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Parabel (Literatur)
Die Parabel (altgriechisch παραβολή parabolḗ „Vergleichung, Gleichnis, Gleichheit“, lateinisch parabole und parabola) ist eine mit dem Gleichnis verwandte …
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Definition und Funktion
Die Parabel ist eine kurze, lehrhafte Erzählung und mit dem Gleichnis verwandt. Sie behandelt Fragen der Moral und ethische Grundsätze, indem sie diese in einen anderen Vorstellungsbereich überträgt. Das unmittelbar erzählte Geschehen bildet die Bildebene; dahinter steht eine übertragene Bedeutung auf der Sachebene. Die Lehre kann ausdrücklich genannt oder nur indirekt enthalten sein. Leserinnen und Leser sollen das Gemeinte selbst herleiten und dadurch zum Nachdenken und zu einer Erkenntnis gelangen.
Als Merkhilfe kann man sich die Äste einer geometrischen Parabel vorstellen: Ein Ast steht für die Bildebene, der andere für die Sachebene. Ihr abstraktes Bindeglied liegt bildlich gesprochen im Scheitelpunkt. Dieses gemeinsame Merkmal heißt Tertium Comparationis, also der entscheidende Vergleichspunkt zwischen dem Erzählten und dem Gemeinten.
Rüdiger Zymner bezeichnet die Parabel als Makroform der Uneigentlichkeit. Damit ist eine größere literarische Form gemeint, deren Aussage nicht allein wörtlich verstanden werden soll. Sie steht neben kleineren Formen der Uneigentlichkeit wie Metapher und Ironie.
Eine von Herder eingeführte Nebenform ist die Paramythie, griechisch für „Ermunterung“ oder „Ermahnung“. Sie verwendet Mythen oder mythologische Elemente, deutet sie neu und vermittelt dadurch eine moralische oder philosophische Botschaft.
Sprachliche Gestaltung
Parabeln besitzen eine Verweisungsstruktur: Das Erzählte weist über sich hinaus auf die wirkliche Welt und eine allgemeinere Aussage. Deshalb ist ihre Sprache meist bildhaft. Häufig erscheinen Metaphern, Ironie, Vergleiche und Personifikationen, bei denen etwa Dinge oder abstrakte Vorstellungen wie Menschen dargestellt werden. Hinzu kommen konnotierte Begriffe, die neben ihrer direkten Bedeutung weitere Vorstellungen oder Wertungen hervorrufen.
Abgrenzung von verwandten Formen
Die genaue Definition und die Abgrenzung der Parabel von Fabel und Gleichnis sind umstritten. Nach den Lexika von Wilpert, Braak und Friedrich/Killy ist allen drei didaktischen Formen gemeinsam, dass eine Bildebene auf eine Bedeutungsseite übertragen wird: Man unterscheidet zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten.
Bei einer Fabel gilt der Analogieschluss wegen einer weitgehend durchgehenden Übereinstimmung als leichter erkennbar. Bei Parabel und Gleichnis konzentriert sich der Vergleich dagegen auf einen entscheidenden Punkt. In Lessings „Ringparabel“ entspricht der Ring der Religion. In der Parabel vom verlorenen Sohn, die auch als Gleichnis bezeichnet wird, steht der Vater für Gott und der Sohn für den sündhaften Menschen, der sich bekehrt. Zugleich können solche Geschichten unabhängig von ihrer übertragenen Aussage als selbständige Erzählungen gelesen werden.
Als möglicher Unterschied wird häufig genannt: Ein Gleichnis sei kurz, besitze keine selbständige Handlung und enthalte eine Deutung; eine Parabel sei dagegen länger, habe eine selbständige Handlung und verzichte auf eine Deutung. Diese Unterscheidung ist jedoch umstritten und lässt sich nicht konsequent anwenden, weil die Übergänge fließend sind. Außerdem wird „Gleichnis“ sowohl in der Alltagssprache als auch in der Literatur oft gleichbedeutend mit „Parabel“, „Abbild“, „Bild“ oder „Beispielerzählung“ gebraucht, teilweise sogar mit „Fabel“ und „Metapher“.
Typische Beispiele
Bekannte religiöse Beispiele sind das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11–32 EU), das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1–16 EU) und das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Mt 25,1–13 EU).
Ein wichtiges literarisches Beispiel ist die „Ringparabel“ in Gotthold Ephraim Lessings Drama „Nathan der Weise“. Sie gilt als didaktische Parabel und veranschaulicht ihre Aussage mithilfe des Rings als Bild für Religion. Zu den weiteren bekannten Werken zählen „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1797, Erich Kästners „Das Eisenbahngleichnis“ von 1932, Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ von 1943, George Orwells „Farm der Tiere“ von 1945 und Max Frischs „Andorra“ von 1961.
Franz Kafkas „Eine alltägliche Verwirrung“, „Der Schlag ans Hoftor“ und „Vor dem Gesetz“ werden als paradoxe und absurde Parabeln genannt. Damit zeigt die Auswahl, dass Parabeln nicht nur in kurzen Einzelerzählungen, sondern auch in Dramen und anderen umfangreicheren literarischen Werken vorkommen können.
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