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Paul Klee

Paul Ernst Klee (* 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee, Kanton Bern; † 29. Juni 1940 in Muralto, Kanton Tessin) war ein deutscher Maler und Grafiker, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und künstlerisches Profil
  2. 2. Ausbildung und Weg zur Farbe
  3. 3. Krieg, Durchbruch und Lehrtätigkeit
  4. 4. Bildsprache, Theorie und typische Werke
  5. 5. Verfolgung, Krankheit und Spätwerk
  6. 6. Nachlass und heutige Bewahrung

Bedeutung und künstlerisches Profil

Paul Ernst Klee (18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee bei Bern–29. Juni 1940 in Muralto) war ein deutscher Maler und Grafiker und zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts. Sein vielseitiges Werk wird unter anderem dem Expressionismus, Konstruktivismus, Kubismus, Primitivismus und Surrealismus zugeordnet, lässt sich jedoch keiner dieser Richtungen eindeutig unterordnen.

Klee verband genaue Beobachtung mit Fantasie, Abstraktion und einer oft kindlich wirkenden Bildsprache. Vereinfachte Figuren, Zeichen, hieroglyphenartige Symbole, Traumwelten, Gedichte und musikalische Strukturen prägen viele Arbeiten. Der scheinbar naive Stil beruhte nach seiner eigenen Darstellung nicht auf mangelndem Können, sondern auf bewusster Reduktion und genauer künstlerischer Erkenntnis.

Grafik spielte eine besonders wichtige Rolle: Mehr als die Hälfte seines katalogisierten Gesamtwerks besteht aus grafischen Arbeiten. Daneben verwendete er Öl- und Wasserfarben, Tinte, Kreide, Kleisterfarbe und andere Materialien, häufig in ungewöhnlichen Kombinationen. Auch die Beschaffenheit des Untergrunds war Teil der Gestaltung. Sein ab Februar 1911 geführter Œuvrekatalog verzeichnet 733 Tafelbilder, 3159 farbige Blätter auf Papier, 4877 Zeichnungen, 95 Druckgrafiken, 51 Hinterglasbilder und 15 Plastiken. Außerdem sind 30 Handpuppen erhalten, die er zwischen 1916 und 1925 für seinen Sohn Felix schuf, aber nicht als Teil seines eigentlichen Werks betrachtete.

Ausbildung und Weg zur Farbe

Klee wuchs in Bern in einer musikalischen Familie auf. Sein Vater war Musiklehrer, seine Mutter Sängerin. Seit dem siebten Lebensjahr erhielt er Geigenunterricht; bereits mit elf Jahren durfte er als außerordentliches Mitglied bei der Bernischen Musikgesellschaft spielen. Zugleich zeichnete und dichtete er. Obwohl seine Eltern eine musikalische Laufbahn bevorzugten, ging er nach der Matura 1898 nach München, um Kunst zu studieren.

Nach Unterricht an Heinrich Knirrs privater Malschule und einer Ausbildung im Radieren und Ätzen bei Walter Ziegler trat Klee 1900 in die Malklasse Franz von Stucks an der Münchner Kunstakademie ein. Eine Italienreise 1901/02 prägte ihn durch Renaissance-Architektur, gotische Tafelmalerei sowie die Formen und Farben der Meereswelt. In Bern arbeitete er anschließend weiter an seiner Ausbildung und schuf von 1903 bis 1905 den Radierzyklus Inventionen. Diese satirischen, grotesken Blätter gehören zu seinem Frühwerk. Ab 1905 entwickelte er außerdem eine Technik, bei der er auf geschwärzten Glasscheiben zeichnete; auf diese Weise entstanden 57 Hinterglasbilder.

1906 heiratete er die Pianistin Lily Stumpf und zog dauerhaft nach München. Lily verdiente den Lebensunterhalt durch Klavierunterricht, während Klee einen großen Teil des Haushalts und der Erziehung des 1907 geborenen Sohnes Felix übernahm.

1911 lernte Klee Alfred Kubin, August Macke und Wassily Kandinsky kennen und schloss sich dem Umfeld des Blauen Reiters an. In dessen zweiter Ausstellung wurden 1912 insgesamt 17 seiner grafischen Arbeiten gezeigt. Entscheidenden Einfluss hatte Robert Delaunay: Dessen Farbtheorie und „orphischer“ Kubismus führten Klee zur Abstraktion und zur Vorstellung, Farbe könne unabhängig von der naturgetreuen Darstellung wirken.

Den Durchbruch zur eigenständigen farbigen Malerei brachte die Tunisreise mit August Macke und Louis Moilliet im April 1914. Klee übertrug Licht, Landschaft und Architektur in farbige Raster und geometrische Ordnungen. In seinem Tagebuch formulierte er am 16. April: „Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“ Spätere Forschungen weisen allerdings darauf hin, dass Klee seine Tagebücher redigierte und möglicherweise nachträglich ergänzte.

Krieg, Durchbruch und Lehrtätigkeit

1916 wurde Klee als Landsturmsoldat zur bayerischen Armee eingezogen. Er arbeitete zunächst bei einer Werftkompanie des Flugplatzes Schleißheim und ab Januar 1917 als Schreiber an der Fliegerschule V in Gersthofen. Ein Fronteinsatz blieb ihm erspart, sodass er weiter malen konnte. Während des Krieges waren seine Ausstellungen in Herwarth Waldens Berliner Galerie Der Sturm erfolgreich; 1918 gelang ihm in Deutschland der künstlerische und kommerzielle Durchbruch. Die Kriegszeit wirkte auch auf seine Motive: In Blumenmythos von 1918 erinnern abstürzende Vögel an die Flugzeuge, die er in Gersthofen beobachtete.

1920 zeigte die Galerie Goltz in München Klees erste große retrospektive Einzelausstellung mit 371 Werken. Im selben Jahr berief Walter Gropius ihn an das Staatliche Bauhaus in Weimar, wo er im Januar 1921 zu lehren begann. Er leitete zunächst verschiedene Werkstätten und machte später seine „Formlehre“ zu einem Bestandteil der Grundausbildung. Nach dem Umzug des Bauhauses nach Dessau 1926 unterrichtete er unter anderem freie plastische und malerische Gestaltung, die freie Malklasse und Gestaltungslehre in der Weberei.

Im Zentrum seiner Lehre standen die Beziehungen zwischen Linie, Fläche, Farbe und Bildraum. Obwohl er systematisch vorging, erkannte er die Bedeutung des Unbewussten an und verstand Kunst als einen Schöpfungsvorgang, der parallel zur Natur verläuft. 1924 gründete er mit Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky die Künstlergruppe Die Blaue Vier, die besonders in den USA bekannt gemacht wurde. An der ersten Pariser Surrealistenausstellung 1925 war er mit zwei Bildern beteiligt, wurde jedoch nie Mitglied der Surrealistengruppe.

Eine Ägyptenreise vom 17. Dezember 1928 bis zum 17. Januar 1929 gab neue Anregungen für geometrisch aufgebaute Bilder. Licht, Landschaft, Pyramiden sowie Proportions- und Konstruktionsgesetze wirkten etwa auf Necropolis und Feuer am Abend ein. Wegen politischer und künstlerischer Konflikte am Bauhaus wechselte Klee 1931 als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf. Dort hatte er mehr Zeit für die eigene Arbeit und schuf 1932 mit Ad Parnassum eines seiner größten und wichtigsten Gemälde.

Bildsprache, Theorie und typische Werke

Klee wollte Natur nicht einfach nachahmen. Sein berühmter Satz aus Schöpferische Konfession von 1920 lautet: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ Gemeint ist, dass Kunst innere Vorstellungen und verborgene Ordnungen sichtbar machen kann. Die Natur blieb dennoch Ausgangspunkt: In Wege des Naturstudiums von 1923 bezeichnete er sie als notwendige Grundlage künstlerischer Arbeit.

Im Jenaer Vortrag von 1924 verglich Klee den Künstler mit dem Stamm eines Baums: Über die Wurzeln nimmt er Kräfte aus der Tiefe auf und leitet sie zur Krone weiter. Das Kunstwerk ist deshalb kein bloßes Abbild, sondern eine verwandelte „Wiedergeburt der Natur im Bilde“. Als Grundelemente der Malerei nannte Klee Linie, Helldunkel und Farbe. Farbe besitzt für ihn Qualität, Gewicht beziehungsweise Helligkeitswert und Maß beziehungsweise Ausdehnung. Im Pädagogischen Skizzenbuch von 1925 behandelte er besonders grafische und farbliche Ausdrucksmittel.

Ein typisches Beispiel für Klees Verbindung von Bild und Schrift ist Einst dem Grau der Nacht enttaucht von 1918. Darin ordnete er Buchstaben eines Gedichts in kleinen farbigen Quadraten an; die Worte bilden zugleich Thema und sichtbare Struktur. Villa R von 1919 verbindet erkennbare Dinge wie Sonne, Mond, Berge, Bäume und Architektur mit abstrakten und surreal wirkenden Elementen.

Die Zwitscher-Maschine von 1922 zeigt Vögel mit geöffneten Schnäbeln auf einer Konstruktion mit Kurbel. Das Werk wirkt zunächst wie eine Kinderzeichnung, lässt aber unterschiedliche Deutungen zu, etwa als mögliche Kritik an einer Technik, die Lebewesen ihrer Selbstbestimmung beraubt. Ad Parnassum von 1932 misst 100 × 126 cm und ist damit für Klee ungewöhnlich groß. Aus vielen gestempelten Farbpunkten entsteht ein mosaikartiges Feld; wenige Linien bilden einen an eine Pyramide erinnernden Rahmen, darüber erscheint die Sonne. Der Titel verweist auf den Parnass als Sitz Apollons und der Musen.

Musik blieb für Klees Denken wichtig. Er suchte in der Malerei nach Entsprechungen zu musikalischen Formen, Rhythmen, Proportionen und Zahlenverhältnissen, besonders angeregt durch Bachs Violinsonaten. Seine Bilder sind jedoch meist keine direkten Illustrationen von Musik.

Verfolgung, Krankheit und Spätwerk

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Klee als „entarteter Künstler“ und „politisch unzuverlässig“ angegriffen. Am 21. April 1933 verlor er fristlos seine Professur in Düsseldorf. Am 23. Dezember emigrierte er mit Lily nach Bern. Da er deutscher Staatsbürger war, erhielt er das Schweizer Bürgerrecht nicht sofort. Ein Antrag von 1934 wurde abgelehnt, weil deutsche Staatsbürger nach dem Berliner Abkommen vom 4. Mai 1933 erst nach fünf ununterbrochenen Jahren in der Schweiz einen Antrag stellen durften.

1935 erkrankte Klee schwer. Als Krankheit wird Sklerodermie genannt, eine unheilbare Verhärtung von Haut und Bindegewebe; diese Diagnose ist jedoch hypothetisch, weil medizinische Unterlagen fehlen. Nach geringer Produktion 1936 arbeitete er wieder äußerst intensiv: Der Werkkatalog enthält für 1937 insgesamt 264 Arbeiten, für 1938 bereits 489 und für 1939, sein produktivstes Jahr, 1254 Werke. In den letzten fünf Lebensjahren entstanden etwa 1000 Arbeiten.

Das Spätwerk ist häufig großformatiger, verwendet kräftige, hieroglyphenartige Zeichen und behandelt Krankheit, Tod, politische Bedrohung und zugleich Klees Witz. Revolution des Viadukts von 1937 zeigt Brückenbögen, die aus ihrer Reihe heraustreten und sich ihrer Funktion als gleichförmige Kettenglieder widersetzen; das Bild gilt als Beitrag zur antifaschistischen Kunst. Zwischen 1938 und 1940 entstanden rund 80 Engelmotive als Übergangsfiguren zwischen irdischer und überirdischer Existenz. Insula dulcamara von 1938, mit 88 × 176 cm eines seiner größten Bilder, enthält ein weißes Gesicht, dessen schwarz umrandete Augenhöhlen den Tod symbolisieren.

1937 wurden 17 Werke Klees in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Insgesamt beschlagnahmten die Nationalsozialisten weitere 102 seiner Werke aus deutschen Sammlungen und verkauften sie ins Ausland. Ende 1939 wurde sein erneuter Schweizer Einbürgerungsantrag bewilligt, doch vor der endgültigen Entscheidung verschlechterte sich sein Zustand. Klee starb am 29. Juni 1940 in Muralto; die Einbürgerung wurde nicht mehr abgeschlossen.

Nachlass und heutige Bewahrung

Nach Klees Tod sorgten Berner Sammler gemeinsam mit seiner Frau Lily dafür, dass sein Nachlass nicht auseinandergerissen wurde. Die 1946 gegründete Klee-Gesellschaft übernahm den rund 6000 Werke umfassenden künstlerischen und schriftlichen Bestand. 1947 entstand die Paul-Klee-Stiftung, die zunächst etwa 1700 Werke und mehrere Schriftstücke erhielt; 1950 kamen weitere 1500 Werke hinzu. Nach einem Rechtsstreit mit Klees Sohn Felix wurde der Nachlass 1952 geteilt.

Die Sammlungen konnten später wieder zusammengeführt werden. Seit 2005 bewahrt und präsentiert das von Renzo Piano entworfene Zentrum Paul Klee in Bern die weltweit größte Klee-Sammlung mit etwa 4000 Werken. Wegen der Lichtempfindlichkeit vieler Farben, Tinten und Papiere werden jeweils nur ungefähr 150 Arbeiten in wechselnden Ausstellungen gezeigt. Weitere bedeutende Bestände befinden sich unter anderem im San Francisco Museum of Modern Art, in der Sammlung Rosengart in Luzern, in der Albertina in Wien und in der Sammlung Berggruen in Berlin.

Klees Tagebücher, kunsttheoretische Texte und Unterrichtsnotizen sind wichtige Quellen für das Verständnis seines Werks. Weil er seine Tagebücher für die öffentliche Wirkung überarbeitet hatte, müssen sie jedoch kritisch gelesen werden. Eine textkritische Neuedition erschien 1988.

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