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Parataxe
Die Parataxe ist somit das Gegenteil zur Hypotaxe (oder Subordination), der Unterordnung eines Nebensatzes. Während die Bezeichnung Koordination für …
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Grundbegriff und Abgrenzung
Die Parataxe, auch Beiordnung, Nebenordnung oder Koordination von Sätzen, ist die gleichrangige Aneinanderreihung von zwei oder mehr Teilsätzen. Sie bildet den Gegensatz zur Hypotaxe oder Subordination, bei der ein Nebensatz einem anderen Satz untergeordnet ist. Der allgemeinere Begriff „Koordination“ kann auch andere gleichrangige Strukturen bezeichnen; „Parataxe“ wird dagegen häufig auf Satzverbindungen beschränkt.
Sind die gleichrangig verbundenen Teilsätze Hauptsätze, heißt der zusammengesetzte Satz in der deutschen Grammatik „Hauptsatzreihe“. „Parataxe“ bezeichnet sowohl das Verfahren der Verknüpfung als auch dessen Ergebnis, also die Hauptsatzreihe.
Der Begriff wird außerdem in der Literaturwissenschaft für einen Stil ganzer Texte verwendet. Dieser „parataktische Stil“ beruht zwar auf dem grammatischen Begriff, ist aber nicht vollständig mit ihm identisch.
Formen der grammatischen Verknüpfung
Zwei Teilsätze können auf zwei Arten parataktisch verbunden werden:
• Syndetisch: Eine koordinierende Konjunktion wie „und“, „oder“, „aber“ oder „denn“ verbindet die Teilsätze. • Asyndetisch: Es steht kein Verbindungswort; stattdessen werden Satzzeichen wie Komma oder Semikolon verwendet.
In beiden Fällen bleibt die Satzreihe ein einziger zusammengesetzter Satz. Beispiele sind: „Die Kinder sind krank, ich muss zuhause bleiben“ und „Die Kinder sind krank und ich muss zuhause bleiben.“ Das lateinische „Veni, vidi, vici“ bedeutet „Ich kam, sah und siegte“ und ist ebenfalls eine parataktische Reihung.
Im Unterschied dazu werden Nebensätze abhängig an einen Hauptsatz angebunden, häufig durch unterordnende Konjunktionen wie „dass“, „ob“ oder „weil“.
Koordination von Nebensätzen
Auch zwei Nebensätze oder satzwertige Konstruktionen können untereinander gleichrangig und damit parataktisch verbunden sein. Gemeinsam bleiben sie jedoch in eine übergeordnete Struktur eingebettet.
Im Beispiel „Er liegt plötzlich da [ohne sich erheben zu können, getroffen von harten Lichtstrahlen und entblößt jeder Waffe und jeden Muts für den neuen Tag]“ sind „getroffen …“ und „entblößt …“ Partizipkonstruktionen. Das sind Konstruktionen mit einem Partizip, die hier den Wert von Sätzen besitzen und eine adverbiale Funktion erfüllen. Sie stehen als zwei gleichrangige Nebensätze nacheinander und sind daher parataktisch verknüpft.
Parataktischer Stil und seine Wirkung
Ein parataktischer Stil arbeitet auffällig häufig mit einfachen Hauptsätzen und konzentriert sich dadurch oft auf das Wesentliche. Er kann den Eindruck einfachen und wahrhaftigen Erzählens erzeugen oder zahlreiche Bezüge, Fakten und Namen aneinanderreihen. Ebenso kann er aber wie eine undifferenzierte, undialogische Folge bloßer Behauptungen wirken. Der Stil erscheint einerseits trocken und differenziert; andererseits kann er eine lineare Argumentation besonders zwingend darstellen.
Beispiele finden sich bei Franz Kafka, besonders in der Literatur des Realismus und in der Lyrik des Frühexpressionismus. In der Nachkriegsliteratur diente dieser Stil häufig dazu, widersprüchliche, nicht weiter verarbeitbare oder offen bleibende Eindrücke und Probleme nebeneinanderzustellen. In Uwe Johnsons Roman „Mutmassungen über Jakob“ drückt er Unfassbarkeit, Rätselhaftigkeit und Unlösbarkeit aus: Ein Eindruck reiht sich unverbunden und unverstanden an den anderen.
Ein bekanntes Beispiel ist der Beginn des 1. Buches Mose: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“
Grammatik und Stil im Vergleich
Ein parataktischer Stil lässt sich als „signifikante Häufung von Parataxen“ beschreiben, also als häufige Verbindung von mindestens zwei einfachen Sätzen. Für die stilistische Einordnung kommt hinzu, dass durchgehend einfache Sätze verwendet werden und der ungegliederte Hauptsatz dominiert.
Die grammatische Parataxe verlangt dagegen nicht, dass Nebensätze fehlen. Auch vollständige Satzgefüge, also zusammengesetzte Sätze mit abhängigen Teilsätzen, können untereinander parataktisch verbunden werden. In dem Beispiel „Eines Morgens wacht er auf, an einem Tag [den er vergessen wird] und liegt plötzlich da [ohne sich erheben zu können], [getroffen von harten Lichtstrahlen] und [entblößt jeder Waffe …]“ treten mehrere parataktische Verknüpfungen auf. Wegen der zahlreichen grammatisch abhängigen Teilsätze könnte die stilistische Einordnung dennoch „hypotaktischer Stil“ lauten – sofern diese Bauweise für den gesamten Text kennzeichnend ist.
Der parataktische Stil ist somit ein Merkmal auf der Textebene. Er kann auch die Abfolge getrennter Sätze betreffen, zwischen denen die Satzsyntax keine Beziehung mehr festlegt. Die grammatische Parataxe beschreibt dagegen konkrete gleichrangige Verknüpfungen innerhalb einer Satzstruktur.