, „Schweinchen“ oder „Ferkelchen“ statt „Schwein“ beziehungsweise „Ferkel“.

Bedeutungsverschlechterung

Pejorisierung, Pejoration oder Bedeutungsverschlechterung bezeichnet die sprachgeschichtliche Veränderung eines früher positiven oder neutralen Ausdrucks hin zu einer negativen Bewertung. Sie ist ein etablierter Typ des Bedeutungswandels.

Wichtig ist: Bedeutungsverschlechterung und Bedeutungsverbesserung beruhen nicht auf einzelnen persönlichen Meinungen. Sie spiegeln soziale Wertungsveränderungen wider. Wenn sich gesellschaftliche Einstellungen ändern oder bestimmte Gruppen geringgeschätzt werden, kann sich das in der Bedeutung von Wörtern niederschlagen.

Das sprachgeschichtliche Paradebeispiel ist die Abwertung von Frauenbezeichnungen wie „Magd“, „Weib“, „Dirne“, „Mamsell“ und „Frauenzimmer“. Darin zeigen sich laut Artikel der historisch geringe soziale Status weiblicher Personen und frauenabwertende Einstellungsmuster, also Misogynie.

Frauenbezeichnungen als Beispiel

Die Bedeutungsverschlechterung von Frauenbezeichnungen gilt in Einführungen in den Bedeutungswandel als Paradebeispiel für Pejorisierung. Sie ist in vielen Sprachen beobachtbar. Dabei verläuft die Entwicklung asymmetrisch: Frauenbezeichnungen werden abgewertet, während Männerbezeichnungen diesen Wandel nicht in gleicher Weise erfahren.

Drei Pfade der negativen Qualitätsveränderung werden genannt: soziale Degradierung oder Deklassierung, Funktionalisierung besonders im niederen Dienstleistungsbereich sowie Biologisierung und Sexualisierung.

Untersuchungen historischer Wörterbücher vom 15. bis 19. Jahrhundert zeigen, dass Frauenbezeichnungen zu 72,5 Prozent über negative Qualitäten beschrieben werden. Männerbezeichnungen werden dagegen zu 75 Prozent über positive Qualitäten beschrieben.

Beispiele sind „Weib“, das ursprünglich „(Ehe-)Frau“ bedeutete und später unter anderem als Schimpfwort oder sexualisiert gebraucht wurde; „Magd“, das von „junge, unverheiratete Frau“ zu „Haus-/Hofangestellte für grobe, einfache Arbeiten“ wurde; und „Dirne“, das von „junges Mädchen“ über „junge Dienerin, Magd“ schließlich ab dem 16. Jahrhundert „Prostituierte“ bedeutete. Auch „Fräulein“ entwickelte sich von einer Bezeichnung für eine junge Herrin oder Frau von Stand zu Bedeutungen wie „unverheiratete Frau“ oder „Kellnerin/Bedienung“; ab etwa 1975 kam es durch feministische Sprachkritik zum Wegfall von „Fräulein“.

Als Beispiele für die Asymmetrie zwischen Frauen- und Männerbezeichnungen nennt der Artikel: „Sekretär“ vs. „Sekretärin“, „Gouverneur“ vs. „Gouvernante“, „Friseur“ vs. „Friseuse“ und „Masseur“ vs. „Masseuse“.

Weitere Beispiele

Der Artikel nennt viele weitere Beispiele für Pejorisierung. Bei sozialen Rollen war „Pfaffe“ im Mittelhochdeutschen eine wertfreie Bezeichnung für Priester. „Regime“ bezeichnete früher allgemein eine Regierung oder Regierungsform, wird heute aber für eine nicht durch die Bevölkerung legitimierte „Regierungskaste“ verwendet. „Gemein“ bedeutete früher „gewöhnlich“, heute oft „niederträchtig“ oder „böswillig“. „Blöd“ bedeutete früher gebrechlich, schwach oder zart.

Bei Volksgruppen- und Religionsbezeichnungen nennt der Artikel „Mohammedaner“, ursprünglich eine wertfreie Bezeichnung für Anhänger der Lehre Mohammeds. Seit der Verdrängung durch „Moslem“ beziehungsweise „Muslim“ hat das Wort meist einen abwertenden oder ablehnenden Charakter; bevorzugte Selbstbezeichnung ist heute „Muslim“. Auch „Sekte“ war früher allgemein eine Bezeichnung für eine religiöse Minderheit, gilt aber im Umgang mit neureligiösen Bewegungen als historisch belastet.

Bei wirtschaftlich-sozialen Begriffen wird „billig“ genannt. Es bedeutete früher eher „gerecht“ und war positiv oder neutral besetzt, etwa in „Das ist nur recht und billig“. Durch die Verbindung mit minderwertigen und kurzlebigen Artikeln zu niedrigen Preisen bekam es eine negative Wertung und wurde später teilweise durch „preiswert“ ersetzt. „Moneten“ geht auf lateinisch „moneta“ für „Münzgeld“ zurück, bezeichnet im Deutschen heute aber umgangssprachlich Geld im Zusammenhang mit kriminellen Handlungen.

Weitere Beispiele betreffen Körperlichkeit und sonstige Wörter: „ficken“ bedeutete ursprünglich „hin und her bewegen, reiben“; „Kot“ bedeutete ursprünglich „Lehm“ oder „Schmutz“, heute „Fäkalie“; „Visage“ ist im Französischen neutral für „Gesicht“, im Deutschen aber umgangssprachlich abwertend. „Gift“ bedeutete ursprünglich „Gabe“ oder „Geschenk“ und wurde euphemistisch für „tödliche Gabe“ verwendet; schließlich nahm es die Bedeutung „schädlicher Stoff“ an.

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