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Desinformation
Die Desinformation kann etwa über Massenmedien verbreitet werden, wobei man auch von Medienmanipulation spricht. Die Desinformation ist entweder direkte Lüge …
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Begriff, Bedeutung und Wirkungsweise
Desinformation ist das gezielte Verbreiten von Informationen, um die öffentliche Meinung, bestimmte Gruppen oder einzelne Personen im Sinne politischer oder wirtschaftlicher Interessen zu täuschen. Entscheidend sind dabei zwei Merkmale: Die übermittelte Information ist nach objektiven Maßstäben unwahr, und der Urheber setzt sie bewusst zur Täuschung ein. Seltener bezeichnet der Begriff auch die verbreitete Falschinformation selbst.
Desinformation kann als direkte Lüge auftreten. Sie kann aber auch indirekt wirken, indem überprüfte Tatsachen unterdrückt oder verschwiegen werden oder indem von ihnen abgelenkt wird. Erfolgt die Verbreitung über Massenmedien, wird auch von Medienmanipulation gesprochen. Im weiteren Sinne kann eine gezielte Überversorgung mit nutzlosen Informationen ebenfalls der Desinformation dienen, wenn dadurch wichtige Informationen verdeckt werden.
Desinformation ist für Politik, Militär, Wirtschaft und Gesellschaft bedeutsam. Geheimdienste können eigene Abteilungen für die Fälschung und Verbreitung von Informationen besitzen; ein Beispiel war die Hauptverwaltung A des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Im militärischen Bereich werden etwa falsche Angaben zu Truppenstärken oder Standorten verbreitet, um einen Gegner zu täuschen. In der Wirtschaft können Gerüchte oder öffentlich zugängliche falsche Angaben Verbraucher davon abhalten, Produkte eines Mitbewerbers zu kaufen.
Im Weltrisikobericht 2024 des World Economic Forum, für den rund 1500 Experten befragt wurden, galten Desinformation und Falschinformationen bei einer Betrachtung der folgenden zwei Jahre noch vor dem Klimawandel als größtes globales gesellschaftliches Risiko.
Urheber und Ziele
Desinformation kann von staatlichen Stellen wie Geheimdiensten oder dem Militär, von politischen Parteien und Gruppen, von Lobbygruppen oder von Einzelpersonen ausgehen. Typische Ziele sind die Täuschung der Bevölkerung, Stimmungsmache und die Verwirrung eines Gegners. Desinformation ist damit häufig Teil politischer, wirtschaftlicher oder militärischer Machtstrategien.
Am 11. Januar 1923 beschloss das Politbüro des ZK der KPR(B), unter Leitung des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes GPU ein Büro für Desinformation einzurichten. Dabei entstand ein Zuständigkeitskonflikt mit dem sowjetischen Außenministerium, das die Kompetenz für Desinformationskampagnen bereits für sich beanspruchte.
Der russische Generalstabschef Waleri Wassiljewitsch Gerassimow betonte 2013 in einem Essay, dass nichtmilitärische Mittel, darunter ausdrücklich Kommunikation, in Konflikten bedeutender denn je und teilweise sogar wichtiger als Waffen seien. Nach seiner Darstellung gewinnt Kriege nicht unbedingt derjenige mit mehr Waffen, sondern derjenige, der die Informationen steuert.
Abgrenzung von ähnlichen Begriffen
Propaganda ist gezielte und einseitige Kommunikation, mit der Kommunikatoren ein bestimmtes Ziel verfolgen. Sie muss jedoch keine falschen Informationen enthalten. Desinformation setzt dagegen grundsätzlich eine bewusste Täuschungsabsicht voraus, auch wenn sie teilweise durch Auswahl, Auslassung oder Überdeckung von Informationen arbeitet.
Eine Fehlinformation oder Falschinformation ist eine unrichtige oder irreführende Information, die ohne manipulative Absicht weitergegeben wird. Der Unterschied liegt daher in der Absicht: Bei Desinformation wird eine unwahre Information wissentlich verbreitet, bei Fehlinformation geschieht dies unabsichtlich.
Schwierigkeiten bei Definition und Nachweis
Die Einordnung einer Information als Desinformation hängt bei interpretierbaren Sachverhalten stark vom sozialen und kulturellen Kontext ab. Politische oder religiöse Ansichten können beeinflussen, wie Aussagen bewertet werden. Alexander Schindler vom Austrian Institute of Technology bezeichnet Desinformation deshalb als ein schwaches und kaum einheitlich definierbares Konzept. Diese Abhängigkeit vom Kontext erschwert besonders die automatisierte Erkennung im Internet und in sozialen Netzwerken.
Auch wahre Informationen können der Desinformation dienen, wenn Tatsachen selektiv hervorgehoben werden. Dieses Vorgehen heißt Cherry Picking. Beim Framing werden Informationen in einen gezielt gewählten Deutungsrahmen gestellt. Ob solche Fälle als Desinformation gelten, kann subjektiv beurteilt werden.
Ein weiteres Problem ist der Nachweis der Absicht. Von außen lässt sich meist kaum sicher feststellen, ob jemand eine falsche Information gutgläubig weitergibt oder wissentlich etwas verbreitet, das er selbst für unzutreffend hält. Nach der Definition gilt nur die zweite Möglichkeit als Desinformation.
Verbreitung in sozialen Medien und durch KI
Nach Angaben der Bundesregierung werden Desinformation und Verschwörungsmythen vor allem über soziale Medien und Messenger-Dienste geteilt. Plattformbetreiber stehen deshalb in der Verantwortung, gegen ihre Verbreitung vorzugehen. Auf europäischer und damit auch auf nationaler Ebene wurden hierfür Regelungen im Rahmen des Digital Services Act beschlossen.
Im Zusammenhang mit generativer künstlicher Intelligenz untersucht die Forschung zunehmend „agentische“ Desinformation. Dabei handeln mehrere KI-Systeme koordiniert, übernehmen unterschiedliche Rollen und passen ihre Kommunikationsstrategien fortlaufend an die Reaktionen des Publikums an. Große Sprachmodelle können überzeugende Kommunikation unterstützen und die technische Automatisierung von Desinformationskampagnen erleichtern.
Typische Beispiele
Ein militärisches Beispiel ist die Operation Bodyguard im Zweiten Weltkrieg. Sie sollte den geplanten Ort der Operation Neptune verschleiern. Die Alliierten verbreiteten unter anderem täuschende Funksprüche und Militärberichte, damit die NS-Führung glaubte, eine große Streitmacht in Ostanglien werde Calais statt der Normandie angreifen.
Politische Desinformation kann der Beeinflussung von Wahlen, der Diskreditierung von Gegnern oder der Rechtfertigung politischer Maßnahmen dienen. Dov H. Levin nennt in diesem Zusammenhang besonders die Vereinigten Staaten und Russland. Nach dem dargestellten Forschungsstand verbreiten die meisten größeren Staatsmächte Desinformation gegen politische Gegner. Bekannte Beispiele sind die sowjetische Behauptung, AIDS sei eine Biowaffe der CIA, und die Behauptung der USA, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen; Letztere wurde unter anderem als Vorwand für den Irakkrieg verwendet.
Soziale Medien können durch Bots, also automatisierte Benutzerkonten, und digitales Astroturfing manipuliert werden. Astroturfing bezeichnet Kampagnen, die den Eindruck einer unabhängigen gesellschaftlichen Bewegung erzeugen. Untersuchungen des Oxford Computational Propaganda Project von 2017 ergaben, dass mindestens 28 Staaten solche Methoden zur Verbreitung von Desinformation einsetzten.
Weitere Erscheinungsformen sind parteiischer Scheinjournalismus und staatlich geförderte Nachrichtenangebote. Auch Wikipedia kann betroffen sein: Im englischen Artikel über den Journalisten John Seigenthaler wurde zeitweise fälschlich behauptet, er sei „direkt in das Kennedy-Attentat verwickelt“ gewesen. Mit Ruwiki entstand außerdem ein kremlfreundlicher Klon der russischen Wikipedia, in dem unerwünschte Informationen gelöscht oder verfälscht werden.