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Passionsspiel
Als Passionsspiel werden christliche geistliche Dramen um die Passion, das Leiden und Sterben Jesu von Nazaret bezeichnet. Karfreitagsspiele, Passionsspiele …
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Begriff und Bedeutung
Passionsspiele sind christliche geistliche Dramen über die Passion, also das Leiden und Sterben Jesu von Nazaret. Sie gehören zu den geistlichen Spielen und standen besonders im Mittelalter und in der frühen Neuzeit in engem Zusammenhang mit der kirchlichen Liturgie. Karfreitagsspiele, Passionsspiele und die thematisch oft verwandten Osterspiele waren damals in ganz Europa verbreitet.
Die Aufführungen können mehrere Stunden oder sogar Tage dauern. Im Mittelpunkt steht die Passion Jesu. Häufig werden zunächst weitere Episoden aus der Heilsgeschichte dargestellt; anschließend folgen Kreuzigung und Grablegung. Manche Passionsspiele enthalten deutlich antijüdische Züge. Heute werden sie vor allem in katholisch geprägten Regionen Bayerns und Österreichs aufgeführt. Die bekanntesten Spiele finden seit dem 17. Jahrhundert in Oberammergau in ununterbrochener Tradition statt.
Entwicklung und überlieferte Formen
Wie weit die Passionsspiele historisch zurückreichen, ist nicht genau feststellbar. Laut UNESCO gelten die Passionsspiele Erl als ältestes Passionsspiel im deutschsprachigen Raum; sie ziehen auch heute noch bis zu 40.000 Besucher an. In Frankreich wurden Passionsspiele auch als Mysterien- oder Mirakelspiele bezeichnet.
Aus dem 13. Jahrhundert sind in deutschen Handschriften zwei Passionsspiele nur bruchstückweise erhalten. Das eine enthält überwiegend lateinischen Text und einzelne deutsche Strophen, das andere ist vollständig deutsch und in den literarischen Kunstformen des 13. Jahrhunderts verfasst. Das Große Benediktbeurer Passionsspiel aus der Zeit um 1230 gilt als einziges vollständig überliefertes lateinisch-mittelhochdeutsches Passionsspiel des Mittelalters. Spätere Niederschriften, etwa das Frankfurter, Alsfelder, Heidelberger, Donaueschinger, Freiburger und Bozner Passionsspiel, weisen meist auf ältere Ursprünge zurück. Ihre Ähnlichkeiten zeigen, dass sich typische Handlungsmuster und Darstellungsformen herausbildeten.
Die älteren Spiele sind melodramatisch gestaltet: Gesprochene Reden wechseln mit Gesang. Besonders lange blieben lateinische Kirchenhymnen Bestandteil der Aufführungen. Neben ernsten Szenen gab es auch possenhafte und komische Episoden. Als szenische Anlässe dienten beispielsweise das Leben Maria Magdalenas vor ihrer Bekehrung, die Höllenfahrt Christi sowie der Einkauf von Salben und Spezereien durch die drei Marien vor dem Besuch des Heiligen Grabes. Simon von Cyrene hilft Jesus beim letzten Abschnitt des Kreuzwegs, das Kreuz zu tragen.
Veränderungen nach Reformation und Aufklärung
Nach der Reformation wandten sich protestantische Dramendichter überwiegend Stoffen aus dem Alten Testament zu. Diese wurden häufig moralisierend behandelt; die Passionsspiele entwickelten sich dabei zu Moralitäten, also zu dramatischen Spielen mit belehrender und sittlicher Ausrichtung.
In den katholisch gebliebenen Gebieten Deutschlands, besonders in den Bayerischen, Tiroler und Salzburger Alpen, bestanden Passionsspiele dagegen fort. Einige bewahrten die mittelalterliche Darstellungsweise, andere wurden inhaltlich und in ihrer Aussage verändert, unter anderem durch Jesuiten und von ihnen ausgebildete Geistliche. Auch ein katholisches Passionsspiel mit einem Stoff aus dem Alten Testament ist überliefert: Das Passionsspiel von Perchtoldsdorf behandelt die Geschichte des verstoßenen Ismael aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 21, Verse 9 ff.
Viele ältere Spiele, die sich bis ins 18. Jahrhundert erhalten hatten, wurden durch die Aufklärung beendet. Unter Karl Theodor und König Max Joseph I. wurden Passionsaufführungen sogar in Bayern verboten. Ausnahmen waren das Waaler Passionsspiel und das Oberammergauer Passionsspiel.
Neben traditionellen Bühnenspielen gibt es besondere regionale Formen. Die Passionsprozession von Škofja Loka in Slowenien entstand 1721, wurde 1999 und 2000 wiederbelebt und beruht auf dem einzigen erhaltenen europäischen Regiebuch aus dem Barock. Sie enthält zahlreiche allegorische Figuren. In Tresdorf im Mölltal wird das Kreuzziehen vorwiegend pantomimisch, in alten Kostümen und jährlich am Gründonnerstag und Karfreitag dargestellt. Seit 2007 gibt es die Gegendtaler Passionsspiele im Krastal mit Dialekt, Musik und viel Sologesang. In Wolfhagen wurde 2023 die Passionsgeschichte vom Einzug in Jerusalem bis zur Begegnung Jesu mit seinen Jüngern in Emmaus aufgeführt.
Passionsspielorte heute
Eine anhaltende Spielpraxis gibt es besonders in Deutschland und Österreich. In Deutschland gehören Oberammergau, Waal, Sömmersdorf, Salmünster, Bensheim, Saarlouis, Chorin, Bramsche/Kloster Malgarten, Zschorlau, Neumarkt in der Oberpfalz, Wuppertal, Hallenberg und Weilheim in Oberbayern zu den genannten Spielorten. Das Oberammergauer Passionsspiel wird seit 1634 aufgeführt, die Spiele in Waal seit 1621, in Sömmersdorf seit 1933 sowie in Bensheim und Salmünster seit 1983. Frühere Spielorte waren unter anderem Stieldorf, Altmühlmünster, Frankfurt-Höchst und Freiberg; für Freiberg sind Aufführungen von 1509 bis 1523 belegt.
In Österreich werden Passionsspiele beispielsweise in Erl, Grinzens, Kirchschlag in der Buckligen Welt, Thiersee, Mettmach, Feldkirchen bei Graz, Dorfstetten, St. Margarethen, Tresdorf, Kilb, Arnoldstein und Krastal veranstaltet. Erl wird seit 1613 genannt, Thiersee seit 1799. Hall in Tirol war ein früherer Spielort; dort sind Aufführungen von 1430 bis 1570 belegt.
Weitere im Artikel genannte Spielorte liegen in Italien, Polen, Slowenien, Tschechien, Frankreich, den USA, den Niederlanden, Ungarn und Belgien. Dazu zählen Bozen, Sterzing, Sordevolo, Kalwaria Zebrzydowska, Wejherowo, Škofja Loka, Hořice na Šumavě, Masmünster im Elsass, Spearfish in South Dakota, Tegelen, Hertme, Budaörs, Schönberg und Kelmis. Tegelen führt Passionsspiele seit 1931 auf, Hertme seit 1953. Damit ist die Passionsspieltradition trotz zeitweiliger Verbote und des Rückgangs älterer Spiele weiterhin in mehreren europäischen Ländern und auch in den USA präsent.