Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Partikel (Wortart)

– Die genaue Unterscheidung zwischen Intensitätspartikeln, Adjektiven und Adverbien ist kontrovers; siehe dazu auch unter Adverb #Adverb und Partikel.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Stellung im Satz
  2. 2. Grad, Fokus und Verneinung
  3. 3. Sprecherhaltung, Gespräch und Ausrufe
  4. 4. Verwendung in anderen Sprachen

Begriff und Stellung im Satz

Partikeln sind im engeren grammatischen Sinn nicht flektierbare, also unveränderliche Wörter. Sie gehören nicht zu Präpositionen, Adverbien oder Konjunktionen. Sie können innerhalb eines Satzes vorkommen, bilden aber keine Satzglieder. Deshalb können sie im Aussagesatz in der Regel nicht das Vorfeld besetzen. Außerdem verlangen sie keine Ergänzungen und haben keine verknüpfende Funktion. Meist besitzen sie keine morphologische innere Struktur.

Die Untertypen von Partikeln sind funktional recht verschieden; oft werden daher vor allem diese einzelnen Klassen beschrieben. Im heutigen deutschen Sprachgebrauch zählt man nur nichtflektierbare Wörter zu den Partikeln, die weder Präpositionen noch Adverbien oder Konjunktionen sind. Es werden bis zu sieben Arten unterschieden. In einigen Dialekten gibt es zusätzlich Fragepartikeln, etwa a in der Deutschkärntner Mundart.

Nicht gemeint sind Vergleichswörter wie als und wie, zum Beispiel in „so alt wie ich“: Sie stehen anders als eigentliche Partikeln nur mit Ergänzungen und werden als Sonderfälle von Präpositionen, Konjunktionen oder als eigene Wortart eingeordnet. Ebenfalls nicht gemeint sind Verbpartikeln oder Verbzusätze wie ein in eintreten und aus in aussteigen. Sie dienen der Bildung zusammengesetzter Verben, gehören aber je nach Fall zu Präpositionen, Adverbien, Adjektiven oder Substantiven und bilden daher keine eigene Wortart Partikel.

Grad, Fokus und Verneinung

Intensitätspartikeln heißen auch Grad- oder Steigerungspartikeln. Sie geben an, in welchem Grad eine Eigenschaft oder ein Sachverhalt vorliegt. Meist stehen sie vor Adjektiven und Adverbien, können aber auch Zahlwörter und Verben näher bestimmen; vor artikelfähigen Substantiven stehen sie nicht. Beispiele sind wenig, etwas, einigermaßen, fast, ziemlich, so, sehr, ausgesprochen, besonders, ungemein, überaus, ganz, äußerst, zutiefst, höchst, zu, überhaupt, gar und beileibe. Viel und weit(aus) verändern ausschließlich Komparative oder Superlative: „sie spielt viel/weit(aus) besser“ und „sie spielt weitaus am besten“. Adjektive wie ungewöhnlich, extrem und absolut können zu Gradpartikeln werden; in Umgangs- und Jugendsprache entstehen etwa irre, wahnsinnig, schrecklich, total, echt, unheimlich, tierisch, schön und hübsch. Die genaue Abgrenzung von Intensitätspartikeln, Adjektiven und Adverbien ist kontrovers.

Fokuspartikeln beziehen sich auf den Fokus, also den Teil eines Satzes mit der höchsten Informativität. Sie rufen Alternativen zum Satzinhalt auf: Restriktive Partikeln wie nur schließen Alternativen aus, additive wie auch schließen sie ein. Beispiele sind allein, bloß, nur, sogar, ausgerechnet, einzig, auch und selbst. Anders als Gradpartikeln verändern sie nicht einfach den Grad auf einer Skala. Sie können Alternativen aber ordnen: Sogar zeigt beispielsweise an, dass das Bezugswort im Kontext überraschender ist als andere Alternativen. Wegen dieser Ähnlichkeit wird „Gradpartikel“ manchmal für beide Typen verwendet. Fokuspartikeln können vor oder nach ihrem Bezugsausdruck und auch in Abstand dazu stehen, etwa „Allein sie / sie allein“ oder „sogar die Gäste haben … / die Gäste haben sogar …“.

Die einzige Negationspartikel des Deutschen ist nicht. Sie verneint einen Satz oder Satzteil. Niemand, nie, nirgends und kein(er) gehören dagegen zu den Indefinitpronomen beziehungsweise indefiniten Adverbien.

Sprecherhaltung, Gespräch und Ausrufe

Modalpartikeln, auch Abtönungspartikeln, drücken die Einstellung des Sprechers zum Satzinhalt aus. Dazu gehören schon, freilich, halt, eben, ja, aber, vielleicht, einfach, doch, bloß, nur und mal. Beispielsweise zeigt „Ich mag halt kein Bier“ eine solche Sprecherhaltung.

Gesprächspartikeln gliedern Gespräche, bestätigen etwas, dienen als Zurufe oder Grüße und können Antworten bilden. Sie sind meist nicht in den Satz eingebettet, sondern stehen oft am Satzanfang oder -ende. Gliederungspartikeln kennzeichnen Gesprächsbeginn und -ende, ordnen Gesprächsschritte oder halten ein Gespräch aufrecht, etwa also, nun, übrigens, na ja, ne? und gell?. Auch Wortgruppen wie weißt du, sag mal und hör mal können sich so verhalten. Rezeptionspartikeln wie hm, hmhm, mhm und ja werden während oder direkt nach einer Äußerung anderer Sprecher hervorgebracht, ohne deren Rederecht infrage zu stellen.

Responsiv- oder Antwortpartikeln drücken Zustimmung oder Ablehnung aus. Sie sind eine sehr kleine Klasse und im Unterschied zu den meisten anderen Partikeln satzwertig: Sie können allein eine vollständige Äußerung bilden. Auf Fragen antworten ja, nein und doch; auf Äußerungen können doch, genau, eben, schon und nein reagieren. Doch ist sowohl antwortend als auch reagierend möglich: Auf „Liebst du mich denn nicht?“ lautet die Antwort „Doch (ich liebe dich)“; auf „Er gehört nicht zu den Bewerbern.“ kann folgen: „Doch (er gehört dazu)“.

Interjektionen oder Ausdruckpartikeln wie oh, schade!, pfui!, hurra!, au!, ach!, oje!, hm! und uff! drücken vor allem in gesprochener Sprache Emotionen aus. Sie können selbstständig stehen oder vor beziehungsweise nach einem vollständigen Satz erscheinen: „Pfui, ist das ein schlechtes Wetter“ und „Sie hat gewonnen, hurra“. Im Satzinneren lassen sie sich normalerweise nicht integrieren, höchstens als Parenthese. Deshalb werden sie in manchen Systemen als eigene Wortart und nicht als Partikeln eingeordnet. Lautmalende Partikeln oder Onomatopoetika ahmen Laute nach, zum Beispiel kikeriki, wau, miau, quak, peng, bumm, ticktack, schwupps!, zack! und ruckzuck!. Teilweise gehen sie in von Verben abgeleitete Inflektive wie plumps, schepper und klirr über; manchmal fasst man sie mit Interjektionen zusammen.

Verwendung in anderen Sprachen

In anderen Sprachen wird Partikel häufig unscharf für Wörter verwendet, deren genaue Wortart nicht weiter bestimmt wird; dieselben Wörter können dann auch als Konjunktionen, Präpositionen oder Ähnliches gelten. Im Japanischen werden bestimmte Hilfswörter, joshi (助詞), so genannt, obwohl sie grundsätzlich als Postpositionen verwendet werden. In semitischen Sprachen wie Arabisch und Hebräisch bezeichnet man teils Präpositionen oder Konjunktionen als Partikeln. Sie bilden dort eine Sondergruppe, weil sie ein- oder zweisilbig sind und sich nicht auf eine dreikonsonantige Wortwurzel zurückführen lassen.

Im Französischen drücken Negationspartikeln eine Verneinung aus. Mehrere Wörter können diese Funktion haben. Sie stehen syntaktisch direkt hinter dem konjugierten Verb und umschließen in der Schriftsprache zusammen mit der universalen Negationspartikel ne das konjugierte Verb und ein mögliches Objektpronomen. Beispiel: „Je ne suis jamais venu ici.“ bedeutet „Ich bin nie hierher gekommen.“

Satzeinleitende Partikeln sind Funktionswörter, die den Satztyp bezeichnen. Beispiele gibt es im Walisischen mit mi/fe, im Hethitischen mit nu und im Luwischen. Walisisch lautet ein Beispiel „Mi nofiodd Mary bob dydd“: „Mary ist jeden Tag geschwommen“. Leiten solche Partikeln Nebensätze ein, ist ihre Abgrenzung zu nebensatzeinleitenden Konjunktionen unscharf. Für Einleitungselemente in Hauptsätzen, wie im Walisischen, verwendet man die Bezeichnung „Konjunktion“ jedoch nicht.

Weiterlesen

Singular ... Numerus (Zahlform). Am häufigsten wird der Singular benutzt, um einzelne Exemplare von Lebewesen oder Sachlichem zu bezeichnen; die Pluralform bezeichnet in … Plural Der englische Plural auf -(e)s ist eine Weiterentwicklung dieses skandinavischen Plurals. Vergleiche hierzu das Wort für den „Arm“: Niederländisch: arm … Flexion In der Grammatik bezeichnet Flexion (lateinisch flexio ‚Biegung'), deutsch auch Beugung oder (österreichisch) Biegung, eine Änderung in der Form eines … Wortart Aber bereits Wortarten wie Adjektiv (Eigenschaftswort) oder Präposition (Verhältniswort) werden nicht für alle Sprachen angesetzt bzw. sind nicht in allen … Präposition Bedeutungseigenschaften · abzüglich, auf, aus, ausschließlich, außer, bei, bis, an, bis auf, bis zu, einschließlich, entgegen, exklusive, für, gegen, gegenüber, … Adverb Adverb (Plural: die Adverbien), auch Umstandswort, in Texten des 18./19. Jahrhunderts auch Nebenwort, bezeichnet in der Grammatik eine Wortart. Konjunktion (Wortart) ... dass (früher daß geschrieben, von mittelhochdeutsch daz, seit dem 16. Jahrhundert häufiger daß oder dass) und ob. Hierbei markiert die Subjunktion ob … Satzglied Der Begriff Satzglied steht im Gegensatz zum Attribut, welches im Satz kein Bestandteil der Haupt-Zerlegung ist, sondern tiefer eingebettet und somit erst als … Morphologie (Linguistik) Die Morphologie (von altgriechisch μορφή morphé, deutsch ‚Gestalt', ‚Form', und λόγος lógos, deutsch ‚Wort', ‚Lehre', ‚Vernunft'), auch: Morphematik oder … Partikelverb Als Partikelverb (auch: trennbares Verb oder Präverbgefüge; nach der englischen Bezeichnung phrasal verb auch phrasales Verb) wird in der Grammatik ein Typ … Feldermodell des deutschen Satzes Es handelt sich um ein Beschreibungsraster, in das verschiedene Sätze nach ihrem Erscheinungsbild eingeordnet werden können, in dem aber weitergehende Aspekte … Zahlwort adjektivisches Zahlwort, quantifiziertes Adjektiv ~ Zahladjektiv, Numeraladjektiv, sechs, (der) zweite, dreimalig, viererlei das meiste, die vielen, die …