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Patrick Gensing
Nach Angaben der Hamburger Morgenpost ist er „Experte für die Themen politischer Fanatismus, Fake News, Desinformation, Antisemitismus, Rechtsextremismus und …
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Beruflicher Werdegang und Schwerpunkte
Patrick Gensing (geboren 1974) ist ein deutscher Journalist, Buchautor und ehemaliger Blogger. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind Desinformation, Fake News, Rechtsextremismus, Antisemitismus, politischer Fanatismus und Hetze in sozialen Netzwerken.
Von 2000 bis 2002 leitete er die Redaktion der Online-Community „Angelfire“ von LYCOS Europe. 2003 und 2004 absolvierte er ein Volontariat beim NDR. Anschließend arbeitete er unter anderem für NDR Info, die Nachrichtenredaktion ARD-aktuell und das Fernsehmagazin Panorama. Sein Panorama-Beitrag „Rassismus im Stadion: Die Welt zu Gast bei Feinden?“ wurde für den Civis – Europas Medienpreis für Integration 2007 nominiert. Darüber hinaus schrieb er für das Zeit-Online-Blog Störungsmelder und war bei der Medienakademie von ARD und ZDF Referent zum Thema „Neonazis und Internet“.
Seit Ende 2005 war Gensing Mitherausgeber und Redakteur des Internetprojekts NPD-Blog. Dieses wurde 2007 für den Grimme Online Award nominiert und im Oktober 2011 in Publikative.org umbenannt. Das Blog behandelte vor allem Rechtsextremismus in Deutschland. 2013 erhielt es erneut eine Nominierung für den Grimme Online Award; Gensing wurde im selben Jahr dafür mit dem Alternativen Medienpreis ausgezeichnet. Zuvor war er 2007 als Online-Journalist des Jahres für den Goldenen Prometheus nominiert worden und hatte im Mai 2009 beim Axel-Springer-Preis für junge Journalisten in der Kategorie Internet den 3. Platz erreicht. Von 2015 bis 2017 veröffentlichte er gelegentlich Beiträge auf der Internetseite der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung.
Faktenfinder, Investigativjournalismus und Vereinskommunikation
Von der Gründung im April 2017 an leitete Gensing den Faktenfinder der Tagesschau. Diese Recherche-Redaktion der ARD beschäftigt sich mit der Überprüfung und Bekämpfung von Fake News, also falschen oder irreführenden Nachrichten. Seit April 2019 verantwortete er zusätzlich das Ressort „Tagesschau Investigativ“. Außerdem entwickelte er den im April 2021 gestarteten Faktenfinder-Podcast.
Der Faktenfinder und Gensing persönlich wurden wegen Recherchefehlern kritisiert. Anlass war die Berichterstattung über die Reaktion einer Twitter-Nutzerin auf einen Tweet der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien.
2020 schrieb Gensing in der Zeitschrift „Liberal“ über Gefahren durch Desinformation und für die Bundeszentrale für politische Bildung über die Gleichsetzung von Fakten und Meinungen. Im selben Jahr sprach er auf einer internationalen Konferenz in Albanien über Strategien gegen Fake News in Südosteuropa.
Im Juni 2022 wechselte Gensing von der Tagesschau zum FC St. Pauli und übernahm zunächst vorübergehend den Bereich Medien und Kommunikation. Im August 2023 teilte der Verein mit, dass er bleiben und die Kommunikation für die Bereiche Strategie, Verein und Profi-Fußball verantworten werde. Daneben ist er weiterhin als freier Journalist tätig, unter anderem für die taz, tagesschau.de und Belltower News. Er schreibt außerdem als Gastautor für die Jüdische Allgemeine und Runner’s World.
Positionen zu Desinformation und politischem Extremismus
Gensing tritt regelmäßig als Referent und Interviewpartner zum Thema Desinformation auf. Er lehnt gesetzliche Maßnahmen gegen Fake News ab, weil der Umgang mit gezielten Falschmeldungen seiner Ansicht nach nicht auf eine einfache Kennzeichnung als falsch reduziert werden kann. Solche Meldungen hätten häufig einen wahren Kern. Auch Statistiken könnten nur einen Teil der Wirklichkeit zeigen und müssten deshalb von Fachleuten eingeordnet werden. Eine übermäßige „Zahlengläubigkeit“ hält er für irreführend.
Er warnt zudem vor dem Wiederholungseffekt: Wenn Menschen eine falsche Behauptung häufig hören und keinen Widerspruch wahrnehmen, können sie diese schließlich für wahr halten. Die Bereitschaft, Falschmeldungen zu glauben, sei nicht auf Populisten beschränkt. Bei der re:publica 2019 kritisierte er die Fehleranfälligkeit des Online-Nachrichtenjournalismus. Zugleich sah er in der Debatte über Fake News eine Chance, weil sich der Journalismus wieder stärker auf gründliche Recherche besinne. Die Bekämpfung von Fake News sei für ihn eine Aufgabe des Journalismus und nicht des Gesetzgebers.
Nach der Tötung des CDU-Politikers Walter Lübcke betonte Gensing die langjährige Radikalisierung Rechtsextremer und die Bedeutung, die Gewalt für sie als politisches Mittel habe. Er kritisierte auch die AfD, die sich als vermeintliche Tabubrecherin darstelle und deren Behauptungen entkräftet werden müssten. Für das politische Klima hielt er die AfD zu diesem Zeitpunkt für gefährlicher als die NPD.
Im Dezember 2020 bemängelte Gensing fehlende wissenschaftliche Belege für einzelne Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie, etwa für die Sperrstunde. Im September 2021 erklärte er im Schweizer Rundfunk, russische Staatssender wollten bestehende Konflikte in Europa gezielt verschärfen. Nach dem Massaker der Hamas in Israel am 7. Oktober 2023 kritisierte er, dass linksradikale Gruppen in Europa den Terror legitimierten und relativierten.
Wichtige Veröffentlichungen
Gensings Bücher und Beiträge behandeln hauptsächlich Rechtsextremismus, politische Gewalt, digitale Hetze, Desinformation und Gefahren für die Demokratie. Zu seinen eigenen Büchern gehören „Angriff von rechts. Die Strategien der Neonazis – und was man dagegen tun kann“ (dtv, 2009), „Terror von rechts. Die Nazi-Morde und das Versagen der Politik“ (Rotbuch-Verlag, 2012), das mit Andrej Reisin verfasste Buch „Der Präventivstaat. Warum Gesundheits-, Kontroll- und Verbotswahn Freiheit und Demokratie gefährden“ (Lingen Verlag, 2013), das E-Book „Rechte Hetze im Netz – eine unterschätzte Gefahr“ (Rowohlt Verlag, Mai 2016) sowie „Fakten gegen Fake News oder Der Kampf um die Demokratie“ (Bibliographisches Institut – Duden, 2019).
Daneben wirkte Gensing an Sammelbänden mit. Dazu zählen „Antisemitismus in deutschen Parteien“, herausgegeben von Dana Ionescu und Samuel Salzborn (Nomos-Verlag, 2014), „Das Netzwerk der Identitären“, herausgegeben von Andreas Speit (Christoph Links-Verlag, Oktober 2018), und „Fehlender Mindestabstand – Die Coronakrise und die Netzwerke der Demokratiefeinde“, herausgegeben von Matthias Meisner und Heike Kleffner (Herder, 2021).